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Im Dunkeln
Eingestellt am 19. 10. 2001 22:07


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Julien
Festzeitungsschreiber
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Im Dunkeln

Unerwartet und ziemlich abrupt bremste der Fahrstuhl bis zum Stillstand ab; nur mit M├╝he gelang es Armin, sein Gleichgewicht zu behalten. Die T├╝r ├Âffnete sich mit einem leisem metallischem Knarren und gab den Blick auf einen l├Ąngeren Flur frei, dessen hinterer Teil v├Âllig im Dunklen lag. Armin knotete den G├╝rtel seines Bademantels fester, verlie├č die Aufzugskabine und steuerte direkt auf den n├Ąchsten Lichtschalter zu.
Mehrfach dr├╝ckte er auf den Knopf, hart und l├Ąnger anhaltend, jedoch ohne Erfolg. Das Licht funktionierte nicht. Mit neuerlichem Knarren schloss sich die Fahrstuhlt├╝r hinter ihm, verriegelte die einzige Lichtquelle, fuhr mit ihr davon und lie├č ihn in pl├Âtzlicher Dunkelheit stehen. Eine Verw├╝nschung vor sich hin murmelnd, wartete Armin einige Sekunden in der Hoffnung, dass sich seine Augen der Situation anpassen w├╝rden. Doch er konnte so gut wie nichts wahrnehmen; der teppichbedeckte Boden vor ihm hob sich nur ganz diffus und grob schemenhaft von den Seitenw├Ąnden des Ganges ab. Langsam und die ausgestreckten Arme vor sich haltend, tastete er sich einige Meter weiter, fand die richtige Richtung und gelangte zu der ├ťberzeugung, dass es m├Âglich sein sollte, so bis zur letzten T├╝r auf der linken Seite dieses Hotelflurs zu gelangen.

Dunkler konnte es wirklich kaum werden hier. Mit einer Hand z├Âgernd an der Wand entlang gleitend gelangte Armin allm├Ąhlich weiter vorw├Ąrts. Holzdielen knarrten unter dem Flurteppich. Erneut ├Ąrgerte er sich ├╝ber Gretas Angewohnheit, ihre gemeinsamen Reiseunterk├╝nfte nur aus den Billig-Angeboten der Touristenb├╝ros auszuw├Ąhlen. Finanziell h├Ątten sie ja wirklich die M├Âglichkeit gehabt, ein komfortableres Hotel zu buchen; zumindest eines, auf dessen Elektrizit├Ąt noch Verlass war. Zum Gl├╝ck gab es hier im Kellergeschoss wenigstens noch ein bescheidenes altes, jedoch recht sauberes Schwimmbecken, in dem er bis eben entspannt und ungest├Ârt seine Runden - wenn auch in sehr beschr├Ąnktem Ausma├č - hatte ziehen k├Ânnen. Und als er vor knapp einer Stunde in entgegengesetzter Richtung diesen Flur entlang gegangen war, hatte das Licht hier noch gebrannt.
Unversehens stie├č Armin mit seinem Oberschenkel hart an eine Kante, die Ecke eines kleinen Tisches, den er im Dunkeln hier ├╝bersehen hatte. Ein unangenehmer Schmerz durchzog sein Bein. Wof├╝r zum Teufel stehen Tische nachts uf einem Flur herum; auf dem Hinweg war ihm der nicht einmal aufgefallen.

Die zweite Hand, in der er auch sein Handtuch und die darin eingewickelte Badehose hielt, streckte er in der Bef├╝rchtung weiterer Hindernisse der Dunkelheit entgegen, stie├č nach einiger Zeit tastenden Weitergehens jedoch genau im erwarteten Moment gegen die Wand am Ende des Ganges. Er l├Ąchelte vers├Âhnt, weil es ihm gelungen war, die Entfernung so gut einzusch├Ątzen. Immer noch waren um ihn herum lediglich schattenhaft sp├Ąrliche Konturen wahrzunehmen. Armin wandte sich nach links und schob seine Hand an der Wand entlang, bis er unverkennbar den T├╝rrahmen und dann die Klinke unter seinen Fingern erkannte. Sie lie├č sich leicht bewegen; er ├Âffnete die T├╝r vorsichtig, um Greta nicht zu wecken, die nach so langen Reisetagen immer schon fr├╝h ins Bett ging und auf St├Ârungen empfindlich reagierte. Ihm kam das Besichtigungsprogramm der n├Ąchsten Tage wieder in den Sinn. Einmal mehr Galerien und Museen, mit deren Darbietungen und Exponaten er eher wenig anfangen konnte. Seit nun schon fast 30 Jahren war es ausschlie├člich Greta, an deren Kunstsinn sich diese Exkursionen ausrichteten.

