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Leselupe.de > Kindergeschichten
Ich werde Dir nie mehr wehtun
Eingestellt am 11. 02. 2003 21:03


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Flitzi
Routinierter Autor
Registriert: May 2001

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Ich werde Dir nie mehr wehtun

Im Sommer zogen Jan und seine Eltern in ihr neues Haus am Rande der Stadt. Das Haus war groß und gemĂŒtlich. Außerdem gab es einen riesigen Garten in dessen Mitte ein kleiner Apfelbaum stand.
Den ganzen Sommer ĂŒber war tolles Wetter. Die Sonne schien, es war heiß und Jan konnte jeden Tag in dem neuen Garten verbringen.
Am liebsten nahm er sein Dreirad und fuhr kreuz und quer ĂŒber den Rasen. Seine Mutter sah ihm immer zu und sagte: „Pass auf, dass Du nicht vor den Baum fĂ€hrst!“.
Jan trat in seine Pedalen und sauste weiter im Garten umher. Wenn er eine Pause machte, setzte er sich jedes Mal unter den kleinen grĂŒnen Apfelbaum, der ihm mit seinen BlĂ€ttern viel Schatten spendete.
Selbst zum Mittagszeit, wenn die Sonne glĂŒhendheiß auf den Rasen schien, war es unter dem Baum angenehm kĂŒhl. So wurde dieser Ort schnell Jans Lieblingsplatz im Garten.
Eines Tages langweilte sich Jan fĂŒrchterlich. Seine Eltern hatten zu tun und alle seine Freunde waren in den Urlaub gefahren.
„Könnt Ihr nicht mit mir spielen?“, fragte er seine Eltern. Diese schĂŒttelten jedoch nur beschĂ€ftigt den Kopf.
Jan nahm sein Dreirad und fuhr wieder umher. An diesem Tag machte es ihm aber keinen Spaß. Seine Mutter blickte kurz von ihrer Arbeit auf und rief ihm wieder zu, er solle auf den Baum aufpassen. Da kam ihm eine Idee.
Er drehte den Lenker und steuerte Richtung Apfelbaum. Zuerst fuhr er einige große Kreise um den grĂŒnen Baum, dann ein paar kleinere und anschließend steuerte er auf das Ende der Wiese zu. Dort verweilte er einen kleinen Augenblick, holte tief Luft und trat dann so fest wie nie zuvor in die Pedalen seines Dreirades. Er bewegte sich direkt auf den Apfelbaum zu. Diesmal wich er jedoch nicht im letzten Moment aus. Diesmal fuhr er und fuhr bis es knallte.

