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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ich war's nicht
Eingestellt am 18. 01. 2015 20:46


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nescobar
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2015

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Ein einfacher Satz. Ein letzter Satz. Ein Satz, der sich fĂŒr immer in Ellis GedĂ€chtnis gebrannt hatte. Ein alltĂ€glicher Satz, den sie in ihrem Leben noch öfter hören wĂŒrde. Ein Satz, dessen schmerzliche Erinnerungen es unmöglich machten die tiefen Wunden in ihrem Herzen heilen zu lassen. Als Ben, ihr mittlerer Enkel mit diesen Worten die TĂŒr hinter sich schloss, hatte sie darĂŒber noch lachen mĂŒssen. Ihr war nicht klar, dass dieser Satz der letzte war, den sie von Ben hörte.
Elli war damals mitten in den Vorbereitungen fĂŒr Ihren 80. Geburtstag. Sie konnte auf ein erfĂŒlltes Leben zurĂŒck blicken. Sie hatte einen tollen Mann geheiratet und mit ihm zwei wunderbare Kinder großgezogen. Einen Jungen und ein MĂ€dchen, so wie sie es sich immer gewĂŒnscht hatten. Zudem wurden ihr die drei tollsten Enkelkinder geschenkt, die sie sich wĂŒnschen konnte. Zu Ben, den mittleren der drei pflegte sie ein besonderes VerhĂ€ltnis. Bens Eltern konnten es sich nicht leisten auf ein komplettes Gehalt eines Elternteils zu verzichten und waren somit darauf angewiesen, dass sich Oma Elli in der Zeit um Ben kĂŒmmerte. Somit verbrachte Ben mehr Zeit als seine BrĂŒder bei seiner Oma Elli. Ben liebte seine Mutter, doch Oma Elli liebte er genauso sehr. Als Ben Ă€lter wurde und sein kleiner Bruder geboren war, war es Oma Elli, die immer ein offenes Ohr fĂŒr Ben hatte. Er musste ihr nicht erzĂ€hlen, was ihn bedrĂŒckte. Sie hatte die besondere FĂ€higkeit zu sehen was in Bens Kopf vor sich ging. Probleme konnte er vor ihr nicht Geheim halten und versuchte es erst gar nicht. Er erzĂ€hlte ihr alles, sogar Dinge die er seinen Eltern nicht erzĂ€hlen wĂŒrde. Dinge die man einem besten Freund erzĂ€hlt hĂ€tte. Ben wurde Ă€lter, erwachsen. Aber auch Elli wurde Ă€lter und so wie sie die wichtigste StĂŒtze in Bens jungen Leben war, so wurde Ben ihre wichtigste StĂŒtze auf ihre alten Tage. Elli wusste, dass sie nicht mehr so fit war wie frĂŒher, weder körperlich, noch geistig. Vor allem die neuste Technik erinnerte sie immer wieder an ihr wahres Alter. Irgendwann kam sie an einen Punkt in ihrem Leben, da hatte sie es aufgegeben sich mit diesen Dingen zu beschĂ€ftigen. Sie sei zu alt um die Funktionen dieser GerĂ€te zu begreifen, hatte sie immer wieder gesagt. Und somit griff sie auf altbewĂ€hrte Dinge zurĂŒck, die sie kannte. Ihr Telefon beispielsweise gehörte ebenfalls zu den technischen Herausforderungen in ihrem Haushalt, die sie zu verstehen aufgehört hatte. Wenn es nach Elli ging, machte es immer das Gegenteil von dem, was sie zu bezwecken versuchte. Ben wusste das und immer wenn Oma Elli auf seinem Display als eingehender Anrufer angezeigt wurde, ahnte er bereits, dass wieder etwas mit ihrem Telefon nicht stimmte.
\"Es sagt mir immer, du hĂ€ttest angerufen. \", waren ihre Worte. Mit der Zeit vermutete Ben, dass sie dies als Vorwand nahm, nur um mit ihm zu sprechen. Aber das war fĂŒr ihn in Ordnung, denn somit wurde er daran erinnert, dass er wieder mehr Zeit mit Oma Elli verbringen mĂŒsste. Denn auch wenn er bereits Mitte zwanzig war, waren die GesprĂ€che mit ihr genauso hilfreich wie vor all den Jahren und ihre bloße Anwesenheit beruhigte ihn. Als Bens Telefon ihm auch an dem Tag ankĂŒndigte, dass Oma Elli anrief, ahnte er bereits, dass sie womöglich wieder seine Hilfe benötigen wĂŒrde und so war es auch. Er fuhr vorbei, sah sich das Telefon an und bemerkte sofort, dass es sich lediglich um einen verpassten Anruf handelte, den das stĂ€ndige Blinken auf dem Display signalisierte. Ein weiteres Mal erklĂ€rte er ihr, wie sie das Blinken abstellen könne. Am Ende seines Besuches verabschiedeten sie sich voneinander, als das Telefon zu klingeln begann. Elli fand es schon immer unhöflich laufende Unterhaltungen durch ein Telefonat zu unterbrechen, weshalb sie das Telefon auch dieses Mal klingeln ließ. Noch von der TĂŒrschwelle konnte Ben erkennen, wie das Telefon nach dem siebten klingeln verstummte und das Display zu blinken begann. Auf die Frage, wer sie jetzt wohl angerufen habe, antwortete Ben mit einem Zwinkern, \"Ich war\'s nicht.\" Oma Elli verstand sofort und musste unweigerlich lachen.
Die TĂŒr ging zu. Stille.
Einige Stunden spĂ€ter lĂ€utete Oma Ellis Telefon erneut. Es war nicht Ben, der sie anrief um eventuell zu fragen, ob nun wieder alles funktionierte. Es war seine Mutter. Das zögerliche Melden ihrer Schwiegertochter und ihre zittrige Stimme ließen nichts Gutes erahnen. Und so sollte es sein. 79 Jahre war Oma Elli alt. In nicht einmal vier Wochen sollte sie ihren 80. Geburtstag feiern. 79 Jahre haben sie sich nicht ansatzweise auf so eine Nachricht vorbereiten können. 79 Jahre hat sie gelebt und den Großteil ihres Lebens hinter sich gelassen. 25 Jahre hat Ben gelebt und Ellis Leben noch wundervoller werden lassen. 25 Jahre. Ben hatte den Großteil seines Lebens noch vor sich. Ein letzter Satz. Eine Sekunde. Ein falscher Blick. Man konnte nicht genau ermitteln was Ben letztendlich abgelenkt hat, doch es hat gereicht, um ihm sein Leben zu nehmen. Er hatte keine Chance als sein Wagen aus der Kurve auf den GrĂŒnstreifen geriet und er die Kontrolle verlor. Auch seine letzten Gedanken in den Sekunden bevor der Wagen mit der Seite gegen den Baum prallte werden fĂŒr immer verborgen bleiben. Doch seine letzten Worte hallten noch immer in Oma Elli\'s Ohren. \"Ich war\'s nicht.\"

