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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Im Einmachglas
Eingestellt am 28. 10. 2008 14:48


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moehrle
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Im Einmachglas

Eigentlich war es gar kein so ├╝bles Gef├╝hl. Zumindest nicht bis die Schmerzen anfingen, die seinen K├Ârper wie ein Wolkenbruch ├╝berschwemmten. Er war sich nicht sicher, ob er die Augen offen oder geschlossen hatte, jedenfalls war alles um ihn herum schwarz. So schwarz, wie er es niemals zuvor gesehen zu haben glaubte.
Er hatte die schizophrene Gewissheit, gestorben zu sein, bis er Ger├Ąusche in seiner N├Ąhe wahrnahm, die er nicht mit Bestimmtheit zuordnen konnte. Pl├Âtzlich kamen seine Erinnerungen zur├╝ck. Schlagartig und mit erschreckender Klarheit. Er konnte sich daran erinnern, dass er die Landstra├če entlanggelaufen war, auf dem Weg zum Bauern, um Fleisch und Eier zu kaufen.
Er hatte es nicht bis dorthin geschafft. Das Letzte, was er vor seinem inneren Auge sah, war ein silberner Kombi, der aus dem Nichts in sein Blickfeld gerast kam und ihn vom Boden riss. Er konnte sogar noch die Beulen auf der Motorhaube erkennen und das satte, mit roten Spritzern ├╝bers├Ąte Gras unter ihm.
Dann wurde es wieder schwarz.

Er h├Ârte eine weibliche Stimme ├╝ber sich.
ÔÇ×Trinken Sie.ÔÇť
Er trank; unbewusst und mechanisch. Die Feuchtigkeit, die sich in seinem Mund und seiner Kehle ausbreitete schmeckte nach Blut, war aber trotzdem eine Wohltat. Er konnte f├╝hlen wie der Schmerz in seinem K├Ârper allm├Ąhlich zur├╝ckgedr├Ąngt wurde.
Er versuchte zu sprechen, doch brachte keinen Ton heraus. Sterne funkelten vor seinen geschlossenen Lidern.
ÔÇ×Schlafen Sie weiter, Sie brauchen Ihren Schlaf.ÔÇť
Mit diesen Worten glitt er wieder zur├╝ck in das allumfassende Schwarz.

Er hatte keine Ahnung, wie lange er weg gewesen war, doch pl├Âtzlich war er wieder bei vollem Bewusstsein. Er ├Âffnete seine Augen, die sich anf├╝hlten, als w├Ąren sie mit Honig beschmiert, oder Blut, was der Wahrheit sehr viel n├Ąher kam.
Das Licht, dass in seine Pupillen str├Âmte, traf ihn wie Kugeln aus einer Pistole. F├╝r einen Augenblick bestand die Welt f├╝r ihn nur aus hellen Flecken und sich windenden Schlangen aus glei├čendem Licht. Die Konturen, die diese Flecken kurz darauf annahmen, kamen ihm fremd und falsch vor. Er hatte instinktiv damit gerechnet in einem sterilen, wei├čen Krankenhauszimmer aufzuwachen, doch das Zimmer in dem er lag hatte auf den ersten, tr├╝ben Blick mehr ├ähnlichkeit mit einem Kinderzimmer. Es war bis an die Decke voll gestopft mit Dingen, die er im Moment weder erkennen, noch zuordnen konnte. Er versuchte seinen Kopf etwas anzuheben, doch ihm fehlte die Kraft daf├╝r.
F├╝r einen kurzen Augenblick f├╝hlte er sich in seine Kindheit zur├╝ckversetzt und er verbrachte etliche Sekunden damit, zu ├╝berlegen, wie alt er war.

ÔÇ×Oh, sie sind wachÔÇť, sagte die Stimme neben ihm.
Er wollte den Kopf drehen, doch bevor er es versuchen konnte, tauchte das Gesicht einer jungen Frau ├╝ber ihm auf.
Sie hatte ein einnehmendes L├Ącheln.
Ehe er fragen konnte, wo er war, antwortete sie.
ÔÇ×Es kommt alles in Ordnung. Sie sind hier in besten H├Ąnden.ÔÇť
Er war immer noch sehr schwach und so fielen seine Augen wieder zu. Sanft strich ihm die junge Frau ├╝ber das Haar und er glaubte ihren Worten. Mit dem guten Gef├╝hl es schlechter h├Ątte erwischen zu k├Ânnen, schlief er wieder ein.

