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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Im Irgendwo oder Drei
Eingestellt am 01. 05. 2008 14:33


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verastein
Hobbydichter
Registriert: Apr 2008

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Im Irgendwo oder Drei

Ich sehe den Wagen. Er kommt mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf mich zu und ich h├Âre das Dr├Âhnen des Motors in meinen Ohren.

Die Haut sch├╝rfe ich mir auf, als ich die kleine Steintreppe hinter dem Hause runterfalle; weinend laufe ich zu Mutti. An den Wochenenden gehen wir spazieren. Einen Sonntagnachmittag darf ich aber im Bett verbringen. Mein Kopf h├Ąngt zur Seite und meine Lippen f├Ąrben sich blau und Papi f├Ąngt mich auf. Er bringt mich ins Bett. Kinder! Endlich 18. Mein erster Freund. Der erste Mann in meinem Leben, der mit mir schlafen will und mich mit einer betr├╝gt, die aussieht wie ein Pferd. Jungs, M├Ąnner. Solche, die es werden wollen. Neckische Streiche, wildes Leben, viel Musik. Jahre! Ich sp├╝re das kleine Leben in mir. Es w├Ąchst und ich versuche mir vorzustellen, ob es ein Junge oder ein M├Ądchen wird. Man schneidet mich auf und zieht das kleine Wesen aus mir heraus. Ich kann es nicht sehen, denn ich schlafe ganz fest, wei├č nicht wie es ist, ein Kind zu geb├Ąren. Gerade bin ich zweimal dem Tod entwischt. Jahre, viele Jahre. Mein Leben ├Ąndert sich. Erst kaum merklich, dann rasant. Ich gehe meinen eigenen Weg. An meiner Seite mein Sohn.

Irgendwo

Noch immer fliegen Blechteile durch die Luft, als aufstehe. Kleine Scherben fallen aus meinen Haaren und von meinen Sachen auf den Boden herab auf die Frau unter mir. Und durch meine Bluse haben sich die Blutstropfen hindurch gefressen.

Ich w├Ąlze mich durch die Massen. Ach, ich liebe die Farbe schwarz, die Summe aller kolorierten Bilder in meinem Kopf. Ich tauche ein in den Strom der Menschen, der mich aufnimmt und mitzieht, bis ich feststelle, dass ich alles andere als in Schwarz gekleidet bin.
Einer von denen, die vor mir gehen sieht aus wie Patrick Swayze.
Ob er mit mir tanzen wird?
\"Du warst doch sonst kein Kind von Traurigkeit?\", meint eine Dame ├╝ber mir.
\"Tr├Ąume ich?\", frage ich sie.
\"Wei├č ich auch nicht...\"
Alle um mich herum unterhalten sich ganz angeregt. Ich kann aber nichts h├Âren, weil es viel zu leise ist.
\"Wie alt bist Du geworden?\", werde ich gefragt. Ein junger Mann neben Patrick dreht sich nach mir um.
\"Ich werde bald 36!\"
\"Zeig her!\"
Ich halte ihm meine Geldb├Ârse vor die Nase. Er beginnt zu z├Ąhlen. Doch er l├Ąsst ein Jahr aus, z├Ąhlt eines doppelt, ├╝berspringt dann drei und so weiter.
\"Tatsache 35...\", stimmt er mir zu.
Ich bin verwirrt und z├Ąhle nach. 35!
Geworden? Ich bin doch, warum also geworden?
Ich blicke irgendwohin und sehe ein Licht, in dem ein Strom endet, der aus vielen kleinen P├╝nktchen besteht.
Jeder Punkt ist ein Mensch und ich bin inmitten dieser Masse.
Es ist wie in einem dieser Filme, wenn ein menschliches Wesen nach dem Leben auf dem Weg in den Tod vor einem glei├čenden Licht schwebt. Ich schaue mich um, dann wieder ins Licht.

\"Ich bin noch nicht fertig!\" schreie ich auf.
\"Ich bin noch nicht soweit!\"

Ich versuche zu denken, richtig zu denken, und Angst beschleicht mich, weil ich nicht das machen kann, was ich m├Âchte, weil ich wieder Angst habe, dass am Sonnabend ganz in der Fr├╝h mein Wecker klingeln wird und ich verschlafe, obwohl ich nicht aufstehen muss, weil ich Angst habe, ein Weltkrieg bricht aus und der Tisch unter dem ich mich verkrieche, mal wieder nichts abhalten kann, dass ich von finsteren Gestalten verfolgt werde, die ich nicht kenne und ich mich schon wieder nicht vom Fleck wegbewegen kann, dass die Kellertreppe viel zu laut knarrt und mich an ihrem Ende die Finsternis verschlingen wird, dass jemand an meiner Welt r├╝ttelt, so wie jetzt und ich nichts sagen kann.

Drei

Eine Katze hat sieben Leben.
Sagt man!
Ich hingegen muss mit einem auskommen.
Ein kleines Wunder bin ich, wie all die anderen Menschen, die bisher ein K├Ârnchen in diesem Universum sein konnten. Was f├╝r ein winziges K├Ârnchen!
Ich habe immer Angst vor dem Augenblick gehabt, wenn alles vorbei ist oder ich vor mich hinvegetiere, weil mein Gehirn nur noch aufnehmen aber nichts mehr geben kann, wenn mein K├Ârper nur noch eine H├╝lle, Heimat f├╝r das Einzigartige gewesen ist.
Kinderlachen, H├Ąnde, die morgens meine Haare k├Ąmmen, Licht, Schatten, Farben, Regen und Nebel, K├╝sse, Begehren, Liebe, Triebe und Heiterkeit und dann nichts mehr.
Einfach nichts wird sein.
Aber, dass jemand an meiner Welt r├╝ttelt, so wie jetzt und ich noch immer nichts sagen kannÔÇŽ
Warum habe ich nie den Mann getroffen, der wie Patrick tanzen und k├╝ssen kann?

Das Licht ist zum Greifen nah.
Aber ich bin noch nicht soweit.
Und ich kehre um, weil ich dort sicher nicht das Gl├╝ck, den Mann f├╝r mich oder sonst etwas finden werde.
Weil ich noch nicht fertig bin, nicht bereit f├╝r das bin, was nicht kommt, weil jemand an meiner Welt r├╝ttelt und ich Stimmen h├Âre, die meinen Namen rufen, weil da jemand ist, der mich wiedersehen m├Âchte, weil noch viele Gedanken ausgesprochen werden wollen, viele K├╝sse auf mich warten und meine Haut ber├╝hren m├Âchten, die Sonne noch eine Ewigkeit scheinen wird, weil ich den Duft nach einem Regen berauschend finde, weil ich lieben und schwitzen will und leben will!


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