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Leselupe.de > Kurzprosa
Im Auge des Betrachters
Eingestellt am 13. 04. 2005 11:47


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ScarlettMirro
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Extra laut klapperte ich mit dem Plastikgeschirr aus dem Picknickkorb. Ich wollte auch etwas Aufmerksamkeit, schlie├člich waren sie angeblich meinetwegen hier.
Anja hatte mich angebettelt, dass wir zusammen irgendetwas machen. Sie wollte nicht mit ihm allein sein. Ja, hatte sie, die zarte Pflanze mit d├╝nnem Stiel, doch j├╝ngst erst eine Entt├Ąuschung verkraften m├╝ssen. Und sie wollte sich nicht wieder verlieben, nicht schon wieder diese Trennungsschmerzen aushalten.

Ab einem gewissen Alter, so dachte ich immer, ist man alt genug, dass man ├╝ber dieses pubert├Ąre "frag du ihn doch bitte f├╝r mich" hinaus ist. Ich habe mich geirrt. Schlie├člich muss es einen Grund daf├╝r geben ÔÇô so denke ich heute -, dass dieses B├╝chleinchen "Mondscheintarif" so erfolgreich ist. Arme Frauen, arme M├Ąnner. Aber genau so sitzen sie jetzt da. Er sieht fast schon anmutig g├Ânnerhaft auf sie herunter. Sie hat kokett die Beine vor sich gekreuzt, ihm den R├╝cken halb zu gedreht und den Oberk├Ârper auf den Armen abgest├╝tzt zur Decke gekippt, den Kopf wirft sie dabei schief in den Nacken. Ihr Hals lag frei und die Haare baumelten an der anderen Seite herab. V├Âllig verdreht lacht sie ihn ohne Unterlass an.

Mit welchem Grund h├Ątte ich ihn denn zum Picknicken einladen sollen, hatte ich sie gefragt, schlie├člich wollte ich sie nicht ver├Ąrgern. Und was tat sie darauf hin? Sie rief ihn an und fragte, ob sie nicht gemeinsam meinen einsamen Geburtstag retten k├Ânnten, ich w├Ąre ohne Freunde den ganzen Tag und ich w├╝rde so gerne Picknicken. Ich verdrehte die Augen, warnte mit Blicken und sch├╝ttelte energisch den Kopf, doch sie wischte mit der Hand in der Luft und wedelte mit leicht mit dem Kopf und lachte ins Telefon.

Ich hasste Picknicken, schon weil es mir viel zu englisch war; ich hatte auch noch nie im Fr├╝hjahr Geburtstag und ich war immer und gerne an diesem Tag meiner Geburt f├╝r mich allein. Heute bereute ich zum dritten Mal, dass diese Frau in unsere WG eingezogen war. So ein Fehler passierte mir sonst nicht, aber es war noch nicht zu sp├Ąt.

Inzwischen hatte ich ebenfalls lautstark alle Innereien des Korbes auf der Decke verteilt, neben der Wassermelone lag das gro├če scharfe Messer, im Salat steckten die L├Âffel und das Brot lag daneben. Mit einem lauten Plop lie├č ich den Korken knallen, denn schlie├člich sollte ja auf meinen Nicht-Geburtstag-Tag auch angesto├čen werden.
"Auf dein Wohl, Martin", s├Ąuselte Anja, ihr Blick richtete sich aber noch immer auf Bernd.
"Ja, auf dein Wohl!", er sah mich einen Moment an und wand dann seine Augen wieder auf Anja.
Ich will das alles zerst├Âren, ja zerst├Âren.
"Mhmm", brummte ich, "der sch├Ânste Nicht-Geburstag der Welt", grummelte ich weiter in meinen Plastikbecher. Die Ohren beider waren so verdreht, dass sie mir nicht mehr zuh├Ârten.
Dann teilte ich die Melone mit dem Messer und stellte dabei ganz nebenbei fest, dass das Messer wirklich noch sehr scharf war. Im Wagen musste auch noch das Abschleppseil sein. Eine Decke hatte ich auch, fehlte nur noch ein Satz Wechselw├Ąsche. Ich ├╝berlegte, wer davon wusste, dass wir zu dritt heute hier sein wollten. Niemand. Ich dachte nach, denn danach ist es zu sp├Ąt ÔÇô und noch mehr Fehler wollte ich nicht machen.

