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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Im Einkaufszentrum
Eingestellt am 01. 08. 2014 18:01


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Nosie
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2014

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    Heinz steht an der Rolltreppe nahe des Eingangs vom Einkaufszentrum, wo sie sich mindestens einmal in der Woche treffen, um gemeinsam Mittagessen zu gehen. Sie haben sich heute via Festnetz verabredet, denn Eva hat wieder einmal ihr Handy zu Hause liegen gelassen. Das passiert ihr in letzter Zeit öfter und sie schiebt es dann gerne scherzhaft auf ihr Altern und freut sich, wenn er ihr charmant beteuert, wie jung sie immer noch aussieht. Heute schaut er nicht wie sonst in die Richtung, aus der sie kommt. Er kehrt ihr den RĂŒcken zu und unterhĂ€lt sich mit einer Ă€lteren Dame, die in Begleitung einer Jungen ist, es könnten Mutter und Tochter sein. Seine Frau ist es nicht, mit der er redet, die kennt sie von Fotos. Er muß die beiden gerade erst getroffen haben, denn vor fĂŒnf Minuten hat er Eva noch von seinem BĂŒro aus angerufen, sein Termin wĂ€re zu Ende und er könne jetzt.
    Sie hĂ€lt sich in einiger Entfernung, damit die beiden Frauen nicht bemerken, dass Heinz verabredet ist. Schon oft ist ihnen jemand aus seinem nĂ€heren Umfeld ĂŒber den Weg gelaufen. In letzter Zeit hat sein zunehmendes Unbehagen bei solchen Begegnungen ihren Treffen einen bitteren Geschmack verliehen, den Eva tapfer ignoriert hat.
    Es dauert. Seit 5 Minuten wartet sie auf das Ende der Unterhaltung, doch anstatt aus seinen Gesten eine bevorstehende Verabschiedung zu erkennen, lotst Heinz seine GesprĂ€chspartnerinnen StĂŒck fĂŒr StĂŒck vom Eingang weg in die Tiefen des Einkaufszentrums, immer weiter redend und gestikulierend. Genau das ist eines von den vielen Dingen, die Eva an ihm liebt, seine Art, im Gehen immer wieder innezuhalten und sich seiner Begleitung zuzuwenden, wie um einer SchlĂŒsselstelle des GesprĂ€chs eine besonderes Gewicht zu verleihen.
    Er wird nicht wissen, ob sie schon da ist und er will um jeden Preis die Möglichkeit eines verrĂ€terischen Blickkontaktes mit ihm ausschließen, so deutet Eva sein Verhalten.
    Sie versteht das und wendet sich dem Schaufenster eines TaschengeschĂ€ftes zu, um sich abzulenken und nicht immer in die gleiche Richtung zu starren. Diese Situation hat es schon öfter gegeben. Jeden Moment wird er ihr die Hand von hinten auf die Schulter legen, sich tausendmal entschuldigen, ihr erklĂ€ren, wer die beiden gewesen sind und wird pflichtschuldig darĂŒber klagen, dass diese Stadt „ein Dorf“ und er froh sei, die beiden losgeworden zu sein.
    Nach einer Unendlichkeit, in der nichts geschieht, wendet sie sich wieder dem Gang voller Menschen zu und hĂ€lt Ausschau nach Heinz. Dort wo sie ihn zuletzt gesichtet hat, ist er nicht mehr und auch sonst nirgendwo.