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DocSchneider
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Hallo nescobar, herzlich Willkommen in der Leselupe!

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Sehr schöne Hommage an eine Oma! Ein paar kleinere Rechtschreibfehler mĂŒsstest Du noch ausbessern.


Viele GrĂŒĂŸe von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

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LyrikAmbition
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Registriert: Jan 2015

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Kommentare: 2
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Ein sehr schön verfasster Text, mit einem tollen Ende!

Positives:
Ich mag deinen Schreibstil. Er unterscheidet sich nicht besonders starkt von Meinem, was wohl auch der Grund dafĂŒr sein wird, dass er mir gefĂ€llt. Du kannst du den Kern der Geschichte herausheben indem zu zum Beispiel Anfangsphrasen wiederholst und am Ende die 25 mit den 75 Jahren vergleichst. Das kommt sehr gut rĂŒber.
Fast am Besten geÀllt mir aber, dass du sehr viele Emotionen so gut vermitteln kannst. Das lÀsst den Text lebendig und glaubhaft wirken.

Negatives:
Es haben sich schon einige Rechtschreibfehler eingeschlichen. Ein oder zwei sind kein Problen, aber nimm dir doch einfach noch 10 Minuten Zeit, bevor du dein Werk hier reinstellst und geh noch mal alles sorgfÀltig durch. Es kratzt etwas an dem schönen Text, was sehr schade ist. Ich persönlich mache es so, dass ich zwei gute Freunde habe, denen ich die Texte zeige und wenn diese keine Fehler finden und ich auch nicht, dann gibt es keine Komplikationen

Liebe GrĂŒĂŸe,
LyrikAmbition
__________________
„Beurteile nie einen Menschen, wenn du seine Geschichte nicht kennst“

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nescobar
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2015

Werke: 2
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Vielen Dank erstmal fĂŒr die Aufnahme und die beiden Kommentare. Mit den Rechtschreibfehlern ist das so eine Sache, das war schon immer meine SchwĂ€che.
GrundsĂ€tzlich gebe ich Dir recht, dass man Texte zur Korrektur von Freunden oder anderen Leuten lesen lassen sollte. In dem Text steckt aber eine Menge meiner persönlichen Erfahrungen. Ich verarbeite in dem Geschriebenen meine Erlebnisse, EindrĂŒcke und GefĂŒhle. Ich möchte dies mit Freunden oder Verwandten nicht teilen. Hier genieße ich einfach die AnonymitĂ€t und sammle nun erstmals auf diesem Gebiet EindrĂŒcke und Meinunge dazun. Ich hoffe, dass es in nĂ€chster Zeit mehr von mir zu Lesen gibt und glaube, dass dieser Prototyp nicht ganz misslungen ist.

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