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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ich würde dir Geld geben
Eingestellt am 21. 08. 2012 23:46


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Beate Fuhrmann
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2012

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Kommentare: 1
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Ich würde dir Geld geben

„Weißt du, wie ich illegal an eine Waffe kommen kann?“ – „Eh – wie – wie bitte?“ stammelte ich nach einem kurzen Schweigen. Ich war sprachlos. „Weißt du, wie ich illegal an eine Waffe kommen kann?“ wiederholte er seine Frage. „Nein, das weiß ich wirklich nicht“, antwortete ich nach einem erneuten Zögern. „Nur weil ich im Jugendheim arbeite, heißt das doch nicht... Also, wenn du mich fragen würdest, wie du an Drogen kommen könntest, dann könnte ich dir vielleicht weiter helfen…“ Ich sagte das scherzhaft, aber ich war beunruhigt. Verunsichert. Was sollte die Frage? „Warum fragst du das?“ Schweigen. Dann sagte er: „Ist schon gut. War nur ´ne Frage…“ Er wechselte das Thema, und ich ließ mich darauf ein, aber ein seltsamer Nachgeschmack blieb, auch noch, als ich schon lange den Hörer aufgelegt hatte.

Ich kannte ihn noch nicht lange, etwa ein halbes Jahr. Nach meiner Trennung war ich in ein Loch gefallen – Depression hatte mein Arzt das genannt. Ich hatte versucht, da wieder raus zu kommen. Der neue Sportverein war eine der „Maßnahmen“. Ich hatte eine ganze Menge verändert in meinem Leben. Ich wollte ein neues Leben anfangen! Umzug, neue Aktivitäten – bloß nicht in Traurigkeit versinken! Ich brauchte Kontakte in diesem neuen Stadtteil.
Schon beim Probetraining war ich auf ihn aufmerksam geworden, bzw. hinterher, als sie noch auf ein Getränk in die Kneipe gingen. Das Angebot mitzukommen hatte ich gerne angenommen. „Du suchst eine neue Tätigkeit?“ hatte er sich eingemischt und mich fragend angeblickt. Da könne er mir vielleicht weiterhelfen. In seiner Firma suche man gerade Leute - und er hatte mir seine Visitenkarte gegeben. „Ruf mich doch an, wenn du Zeit hast, dann kann ich dir gerne mehr erzählen...“
Ich war neugierig und ich war aufgeregt. Zwei Tage später rief ich ihn an. Es war ein langes Gespräch, zunächst ging es um eine mögliche Bewerbung, dann wurde es privater. Seine Firma suche Leute wie mich, sicher könne er da etwas tun. Ich solle mir doch mal die Webseite anschauen. Ob ich mir den Job zutrauen würde? Dann erzählte er vom Verein, er war schon lange dabei; ja, er war auch geschieden…
Einige Wochen später verabredeten wir uns nach dem Training zum Essen. Es wurde ein schöner Abend, wir erzählten uns unsere Beziehungskisten, ein intensives Gespräch, Vertrauen, Nähe. Ich fühlte mich gut und betrachtete ihn als Freund, wirklich, mehr war da nicht, er war ja auch viel älter als ich…

Er war da, wenn ich einen Rat brauchte. Er war auch da, wenn ich Hilfe brauchte. Ich war da, wenn er jemanden zum Zuhören brauchte. Ich war auch da, als er krank war. Ich fuhr zu ihm hin und kochte etwas. Das war es, was ich unter Freundschaft verstand.
Die Frage nach der Waffe hat mich beschäftigt. Oder soll ich sagen beunruhigt? Er hatte sie gestellt, kurz bevor er in Reha gefahren war. Es waren nicht die Knieprobleme, von denen er unseren Vereinskameraden erzählt hatte. Es waren psychische Probleme. Aber das wusste nur ich. Angeblich.
Was will er mit einer Waffe? Sich an jemandem rächen? Sich selber umbringen? Oder will er nur Aufmerksamkeit? „Mach dir nicht so viele Gedanken“, sagte eine Freundin, die in der Psychiatrie arbeitete. „Er will nur Aufmerksamkeit. Mach dir mal keine Sorgen. Der tut sich schon nichts an.“ Damals wusste ich nichts von dem Selbstmordversuch. Wenn es denn einer war.

