Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
375 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Im Anfang war das Wort...
Eingestellt am 28. 10. 2004 12:41


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. a 2Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. b 4In ihm war das Leben, und das Leben war das cLicht der Menschen. 5Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.

Mit diesen bedeutungsschweren und wohl allseits bekannten Worten beginnt das Evangelium des Johannes. Ich will diese Worte zunächst nicht weiter beleuchten, ich lasse ihr mystisch-verklärendes Licht vorläufig ohne das Gegenlicht meines analytisch-kritischen Scheinwerferkegels – oder matten Taschenlampenstrahls eigener Erklärungs- und Interpretationsversuche: das soll der Leser am SchluĂź selbst einschätzen – glänzen. Ich will sie jetzt einfach nur nutzen als Ausgangspunkt fĂĽr einige Ăśberlegungen zum Thema „Macht der Bilder“. Am SchluĂź komme ich auf "des Johannes Wort“ zurĂĽck.

Im Anfang war das Wort – eine solches Urteil impliziert zwangsläufig die Fragen nach der Mitte und – dem Ende. Wenn also im Anfang das Wort war – das Wort Gottes ist natĂĽrlich gemeint –, und wir das Spiel mit dem eigentlich nicht faĂźbaren metaphysisch-transzendentalen Begriff „Anfang“ weiterspielen, dĂĽrfen wir guten Gewissens fragen: was heute denn sei und was letztlich einmal sein wird, an einem Ende der Geschichte, einem Endpunkt menschlicher Zivilisation. (Die Frage, ob es den je geben wird und wann, verbietet sich, wenn wir, wie gesagt, das Spiel mit der gegebenen Prämisse nicht faĂźbarer metaphysisch-transzendentaler Begriffe aufnehmen und in seinen begrenzten Regeln fortsetzen.)

Als „Spielbrett“ bietet sich die bekannte logische Form des dreigliedrigen Syllogismus an:

Urteil 1 – Im Anfang das Wort respr. Gott resp. Paradies resp. „heile Welt“.
Urteil 2 – nicht explizit enthalten und damit frei einsetzbar.

Konklusion: ?

Bleibt die Frage, was setze ich fĂĽr Urteil 2? Mir fallen spontan ein: Gewalt, Kälte, Schweigen. Und: Bilder. Ja, Bilder, die vereinigen eventuell alle Schlechtigkeiten, alle Dekadenz dieser Welt, und sie stellen eigentlich auch den nächstliegenden Gegensatz zum „Wort“ dar. Ich setze also und erhalte als Konklusion:

Im Anfang war das Wort, im Ende wird sein das Bild.

Das klingt schon recht deftig. (Die Worte des Johannes haben noch immer ihre Faszination, auch wenn wir sie auf heutige Verhältnisse anwenden.) Aus lauter Lust am Sprachspiel möchte ich nun diese Form der Syllogismenbildung einmal fortsetzen:

- Im Anfang war das Ende offen. Im Ende ist – SchluĂź.
- Im Anfang gab es Möglichkeiten. Im Ende werden wir unsere Unmöglichkeit begriffen haben.
- Im Anfang lockte Entwicklung und Ziel – das Paradies, wir als gottgleiche Wesen. Im Ende stehen die Machtverhältnisse, die Kräftekonstellationen, die Abhängigkeiten unverrĂĽckbar: Jeder hat sein Bild von der Welt, vom anderen...
- Im Anfang gab es die Freiheit der Wahl und der Interpretation. Im Ende haben wir uns verwählt und sind – von Bildern – hoffnungslos gefangen und unendlich verwirrt.
- Im Anfang stand das Wort – der Hoffnung. Im Ende stehen – Bilder gegen Bilder, wie Waffen gegen Waffen...

Das sind sicher Sätze, die trotz erkennbarer WidersprĂĽche – vor allem aus der Präposition „im“ resultierend – den heutigen Zustand unserer „visualisierten Medienwelt“ und eine mögliche Entwicklung auf einen endgĂĽltigen Zustand hin auf denkbar extreme Weise beschreiben. Ein Zustand dĂĽrfte dies sein, bei (bzw. „in“?) dem keine weitere Veränderung, keine zusätzliche Visualisierung etc. denkbar scheint...

Nun taucht natĂĽrlich die Frage auf: Was eigentlich ist ein Bild, wenn davon soviel Wirkung, ja Macht, Gewalt, „Ungöttlichkeit“, Zerstörung ausgeht. Ich stöbere im Internet, finde ein paar Zitate aus Schlingensief-Interviews jĂĽngerer Zeit:

- Berlin - Die weltweite Ausstrahlung des Videobandes mit der Festnahme des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein war für den Theaterprovokateur Christoph Schlingensief "die perfekte Inszenierung der Macht der Bilder". Schlingensief verwies auf die Bilder vom 11. September 2001 mit den einstürzenden Türmen des World Trade Center. "Das ist jetzt der Revanche-Coup", sagte Schlingensief am Montag. Der Berliner Regisseur brachte am vergangenen Freitag am Wiener Burgtheater das Stück "Bambiland" mit Texten von Elfriede Jelinek zum Thema "Irak-Krieg und die Medien" heraus. "Die Amerikaner haben von ihrem Lieblingssender el Dschasira sehr viel gelernt", meinte Schlingensief zu dem Saddam-Video. "Bin Laden hat die starken Bilder vom 11. September, dem wollten die Amis etwas entgegensetzen, was sie nun mit Pik As geschafft haben. Da müssen auch die Zähne gezeigt werden wie bei der Überprüfung der Zahnlücke bei Hitler."Bilder des "bärtigen Mannes im Erdloch" vergisst man nicht so schnell.

