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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Im Angesicht der Gerechtigkeit
Eingestellt am 21. 09. 2005 11:26


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mikhan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

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Im Angesicht der Gerechtigkeit

„Das Gericht verurteilt Sie aufgrund der geschilderten UmstĂ€nde zum Tode. Das Urteil wird in drei Tagen vollstreckt. Die Verhandlung ist hiermit geschlossen.“

Ein Raunen ging durch den Gerichtssaal, nur der Angeklagte blieb ganz ruhig. Mit erhobenem Kopf starrte er in die Menge, ohne dabei eine bestimmte Person zu fixieren. In seinem Kopf aber herrschte große Unruhe. Die Stimme des Richters war nur eine von vielen Stimmen, die er vernahm. Da war die Stimme seiner Frau: „Jetzt ist es also soweit gekommen, unser Baby wird seinen Vater nie kennen lernen. Ich habe dich immer davor gewarnt, dich auf diese Sache einzulassen. Wir haben doch alles, was wir brauchen, was kĂŒmmern dich die anderen Menschen? Was willst du damit beweisen? Die, die du bekĂ€mpfst, sind so viel mĂ€chtiger als du, was kannst du schon erreichen?“ Da war aber auch die Stimme seiner Mutter: „Dein Vater wĂ€re sicher stolz auf dich. Auch er hat sein Leben fĂŒr die Demokratie gegeben. Allerdings ist er auf der Straße, in Freiheit gestorben, du weißt, es war die Zeit der großen Demonstrationen. Heute gibt es keine Demonstrationen mehr, doch die Regierung ist dieselbe geblieben. Die Menschen sind stumm geworden, sind in tiefer Lethargie verfallen Dein kurzer Aufschrei hat sie nicht zu wecken vermocht. Und doch war er nicht umsonst, zumindest möchte ich das glauben.“ Und da war die Stimme seines Anwalts: „Ich kann nichts mehr fĂŒr Sie tun. Ihr Urteil steht bereits fest. Ich dachte immer, Gleiches mit Gleichem zu vergelten sei grausam. Doch was hier geschieht, ist noch viel grausamer. Was haben Sie denn schon getan? Ihre Gedanken verbreitet, weiter nichts. Verbotene Gedanken. Wie aber können Gedanken verboten sein?“.

„Das Gesetz mag gelten fĂŒr wen es will, fĂŒr mich jedenfalls nicht“, rief der Angeklagte plötzlich aus.
„Es gilt auch fĂŒr dich, es ist auf deine Zustimmung nicht angewiesen.“, schrie der Richter wutentbrannt.
„Ist das Gerechtigkeit?“
„Du kannst es nennen, wie du willst.“
„Dann nenne ich es Gewalt.“

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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supi.

ein sauberes werk, kurz, prÀzise, aussagestark. bitte mehr davon!
lg
__________________
Old Icke

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Druckmaus
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2005

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Hat mir gut gefallen.
Kurz knapp und prÀzise.
Die Geschichte weckt in mir die Neugierde nach mehr, sie bietet dir Stoff fĂŒr einen Roman, den ich gern lesen wĂŒrde.

Gruß Druckmaus

__________________
Ig/Druckmaus

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mikhan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

Werke: 21
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Hallo Flammarion, hallo Druckmaus!

Vielen Dank fĂŒr die wohlwollende Kritik.
TatsĂ€chlich ĂŒberlege ich gerade, den Stoff in einer lĂ€ngeren ErzĂ€hlung weiter zu verarbeiten, andererseits hat die jetztige Kurzform den Vorteil ohne alles Beiwerk auf die zentralen Aussagen fixiert zu sein. Mal schaun...

GrĂŒĂŸe Mikhan

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