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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Im Freibad
Eingestellt am 16. 07. 2014 08:22


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Happy End
Festzeitungsschreiber
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Im Freibad

Das niedrige Gartentor, der Weg ├╝ber die aufgeworfenen
Waschbetonfliesen und das vergilbte Thermometer am K├╝chenfenster hatten mir ein l├Ąngst vergessenes Gef├╝hl des Nach-Hause-Kommens gegeben.
Ich stie├č die T├╝r auf und betrat die Marmorfliesen im Flur.
Schon am Morgen war klar, dass es ein hei├čer Tag werden w├╝rde, und sp├Ąter, als alles erledigt war (zwei Handwerksfirmen wegen eines Kostenvoranschlages kontaktieren), beschlossen wir, ins Freibad zu fahren.
Damals hatte man auch "Badeanstalt" gesagt.
Das Auto lie├čen wir auf dem Parkplatz des Schulzentrums und schon weit vor dem Eingang erreichten uns der L├Ąrm der kreischenden Badeg├Ąste und der Geruch von Sonnenmilch.
Fr├╝her war ich mit dem Rad gekommen und hatte den spiralf├Ârmigen Metallst├Ąnder an der Hecke benutzt, den es nicht mehr gab. Auch das Kassenh├Ąuschen, in dem die Frau mit den toupierten Haaren f├╝r f├╝nfzig Pfennig die Karten abgerissen hatte, war verschwunden.
An gleicher Stelle spuckte ein Automat nach passendem M├╝nzeinwurf unsere Eintrittskarten aus.
Das hufeisenf├Ârmige Schwimmbecken, das man von der Terrasse vor dem Kiosk aus sehen konnte, wenn man das Drehkreuz passiert hatte, war ein unver├Ąnderter Anblick.
Es roch nach Chlor.
Wo fr├╝her Tischfu├čballk├Ąsten gestanden hatten, gab es jetzt wei├če Plastikm├Âbel, an denen man Kaffee trinken und Pommes frites essen konnte.
Die Frage, ob sie die Umkleidekabinen aufsuchen wollten, verneinten meine Kinder. Sie trugen die Badesachen unter ihrer Kleidung. Ich hatte es auch immer so gemacht.
Ohne zu ├╝berlegen, steuerte ich eine der Pappeln an, die die Liegewiese und den Bolzplatz voneinander trennten. Hier w├Ąhlten wir unseren Platz.
Meine Kinder streiften ihre Kleidung ab, bliesen einen Ball auf und verschwanden im Wasser.
Ich hatte ein Buch dabei und bemerkte die Sonnenliegen, die um das Schwimmbecken herum aufgestellt waren. Einige schienen unbesetzt zu sein.
In Shorts und Bikinioberteil, mit Schm├Âker und Sonnen├Âlflasche, durchschritt ich das flache Duschbecken, breitete ein Handtuch ├╝ber eine der Liegen und setzte mich. Ich schloss die Augen lie├č und den Stress der vergangenen Wochen und Monate von mir abfallen.
- Endlich Urlaub.
Unter dem ein wenig ironischen Beifall meiner Tochter absolvierte mein Sohn einige waghalsige Spr├╝nge von Drei-Meter-Brett.
Ich w├Ąre gern einfach wegged├Ąmmert, hinein in diesen blauen Sommernachmittag, h├Ątte die Augen geschlossen und die Ger├Ąusche von federndem Sprungbrett, platschendem Wasser und kreischenden Stimmen ausgeblendet, um nach dem Aufwachen dem Geruch aus der Pommesbude f├╝r "dreimal mit Ketchup und Mayo" zu erliegen.
Mein Telefon klingelte und eine der Handwerksfirmen versprach, noch heute jemanden vorbeischicken zu k├Ânnen - ab achtzehn Uhr?
Prima.
Mit D├Âsen war es vorbei, als ein Mann in geb├╝ckter Haltung direkt vor meiner Liege auf und ab zu watscheln, und seinem gummibefl├╝gelten, im Becken d├╝mpelnden Nachwuchs Schwimmunterricht zu erteilen begann.
"Armkreis, Beinkreis, grooo├čer Armkreis, grooo├čer Beinkreis, groooo├čer Beinkreis, Jonas, und Arme, Beine, Armkreis, grooo├čer...".
Dem gestikulierenden Mann war dabei entweder nicht bewusst oder v├Âllig gleichg├╝ltig, welchen Anblick er den Anwesenden mit seinem beginnendem Speckg├╝rtel um die H├╝ften bot, der ihm ├╝ber den Rand der Badehose schwappte, die zudem um ein paar entscheidende Zentimeter zu knapp ausfiel, sodass ich von meiner Position aus das zweifelhafte Vergn├╝gen hatte, ein gutes St├╝ck seiner Pofalte sehen zu k├Ânnen, wenn er sich zum Becken hinab beugte.
Wie gut, dachte ich, dass meine Beiden schon schwimmen k├Ânnen.
Und eigentlich war es ein kleines Wunder, dass sie bereit gewesen waren, ihre Mutter auf einem nostalgischen Trip ins Freibad ihrer Jugend zu begleiten.
Nachdem ich meine Oberschenkel auf Cellulitis untersucht hatte, z├╝ckte ich meinen Roman: eine blutr├╝nstige Schauergeschichte mit tiefen Einblicken in das Berufsbild des Pathologen, die Leihgabe einer Kollegin, die es ausgelesen, und zuvor von einer anderen Kollegin erhalten hatte. Zwei ├Ąhnliche Titel stecken in meinem Koffer f├╝r unseren bevorstehenden Aufenthalt in meinem Elternhaus, das ich vor dem Verkauf renovieren zu lassen beschlossen hatte.
Am├╝siert beobachtete ich, dass sich zu meiner Tochter ein pummeliger Junge gesellte, der ihr mit ernstem Gesichtsausdruck irgend etwas zu erz├Ąhlen schien, was sie zum Lachen fand.
Ein tropfnasses M├Ądchen stemmte sich aus dem Schwimmbecken und fl├╝chtete kreischend vor zwei Jungs zwischen den Sonnenliegen hindurch, wobei ich mit Wasser bespritzt wurde.
In diesem Freibad hatte ich bis zum Alter von siebzehn Jahren meine Sommer verbracht;
mit achtzehn Jahren war man zum Baggersee gefahren, dessen Ufer von "Baden verboten"-Schildern umstellt gewesen war.
Petra hatte immer eine "Bravo" in ihrer Tasche gehabt, und wir hatten b├Ąuchlings auf unseren Handt├╝chern unter einer der Pappeln gelegen, lachende Weingummi-Taler gegessen und die "Fotolovestory" der Bravo gelesen. Petra begann ein Damenbart auf der Oberlippe zu wachsen, der zu Anfang des Sommers besonders auffiel.
Meine Mathe-Hausaufgaben blieben unerledigt und ich schrieb sie am n├Ąchsten Morgen in der Schule von ihr ab.
Irgendwann hatte statt Petra ein Junge neben mir gelegen, von dem ich dachte, wir w├╝rden von jetzt an immer und ├╝berall zusammen sein, weil wir zueinander passen w├╝rden wie zwei H├Ąlften eines Br├Âtchens.
Unsere Freundschaft hielt drei Wochen lang, dann war er bis zum Ende des Sommers mit Petra ins Freibad gekommen...