- Die Bilder hätten total die Macht übernommen, meinte der Regisseur, der auch in seiner jüngsten Inszenierung sehr stark mit filmischen Elementen arbeitet. "Kalt lässt einen das nicht, das vergisst man auch nicht so schnell, diesen bärtigen Mann im Erdloch", meinte Schlingensief.

- "Wir reagieren alle auf die Macht der Bilder indem wir glauben, jetzt ist es vorbei und wir haben endlich Ruhe. Dabei ist nur eine Person mit einem langen Bart gefasst worden, die mal Saddam Hussein war oder auch noch ist. Wir werden weiter geschult in der Verblödung durch Bilder, weil wir uns unter einem Islamisten weiterhin jemand mit einem Rauschebart vorstellen, der sich mit Ketten auf den Rücken schlägt. Politik braucht nun mal Bilder mehr um zu überzeugen als Inhalte." (APA/dpa)


Ich schluĂźfolgere: Ein Bild ist etwas,

- was wir sehen,
- was auf uns Eindruck macht,
- was uns beruhigt, ablenkt, aber auch aufschreckt, traumatisiert,
- was mehr Behauptungen enthält als Fragen (und zwar Behauptungen, die wir mit Tatsachen verwechseln),
- was unseren Vorstellungen Gestalt und Richtung gibt,
- was uns beeinfluĂźt, suggeriert, manipuliert, lenkt,
- was uns in einen Bezug zu unserer Welt setzt,
- was unsere ästhetischen Empfindungen formt,
- was unsere kurzfristigen Entscheidungen steuert,
- was uns langfristig unverlierbar sein kann,
- was uns die Ordinaten unseres Systems und unserer Stellung darin veranschaulicht und also

Macht ĂĽber uns hat.

Dazu paßt ein Statement zum Thema von Florian Rötzer:

Bilder sprechen bekanntlich die Emotionen von Angst bis Mitgefühl oder Wut viel direkter an als Worte, sie können auch traumatisierend sein. Bilder, die immer nur eine Szene, einen Ausschnitt darstellen, aber keinen differenzierten Einblick in ein Geschehen bieten können, beeinflussen schnell und wahrscheinlich auch langfristig die Wahrnehmung. Die Beteiligung, die sie evozieren können, wenn es um grausame Szenen geht, wischt die Gleichgültigkeit beiseite, aber damit auch die "objektive" Distanz des Beobachters. Bilder vereinseitigen, sie sind "perspektivisch" für die Wahrnehmung.

Trotzdem fĂĽhle ich mich nicht so recht wohl mit diesen Erklärungen, gewonnen bei den bisherigen metaphysisch-transzendentalen „SpielflĂĽgen“ von der Startrampe der Johannesworte aus in unsere Gegenwart und wahrscheinliche Zukunft, und den versuchsweise zeitgemäßen, vernĂĽnftigen Verallgemeinerungen auf der Basis aktueller Aussagen aktueller Größen. Meine ehrlich bemĂĽhten Analysen zum Wesen der Bilder wollen mir nicht wesentlich zum Kern des „Pixel-Pudels-“ vordringen. Was sind denn wirklich Bilder, wie geht man mit ihnen um... Soll ich denn immer die Augen zumachen, wenn ich eine Illustrierte sehe, jemand den Fernseher laufen läßt oder an der Hauswand ein neues Plakat klebt? Das entzöge mich doch auch nicht den EinflĂĽssen dieser Welt...
Nach längerem Rätseln, wie ich mich „unmanipulierbar“ verhalten könne, beschlieĂźe ich, es einmal mit einer Erweiterung des „Bildbegriffes“ ĂĽber die gewöhnliche Vorstellung hinaus zu versuchen. Denn: könnten Bilder nicht viel mehr sein als Ă–lschinken, Werbeplakate, CNN-TV..? Was, wenn wir alle Informationen, die wir aufnehmen, als Formen plausibler und damit prägender, beeinflussender, manipulierender Bilder begriffen? Dann wäre es mit dem SchlieĂźen der Augen nicht getan, wir mĂĽĂźten uns die Ohren zuhalten, die Nase, wir mĂĽĂźten unseren Verstand ĂĽberhaupt anhalten: Wir könnten nicht mehr leben.
Trübe Aussichten. Ich mache mir dennoch die Mühe, den Bildbegriff auf all jene Erscheinungen zu erweitern, die mich und andere Menschen offenbar zu manipulieren in der Lage sind. Ein Bild, so ergibt sich unter Einbeziehung bisheriger Betrachtungsweise und dem neuen Aspekt einer Erweiterung über die Konvention hinaus, ein Bild könnte somit sein

- ein Bild, wie wir es kennen: Aquarell, Gemälde, Zeichnung...
- eine Beschreibung von Ereignissen in Schriftform, als Erzählung, Roman, Bericht, Gedicht...
- eine vorgeblich „wissenschaftliche Lehre“ mit spekulativen Anteilen,
- eine Glaubenslehre,
- eine Verfassung,
- eine Ideologie, also Weltanschauung, also Sichtweise auf die Welt: Bei bestimmten Sichtweisen erhält man ein bestimmtes „Bild“...
- ein Mythos. (Letztere Bildform dĂĽrfte die haltbarste, wirksamste, fĂĽr die Manipulierung am besten geeignete Form des Bildes sein. Ihren „Pixel“ –Elementen gestehen wir – auf Grund ihres Alters, ihrer „WĂĽrde“ und „denkmalsgleichen Selbstreferenz“ – die größte Echtheit zu.)

