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Leselupe.de > Kindergeschichten
Igelhochzeit
Eingestellt am 20. 06. 2010 23:09


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Estrella fugaz
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Endlich ist der lange Winterschlaf beendet. Jetzt bin ich aber hungrig! Wo ist noch die Stelle, an der es im April kurzfristig Futter gibt? Ich sprinte los, so schnell ich kann, schwups durch Hecken und GĂ€rten – ach, da ist die Terrasse. Ja! Ich erinnere mich! Hallo, noch kein Futter da? Oh, die TĂŒr geht auf, ich bekomme einen Tritt von einem nackten Fuß. Die Frau, die kenne ich schon vom letzten Jahr. Sie schreit auf:
„Aua, was hat mich denn da gestochen? Ach, ein Igelchen! Na, du? Bist du endlich aufgewacht? Ich habe schon immer geschaut, wann ihr zum Fressen kommt. Der Winter war so lang und hart. Einen Moment, ich bereite dir schnell eine Mahlzeit zu.“
Na, wird aber auch Zeit, mein BĂ€uchlein knurrt ganz laut. Es dauert nur einen Moment, dann ist sie wieder zurĂŒck. Das klappt ja prima, ganz so wie im letzten Jahr. Ich stĂŒrze mich voll ins Futter und fresse, so schnell ich kann. Dann trotte ich davon, um mir zum Nachtisch noch ein paar KĂ€fer und Larven zu suchen. Ich höre noch, wie die Frau sagt:
„Wo ist eigentlich die hĂŒbsche Igeldame vom letzten Jahr? Habt ihr zusammen in einem Nest geschlafen und euch gewĂ€rmt? Sicher kommt sie auch bald.“
Das gibt es doch nicht, da kommt sie tatsÀchlich in diesem Moment angetippelt, lÀuft zu unserem Futterort und lÀsst sich die zweite zubereitete Mahlzeit schmecken. Mit diesem Igelweibchen hÀtte ich gern angebÀndelt, aber ich traue mich nicht. Oder ob ich es doch einfach mal wage? Ja! Ich will mutig sein!

„He du, bist du gut durch den Winter gekommen? Wie heißt du eigentlich?“
„Ich heiße Minni. Der Winter war schrecklich, fast einen Monat lĂ€nger mussten wir schlafen. Wie heißt du denn?“
„Ich bin das Fritzchen, so hat mich die Frau getauft, als ich noch ganz klein war und fast verhungert wĂ€re.“
„Mich hat sie auch gerettet, Fritzchen. Sie gab mir auch meinen Namen. Ist doch gut fĂŒr uns, jetzt fĂŒr unsere leeren MĂ€gen ein paar Happen zu bekommen. Da es gestern geregnet hat, lassen sich die RegenwĂŒrmer gut aus dem Rasen ziehen. Hmmm, die sind lecker. Hast du Lust, mit mir zusammen essen zu gehen?“
SelbstverstĂ€ndlich habe ich Lust. Es wird richtig romantisch. Plötzlich haben wir den selben Wurm, jeder ein Ende von ihm, in den MĂ€ulchen. Unsere Nasen stupsen aneinander. Schön, mir wird ganz warm. Anschließend bringe ich Minni nach Hause. Dort zeigt sie mir ihr warmes, weiches Nest unter einem dichten GebĂŒsch. Richtig gemĂŒtlich hat sie es sich gemacht. Hier könnten gut ein paar Igelkinder aufwachsen, so geschĂŒtzt und mollig weich.

Wir treffen uns jetzt jede Nacht und gehen zusammen auf Nahrungssuche. Ich glaube, ich habe mich verliebt! Ob ich es Minni mal sage? Ich habe Angst, dass sie mich auslacht. Egal, es ist inzwischen Sommer, wenn wir Kinder haben wollen, wird es Zeit, damit sie bis zum Herbst groß genug sind fĂŒr die lange Ruhezeit.

Abends treffen wir uns auf der Terrasse, ich bin so aufgeregt. Minni berĂŒhrt mich leicht mit ihren Stacheln. Ein Schauer lĂ€uft mir durch den Körper. Sie mag mich! Sie mag mich! Ich beginne sie zu umkreisen, das ist der Hochzeitstanz. Ganz still bleibt sie liegen und genießt es, dass ich um sie herum renne, immer und immer wieder. Ich komme völlig aus der Puste, schnaufe schon wie eine Lokomotive. Das muss aber alles so sein, ohne Werbung wird Minni mich nicht erhören, dann gibt es keine Hochzeit. Wie lange muss ich denn noch laufen?

Plötzlich öffnet sich die TĂŒr. Die Frau kommt heraus, ihr grĂŒnes Nachthemd weht im Wind. Sie fuchtelt mit ihren HĂ€nden herum, die in gleichfarbigen Gummihandschuhen stecken. Nun greift sie mich und geht ein StĂŒck durch den Garten. Bevor sie mich in das Gras setzt, sagt sie:
„Ihr mĂŒsst euch doch hier nicht raufen, ausgerechnet nachts auf meiner Terrasse, wenn ich schlafen will. Es ist furchtbar laut. Außerdem verletzt ihr euch womöglich.“

Ist die dumm? Weiß sie nicht, dass wir gerade heiraten wollen? Nun hat sie meine Braut Minni in den HĂ€nden und trĂ€gt diese ans andere Ende des Gartens. Was fĂ€llt der eigentlich ein? Ich bin empört. Am liebsten wĂŒrde ich jetzt losrennen und ihr meine Stacheln in die Beine stechen. Aber, sie kann ja auch so freundlich sein. Schließlich bekommen wir immer Futter im FrĂŒhjahr. Im SpĂ€therbst werden dann die Stachelkinder, wenn sie noch zu wenig Gewicht haben, um durch den Winter zu kommen, von ihr versorgt. Aber fĂŒr heute ist mir jedenfalls die Lust vergangen.

In der nÀchsten Nacht treffe ich mich wieder mit Minni auf der Terrasse. Nach drei Stunden Hochzeitstanz heiraten wir, ganz ungestört.

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Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

Version vom 20. 06. 2010 23:09
Version vom 21. 06. 2010 16:00

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Estrella fugaz
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Seit dem zweiten Anlauf des IgelmĂ€nnchens, weiß ich, dass seine Werbung drei Stunden dauert. Nun habe ich im Sommer nachts Ohropax wegen der Igel-HochzeitsnĂ€chte bereit liegen.

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Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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