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Leselupe.de > Humor und Satire
Im Biergarten
Eingestellt am 17. 05. 2001 17:51


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Omar Chajjam
???
Registriert: Feb 2001

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Im Biergarten am Postplatz

Bierg├Ąrten gibt's nur in Bayern. Die M├Ąnner schleppen die Brotzeit in K├Ârben mit, Emmentaler, Leberk├Ąs, an Radi, Salzgeb├Ąck, damits an Durscht gibt, die Frauen tragen das Geschirr und decken den Holztisch, die Kinder spielen mit dem Dackel Fangen um die Kastanien. Die Kastanien strengen sich an, um einen guten Eindruck zu machen. Sie haben ihre Kerzen aufgesteckt und zwischen ihren Bl├Ąttern blinzeln die Sonnenstrahlen in die Augen und auf die Nasen. ÔÇ×Haddschie, no aweng frieh heit, ober schee is.ÔÇť Die Ma├č gibt's dr├╝ben an der Theke, f├╝r die Kinder a Limonad, f├╝rn Dackel a Wasser. Die Bedienung, eine Blonde in den Vierzigern, hat schon Hundesch├╝sseln bereit liegen. Ja soiss bei uns in Bayern, jawoii gradaso. Prost und gfeiert werd.

Anderswo in Dresden hei├čen die Bierg├Ąrten auch Bierg├Ąrten. Aber sie sind gar keine, sondern lediglich m├╝hsam bewahrte Ruhepunkte auf einer Verkehrsinsel. Vereinzelt sitzen sie und be├Ąugen sich mi├čtrauisch. Einige beobachten den Schreiberling, der mit den Kr├╝mmeln seiner Bemme den Spatzen ein kleines Festmahl bereitet. Vorbehalte und Mi├čtrauen machen sich breit ÔÇ×Des lockd doch egal die Veschl anÔÇť. Er trinkt stumm sein Schwarzbier und sie didschd s Breedschn in den Bliemschengaffee. Man hat ordentlich an den R├Ąndern Platz genommen. Die echte Th├╝ringer kann man sich dr├╝ben an der Bude holen. F├╝r einen Sachsen ist ein Th├╝ringer nur als Wurst zu gebrauchen. Spreew├Ąlder Gurken gibt's auch, aber Berliner mag man hier gar nicht. Und ├╝ber den rohen, knarrenden Bretterboden sucht man seinen Weg an den lautstarken Amerikanern vorbei, die genau in der Mitte des Biergartens ihr Bier verteidigen. Das Radeberger lastet schwarz auf den Gem├╝tern. Auf den Bierdeckeln steht, da├č das Radeberger Bier schon das Hofbier von Seiner Majest├Ąt August dem Starken gewesen ist.

Der Biergarten am Postplatz ist noch ein Relikt aus der Zeit vor der Wiedervereinigung. Er rettet die Erinnerung an die Tr├╝mmermentalit├Ąt und an die Provisorien nach dem Krieg in die Neuzeit. Die Nostalgie, die sich damit verbindet ist dem Sachsen allerdings fremd, darum wird er wohl auch bald einem Einkaufszentrum weichen. Der Biergarten hier erf├╝llte allerdings genau seine Anspr├╝che. Er will im Mittelpunkt des Verkehrs sitzen und die Bewegung beobachten. Er will immer aufspringen k├Ânnen, um dabei zu sein, dort, wo sich etwas ereignet. Da n├╝tzt ihm die Gemeinschaft mit anderen nichts. Man sitzt vereinzelt unter den Sonnenschirmen und wartet wie die Spatzen auf die Brotkrumen. Der n├Ąchste Br├Âsel k├Ânnte ja noch gr├Â├čer sein und warum hat der andere ein St├╝ckchen Kuchen erobert und nicht ich. Die Menschen im Biergarten am Postplatz sind hungrig geworden.

Im Augustiner in M├╝nchen sitzen die Leute satt ├╝ber ihren Ma├čkr├╝gen unter den alten Kastanienb├Ąumen, die schon lange vor dem Ersten Weltkrieg hier gepflanzt wurden.


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