Die Bildmächtigkeit von Bildern im konventionellen Sinn, vor allem aber von „Bildwerken“, wie ich sie nach der getätigten Erweiterung begreife, liegt auf der Hand. Ich benutze ab jetzt dafĂĽr den Begriff der Ikone. Solche lassen sich nutzen fĂĽr

- die Ausgestaltung eines Raumes,
- die Gestaltung unserer Vorstellung ĂĽber eine bestimmte Person, Zeit, Epoche etc.,
- die Formung unserer Sichtweise auf die Welt, auf bestimmte Probleme,
- die Beeinflussung unserer Denkweise im Bereich von Ethik, Moral, Selbstwert- u. SchuldgefĂĽhlen etc.,
- die Bestimmung unserer Lebenseinstellungen und - ziele
- die Steuerung unserer Entscheidungen, unseres Willens.

Im Gebrauch der Ikonen – der auch die letzte, härteste Stufe, den „Kampf der Bilder“ (bekannte Worte: Bilderstreit, Ikonoklasmus ) einschlieĂźt –, passiert also, daĂź

- ein Raum häßlicher oder schöner wird,
- wir zu einer Vorstellung ĂĽber eine Zeit, eine Epoche, eine Person kommen...
- unser „Weltbild“ und unser Problemverständnis geprägt wird,
- unsere Ethik, unsere Verhaltensweisen in der Gesellschaft bestimmt werden,
- unsere gesamte Sozialisation, hierarchische Stellung in der Gesellschaft, unsere Abhängigkeiten definiert werden.

Das heißt im Extremfall: Ikonen liefern die Vorlage für Illustrationen verschiedenster Art, angefangen vom raumschmückenden Element über das Theaterstück und die Operette, bis hin zu Verfassungen, Notstandsgesetzen, Einschränkungen demokratischer Grundrechte, Kriegen...
Sie liefern desgleichen die Begründung für die Zerstörung akzeptierter, anerkannter Bilder und deren Ersatz durch neue. (Die angeblich bilderfeindliche Zeit der calvinistischen Reformation verzichtete nicht einfach auf Bilder oder stürmte und zerstörte diese; sie ersetzte die überkommenen alten bildlichen Götzen in den Kirchen durch bildhafte Anweisungen für das Leben des guten Christen: Sparsamkeit, Arbeitseifer, Glaubenstreue, Bescheidenheit, Untertanengeist etc... Stets löst ein neues Bild ein altes ab. Zerstörung bezieht sich immer nur auf das alte Bild. Nicht auf Bilder an sich...)

Zeitungsberichte:

Der Auslandskorrespondent Uwe Kröger kennt das Dilemma, ein Kriegsberichterstatter zu sein: "Das Problem dieses Konfliktes war, dass es eigentlich keine Bilder gab, die den Krieg wirklich darstellten." Die Computeranimationen aus dem Pentagon, die schreienden Moslems und ein paar Geschütze der Nordallianz - das sei nur ein kleiner Teil der Wahrheit gewesen. "Die wirklichen Ereignisse haben wir nicht mitbekommen."

Für Aufregung sorgten nach dem Anschlag in New York auch die Bilder von jubelnden Palästinensern, die ebenfalls um die Welt gingen. Bis heute ist nicht klar, ob sie echt sind, ob sie für die Kameras inszeniert wurden oder ob sie aus einem anderen Zusammenhang stammen. Desinformation. Zensur. Die Wahrheit ist bekanntlich das erste Opfer des Krieges. Bleibt die Frage, wie sich die Pressefreiheit seit dem 11. September verändert hat?

„Die Ikonographie der Septemberverbrechen besticht vor allem durch die Macht der Bilder. Die Szene mit den einstĂĽrzenden TĂĽrmen steht als Zeugnis einer unumstößlichen Wirklichkeit vor Augen, die die unsichtbare KriegsfĂĽhrung fĂĽr die Ă–ffentlichkeit legitimiert. LieĂź man sich zu sehr durch die Macht dieser Bilder leiten? Fest steht: Auf die sichtbare Katastrophe folgte der unsichtbare Krieg.“


Jetzt wird mir unsere „Bilderwelt“ klar:

- Hinter jedem Bild gibt es weiteres.
- Wer dem ersten sichtbaren glaubt, ist am stärksten getäuscht worden, weiß am wenigsten, ist am abhängigsten und dümmsten.
- Das letzte uns erkennbare Bild ist eine Festung, eine Plattform, ein Panzer: ein Mythos. Aber auch der ist keine Wahrheit an sich, also folgen hinter ihm weitere Bilder.
- Je mehr Bilder hinter den Bildern erschaut und begriffen werden, umso größer die potentielle Macht.
- Wer das Schauen der Bilder hinter den Bildern erlernt, erlangt Macht.
- Alle MachtausĂĽbung ist das Spiel mit Bildern.

Und ich weiĂź, wer welche Macht hat und inwieweit ich mich ihr entziehen oder „gegenmächtig“ werden kann...