Mehrfach wachte er danach wieder auf, nur um kurz darauf wieder einzunicken. Die Abst├Ąnde dazwischen wurden immer k├╝rzer und jedes Mal wenn er die Augen ├Âffnete, blickte ihn die Frau mit einem warmherzigen Gesichtsausdruck an, der ihm sagte, dass alles gut werden w├╝rde.

Irgendwann war er wieder richtig wach und f├╝hlte sich so weit seinen Kopf anzuheben, um sich umzusehen. Auf einem alten Holzstuhl neben seinem Bett sa├č die junge Frau, in einem unmodischen Kleid, mit eng ├╝bereinander geschlagenen Beinen und auf den Knien zusammengefalteten H├Ąnden. Sie l├Ąchelte ihn an, ohne etwas zu sagen.
Er sah an sich herab und erschrak, als er seine Beine sah.
In einem ungesunden Winkel lagen sie wie Fremdk├Ârper unter seiner H├╝fte. Er hatte das Gef├╝hl sie bewegen zu k├Ânnen, doch er schaffte es nicht. Verzweifelt sah er zu der Frau neben sich. Sie starrte nur zur├╝ck. Ihr L├Ącheln nahm einen wolfs├Ąhnlichen Ausdruck an.
Er wollte anfangen zu sprechen, doch ein widerlicher Schmerz in seiner Kehle stoppte die Bem├╝hungen. Hilflos blickte er sich um und bekam einen Schock. Das kleine Zimmer war bis an die Decke vollgestopft mit K├Ąfigen, Terrarien und Einmachgl├Ąsern, in denen sich alle m├Âglichen Arten von Kleintieren befanden. Die meisten von ihnen waren verendet.
Er konnte Eidechsen, Schmetterlinge, M├Ąuse und undefinierbare, halbverweste Skelette erkennen. In einem gro├čen K├Ąfig, auf einer Kommode direkt vor ihm, lag eine bis auf die Knochen abgemagerte Katze, mit blutigen Pfoten, die nur noch m├╝hsam den Kopf oben halten konnte.
Die junge Frau stand neben ihm, noch immer l├Ąchelnd, ein Glas mit klarer Fl├╝ssigkeit in ihrer Hand.
ÔÇ×Trinken Sie aus und dann schlafen Sie noch ein bisschen, damit sie schnell wieder gesund werden.ÔÇť
Er wollte aufspringen und raus aus diesem Alptraum, doch als ihr Gesicht ├╝ber ihm auftauchte, war er nicht einmal in der Lage die Augen zu schlie├čen.


ENDE

__________________
moehrle

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Retep
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Hallo moehrle,

fand die Geschichte recht spannend, muss noch nachdenken, ob der Prot im Einmachglas landen wird.

Ein paar Anmerkungen zur Formulierung und R-Schreibung, vielleicht willst du was ├Ąndern:

-

quote:
So schwarz, wie er es niemals zuvor gesehen zu haben glaubte.

-
quote:
mit roten Spritzern ├╝bers├Ąte Gras unter ihm (sich?)

-
quote:
Er trank; unbewusst und mechanisch
(wenn er nach der Aufforderung zum Trinken trinkt,
geschieht das dann "unbewusst?

- Er konnte f├╝hlen , wie der Schmerz

- doch er brachte keinen Ton heraus

-
quote:
Das Licht, das in seine Pupillen str├Âmte, traf ihn wie Kugeln aus einer Pistole

- Er hatte instinktiv damit gerechnet , in einem sterilen, wei├čen Krankenhauszimmer aufzuwachen, doch das Zimmer . in dem er lag . hatte auf den ersten, tr├╝ben Blick mehr ├ähnlichkeit mit einem Kinderzimmer.

- Er versuchte , seinen Kopf etwas anzuheben

- Mehrfach wachte er danach wieder auf, nur um kurz darauf wieder einzunicken

- und f├╝hlte sich so weit , seinen Kopf anzuheben

Gru├č

Retep

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