Als wir genug hatten vom Baden, Faulenzen und Pommes frites-Essen, und aufbrechen wollten, begegnete mir in dem Duschbecken der Mann mit den speckigen H├╝ften, der den Tag damit zugebracht hatte, seinem Sohn das Schwimmen beizubringen, und ich erkannte ihn als denjenigen, der damals auf dem Handtuch neben mir gelegen hatte. Im gleichen Moment wurde mir meine Dummheit bewusst, bis zu diesem Tag geglaubt zu haben, seine H├╝ften k├Ânnten niemals Speck ansetzten, und dass er mir eines Tages vom Titelblatt der Zeitung als Nobelpreistr├Ąger entgegengrinsen w├╝rde.
Auch seiner Frau begegneten wir, die letzte Zweifel beseitigte, als sie ihn mit seinem Vornamen ansprach.
Und sie war l├Ąngst nicht so h├╝bsch, wie ich sie mir vorgestellt hatte.


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Happy End
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2014

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Hallo Jo Phantasie,
dankesch├Â├Â├Ân f├╝r deine positive Bewertung.
Wegen des fehlenden Spannungsbogens h├Ątte ich es wahrscheinlich besser bei "Kurzprosa" eingestellt?!
Ich werde n├Ąchstes Mal noch besser drauf achten, wo ein Text hingeh├Ârt.

LG

XX

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Happy End
Festzeitungsschreiber
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Hallo Lomil, Ammarinya, Jo Phantasie und USch,
na gut, Spannungsbogen hin oder her, is egal, wenns euch auch so gef├Ąllt.
Und so negativ, wie du sie verstanden hast, wollte ich meine Protagonistin nicht r├╝berkommen lassen, Amarinya.
Vielleicht ist sie ein bisschen oberfl├Ąchlich, wenn sie sich nur mit Cellulitis und Speck auf den H├╝ften besch├Ąftigt.
Das zu renovierende Elternhaus habe ich erfunden, weil sich in meiner Geschichte seit der Jugend meiner Hauptfigur ja viel ver├Ąndert hat. Au├čerdem konnte ich dadurch auf zwei zus├Ątzliche Personen (Eltern von Prot./ Gro├čeltern der Kinder) verzichten.

Gr├╝├če,

XX

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Happy End,
du bist hier in der LL wohlwollend aufgenommen und bewertet worden, hast von einigen Mitgliedern Verbesserungsvorschl├Ąge bekommen, aber leider noch keine Anstalten gemacht, den Text zu ├╝berarbeiten. So funktioniert Textarbeit nicht - ohne die Bereitschaft das anzugehen. Du wirst so erleben, dass sich dann keiner mehr f├╝r deine Texte interessiert. Das sag ich mal so, damit du dich dann nicht wunderst.
LG und frohes Schaffen
USch

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Im Freibad

Hallo Happy End,

eine gef├Ąllige, unaufgeregte, nostalgische Geschichte!

Wiederkehr an Orte der Kinder- oder Jugendzeit, kenne ich auch.
Einiges ist unver├Ąndert, erscheint einem aber oft viel kleiner.
Anderes ist total verschwunden.
Man kommt traurig nach Haus, weil man die Erinnerung, die viel sch├Âner war, zerst├Ârt hat.
Dass du ausgerechnet noch diesen Fettwanst, der vor dir herumturnt, als den h├╝bschen schlanken Jungen identifizierst, der neben dir unter der Pappel gelegen hatte, macht schlagartig bewusst, wie die Zeit alles ver├Ąndert.
W├Ąre er wenigstens noch schlank und sportlich gewesen, h├Ątte es vielleicht ein "Happy End" gegeben!

Lieben Gru├č
Maribu

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