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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Im Dunkeln so hell
Eingestellt am 27. 02. 2005 20:14


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Astrid
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Registriert: Jun 2003

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Endlich h├Ârt der K├╝hlschrank auf zu brummen. Die Stille schmerzt fast in meinen Ohren. Ich habe mich in die K├╝che zur├╝ckgezogen, weil unter mir der Fernseher sehr laut l├Ąuft. Ab Sechs sp├Ątestens geht das los. Jeden Abend. Ich m├Âchte lesen. Sitze am Fenster und sp├╝re an meinem rechten Arm die W├Ąrme der Heizung. Der Fernsehsprecher hallt durch die Rohre. Doch hier ist es ertr├Ąglicher als nebenan. Es ist Sonnabend. Von meinem Fenster aus sehe ich nur wenige Meter entfernt die Fensterreihen des n├Ąchsten Wohnblocks. Zu nah. Der bl├Ąuliche Schein der Mattscheibe leuchtet in fast jeder Wohnung. Ob der Name Mattscheibe etwas damit zu tun hat, dass ich matt werde, wenn ich zu lange davor sitze?
Ich schalte die Deckenlampe aus. Sitze im Dunkeln. Ich sitze gern so. Der Schein des Vollmondes gesellt sich zu mir. Ab und an wirft der Lichtkegel eines Autoscheinwerfers ein Muster an die Decke. Mein Buch liegt aufgeschlagen auf den Knien. Der Fernseher unter mir wird noch lauter gedreht. Auf der Stra├če knirscht das Eis unter Autoreifen. Ab und an heult ein gequ├Ąlter Motor auf. Wie m├Âgen die Menschen hinter den erleuchteten Fenstern leben, welchen Film sehen sie sich gerade an? Unterhalten sie sich, sind vielleicht Freunde zu Besuch oder sorgt sich eine Mutter am Bett ihres kranken Kindes? Oder sitzt jemand mit einem aufgeschlagenen Buch auf den Knien..

In der dritten Etage steht ein Mann auf dem Balkon und raucht. Schneeflocken tanzen vor meinem Fenster. Es sieht aus, als w├╝rden sie von unten nach oben fliegen. Ich sehe ihnen eine Weile zu.
Auf dem Tisch liegt eine Streichholzschachtel. Mit einem kleinen Zischen entflamme ich ein H├Âlzchen und halte es an den Docht der roten Kerzen auf dem silbrigen kleinen Tablett. An der letzten verbrenne ich mir den Finger.
Ich nehme das Buch von meinen Knien, ziehe den Teller mit den Kerzen dicht zu mir heran und tauche ein in die geheimnisvollen und spannenden Zeilen.
Die Lichter hinter den Fenstern gegen├╝ber gehen aus. Der Vollmond zieht weiter. Meine Augen brennen vom Schatten, den die heruntergebrannten Kerzen auf mein Buch werfen. Der Fernseher unter mir schweigt. Nur der K├╝hlschrank brummt wieder.

__________________
Astrid

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