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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ihr Leben
Eingestellt am 01. 07. 2002 18:25


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Ann-Kathrin Deininger
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Sep 2000

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Sie sitzt am Tisch. Sie wartet. Ihr Kopf schmerzt. Im Wasser löst sich eine Tablette. Es ist nicht die erste. Das Wasser sprudelt und schĂ€umt. Sie schaut mit leerem Blick in das Glas. Die Tablette steigt an die OberflĂ€che. Das Wasser sprudelt nicht mehr so stark. Die Tablette wird zu weißen Flocken, die durch das Wasser treiben. Sie zersetzen sich. Das Wasser wird wieder klar.
Ihre erschöpfte Hand nimmt das Glas. Sie trinkt. Meistens hilft es wenig gegen ihre Kopfschmerzen. Mit den Kopfschmerzen ist es wie mit dem Schnee. Sie kommen, sie bleiben, sie verschwinden. Im Moment bleiben sie. Sie bleiben immer öfter. Sie bleiben wie die Schmerzen im RĂŒcken. Sie bleiben wie die Schlaflosigkeit, die sie nachts umherwandern lĂ€sst. Der Arzt hat gesagt, ruhen Sie sich aus. Sie hat sich nicht ausgeruht.
Sie hat ihm FrĂŒhstĂŒck gemacht. Sie hat sich angehört, was er heute zu erledigen hat. Sie hat ihn zur Arbeit geschickt. Sie hat die Kinder geweckt. Sie hat sie angezogen und gewaschen. Sie hat ihnen Essen gegeben. Sie hat das Badezimmer geputzt, wĂ€hrend die Kinder das Schlafzimmer durcheinander brachten. Sie hat die KĂŒche aufgerĂ€umt, als die Kinder im Wohnzimmer den Saft verschĂŒtteten. Sie hat seine Mutter abgeholt. Sie hat sich zeigen lassen, wie sie seine Socken stopft. Sie hat die Knöpfe an seine Hemden genĂ€ht. Sie hat die WĂ€sche gewaschen und die gewaschene aufgehĂ€ngt und die trockene gebĂŒgelt. Sie hat die Flecken aus dem Wohnzimmerteppich gewaschen. Sie ist mit den Kindern zum Spielplatz gegangen. Sie hat die MĂŒtter der anderen Kinder betrachtet, wie sie mit ihren MĂ€nner glĂŒcklich waren. Als sie zu Hause war, hat sie die Fenster geputzt. Sie hat wieder die Kinder gefĂŒttert. Sie hat die KĂŒche geputzt und die Kinder in die Badewanne gesetzt. Sie hat sie gewaschen und sie mit Schaum vollgespritzt. Sie haben gelacht. Sie hat den Haushalt gemacht. Am Abend hat sie ihm Essen gekocht und gewartet, dass er nach Hause kommt. Sie hat die Kinder ins Bett gebracht und ihnen vorgelesen. Sie hat versucht ihre RĂŒckenschmerzen zu vergessen. Sie hat die Kopfschmerzen zurĂŒckgedrĂ€ngt, bis sie die Wohnung sauber gemacht hatte. Sie hat das Essen warmgehalten und gewartet. Sie hat Tabletten geschluckt und gewartet. Sie hat sich nicht ausgeruht. Sie wird sich auch morgen nicht ausruhen.
Sie sitzt am Tisch. Ihre HĂ€nde umschließen das Glas. Es ist leer. Sie vermisst ihre Mutter. Sie seufzt leise, als sie seinen SchlĂŒssel in der TĂŒr hört.

__________________
Ein Raum ohne BĂŒcher ist wie ein Körper ohne Seele.

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inken
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Ann-Kathrin

...sie sollte die Kinder nehmen und einfach verschwinden.
Ein bedrĂŒckendes Schicksal schilderst du da in deinen kurzen knappen SĂ€tzen sehr nachvollziehbar, obwohl mir ein wenig zu viel die geputzt wird an einem Tag.
Liebe GrĂŒĂŸe Inken.

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tina Y
Hobbydichter
Registriert: Jul 2001

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hallo,

bin beeindruckt!!!!!!!!!
super geschrieben.
konnte deine zeilen ERleben und zurĂŒck blieb ein gefĂŒhl der beklemmung und erkenntnis:SO IST ES (leider) oft.

liebe grĂŒsse, tina
__________________
haftung trÀgt der leser ;-)

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Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Ann-Kathrin,

obwohl hier keine Spannung zu spĂŒren ist, hast Du die Story ganz gut hinbekommen. Du beschreibst einen Alltag wie er so hĂ€ufig vorkommt. Ich wette, diesen Alltag wird sie nie verlassen, obwohl sie es so gern möchte. WĂ€re aber mal schön, eine Fortsetzung zu lesen. Vielleicht wagt sie ja doch noch den Schritt!?!

Gruß,
GUIDO

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Ann-Kathrin Deininger
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Sep 2000

Werke: 57
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Hallo Guido!

Es ging mir auch in diesem Text nicht so sehr um die Spannung als vielmehr um die Beschreibung ihres Alltags, der stets gleich ablĂ€uft und von ihr nur als ermĂŒdend und bedrĂŒckend empfunden wird.
An eine Fortsetzung habe ich bisher noch nie gedacht, weil ich der Ansicht bin, dass sie dieses Leben nicht Àndern wird. Sie mag zwar den Wunsch dazu haben, doch liegt dieser in weiter Ferne wie ein Traum. Ihr fehlt es an der StÀrke, diesen Traum auch zu leben.


__________________
Ein Raum ohne BĂŒcher ist wie ein Körper ohne Seele.

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