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Leselupe.de > Gereimtes
Ich wollte nie ein Dichter sein ...
Eingestellt am 30. 11. 2000 12:55


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TC
???
Registriert: Nov 2000

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Ich wollte nie ein Dichter sein

Ich wollte nie ein Dichter sein, bin ein ungeduldiger Leser, ein Tr├Ąumer, das schwache Glied dieser tr├╝gerischen Gesellschaft ÔÇô ein Faulpelz wohl, nicht mehr, nicht weniger. Unverstanden und verkauft, mit H├Ąnden, viel zu gro├č f├╝r die schlanke, beredsame Feder, mit einem Herz, viel zu einsam, da├č irgendwo hinterm Ozean aufbl├╝ht. Was also soll ich anderes tun, als Sonnenaufg├Ąnge zu schauen, traurig an Dezemberabenden Worte in den grauen Schnee zu treten und Verse zu schreiben? Ich wollte nie ein Dichter sein, doch das s├╝├če, arbeitsame Leben ÔÇô den Bauch gem├Ąstet mit Hoffnung und den Kopf tief gesenkt ÔÇô mi├člingt st├╝ndlich und zerflie├čt in sinnlosen, farbenfrohen Nebeln, die aus der Entfernung betrachtet mir so fremd erscheinen, wie die Menschen, f├╝r die das Leben gemacht ist. Sie flie├čen als graue Armeen die Stra├čen hinauf, klappernd und l├Ąrmend wie ein wirkliches Heer - bis an die Z├Ąhne bewaffnet - und ihr Geschw├Ątz erstickt die Trommel, die noch in Ihnen schl├Ągt, w├Ąhrend ich in Tausend Schicksalen die Liebe neu erfinde und sie ihnen zum Fra├č vorwerfe. Sie werden wahre Helden, diese St├╝mper und ich kann nichts dagegen tun.
Was bleibt also, als zu schreiben? Mein Kopf scheint mir immer mehr ein leeres Gef├Ą├č zu sein, da├č jeden Abend mit flammenden Versen und w├Ąrmender Sonne gef├╝llt wird ÔÇô bis es ├╝berl├Ąuft, und die ganze Suppe meinen Teppich ruiniert. Von diesen Tagen bleibt nur die Erinnerung an einen Schatten, an einen Traum hinter seidenem Tuch ÔÇô unkenntlich gemacht vom Wasser der Zeit und fortgesp├╝lt in die Kloake unserer Ged├Ąchtnisse. Hier trifft sich das Volk und all der Dreck, der P├Âbel, der im Licht keinen Platz mehr fand. Hier z├╝ndet man kleine Gedankenrevolutionen; hier wird gek├Ąmpft, geliebt, geschissen und gelacht, hier verbringen wir die Zeit auf angenehmste Weise. Es gibt blutroten Wein und allerlei Rauchzeug, es gibt glanzvolle Sch├Ânheiten und anbetungsw├╝rdige Augenblicke, die sich in die Adern fressen und Abdr├╝cke hinterlassen. All das Pack mit faustgro├čen L├Âchern in den Taschen, all die stinkenden Leiber, all der M├╝├čiggang ÔÇô euch erhebe ich zur Gottheit in diesem freien Land, ihr seit die wahre Wissenschaft des Lebens: zerissen und in barbarische Lumpen geh├╝llt habt einzig ihr die Macht, euch den grauen Heeren entgegenzustellen. Hoch die Fahnen, oh Freunde, der Tag der letzten Schlacht bricht an, la├čt uns unsere Farben in die Welt brennen und mit mutigem Gesang den Teufel verehren; tausendfach schuldig sind wir l├Ąngst und tausendfach s├╝├čer schmeckt das Leben in der H├Âlle. Hoch die Fahnen, oh Freunde, was wollt ihr vom Leben noch, verloren sind wir lange schon. Verloren im Suff, der uns bet├Ąubt, der die Sch├Ądel h├Ąrtet und Stahlpanzer um die Seele schmiedet, verloren auch in Liebe und Zeit, wir durchflie├čen die St├Ądte wie gl├╝hender Lavastrom, wie Lemminge dem Abgrund zu ÔÇô dann la├čt uns auch wie Lemminge vom m├Ąchtigsten Berg dieser Gesellschaft ins elendige Meer springen, la├čt uns eintauchen ins Pack und elend werden, uns mit Kot bewerfen bis das Herz zum Halse schl├Ągt, der bestialische Gestank die Reihen der grauen Massen aufbricht und unsere Feinde bitter besudelt.
Am Morgen nach der Schlacht t├Ânt die Kapelle mit frohem Tanz, alles was Beine hat, kommt angekrochen und trampelt auf harten Planken den Takt, w├Ąhrend Frauen, fett wie Schinken, mit g├Âttlicher Leichtigkeit im Kreis wirbeln ÔÇô gehalten von ledernen M├Ąnnerarmen, denen die Geilheit aus jeder Pore trieft. Ein Schauspiel, bitter und albern zugleich, absto├čend, doch faszinierend. Das wilde Theater w├Ąlzt sich durch den unschuldigen Sonnenaufgang bis die M├╝digkeit sie besiegt; ich bleibe zur├╝ck, schneide mir ein Loch in den Tag um mich hindurchzuzw├Ąngen, um mit Feder und Papier irgendwo diese Nacht zu verewigen in goldenen Worten, um der Kloake zu entfliehen, um nicht mit ihnen k├Ąmpfen zu m├╝ssen ...
Ich wollte nie ein Dichter sein.
Was also soll ich anderes tun, als Verse zu schreiben?

__________________
B. Rock City$
TC

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TC
???
Registriert: Nov 2000

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Hallo Bignose

verzeih mir die Jungends├╝nden - der Wahnsinn der Erkenntnis kommt sp├Ąt, du wei├čt.
Und doch bin ich der Meinung, es hat Berechtigung, denn in dem Augenblick war es wichtig.
Was es nat├╝rlich nicht besser macht.

Gr├╝├če,
der gelehrige Sch├╝ler
__________________
B. Rock City$
TC

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