Mit einem unterdr├╝ckten Seufzer trat er - den Atem anhaltend - leise in das Zimmer, einen Fu├č behutsam vor den anderen setzend. Ein wenig Helligkeit drang von der Stra├čenseite her durch die zugezogenen Vorh├Ąnge des Fensters und warf verschwommene Schatten im Raum; doch auch hier war kaum die eigene Hand vor den Augen zu erkennen. Um nicht gegen Hindernisse zu sto├čen, tastete sich Armin mit F├╝├čen und H├Ąnden nur langsam weiter vor, w├Ąhrend er sich an die Einzelheiten des Zimmers zu erinnern versuchte. Linkerhand musste der Schrank stehen; etwas helleres dagegen schien von da vorne rechts zu schimmern, das konnte nur die aufgeworfene Decke auf seiner Seite des Doppelbetts sein. Wiederum knarrten Dielen unter seinen vorsichtigen Schritten, als er die Richtung dorthin einschlug. Er hielt inne; Gretas gleichm├Ą├čige Atemz├╝ge waren deutlich vernehmbar.
Ein Stuhl stand nun unmittelbar neben ihm. Armin ahnte ihn mehr als dass er ihn sah. Jegliches Ger├Ąusch vermeidend streifte er den Bademantel ab, legte ihn zusammen mit Handtuch und der noch feuchten Badehose dorthin, wo er die die Sitzfl├Ąche des Stuhls vermutete, tastete sich zum Bett und es kam ihm mit Erleichterung zu Bewusstsein, dass er sich in seiner Orientierung nicht geirrt hatte.

Im Zeitlupentempo legte er sich - nur mit seinem Slip bekleidet - in R├╝ckenposition, zog die k├╝hle Decke bis ├╝ber seine Brust und streckte entspannt die Beine aus. Die Federung war angenehm, das Kopfkissen gro├č genug; einem wohligen Einschlafen stand nichts im Wege. Greta neben ihm hatte sich ganz zusammengekr├╝mmt unter ihre Decke gekuschelt. Das war auch so eine Eigenart von ihr. Es hatte Zeiten gegeben, da waren sie miteinander unter einer einzigen Decke eingeschlafen... Heute war es eher bequemer f├╝r beide, wenn sie in ihren Hotels und Pensionen unterwegs kein franz├Âsisches Bett vorfanden.
Armin legte einen Arm ├╝ber ihren weich umwickelten K├Ârper. Ihr Atem ging weiterhin gleichm├Ą├čig; er streichelte ├╝ber ihre Decke und sp├╝rte, wie sie mit kleinen Bewegungen im Schlaf darauf reagierte. Nein, er wollte sie keinesfalls wecken, nur ein bisschen N├Ąhe beim Einschlafen sp├╝ren. Er drehte sich auf die Seite, legte nun seinen Arm um das Deckenkn├Ąuel so weit er konnte und schob seinen K├Ârper ganz nah an sie heran....
Hatte er sie gest├Ârt? Er sp├╝rte, dass sie den Druck seines Ankuschelns intensiv erwiderte; ein sch├Ânes Gef├╝hl.
Zwei, drei Minuten vergingen. Armin genoss dieses nahe Miteinander. Zu gern h├Ątte er jetzt mit seiner Hand ├╝ber ihren Kopf, durch ihre dunklen Locken gestreichelt, die sie von Zeit zu Zeit immer wieder nacht├Ânte. Sollte er? Wie w├╝rde sie es aufnehmen?
Irgendwas ungew├Âhnliches schien jedoch in der Luft zu liegen... irgendwas war anders an diesem Abend hier und heute in diesem dunklen Zimmer. Er dachte nach; sein Puls ging schneller als ├╝blich. Er hatte es doch nicht ├╝bertrieben mit seinen Schwimmrunden eben. War es die stundenlange Fahrt heute, die ihn jetzt noch so aufputschte? Sein Kopf schien nicht bereit zum Schlafen, obwohl es doch sp├Ąt sein musste, kurz vor Mitternacht mindestens. Er richtete sich auf. Gewohnheitsm├Ą├čig stellte Greta den Wecker auf den kleinen Nachttisch. Armin starrte ├╝ber sie hinweg in die Dunkelheit, konnte jedoch die vertraute rot leuchtende Digitalanzeige nicht erkennen. Sie hatte wohl vergessen, ihn auszupacken. Oder war da ├╝berhaupt ein Tisch am Bett neben ihrem Kopfende gewesen?