    Er wird von den beiden schnell in ein GeschĂ€ft mitgezogen worden und schon auf Nadeln sein, denn er kann annehmen, dass sie lĂ€ngst da ist und wartet. Sie will nicht glauben, dass er das fertig bringt, sie ohne sich umzudrehen einfach so stehen zu lassen, um ein Geheimnis zu wahren, das lĂ€ngst keines mehr sein kann, sie treffen sich seit zwei Jahren an diesem Platz. Sein Verhalten heute lĂ€sst sie unglĂ€ubig und mit zunehmend flauem GefĂŒhl im Magen in die Menge schauen. Langsam begreift sie, dass er nicht mehr zurĂŒckkommen wird.
    Eva verlĂ€sst das Einkaufszentrum durch den Eingang, durch den sie es betreten hat. Die belebte Straße nimmt sie wie in Zeitlupe wahr und alles um sie her ist unwirklich weit weg und leise. Bei der Ampel wartet sie blind, obwohl die lĂ€ngst grĂŒn zeigt. Erst als ein anderer Passant an ihr vorbei ĂŒber die Straße geht, setzt sie sich ebenfalls in Bewegung und bleibt am gegenĂŒberliegenden Gehsteig erneut stehen. Was, wenn er in diesem Moment zurĂŒckgekommen ist und sie sucht? Sie dreht um, wartet auf die nĂ€chste GrĂŒnphase und eilt wieder ins Einkaufszentrum. Nein, er ist nicht da.
    ZurĂŒck in ihrer Firma und ihrem BĂŒro, zeigt das Display ihres Tischtelefons keinen weiteren Anruf, das heißt er ist noch in Gesellschaft, sonst hĂ€tte er sie inzwischen zu erreichen versucht. Sie nimmt sich fĂŒr den Rest des Tages frei, ihr ist nicht gut, was ihre Kollegen deutlich sehen können, ganz blass ist sie.
    Mit gesenktem Kopf beeilt sie sich, außer Reichweite von bekannten Gesichtern und zu ihrem Auto zu kommen, damit sich der Kloß in ihrem Hals endlich lösen und sie auf der Heimfahrt losheulen kann. Doch ihr Gesicht bleibt trocken, es gibt keine Erleichterung, nur ein GefĂŒhl des Fallens.
    Zu Hause nimmt Eva sich nicht einmal Zeit, die Post aus dem Briefkasten zu holen sondern hastet zu ihrem Handy, das am NetzgerĂ€t hĂ€ngt und lĂ€ngst aufgeladen ist. Keine neuen Anrufe. Sie wĂ€hlt seine Handy-Nummer, niemand hebt ab, und sie hat keine Ahnung, was sie davon halten soll. Aber zumindest weiß er jetzt, dass sie wieder erreichbar ist.
    Nach einer halben Stunde, in der sie regungslos auf der Couch sitzt und aus dem Fenster starrt, lĂ€utet das Telefon. Er ist untröstlich, ja er weiß, es ist unverzeihlich, wie peinlich, so geht man mit niemandem um. Sie sagt nichts. Es ist die Frau seines Brudes und dessen Tochter gewesen, er hĂ€tte nicht entrinnen können. 
Aber dass du dich nicht einmal kurz losreißen konntest, um
. Ja, er hat sich ĂŒberlegt, wie er es anstellen soll, aber es ging nicht, du weißt ja
.
    Eva hört nicht mehr zu. Jedes Wort, das er spricht, lĂ€sst den Schleier der Illusion durchsichtiger werden, dieses lĂ€ngst schon fadenscheinige Gespinst aus Hoffnung und Selbstbetrug. Als sie auflegt, ist das GefĂŒhl des Fallens einer schmerzhaften Klarheit und SchĂ€rfe gewichen, die sie begrĂŒĂŸt und sie weiß, dass sie endlich fĂ€hig sein wird, es zu beenden.