AbschlieĂźend noch ein Wort zu Johannes. Im Anfang war das Wort – ein schönes Bild, wir sehen plastisch einen wie auch immer vorgestellten Herrgott, wie er mit gewaltigem Gebraus ĂĽber die Ursuppe hindonnert und die gottgleiche Schöpfung schöpft... Und wir ĂĽbersehen das Bild hinter dem Bild: Den Mythos vom Anfang. Denn ein Anfang kann nur ein Moment sein, ein differentiell gegen Null gehender Augenblick. Wenn Johannes sagt „im Anfang“, mĂĽssen wir, als kritische Seher der Bilder hinter den Bildern, fragen: Wie lang war denn der? Dauerte er Jahre, Jahrhunderte, Ewigkeiten?
Im Prinzip beantwortet Johannes die Frage, vielleicht unwissentlich. Er spricht im weiteren Text davon, daĂź das „Wort Fleisch ward“. Demzufolge reicht sein Anfang vom Urchaos bis zur Geburt von Jesus. Währte demzufolge bis zur Geburt von Jesus das Paradies? Dann wäre Jesus derjenige, der paradisische Zustände erst aufhob, quasi der Antichrist...
Man sieht, bei genauerem Schauen werden die Bilder hinter den Bildern sichtbar. Wir brauchen nicht wegsehen, wir mĂĽssen nur genauer hinsehen.
Und das scheint mir ĂĽberhaupt der „point“ all der Diskussionen um Pixel- und picture-Macht zu sein: Es geht nicht um das Ausweichen vor Bildern. Es geht um das Dahinterschauen. Um die kritische Wertung. So verflĂĽchtigen sich die davor liegenden Bilder, die LĂĽgenhĂĽllen, die man uns präsentiert, von selbst. Johannes sei Dank. (Bzw. der Person oder Interessengruppe, die hinter dem Namen des Johannes steht und nach ihrem „Bilde“ dieses bildhafte Wort prägte.)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Waldemar Hammel
Häufig gelesener Autor
Registriert: Dec 2002

Werke: 8
Kommentare: 2028
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Waldemar Hammel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe Penelopeia,

da hast Du Dir ein ganz schön schwieriges Thema ausgesucht, welches Du allerdings in -find ich- sehr hervorragender Weise ausführlich und tiefdenkend bearbeitet hast.
Das ist nicht falsch und eine dankenswerte FleiĂźaufgabe.

Indes:
Was auch Dich letztlich mit der Sache "nicht zu Potte kommen" und Dich im üblichen Gedanken-Labyrinth verbleiben lässt, ist die Tatsache, dass Du den Spruch aus Johannes nicht historisch betrachtet hast, also als ein Kettenglied einer viel größeren Kette, die lange davor beginnt.

Große Teile der chrstl. Bibel sind aus assyrischen, babylonischen, altpersischen Unterlagen nicht so sehr direkt abgeschrieben, sondern meist "vergriechischt" kolportiert (das war: Kochrezept Alexandrien, damals unter den Ptolomäern). Herauskommt dann etwas, das sprachlich so aussieht, wie wenn man ein an sich klares Bild durch eine getönte Mattglasscheibe anschauen würde, dh., man erkennt zwar noch die Herkunft des Kolportierten, aber es ist entstellt, mal mehr, mal weniger.

Ein Beispiel dafür ist die biblische Schöpfungslegende, deren Ursprung das GILGAMESCH-Epos ist, das man mittlerweile fast komplett und in mehreren Versionen auf Tontafeln gefunden hat, und der aus Zeiten lange vor der Bibel stammt, eine lokale Heldengeschichte über die Stadt "Ur" (im heutigen Iraq) und ihre Fürsten, von denen einer der schwule(!) Königssohn Gilgamesch war.
Während aber dieses Epos eine fast logische, jedenfalls ganz plausible und alltägliche Story erzählt, natürlich mit Heldenglanz eingefärbt, wird dieselbe Geschichte in der Bibel derart entstellt, dass sie nur noch als Fantasie durchgehen kann, zumal in der Bibel dabei dann Phylogenese mit Ontogenese vertauscht wird, was der Geschichte komplett ihren Sinngehalt nimmt.
Diesen historischen Zusammenhang sehend, würde die biblische Schöpfungslegende -in der LL geschrieben- mit einer "6" bewertet werden müssen = ungenügend.

Genau dasselbe ist nun mit dem Beginn des Johannes-Evangeliums der Fall. Es war nicht: "Am Anfang war das Wort, usw...", sondern die Sache stammt aus der alt-israelitischen Religion (zB im Pentateuch nachzulesen), aber da heiĂźt die Formulierung:

"Die Welt ist aus Sprache gemacht"

(und zwar gemeint: EXKLUSIV, dh., sie besteht nur, ausschlieĂźlich daraus)


Mit "Sprache" ist dabei nicht so sehr unser Alltagsgebrabble gemeint, sondern Sprache = Kommunikation, und Kommunikation = heute sagt man: "Wechselwirkung", soll heißen: Die Welt ist dynamisch, sie ist Dynamik, und sie ist in anderer Weise überhaupt nicht denkbar (womit alles Vergänglichkeits-Geseiere wegfällt, bzw. nur bedeutet, dass man "Welt" nicht verstanden hat).

Ganz kurz:
Nach dieser Vorstellung (..die Welt ist aus Sprache...)stellt das gesamte Weltinventar Buchstaben und Buchstabenketten aus dem alles einschlieĂźenden Namen Gottes dar, die alle zusammen -irgendwann in der richtigen Reihenfolge- WIEDER (wie zu Anfang) den "wahren Namen Gottes" bilden werden. Hat "Welt" diesen Zustand erreicht, wird sie untergehen, weil sie nur noch aus dem richtigen Wort besteht, dann zu Gott hin "ausflieĂźen" = nicht mehr von IHM unterscheidbar sein.
Bis dahin ist "Welt" eine Buchstabenketten-Permutationsmaschine ("im Auftrag Gottes") auf der Suche nach dem ultimativen Wort, welches schlieĂźlich ihre Weiterexistenz gegenstandlos machen wird.
Währenddessen sind alle Teile des Weltinventars als unverletzlich, als heilig anzusehen, weil sie am Ende notwendige Bestandteile aus dem Namen Gottes sind, die noch gebraucht werden, was heißt, dass jede Manipulation daran einem Fluchgebet gegen Gott gleichkommen kann = Gotteslästerung, und das nicht mal unbedingt wegen der Art der konkreten Manipulation, sondern aufgrund der göttlichen Forderung, dass Einsicht bestehe, Verantwortung beim menschlichen Handeln, was per Lesen des Weltbuches zu erlernen ist, wobei den willigen Schülern Fehler/Sünden vergeben werden können (man denke das mal im Hinblick auf Umweltschutz, Tierschutz usw., und im Blick auf die chrstl. Formulierung "Macht euch die Erde/Welt untertan")

Diese althebräische Denkfigur ist außerordentlich reichhaltig bzgl. der aus ihr folgenden Implikationen, sogar naturwissenschaftlich. Das erspare ich hier.