Ich sah mir Anja nochmals genau an und ├╝berlegt, wie ich sie wohl positionieren w├╝rde, anschlie├čend. Wie eine verdrehte Skulptur? Das Geflirte zwischen den beiden machte mich zunehmend aggressiver, es war einfach so kitschig und klischeehaft. Ich musste ihnen einfach wehtun. Es musste sein, damit meine Welt wieder gerade hing. Es gab hier in der N├Ąhe einen alten morastigen See, schlie├člich sind hier auch Enten mit Brot zum Tode des Sees gef├╝ttert worden. Waren wir noch zu weit weg?
"Ihr beiden Turtelt├Ąubchen, kennt ihr den romantischen See hier in der N├Ąhe? Der muss doch hier irgendwo sein."
Bernd sch├╝ttelte abweisend den Kopf.
"Ja, aber der ist doch total verschlammt und mit Algen voll", der Tonfall passte so gar nicht zu diesem honigs├╝├čen L├Ącheln, das sie Bernd schenkte.
Ein kalter Schauer des Ekels lief mir ├╝ber den R├╝cken. Dann dachte ich, zuerst musste ich Bernd t├Âten, ohne ├ťberraschungsmoment war er mir einfach zu ├╝berlegen. Aber es musste schnell gehen. Schnell, sonst lief Anja noch weg und ich musste hinter her laufen; ich war nicht so durchtrainiert wie sie.
Pl├Âtzlich zogen sich dicke Gewitterwolken zusammen. Platzregen. Schnell r├Ąumten wir die Decke zusammen, sch├╝tteten den Sekt auf die Wiese, ein Glas zerbrach. Meines war noch heil, ich passte genau auf. Mist. Ich verdrehte die Augen. Mein Plan glitschte in den Matsch zu meinen F├╝ssen, nun waren sie leider nicht mehr so schnell zu ├╝berw├Ąltigen.

Das Messer hatte ich vorsichtshalber in meine Tasche gesteckt und spielte etwas damit, als ich auf der R├╝ckbank des Fiestas sa├č. Meine Finger begannen zu bluten, der warme Schmerz tr├Âstete mich ein wenig.
---
Noch Tage und Wochen danach stellte ich mir abends vor, wie ich Anjas wohlgeformten K├Ârper wie eine Skulptur verdrehte, bis das R├╝ckgrat knackte. Ihre Arme zeigten Richtung See, in dem ihr Liebhaber moderte.

__________________
Kritik? Gern sachlich und konstruktiv, aber bitte mit Sahne!

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Zarathustra
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Kritik:
sachlich ... ich will es versuchen!

Story: einwandfrei, hat charme ist sexy
Spannungsaufbau: rasant, beschleunigend bis zum Ende

Was mir das Lesen ein bisschen verleidet hat. Sind die langen Satzunget├╝me; gerade am Anfang..

Und was - jedenfalls f├╝r mich -
nicht so stark herauskam war:
Warum um alles in der Welt, wollte er sie t├Âten.

L.G. Hans
__________________
Was sind das f├╝r Zeiten, wo ein Gespr├Ąch ├╝ber B├Ąume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ├╝ber so viele Untaten einschlie├čt! (Bertold Brecht)

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San Martin
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quote:
und wedelte mit leicht mit dem Kopf

quote:
und wand dann seine Augen wieder auf Anja

wandTE

quote:
Was mir das Lesen ein bisschen verleidet hat. Sind die langen Satzunget├╝me; gerade am Anfang..

Das kann ich nicht best├Ątigen. Lange S├Ątze, wo?

Die Geschichte ist unn├Âtig/sinnlos gewaltt├Ątig. Der Leser erf├Ąhrt kein rechtes Motiv, keinen Grund f├╝r die Gewaltphantasien des Protagonisten. Deshalb fiel es mir schwer, das ganze nachzuvollziehen. Die angedeutete Gewalt verfolgt kein Ziel, das ich greifen k├Ânnte, das ich verstehen und mit dem ich sympathisieren k├Ânnte. Sprachlich kann man an einigen Ecken noch feilen.