Armin wurde wieder wach, richtig wach. Es war stickig in dem Zimmer. Ein Anflug von Zigarettenqualm stieg in seine Nase. Das Flurlicht defekt und die Zimmer nicht gel├╝ftet; das gab in seinen Augen ein passendes Bild von dem Standard dieses Hauses.
Er stand auf, ohne auf den leicht quietschenden Bettrahmen zu achten. Das etwas hellere Rechteck an der Wand gegen├╝ber konnte nur das vorhangverh├Ąngte Fenster sein. Mit dem Fu├č stie├č er gegen einen Gegenstand. Warum hatte Greta denn den Koffer nicht zur Seite ger├Ąumt? Auf knarrenden Dielen gelangte Armin jetzt ohne weiteres Hindernis zum Fenster, zog vorsichtig den Vorhang zur├╝ck und legte die Hand an den Kipphebel des geschlossenen Fensters. Beim ├ľffnen sp├╝rte er sofort die k├╝hlere Luft leicht ├╝ber seinen nackten K├Ârper wehen. Von drau├čen fiel das Licht der Stra├čenbeleuchtung und der Reklameschriften ins Zimmer und verbreitete dort eine milchig-matte Helligkeit. Ihm fiel die Apotheke gegen├╝ber ein, ├╝ber deren Eingang sich so eine Uhr mit einem selten gewordenen gro├čen r├Âmischen Ziffernblatt befand. Heute Nachmittag, als er vom Fenster das Geschehen auf der Stra├če beobachtete, hatte er M├╝he gehabt, oben vom dritten Stock aus ohne seine Brille die Zeit genau abzulesen, vielleicht gelang es jetzt.

Es gelang ihm sogar ├╝berraschend schnell. Armin ben├Âtigte nur Bruchteile von Sekunden, um zu realisieren, dass sich die Uhr gar nicht mehr unterhalb des Fensters sondern fast in gleicher Augenh├Âhe direkt gegen├╝ber befand. Er stutzte. Hinter ihm raschelte es pl├Âtzlich und er fuhr erschrocken herum. Greta hatte sich aufgerichtet. Nein, das war sie doch nicht. Vom Fenster her fiel d├Ąmmriges Licht auf das verschlafene Gesicht einer sehr jungen Frau. Und sie war eindeutig blond. ÔÇ×Was machst du da eigentlich?ÔÇŁ h├Ârte er eine unbekannte weibliche Stimme leise und etwas ungeduldig fragen. Ihr Blick schien seine dunkle Silhouette vor dem Fenster verwundert anzublinzeln. ÔÇťIch seh dich kaum, B├Ąrchen. Wolltest du nicht die Taschenlampe aus dem Auto holen?ÔÇŁ Armins Herz schlug in heller Aufregung; er r├╝hrte sich nicht von der Stelle. ÔÇ×EgalÔÇť fuhr die weibliche Stimme fort ÔÇ×komm her und kuschel dich wieder an mich! So
wie eben!ÔÇŁ . Stille; l├Ąhmende sekundenlange Stille. Drau├čen auf dem Flur n├Ąherten sich langsam Schritte; Armin konnte ganz deutlich die Dielen knarren h├Âren.