Von diesem Hintergrund faselt "Johannes", wenn er undeutlich schildert, wie anfangs Gott und das Wort eins seien, danach getrennt, und sich am Ende wieder vereinigen wĂĽrden (soweit kommt er aber nicht mal, weil er vorher Richtung Genesis abdriftet) Der hatte definitiv nicht verstanden, um was es bei dieser Vorstellung ging (wenn man davon ausgeht, dass "Joh." ĂĽberhaupt ein realer Mensch war).

Ein "richtiger Johannes" mĂĽsste lauten:
"Am Anfang war der Name Gottes = das Wort (gemeint ist: Dynamik, Kommunikation), und die Welt trägt nicht sein Signum unter anderem, sondern sie IST exklusiv sein Signum, und am Ende wird diese Welt das Anfangswort darstellen, aus dem sie geboren wurde, und somit der Notwendigkeit ihrer Weiterexistenz enthoben sein.
(Das Jammertal Welt besteht daraus, den richtigen Namen Gottes noch nicht zu kennen (und das gilt für Staubkörner, Menschen, Sonnen gleichermaßen, denn alles ist eins), und alle Leiden zusammengefasst sind, auf das Wiedereinswerden mit IHM noch warten zu müssen, und die "Gute Hoffnung" ist, dass diese Vereinigung mit Gott am Ende unabwendbar ist", und die Kraft ist, dass vor diesem Hintergrund alle Teufels zu Asche werden.)

Johannes geht stattdessen den "barocken Weg", indem er ein überirdisches Licht erscheinen lässt, das nicht begriffen worden sei usw., bei ihm thronen Gott und Lichter wie Barockfürsten über "Welt".

Diametral anders die althebräische Schilderung:
Ihr alle seid untrennbar Welt und somit untrennbar Teile vom großen Namen Gottes, das "Licht" ist in euch allen, unverlierbar, und es ist auch dann, wenn ihr nichts begreift = das Buch Gottes, welches diese Welt darstellt, nicht lesen könnt oder nicht lesen wollt.

Nach Johannes leuchtet dann (typisch statische, magische Vorstellung) ein unverstandenes Licht über einer finsteren Welt. Erinnert mich an das Bild Dürers "Melancholia". Die Begründung für diesen Zustand, wie es kommen mag, dass ein derart unübersehbares Leuchten von blöder Welt trotzdem nicht "gefasst" wird, bleibt Johannes schuldig, und das ist nur konsequent, denn genau daraus entwickelt er im Folgenden seine Evangeli-Tragödie.

Im Hebräischen dagegen:
Ein Gott, der selbst nur in Form von Dynamik ist, der nur aus Sprache = Kommunikation besteht, der nicht "mitten in der Welt", sondern "Welt selbst" ist, kann gar nicht -wie Luther sagte "mit seinem rath verziehen" und somit fern sein, er ist im Gegenteil, was immer man anstellen mag, stets mitten dabei, unabtrennbar, nichts ist denkbar, ohne diesen Gott gleichzeitig mitzudenken. Somit ist jedes Tun und Handeln ein Tun in diesem Wort ( = Gott), in diesem Licht, es gibt keine Möglichkeit, dem zu entkommen.
Damit ist alles Sein (egal ob tot oder lebendig) stets und unentrinnbar Gottesdienst (oder Gottesfluchen) im Sinne von "unter seinen Kautelen handeln".
Einer der größten Irrtümer ist die Formulierung von Nikolaus von Cues "Alles Seiende ist nur ein Gleichnis" (und damit also irgendwie abstrakt, inhaltslos, beliebig, für sich allein genommen wertlos)
Im Gegenteil: Alles Seiende ist völlig ernst gemeint, und es braucht gar nicht auf anderes hinzudeuten, also ein Symbol, ein Zeichen, ein Gleichnis für Anderes, zB Göttliches zu sein, es braucht nur sich selbst zu meinen und zu sein, denn IN ihm ist das Licht, nicht außerhalb. Es steht nicht als Platzhalter für Göttliches, sondern es ist selbst Teil von Gott. Und "alles Seiende" könnte auch gar kein Zeichen für anderes sein, denn alles Sein ist Dynamik, und kann daher nur sein, indem es quasi nie ist, weil es niemals "SO ist", weil es sich ständig verändert (bei jeder Wechselwirkung werden beide Teilnehmer verändert)

Johannes hat dann natürlich das Problem, wie sich das Auseinanderklaffen zwischen Licht und Finsternis wieder zusammenbringen lässt.

In der hebräischen Denkfigur, aus der er abgekupfert hat, gibt es dies Problem jedoch überhaupt nicht. Nicht das Getrenntsein von Gott und Mensch ist das Thema, denn ein solches Geschiedensein ist (oben geschildert) unmöglich, sondern die Umgangsweise miteinander.
Die göttliche Forderung, dass vom quasi bewusstlos Seienden wenigstens der Mensch (als "SEIN Sohn") einsichtsvoll und verantwortlich handeln soll ( = ethisch, moralisch usw), und nur das ist überhaupt Diskussionsstoff zwischen Gott und Mensch, weil diesem Menschen doch der Grund für die Existenz der Welt mitgeteilt sei ( = Offenbarung), nachzulesen für menschliche Hirne und Augen im jederzeit gegenwärtigen Weltbuch selbst, und die Konterkarierung dieser Forderung per menschlichem real-stattfindendem Denken und Handeln. "Denken", weil alles Handeln im Denken beginnt, und weil in Sprache gedacht wird, ist die Ursache aller Verbrechen, ihr Beginn, stets ein Sprachverbrechen im Denken.

