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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ihr Hund
Eingestellt am 01. 04. 2011 11:24


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Mara Krovecs
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2003

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Ihr Hund ist davongelaufen, trifft den Förster, der Wald ist noch dunkel, ĂŒberall schlafende Tiere, es ist nebelig, ein Hamster scharrt im Gras, ein Auto hupt aus der Ferne, die Schar Rehe neben dem einsamen Hund erschrickt und springt davon, ein Uhu fĂŒttert seine Brut, der Mond dreht sich und blinkt in die Wolken, ihr Hund beginnt zu laufen, er lĂ€uft ohne Pause, lĂ€uft und lĂ€uft, spĂ€ter wird der Förster von einem Wolf erzĂ€hlen, der sich in seinem Wald angesiedelt hat;

sie muß ihren Hund finden, in der Ferne, aus dem Morgennebel heraus, zeichnet sich eine Burg aus dem Wald, meine Waldburg, denkt sie, und sie sucht und sucht in dem Nebel, der die Burg umhĂŒllt.
"Hier wird mein Hund sein, hier finde ich ihn."
Der Mond schaut traurig, gleich wird die Sonne aufgehen.


Als sie erwacht, ist es vier Uhr frĂŒh. Es wird hell, aus dem Fenster blickend, sieht sie ziehende Wolken.
"Es scheint windig zu werden", seufzt sie, wÀhrend sie ihr Bett macht. Sie wird nicht wieder einschlafen können, wie all die Tage vorher.
WÀhrend sie Teewasser aufsetzt, hört sie ihre Katze maunzen.
Rasch geht sie zum Fenster und lÀsst sie hinein.
Ihren Hund hat sie vor zehn Jahren verloren, durch ein UnglĂŒck, fĂŒr einen neuen hat sie keinen Mut.
Ein altes Kinderlied summend, deckt sie den FrĂŒhstĂŒckstisch.
Auf dem Amt wird sie ihr zweites FrĂŒhstĂŒck einnehmen, mit einer Kollegin, und spĂ€ter werden die TĂŒren fĂŒr Kundschaft geöffnet.
Als sie an den Aktenberg nach ihrem Urlaub denkt, fĂŒhlt es sich an, als hĂ€tte sie Bauchschmerzen, wie frĂŒher in der Schule, vor einer Klassenarbeit.
Sie trinkt den heißen Tee, der nach FrĂŒchten und Sommer duftet. Ihr Blick, der ĂŒber das BĂŒcherregal schweift, fĂ€llt auf zwei Schatullen, die im Glanz der frĂŒhen Sonne schimmern.
"Als ob sie leuchten", spricht sie in die Stille zu sich.
Sie springt auf, geht flink darauf zu und öffnet eine davon.
Sie lÀchelt, wÀhrend sie drei filigrane Geschmeide aus Gold in ihre HÀnde legt.
"So ein warmer Schein," murmelt sie, "fast wie ein Klang. Wie lange ist es her, dass ich sie fertigte? FĂŒnf Jahre?
Sieben? Nein, es sind sogar zehn Jahre!"

SpĂ€ter, als die Schatullen wieder verschlossen sind, der Tisch abgedeckt und sie angezogen, nimmt sie ein Staubtuch, um ein wenig sauberzumachen, vor ihrem Dienst. Als sie die Wohnung verlĂ€ĂŸt und einen letzten Blick in die Stube wirft, sieht sie, wie ĂŒber und unter den BĂŒchern aus dem Regal Staub fliegt, fast tanzt, wie winzige Wesen aus einer anderen Welt. Er flirrt durch das Zimmer, licht, wie von der Morgensonne geschickt und legt sich sacht auf die entstaubten Möbel. Sie schließt die TĂŒr.

Als sie am Abend heim kommt und sich nach ihrem langen Arbeitstag erschöpft ins Bett legt, kommen sie wieder, ihre TrÀume.

Ihr Hund ist gefangen, in einem Kerker, in dem es dunkel ist und kalt. Er bellt und bellt, in ihren Ohren ensteht ein finsteres Konzert aus BÀssen und schrÀgen Tönen, er lÀuft durch den Nebel, in der NÀhe gurgelt ein See, GrÀser streifen ihre nackten Beine, Zweige greifen nach ihren Haaren und Armen, ihr Hund weint laut, so weit entfernt und doch wie ganz nah, ihr Herz schlÀgt schnell und kraftvoll.
"Finde ihn", pocht es,"finde ihn und bring ihn nach Haus".

C. Mara Krovecs

Version vom 01. 04. 2011 11:24

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