Mehr als zwei Monate vergingen, bis ich ihn wiedersah. Ich hatte den Eindruck, es ging ihm noch schlechter als zuvor. Ich wollte mich kümmern, da sein für ihn. Stundenlang hörte ich ihm zu, am Telefon. Dann hatten wir eine Verabredung zum Essen. „Warum hast du mich das gefragt, damals“, fragte ich ihn, als wir auf das Essen warteten. „Was denn?“ – „Na, ob ich wüsste, wie man illegal eine Waffe kommen kann.“ Verwundert schaute er mich an. „Das habe ich dich gefragt?“ Ich starrte ihn an. „Ja – weißt du das denn nicht mehr?“ Er verneinte, strich sich über seinen Bart und lenkte vom Thema ab. Ich war fassungslos. Da mache ich mir wochenlang Gedanken und er - er erinnert sich noch nicht mal an die Frage – meine Freundin hatte Recht, er wollte sich nur wichtig tun.
Ich fragte mich, warum ich mich auf Treffen mit ihm einließ. Ich konnte mich selber nicht verstehen. Mutter-Theresa-Syndrom oder so etwas? Holte ich meine Befriedigung daraus, gebraucht zu werden? Ich habe nie darüber nachgedacht, ob er in mir mehr sehen könne als eine Freundin, ehrlich. Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob er mich attraktiv fände. Ich fand es schön, einen Freund zu haben, ganz ohne Hintergedanken. Dann bemerkte ich, dass er sich immer mehr in meine Angelegenheiten einmischte. Auch ungefragt. Das störte mich dann doch. Und er war so negativ; es war schwer, in aufzumuntern.
Und dann kam es zum endgültigen Bruch.

„Lass uns essen gehen“, hatte ich ihm gesagt. „Komm raus aus deiner Bude, sonst kriegst du noch mehr trübe Gedanken!“ Er war krank geschrieben. Nach einer Weile und nach all meinen Überredungskünsten hatte er zugesagt. Aber er wolle unbedingt chinesisch essen und ich solle mir etwas überlegen. Als er mich dann abholte, hatte ich mir auch etwas überlegt – konnte ich denn wissen, dass das thailändische Restaurant montags geschlossen war? Also landeten wir doch beim Italiener, aber seine Laune hatte sich verschlechtert. Es war zu laut, wir mussten zu lange warten… An allem hatte er etwas auszusetzen. Wir sprachen über die Vereinskameraden, über seine Gesundheit, über eine neue Freundin, die er in der Reha kennengelernt hatte, aber an Einzelheiten unseres Gesprächs kann ich mich nicht mehr erinnern. Es ging um Beziehungen, ja, und ganz unvermittelt sagte er dann: „Ich würde dir Geld geben, damit du mit mir ins Bett gehst!“ Ich starrte ihn an. Ich konnte nicht glauben, was ich da gehört hatte. Ich stand nicht auf. Ich bin nicht gegangen. Ich wünschte, ich hätte es getan. Stattdessen brach ich ihn Tränen aus. „Was ist denn los? Rede mit mir!“ sagte er. Aber ich hatte keine Worte. Als er zahlte, bestand ich darauf, meinen Anteil zu übernehmen. „Was ist denn los? Was habe ich falsch gemacht?“ fragte er wieder. Ich ließ mich von ihm nach Hause bringen. Er tat immer noch verwundert. Ich konnte es nicht glauben. Nicht, was ich da gehört hatte und nicht, wie er jetzt reagierte. Ich war verwirrt. Ich war verletzt. Ich hatte mir das doch nicht eingebildet! Und er tat so, als sei nichts geschehen, als erinnere er sich nicht an seine Worte. Wie damals, als er mich nach der Waffe gefragt hatte…
Ich sah ihn weiterhin beim Training. Aber er kam nur noch selten. Die Knieprobleme, versteht sich…

__________________
Beate Fuhrmann
Bonn

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petrasmiles
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Hallo Beate,
eigentlich eine sehr traurige Geschichte, weil es wie eine Freundschaft aussah und dann implodierte.

Dadurch, dass Du die Frau zur Ich-Erzählerin gemacht hast, nimmst Du Dir die Chance, die Gründe offensichtlicher zu gestalten. Jetzt sieht es so aus, als sei wirklich allein der Wunsch des Mannes, notfalls auch dafür zu zahlen, der Auslöser gewesen für das Ende. Aber ist er das wirklich?

Wenn ich mir vorstelle, ich habe einen langjährigen älteren Freund, mit dem ich schon viele vertrauensvolle Stunden verbracht habe, und eines Tages konfrontiert er mich mit solch' einem Ansinnen ... ich würde ihn zunächst einmal anlachen, vielleicht in den Arm nehmen und einen flotten Spruch drücken, der ihm unmissverständlich klar macht, was ich davon halte.
Aber unabhängig davon, was diese Konfrontation mit mir macht, würde ich auch spüren, dass dieser Mann ein Bedürfnis hat und nicht weiß, wohin mit sich. Dann müsste man darüber reden, ob da zwei Menschen vielleicht unterschiedliche Auffassungen davon haben, was da gerade freundschaftstechnisch passiert bzw. passieren kann. Manche Männer - das ist meine Erfahrung - stellen über Sex Nähe her, die sie manchmal gar nicht anders herstellen können. Genauso möglich ist die andere Variante, dass weibliche Aufmerksamkeit immer auch sexuell motiviert aufgenommen werden kann, aber dafür spricht nichts in deinem Text.