__________________
Ein anstÀndiger Mensch tut keinen Schritt, ohne Feinde zu kriegen. (Hermann Hesse)

Version vom 01. 08. 2014 18:01
Version vom 01. 08. 2014 21:25
Version vom 01. 08. 2014 21:32

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Wipfel
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

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Die Idee der Geschichte ist richtig gut. Mir gefĂ€llt, wie du nach und nach den Leser zur KalamitĂ€t der "Beziehung" fĂŒhrst.

Die Umsetzung gefÀllt mir noch nicht. Die Sprache finde ich oft zu alltÀglich, die SÀtze nicht durchdacht. Zwei Beispiele:

quote:
Er kehrt ihr den RĂŒcken zu und unterhĂ€lt sich mit einer Ă€lteren Dame, die in Begleitung einer Jungen ist, es könnten Mutter und Tochter sein. Seine Frau ist es nicht (Wer jetzt, die Tochter oder die Mutter?), die kennt sie von Fotos. Er muß die beiden gerade erst getroffen haben, denn vor fĂŒnf Minuten hat Heinz sie noch von seinem BĂŒro aus angerufen,(Wen jetzt? Die Tochter, die Mutter oder die heimliche Geliebte?) sein Termin wĂ€re zu Ende und er könne jetzt.


Kurze SĂ€tze beleben:
quote:
Immer öfter in letzter Zeit, wenn ihnen jemand aus seinem nĂ€heren Umfeld oder aus dem Dorf, in dem er wohnt, ĂŒber den Weg gelaufen ist, hat sein spĂŒrbares Unbehagen ihren Treffen einen bitteren Geschmack verliehen, den sie stets tapfer ignoriert hat.
Vorschlag: In letzter Zeit hatte etwas ihren Treffen einen bitteren Geschmack verliehen: immer wenn ihnen Bekannte von Heinz ĂŒber den Weg liefen, spĂŒrte sie sein Unbehagen. Doch sie schwieg dazu. Tapfer.


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James Blond
???
Registriert: Aug 2014

Werke: 450
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Gute Idee, anhand einer geplatzten Verabredung eine ganze Beziehungskiste aufzumachen. Was dort zum Vorschein kommt, ist in der Tat deprimierend: eine alternde Geliebte, die sich ihrer allmĂ€hlich verblassenden Funktion als LĂŒckenbĂŒĂŸerin bewusst wird. Und die nun aus der EnttĂ€uschung ĂŒber ihren Liebhaber die Kraft entwickeln muss, die Beziehung zu beenden.

Die Schilderung konzentriert sich dabei ganz auf Evas Innenleben, ihre Hoffnungsgedanken und ihr tiefes Schmerzerlebnis. Damit wird die Szene im Einkaufszentrum zum SchlĂŒsselerlebnis der verheimlichten Beziehung, die zerstörerische Kraft auf das SelbstwertgefĂŒhl der Protagonistin wird erfahrbar.

quote:
Sie will nicht glauben, dass er das fertig bringt, sie ohne sich umzudrehen einfach so stehen zu lassen, um ein Geheimnis zu wahren, das lÀngst keines mehr sein kann, sie treffen sich seit zwei Jahren an diesem Platz.

Nun aber hat Eva genau das erfahren mĂŒssen, was sie sich bisher zu glauben geweigert hatte. Insofern ist die Wendung am Schluss erklĂ€rt, wenn auch psychologisch nicht gerade plausibel. Denn die Trennungsabsichten schwinden gewöhnlich, sobald der Leidensdruck, wie hier durch den erwarteten RĂŒckruf, abnimmt. Da kippen die guten VorsĂ€tze gleich wieder. Wie gerne nimmt der Mensch LĂŒgen in Kauf, um der schmerzlichen Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu mĂŒssen!

quote:
Eva hört nicht mehr zu. Jedes Wort, das er spricht, macht die Verwandlung vollstĂ€ndiger und als sie auflegt, weiß sie, dass sie endlich fĂ€hig sein wird, es zu beenden.

Sicher lebt die Kurzgeschichte von der jĂ€hen Wendung am Schluss, dennoch sollte der finale GefĂŒhlsumschwung, nach soviel vorausgehender einfĂŒhlsamer Schilderung etwas besser verdeutlicht werden. Ihre zunehmende innere Distanz zum Partner sollte zum hier Ausdruck gebracht werden. Auch wĂŒrde ich hier noch nicht von "Verwandlung" sprechen, "Entschluss" reicht auch. Das gĂ€be mE auch einen besseren Titel ab: "Der Entschluss".

Dennoch gern gelesen.

LG JB

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