(├╝berarbeitet am 2.11.2001)


__________________
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flammarion
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erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. deine geschichte gef├Ąllt, aber man ahnt schon lange im voraus, da├č der mann das falsche zimmer betritt. die pointe d├╝rfte knalliger sein. vielleicht bekommst du das noch hin. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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Julien
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Vielen Dank f├╝r die freundliche Begr├╝├čung! Und ebenfalls Dank f├╝r das Lob und Deine konstruktive Meinung zu der Geschichte. Mir f├Ąllt inzwischen auch auf, da├č der Anlauf wohl etwas lang geraten ist (mindestens so lang wie der dunkle Flur!!). Allerdings bin ich etwas ratlos, wie man die Pointe denn knalliger gestalten k├Ânnte.... Ich denk weiter dr├╝ber nach!
Bis demn├Ąchst + gleichfalls liebe Gr├╝├če
J.
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gladiator
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Tja, wie geht es denn nun weiter?

Hallo Julien,

nette Geschichte, hier meine Anmerkungen:

Unerwartet und ziemlich abrupt bremste der Fahrstuhl bis zum Stillstand ab; nur mit M├╝he gelang es Armin, sein Gleichgewicht zu behalten.

In der Regel kann man sehen, in welchem Stock sich der Fahrstuhl befindet. Wie kann er dann unerwartet halten? Au├čerdem w├╝rde Armin dann sehen, in welchem Stock er landet. Also kann er nicht sehen, wo er landet und deshalb unerwartet? Auf jeden Fall Kl├Ąrungsbedarf, weil ich es merkw├╝rdig finde, da├č ein Fahrstuhl abrupt h├Ąlt.

Mehrfach dr├╝ckte er auf den Knopf, hart und l├Ąnger anhaltend, jedoch ohne Erfolg.

Macht wenig Sinn, anhaltend auf einen Knopf zu dr├╝cken. Du meinst vermutlich "immer wieder" oder so etwas ├Ąhnliches.

Eine Verw├╝nschung vor sich hin murmelnd, wartete Armin einige Sekunden in der Hoffnung, dass sich seine Augen der Situation anpassen w├╝rden.

Du neigst - wie ich finde - manchmal zu komplizierten Satzkonstruktionen. Warum nicht einfach "Fluchend" statt eines ganzen Nebensatzes? Das gilt ├╝brigens auch f├╝r viele andere S├Ątze.

Doch er konnte so gut wie nichts wahrnehmen;

In den meisten F├Ąllen ist "k├Ânnen" ├╝berfl├╝ssig, entweder er sieht was oder nicht.

Finanziell h├Ątten sie ja wirklich die M├Âglichkeit gehabt, ein komfortableres Hotel zu buchen; zumindest eines, auf dessen Elektrizit├Ąt noch Verlass war.

Auch hier: Warum nicht einfach: "Sie h├Ątten sich ohne weiteres ein besseres..."

Die zweite Hand, in der er auch sein Handtuch und die darin eingewickelte Badehose hielt, streckte er in der Bef├╝rchtung weiterer Hindernisse der Dunkelheit entgegen,

Du neigst zu Substantivierungen, die leicht steif wirken und deshalb den Lesefluss st├Âren. Ist mir ├Âfter aufgefallen.

Er l├Ąchelte vers├Âhnt, weil es ihm gelungen war, die Entfernung so gut einzusch├Ątzen.

Wie l├Ąchelt man "vers├Âhnt"? Mit wem vers├Âhnt? mit der Dunkelheit, mit dem Tisch? Fragen ├╝ber Fragen.

Ihm kam das Besichtigungsprogramm der n├Ąchsten Tage wieder in den Sinn. Einmal mehr Galerien und Museen, mit deren Darbietungen und Exponaten er eher wenig anfangen konnte. Seit nun schon fast 30 Jahren war es ausschlie├člich Greta, an deren Kunstsinn sich diese Exkursionen ausrichteten.

Die Stelle f├Ąllt raus, weil sie mit der Geschichte nichts so recht zu tun hat. Was bringt es dem Leser, wenn er das wei├č?

Ein wenig Helligkeit drang von der Stra├čenseite her durch die zugezogenen Vorh├Ąnge des Fensters und warf verschwommene Schatten im Raum;

"...in den Raum;"

Die Stelle, wie er sich ankuschelt, finde ich sehr sch├Ân. Das Ende wiederum kann tats├Ąchlicher knalliger gestaltet werden. Nachdem Armin entdeckt hat, dass in im falschen Zimmer gelandet ist, w├╝rde ich einfach nur eine fremde Frauenstimmt fragen und dann gleich die Schritte auf dem Gang ert├Ânen lassen.

Gru├č
Gladiator
__________________
Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

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