Männer ticken anders, aber dass sie das Ende einer Freundschaft riskieren, weil sie ihrer Freundin so 'blöd' kommen wie einer Frau, mit der sie nur Sex haben wollen, das passt irgendwie nicht.
Abgesehen von der Nähe stellt der Akt des Bezahlenwollens nicht unbedingt eine Abwertung der Frau dar, sondern es kann - gerade auch in einer wie von Dir geschilderten Zusammensetzung - ein Akt der Demut in der Art sein 'ich kann mir vorstellen, dass Du mich nicht begehrst, aber würdest Du denn mit mir schlafen, wenn es einen Vorteil für Dich hätte'. (Ich denke, wir brauchen nicht darüber zu streiten, dass sich Frauen tagtäglich mit ihrer Begehrtheit Vorteile verschaffen.)

Etwas ist während der Zeit davor falsch gelaufen und Dein Text gibt keinen Hinweis darauf, was es war. Im Gegenteil ist das abrupte Ende nach dem 'unsittlichen Angebot' in Form einer 'empörten Unschuld', die die Welt nicht mehr versteht, für die Darstellung der Komplexität kontraproduktiv.

Abgesehen von dieser durch das Ende hervorgehobenen Problematik tauchen immer wieder Motive auf, die dann wieder in der Versenkung verschwinden und unaufgelöst bleiben - als seien all' die Szenen nur dazu da, zu illustrieren, was das für ein merkwürdiger Typ war:

- die Frage nach der illegalen Pistole
- das Jobangebot, das nie konkret wurde -
- sein (angeblicher) Selbstmordversuch
- das 'angeblich' bei den psychischen Problemen

Was hat das alles für die Geschichte zu bedeuten?

Anderes verstärkt zwar den Eindruck, als wäre da etwas Ungutes abgelaufen:

- er mischte sich ein - viel zu pauschal eingestreut
- er war so negativ - viel zu pauschal
- er bekommt schlechte Laune, weil sie nicht das richtige Restaurant herausgesucht hat - sehr sehr grenzwertig

aber das Fazit ist dann, dass sie nie auf die Idee gekommen wäre, dass das etwas mit einer 'Beziehungsannäherung' zu tun haben könnte, sondern dass das alles Freundschaft sei. Allenfalls ein bisschen 'Mutter Theresa'.

Das war keine Freundschaft, es war vielleicht eine rechtzeitig beendete Begegnung mit einem psychisch kranken Menschen, der einem nicht gut tut, weil man selbst sich nicht abgrenzen kann, vielleicht eine Geschichte des mutwilligen Ignorierens von Signalen (wo ist die Grenze zwischen 'helfen' und 'einmischen'?), was auch immer, das Ende passt nicht, weil die Motive fürs Handeln und damit die handelnden Menschen selbst schwammig bleiben.
Du hast das 'Geld geben' nicht geknackt.

Liebe Grüße
Petra
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug für Gutwerter!

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Beate,
ich finde die Geschichte vorstellbar und durchaus realistisch. Ein psychisch gestörter Mann, der seine Gefühle nicht rüberbringen, kann trifft auf einsame Frau, die ein Helfersyndrom auslebt, nicht merkt, was los ist.

Ein paar kleine Fehler würde ich noch ausmerzen. Und kleine Textänderungen vornehmen.

Ich hatte eine ganze Menge verändert in meinem Leben. Ich und wollte ein neues Leben anfangen!

Ich war neugierig und ich war aufgeregt.

Es waren psychische Probleme. Aber das wusste nur ich. Angeblich.
Was will er mit einer Waffe?


Mach dir nicht so viele Gedanken“, sagte eine Freundin, die in der Psychiatrie arbeitete. „Er will nur Aufmerksamkeit. Mach dir mal keine Sorgen. Der tut sich schon nichts an.“

Na, ob ich wüsste, wie man illegal an eine Waffe kommen kann.“

Da mache ich mir wochenlang Gedanken und er - er erinnert sich noch nicht mal an die Frage –

Ich habe nie darüber nachgedacht, ob er in mir mehr sehen könne als eine Freundin, ehrlich.

Und er war so negativ; es war schwer, ihn aufzumuntern.

Aber er wollte unbedingt chinesisch essen und ich sollte mir etwas überlegen.

Stattdessen brach ich ihn Tränen aus.

Was habe ich falsch gemacht?“, fragte er wieder
Hinter Fragezeichen und Ausrufezeichen wird ein Komma gesetzt, wenn der Satz so weitergeht. Da sind noch mehr solche Stellen in deinem Text.

Manchmal stören die vielen ..... Setz doch einen Punkt oder mache etwas mehr Absätze.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen (ohne Helfersyndrom), den Text noch etwas runder zu machen.
LGUwe

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