Bei einem Johannes (und chrstl. generell) löst sich die Diskrepanz zwischen den Absichten Gottes und jenen der Menschen erst am Ende der Welt auf, in Form des Gottesgerichts, und während Welt aktuell stattfindet, ist Gott fern.
In der hebr. Vorstellung ist Gott untrennbar stets gegenwärtig, er sitzt quasi mit am Tisch, mit im Klo, mit im Auto, usw.., er ist ein unentwegter Mitverschworener dieser Sache "Welt und Sein", und er fordert jede Sekunde Rechenschaft und hinterfragt, und ist sogar zu mancher linken Tour bereit, wenn Mensch sie ihm nur gut begründen kann (siehe Rabulistik, "Milchmann Tevje" u.ä.). Das ist kein Brockfürst-Gott, kein passiv thronender Fürst, sondern "Einer wie Du und ich", ein ganz aktiver, ein immer wacher sogar Mittäter, mit dem man Pferde klauen kann, wenn man es nicht übertreibt.

Aus einem solchen Gott lassen sich freilich keine chrstl. Evangelien schnitzen, und ein solcher Gott hat auch nicht das Problem, ob am Ende Bilder oder wieder das Wort "sein werden", denn Bilder sind auch nur Kommunikation und Dynamik, auch, wenn sie als "Bilder" vorĂĽbergehend statischen Zeichen- = Hinweis-charakter haben sollen.

Bearbeiten/Löschen    


Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Kettenglied der größeren Kette...

Hallo Waldemar,

danke fĂĽr Dein genaues Lesen meines Textes und die sehr umfangreiche Erwiderung. Ich bin doch einigermaĂźen erstaunt, daĂź meine Gedankenwelt auch fĂĽr andere ein akzeptabler Aufenthaltsort zu sein scheint...

Ja, ob ich nun zu „Potte“ gekommen bin oder nicht: Zumindest hatte ich nicht den Anspruch, eine sensationell neue Denkfigur zu kreieren. Ich wollte auch keinen Exkurs zur vertrackten Geschichte des Christentums und – insonderheit – des „Johannes-Wortes vom Anfang aller Dinge“ verfassen.
Mir ging und geht es vielmehr um eine praktikable Methode, mit aktuellen Erscheinungen unserer Medienwelt selbst besser fertig zu werden. Und dafĂĽr bot sich ein spielerisches Herangehen an eine Art „Schichtenmodell“ der Denk- und Bildebenen an, das mir schon länger durch den Kopf spukt. (Schichtenmodell aber nicht in Kugelform, wies die Physiker fĂĽr ihre Teilchenmodelle entwickelten, sondern als Bild-Schichtenfolge auf der Zeitachse historischer Abläufe.)
Das Ergebnis ist ebenfalls ziemlich unspektakulär, wenn nicht banal: Um mit der Macht der Bilder umgehen zu können, bedarf es nichts weiter als des Willens zur Analyse von vordergrĂĽndigem Bildmaterial. Es bedarf des Zweifels an der „Wirklichkeit“ der Bilder und der Fähigkeit zur Kritik, um sich gewolltem EinfluĂź zumindest teilweise entziehen zu können. Das sind Tatsachen, die mindestens die Aufklärung explizit als Forderung formulierte.

Eine kleine „Neuigkeit“ , glaube ich, ist dennoch in meinem Text enthalten: Die Gleichsetzung von Informationsträgern wie BĂĽchern, Filmen, Rechtsordnungen, Verfassungen usw. bis hin zu Ideologien, „Weltanschauungen“ und Mythen mit – Bildern. Das fĂĽhrt zu dem Gedanken: Wer herrscht, tut dies nach seinem Bild von der Welt. Wer beherrscht wird – zweifelt nicht an dem erkennbaren Bild. Umgekehrt: Wer sich nicht manipulieren lassen will, muĂź sich schon die MĂĽhe eines eigenen Bildes machen. (Das steht ĂĽbrigens nicht im Widerspruch zur Forderung: Du sollst dir kein Bild machen. Sich ein – vernĂĽnftiges, kritisches – Bild machen heiĂźt, sich der Unwägbarkeiten, Unsicherheiten und Unschärfen eigener Sichtweise immer bewuĂźt zu bleiben. Wer sich also ein solches Bild macht, wird immer dran arbeiten; er wird es nie als endgĂĽltiges sehen...)

Ganz besonders interessant finde ich Deine AusfĂĽhrungen zur Anwesenheit Gottes. Ja, da lacht einem ĂĽberzeugten Spinozisten wie mir das Herz! Bleibt nur zu hoffen, daĂź ein paar Leute Deinen Kommentar auch lesen.

Bei der obskuren Identität des „Johannes“ liegen wir auf einer Linie.

Zwei Fragen noch.
1. Zum Begriff der „christlichen Bibel“: Ist das nicht eher eine Wortschöpfung der Kirchendogmatiker, die aus ihrem Besitzanspruch auf die hebräische Bibel (von ihnen als „Altes Testament“ bezeichnet) resultiert?
2. Kannst Du mir die Stelle nennen, an der in der hebräischen Bibel eine Relation von Welt und Sprache beschrieben wird? (Bis auf den Turmbau hab ich nichts gefunden, aber wer weiß.)

LG

P.







Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Mal ganz anbesehen von diesem häufigen Fehler, die Bibel als "unverrückten Grundstein" zu nehmen, und unbenommen der Tatsache, dass der Text sich in der zweiten Häfte zu einem recht interessanten Thema (auch außerhalb von religionsgeprägten "Endzeit-Grübeleien") bewegt, sehe ich einen riiiiiiesige Menge handwerkliche Mankos, die dem Vordringen zu jenem interessanten Teil alles andere als dienlich sind…




Im „Vorwort“ sind die Vers-Zahlen eingestreut – bitte entfernen (was ich besser fände – die Zahlen sind unerheblich) oder die Verse so sortieren, dass die Nummerierung als solche erkennbar wird.



quote:
Mit diesen bedeutungsschweren und wohl allseits bekannten Worten beginnt das Evangelium des Johannes. Ich will diese Worte zunächst nicht weiter beleuchten, ich lasse ihr mystisch-verklärendes Licht vorläufig ohne das Gegenlicht meines analytisch-kritischen Scheinwerferkegels – oder matten Taschenlampenstrahls eigener Erklärungs- und Interpretationsversuche: das soll der Leser am Schluß selbst einschätzen – glänzen. Ich will sie jetzt einfach nur nutzen als Ausgangspunkt für einige Überlegungen zum Thema „Macht der Bilder“. Am Schluß komme ich auf "des Johannes Wort“ zurück.
…wenn du sagen musst, dass du jetzt nichts sagen willst aber am Schluss drauf zurückkommst, ist was faul. Denn das heißt, dass der Leser das sonst gar nicht bemerkt hätte, und das wieder wirft kein gutes Licht auf dich als Autor.

quote:
dem eigentlich nicht faßbaren metaphysisch-transzendentalen Begriff „Anfang“
?? Der Begriff „Anfang“ ist doch sehr sehr fasslich. Was ich nicht erfassen kann ist „metaphysisch-transzendentalen“ – keine Ahnung, was das sein soll.

quote:
…einem Endpunkt menschlicher Zivilisation. (Die Frage, ob es den je geben wird und wann, verbietet sich, wenn wir, wie gesagt, das Spiel mit der gegebenen Prämisse nicht faßbarer metaphysisch-transzendentaler Begriffe aufnehmen und in seinen begrenzten Regeln fortsetzen.)
Eben sagtest du doch aber, dass sich die Frage praktisch „von selbst stellt“…

quote:
Als „Spielbrett“ bietet sich die bekannte logische Form des dreigliedrigen Syllogismus an:
…dreigliedriger Syllogismus? (Duden wälz: Syllogismus = logischer Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere) Der ist dreiteilig? Und das ist (allgemein) bekannt?

Urteil 1 / Urteil 2
…Urteil? Wer wird verurteilt bzw was wird woraus schlussfolgernd festgestellt? Und wenn Urteil 2 nicht bekannt ist, wozu braucht man es da? Oder ist das der „immer vorhanden Joker des Lebens“?

quote:
Konklusion: ?
Ganz meine Meinung: ????? Eine Schlussfolgerung aus was?

quote:
Bleibt die Frage, was setze ich für Urteil 2? Mir fallen spontan ein: Gewalt, Kälte, Schweigen. Und: Bilder. Ja, Bilder, die vereinigen eventuell alle Schlechtigkeiten, alle Dekadenz dieser Welt, und sie stellen eigentlich auch den nächstliegenden Gegensatz zum „Wort“ dar. Ich setze also und erhalte als Konklusion:
Im Anfang war das Wort, im Ende wird sein das Bild.
Wieso fällt dir das spontan ein? Bilder als „Gegensatz zum Wort“ (was so einfach nicht stimmt) ist ja ok, aber warum Gewalt, Kälte, Schweigen? Und was, wenn mit spontan was ganz anderes einfällt, wenn es also beliebig ist? Dann ist auch der ganze Rest des Textes beliebig und du kannst ihn getrost wegwerfen… Und: Warum wird aus „Festellung/legung 1= Anfang ist Wort“ und „Festellung/legung 2 = Bilder von eventuell aller Dekadenz der Welt“ automatisch „Schlussfolgerung „Im Anfang war das Wort, im Ende wird sein das Bild.““?

quote:
Im Anfang war das Wort, im Ende wird sein das Bild.
Das klingt schon recht deftig.
Nö. Das klingt kryptisch.

Was haben die dann folgenden Sprachspiele mit diesem Urteil1/Urteil2/Konklusion-Dinges zu tun? Ich meine, Sprachspiele wie „erst - dann“ oder „am Anfang - am Ende“ oder „lieber – als“ kann jeder betreiben. Was sollen die hier?

quote:
Das sind sicher Sätze, die trotz erkennbarer Widersprüche…
…ich erkenne keine. Auch nicht im „im“ (für dessen Erklärung ich sehr dankbar bin, sonst hätte ich nichtmal das Beharren auf dem „im“ nachvollzeihen können.)

quote:
Nun taucht natürlich die Frage auf: Was eigentlich ist ein Bild, wenn davon soviel Wirkung, ja Macht, Gewalt, „Ungöttlichkeit“, Zerstörung ausgeht.
Ach! Tut es das? An welcher Stelle im Text ist denn das passiert?

quote:
…diesen Erklärungen, gewonnen bei den bisherigen metaphysisch-transzendentalen „Spielflügen“ … und den versuchsweise zeitgemäßen, vernünftigen Verallgemeinerungen auf der Basis aktueller Aussagen aktueller Größen.
…was immer das mit den Verallgemeinerungen heißen soll: Welche Verallgemeinerungen? Verallgemeinerungen welcher „Dinge im Besonderen“ (und war nicht bei diesem Urteil-Dinges genau der andere Weg behauptet worden?)? Wieso vernünftig und wie hätte das „echt zeitgemäß“ oder in „unzeitgemäß“ ausgesehen? Was für aktuelle Aussagen und was für aktuelle Größen?