Martin
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"I still can remember the way that you smiled on the fifth day of May in the drizzling rain."

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ScarlettMirro
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Lange S├Ątze sind nicht pers├ę schlecht. Es kommt darauf an lange und kurze S├Ątze miteinander zu vermischen. Nat├╝rlich erforden lange S├Ątze mehr Aufmerksamkeit, aber auch kurze sind nciht einfach nur kurz! Ist einfach auch ein bisserl ne Stilfrage... jeder schreibt ja anders u das auch noch je nach Lebenserfahrung!

Ja, Fehler hab ich schon gesehen... danke nochmals f├╝r die Aufmerksamkeit ... werd ich noch korrigeren.

Danke auch f├╝r den positiven KOmmentar.

Oh, warum er sie t├Âten wollte?
Also erstmal einfach so vielleicht, wie sucht sich jemand sein Opfer aus? Also er hat es einfach satt von ihr benutzt zu werden, hat die S├╝├člichkeit satt u hat es satt, Statist zu sein u hat sich dann in seine Gewaltphantasie hineingesteigert ... so wie uns das ja auch mal rausrutscht "Den bring ich um!" ... so vielleicht... zumindest war das so meins... denn diese Geschichte ist aufgrund eines ├╝bers├╝├člichen Bildes von einem P├Ąrchen beim Picknicken entstanden...

Gruss
Scarlett
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Denschie
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Registriert: Not Yet

also, so ganz nachvollziehen kann ich diese
t├Âtungsabsichten auch nicht. erst war ich der
meinung, dass es sich um satire handeln soll.
aber die vorstellung des prot. eines knackenden
r├╝ckrads... na ja. geschmacksache.
ich wei├č nicht, ob ich es "sinnlos gewaltt├Ątig"
nennen w├╝rde, die gedanken sind schlie├člich frei,
aber es kommt einfach nicht recht r├╝ber, was du
ausdr├╝cken willst. es ist weder fisch, noch fleisch.

im ersten abschnitt benutzt du sehr h├Ąufig "man".
da k├Ânntest du noch etwas dran feilen.
dann die formulierung "B├╝chleinchen" ist doppelt.
es kann nur eine verniedlichung geben. hier wohl
"b├╝chlein".

quote:
Anja hatte mich angebettelt, dass wir zusammen irgendetwas machen.
... gemeinsam etwas zu unternehmen.

quote:
Er sieht fast schon anmutig g├Ânnerhaft auf sie herunter.
Was ist anmutig g├Ânnerhaft?

"Innereien des Korbes" ist auch keine sch├Âne wendung.
vorschlag: den gesamten inhalt des korbes.

viele gr├╝├če,
denschie



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ScarlettMirro
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Hallo Denschie.

Also gemeinsam unternehmen klingt tats├Ąchlich sauberer ...

der Rest ist schon so beabsichtigt. U wenn es nur Menschen g├Ąbe, die nicht wahnsinnige Ideen haben ... wie auch immer!

"B├╝chleinchen" ist tats├Ąchlich eine doppelte Verniedlichung u dat is genau so auch Absicht. Als Stilmittel ist gerade Ironie jene, die oft verkannt und selten erkannt wird. Insofern wollte ich die Ironie mit der doppelten Verniedlichung deutlich machen. Scheinbar ist das noch immer nicht zu verstehen! Nix f├╝r ungut, aber der Ich-Erz├Ąhler (also nicht ich selbst, denn ich bin schon mal ganz und gar weiblich u falle mit dem Erz├Ąhler meiner Geschichte nicht zusammen) ist ironisch! U das ist er die meiste Zeit - Ironie u Sarkasmus benutzt er hier.

Sicher l├Ąsst sich noch einiges verbessern, aber in dem Fall sind "Anmutig g├Ânnerhaft" u auch "B├╝chleinchen" Absicht!

Und der Inhalt ist sicher Geschmacksache. Wer wei├č schon, was ihn treibt, Eifersucht oder Deppressionen oder oder oder !

Danke f├╝rs Lesen
Scarlett
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