Jans Mutter sprang vom Tisch auf und schrie: „Jan! Ist Dir was passiert?“ Sie eilte herbei und hob Jan, der neben seinem Dreirad im Rasen lag, auf.
„Ist nicht so schlimm!“, antwortete Jan, grinste und fragte sie anschließend: „Spielen wir jetzt was zusammen?“.
Seine Mutter ĂŒberlegte kurz und wurde dann ganz ernst.
„Jan! Du darfst nicht aus Spaß gegen den Baum fahren. Du könntest Dich verletzen und außerdem tust Du dem Apfelbaum weh. Der Baum ist genau wie Du ein Lebewesen!“
Anschließend nahm sie sich Zeit, um mit ihrem Sohn zu spielen.
Diesen Abend konnte Jan schlecht einschlafen. Er dachte ĂŒber die Worte seiner Mutter nach. Hatte er dem Baum wirklich wehgetan? Er war sehr schnell und krĂ€ftig gegen den Stamm gesaust. Bestimmt hatte er ihn verletzt. Jan beschloss, gleich am nĂ€chsten Morgen nachzusehen, wie es dem Apfelbaum ging und schlief ein.
Am nĂ€chsten Morgen regnete es jedoch so stark, dass Jan nicht in den Garten gehen konnte. Auch die darauf folgenden Tage war das Wetter schlecht. Es regnete, stĂŒrmte und es wurde kĂ€lter.
Wegen dem ganzen Matsch und Dreck durfte Jan nicht auf dem Rasen spielen und so vergaß er den Baum bis zu dem Tag, als er aus dem Wohnzimmerfenster guckte.
Jan erschrak als er den Apfelbaum sah. Die meisten FrĂŒchte, die er zuvor so fröhlich getragen hatte, waren in die Wiese gefallen und auch einige seiner BlĂ€tter lagen im Gras verstreut. Jan fiel auf, dass die BlĂ€tter nicht mehr so frisch und grĂŒn wie im Sommer aussahen. Sie hatten ihre frische Farbe in ein mattes Rot, Gelb, oder sogar Braun verwandelt. Es gab keinen Zweifel fĂŒr Jan: irgendetwas stimmte mit dem Apfelbaum nicht.
Die darauf folgenden Tage beobachtete er den Baum weiterhin durch das Wohnzimmerfenster. Mit Schrecken sah Jan, dass immer mehr BlĂ€tter zu Boden segelten. Von der StĂ€rke, mit der der Baum im Sommer seine grĂŒnen BlĂ€tter gegen den Wind verteidigt und festgehalten hatte, war nichts mehr zu spĂŒren. Er war so schwach geworden, dass bei der kleinsten Sturmböe haufenweise BlĂ€tter von den Ästen flogen.
Einige Tage spĂ€ter konnte Jan bereits kahle Stellen in der Baumkrone entdecken. Erst ein paar, dann mehrere und dann waren es nur noch ein paar BlĂ€tter, die vereinzelt an den Ästen wippten und auf den nĂ€chsten Windstoß warteten.
Jan wurde traurig. FĂŒr ihn war es ganz klar: der Baum war krank. Und er war schuld daran.
Jan ĂŒberlegte was er tun konnte.
Zwischenzeitlich wurde es kĂ€lter. Der Apfelbaum stand nackt und krank im Garten herum und Jan machte sich Sorgen, dass auch bald der Stamm und die Äste in sich zusammensacken könnten. Er musste etwas unternehmen. Da er schuld daran war, dass der Baum krank geworden war, musste er ihm auch helfen, wieder gesund zu werden.
Zum Arzt konnte er den Baum nicht bringen. DafĂŒr war er zu groß und schwer und er hĂ€tte kaum in das Auto seiner Eltern gepasst.
Also dachte Jan nach, was seine Mutter machen wĂŒrde, wenn er krank wĂ€re.
Da es mittlerweile angefangen hatte zu schneien, kam Jan eine Idee. Der Baum frierte bestimmt, da er ganz ohne seine schĂŒtzenden BlĂ€tter im Schneesturm stand. Jan ging hinaus in den Garten, nahm seinen Lieblingsschal und wickelte ihn um den kleinen Baumstamm. Dann steckte er seine Handschuhe und seine MĂŒtze in ein paar tief hĂ€ngende Äste und sagte dem Baum: „Die Sachen sollen Dich wĂ€rmen, damit es Dir bald besser geht.“
Am nĂ€chsten Morgen sah er, dass der Baum die KleidungsstĂŒcke abgeschĂŒttelt hatte und dachte sich: „Vielleicht hat ihn die Wolle gejuckt.“ Er sammelte den Schal, die Handschuhe und die MĂŒtze ein und brachte ihm stattdessen eine warme WĂ€rmflasche.
Am nĂ€chsten Tag brachte er ihm eine Tasse heißen Tee, danach eine Wolldecke, dann eine WĂ€rmelampe, dann seinen KuschelbĂ€ren. Den ganzen Winter ĂŒber brachte er dem Apfelbaum jeden Tag etwas anderes nach draußen, damit es ihm besser ging. Aber nichts passierte.
Traurig ging Jan zu seiner Mutter und fragte sie um Hilfe:
„Mama, was kann man tun, wenn man jemandem weh getan hat?“
Seine Mutter ĂŒberlegte kurz und sagte dann: „Als erstes sollte man sich entschuldigen!“
Sofort lief Jan nach draußen in den Garten, ging zu dem Apfelbaum und flĂŒsterte Richtung Stamm: „Tut mir leid, dass ich Dir weh getan habe!“. Dann umarmte er ihn und ging wieder ins Haus.
Die nÀchsten Tage wartete Jan ab, ob es dem Baum durch die Entschuldigung besser ging.
Er wartete und wartete. Jeden Morgen lief er nach dem Aufstehen zum Wohnzimmerfenster und schaute hinaus und jeden Morgen sah er den Baum kahl und verschneit im Garten stehen.
Doch eines Tages blinzelte die Sonne durch die Wolken. Langsam wurde es wÀrmer und der Schnee schmolz dahin.
Als Jan wieder aus dem Fenster sah, glaubte er etwas entdeckt zu haben. Er war sich nicht sicher und so stĂŒrmte er in den Garten um genauer nachzusehen.
Und tatsĂ€chlich: an den kleinen braunen Ästen waren winzige Knospen gewachsen. Jan freute sich und gab dem Baum einen Kuss.
Die nĂ€chsten Tage entdeckte er immer mehr Knospen, die immer grĂ¶ĂŸer und grĂ¶ĂŸer wurden und aus denen anschließend neue BlĂ€tter hervorkamen.
Jan jubelte und war ĂŒberglĂŒcklich, als er sah, dass der Baum wieder gesund wurde. Er erzĂ€hlte ihm, wie viel Spaß sie im FrĂŒhling und im Sommer haben wĂŒrden. Dann schmiegte er sich ganz dicht an den Stamm und schwor ihm: „
Und ich werde Dir nie mehr wehtun. Versprochen!“



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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Hallo Flitzi,

eine sehr nette kleine Geschichte.
Irgendwo steht frierte, statt fror.
Es hat mir Spaß gemacht sie zu lesen.

liebe GrĂŒĂŸe
anemone

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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hallo,

ich finde deine geschichte zum heulen schön. das gibt pĂŒnktekens! ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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