Wie kommt plötzlich das „Pixel ins Bild-Bild? Das ist so speziell, dass man da schon einen Satz mehr sagen sollte…

quote:
Nach längerem Rätseln, wie ich mich „unmanipulierbar“ verhalten könne,
Zur Abwechslung mal eine Nicht-Frage: Wer das ernsthaft anstrebt, hat keinen Schimmer von Wirklichkeit – JEDES Wesen mit einem gewissen Intelligenzgrad (das also durch lernen Reaktionsmuster auf Umweltreize erwirbt) ist manipulierbar. Der Mensch – als „intelligentestes“ Erdewesen – am meisten. Nur Tote sind es nicht. Die Frage ist nicht, nicht manipulierbar zu sein, sondern sich der (allgemeinen) Manipulierbarkeit und der (konkreten) Manipulation bewusst zu sein, um sich gegebenfalls dagegen entscheiden zu können…

quote:
„ein Bild könnte somit sein “
Was ein Bild ist, steht doch oben schon! Böser Fehler: Oben hast du gemeint, was ein Bild tut, wie es wirkt – aber geschrieben hast du „ein Bild ist etwas, was…“ und damit deine „Erweiterung“ dort schon vorausgenommen…

quote:
Die Bildmächtigkeit von Bildern …
Was bitte ist Bildmächtigkeit? Wenn es sowieso nur um („echte“ oder übertragene) Bilder geht, dann ist das sowas wie „Klangwirkung des Klanges“ oder „Dufteinfluss des Duftes“ oder „Sehergebnis des Sehens“…

quote:
Ich benutze ab jetzt dafĂĽr den Begriff der Ikone.
Warum? Warum nicht „Plakat“? Oder „Foto“? Oder „Prägung“? Oder… Oder weiterhin einfach nur „Bild“?

Diese Ikonen-Gebrauch/Wirkungs-Aufzählung ist… nun ja… bizarr. Das alles braucht keine Ikonen. Anderes Extrem: Das alles ist de facto in der Aufzählung zur Bild-Wirkung schon mal drin.

quote:
Zerstörung bezieht sich immer nur auf das alte Bild. Nicht auf Bilder an sich...
Das ist gut gesagt! Wirklich! Und da könnte man einhakten und erklären warum es das mit den „Bildern“ überhaupt gibt: Der Mensch ist nicht nur nie ohne, er kann gar nicht ohne…

quote:
…daß das „Wort Fleisch ward“. Demzufolge reicht sein Anfang vom Urchaos bis zur Geburt von Jesus.
Was ist mit all dem Fleischlichen vor Jesus? Auch das entsprang diesem Bild (Mythos) gemäß doch Gottes Wort…
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Syllogismus

Hallo Jon,

danke für Deine umfangreiche Analyse. Aber ich habe den Eindruck, wir sind in unserem Denken - zumindest hinsichtlich dieser Fragen - sehr weit auseinander, und werden uns wohl auch nicht durch ein entsprechendes Hin - und Her von Argumenten näher kommen. Nur soviel: Zum Thema Syllogismus habe ich mal schnell "gegoogelt", hier das Ergebnis:

Als dreigliedrigen Syllogismus bezeichnet man einen Syllogismus, bei dem aus zwei Urteilen, den Prämissen, auf ein drittes Urteil, die Konklusion, geschlossen wird.
In der europäischen Tradition wurden fast ausnahmslos dreigliedrige Syllogismen untersucht. Anders in der indischen Tradition wie der indische Syllogismus zeigt.



P.

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Na gut, ich hab nur im Duden nachgesehen, und man kann sich sicher streiten, ob das diese spezielle Argumentationsform (die du dann aber auch sauber verwenden solltest - 3 Urteile ODER 2 Prämissen, 1 Konklusion / und: wer bestimmt denn, dass du, wenn du nur eine Prämisse hast, diese Form nehmen und also dir eine zweite Pramisse aus den Fingern saugen sollst…) zur Allgemeinbildung eines Otto-Normal-Lesers gehört. Ich würd auch es auch beim Zugeben einer Wissenslücke meinerseits belassen, wenn dies das Einzige für mich Undurchsichtige oder m.E. falsch oder unvollständig Verknüpfte oder Formulierte gewesen wäre…

Natürlich ist das Objekt schwer fassbar (sowohl das „theologische“ als auch das „menschliche") – um so wichtiger ist es, nicht zu springen, sondern lieber der "Schritt-für-Schritt"-Argumentation zu folgen.
Wir müssen jetzt in der Tat nicht um die einzelnen Punkt streiten (im besten Sinne natürlich) – aber es einfach als "Denkunterschied" abzutun kann, ich bei so vielen handwerklichen Dingen nicht akzeptieren.
Es kann natürlich sein, dass dies hier der klassische Stolperstein "Philosophie" ist – es also ein Fachtext ist mit für den Laien unverständlichen Vokabeln (,die dummerweise aber so klingen, als müsste man sie kennen). Bestes Beispiel: die "zeitgemäßen, vernünftigen Verallgemeinerungen". Was an diesen Erkenntnissen ist "zeitgemäß" wäre also vor 30 Jahren (bei gleichen Prämissen!!) anders gewesen? Und was ist an den Erkenntnissen "vernünftig" – wie sähen sie denn aus, wären sie "unvernünftig"?
Wir sind uns also uneinig – aber das kann man ja durchaus als Feststellung stehen lassen…
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂĽck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!