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Leselupe.de > Kindergeschichten
Im Kinderknast
Eingestellt am 11. 02. 2012 17:41


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Arno Abendsch├Ân
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Die ├ärzte fanden Klein-Arno etwas schw├Ąchlich. Die AOK bewilligte eine Kur. Am Reisetag brachten ihn seine Eltern mit dem Auto in die nahe Gro├čstadt. Auf dem Busparkplatz waren viele fremde Kinder. Arno war etwas b├Ąnglich zumute, es war seine erste Reise ├╝berhaupt.

Das Sanatorium lag im Hochschwarzwald. Die Fahrt dauerte viele Stunden. Die Kinder langweilten sich. Einigen wurde vom Busfahren schlecht. Hinter Freiburg ging es ins Gebirge. - "Da schaut einmal, der Hirschsprung!" sagte die Betreuerin. Alle reckten den Hals, um das Denkmal des Hirschs zu bewundern. Die unter ├ťbelkeit Leidenden vertrugen die ruckartige Bewegung nicht: Jetzt kotzten sie wie auf Kommando.

Das Heim lag in einem engen Waldtal. Der Weiler bestand nur aus vier H├Ąusern. Im Nachbarort (sieben H├Ąuser) gab es einen Laden, in dem man S├╝├čwaren kaufen konnte; falls man Geld hatte. Das Essen im Heim war weder besonders schmackhaft noch geradezu ├╝ppig. Eine Hauptrolle spielte der Haferbrei, der jeden Morgen anders gef├Ąrbt auf den Tisch kam: rosa oder gelb oder gr├╝n. Die Kinder lie├čen sich nicht t├Ąuschen: Der Brei schmeckte immer eklig.

Eine Nahrungserg├Ąnzung waren die Bucheckern, die sie im Wald auflasen. Das brachte etwas Abwechslung in die langweiligen Spazierg├Ąnge. Die ├Ąltere Tante, die die Kinder herumf├╝hrte, sang mit br├╝chiger Stimme: "Wenn alle Br├╝nnlein flie├čen, ja, flie - hie - ├čen ..." Klein-Arno erz├Ąhlte den anderen, er wolle sp├Ąter Filmstar werden und nur in Kriegs- und Liebesfilmen mitspielen.

Ab und zu durften die Kinder Briefe nach Hause schreiben. Die fertigen mussten zur Kontrolle vorgelegt werden. Sie wurden zensiert, d.h. jede Kritik wurde unterbunden. Da war schon einmal eine ganze Seite neu zu schreiben. Ein Kind berichtete: "Gestern a├č ich keinen Pudding." Es musste ge├Ąndert werden: "Gestern a├č ich einen Teller Pudding."

Um die erw├╝nschte Gewichtszunahme zu erreichen, lie├č man die Kinder den halben Nachmittag in Liegest├╝hlen Ruhe halten. Die St├╝hle standen in einem langweiligen Wintergarten. Auch hier wurde gesungen: "Wenn alle Br├╝nnlein flie - hie - ├čen ..." Oder, noch aufregender: "C - A - F - F - E - E ... schw├Ącht die Nerven, macht dich bla - ass u - hund krank..." Und dabei gab es im Heim nie Kaffee zu trinken.

Es herrschte immer Mangel an Liegest├╝hlen. Stets mussten sich einige zu zweit in einen Liegestuhl quetschen. Sie quengelten und ruckelten, bis wieder eine Stoffbahn riss und auch dieser Stuhl ausrangiert werden musste. Ersatzst├╝hle gab es nicht.

Allm├Ąhlich bahnte sich etwas an - eine Kinderrevolte. Sollte man einfach weglaufen? Einige schrieben Briefe nach Hause, ├╝ber die wahren Zust├Ąnde im Heim, und baten: Holt uns hier raus! Die Leitung bekam Wind davon, bevor die Briefe im Kasten lagen. Es folgten eine Durchsuchung der Zimmer und Stubenarrest am n├Ąchsten Tag.

Endlich waren die sechs Wochen um. Als letztes Fr├╝hst├╝ck gab es noch einmal diesen Brei. H├Âchste Zeit, dass sie wieder etwas Festes zu bei├čen bekamen, alles rutschte bei ihnen nur noch durch.

"Da, schaut noch einmal, der Hirschsprung!" Klein-Arno verdrehte den Hals und jetzt kotzte auch er.

Seine Eltern nahmen ihn auf dem Parkplatz in Empfang. "Na, gut erholt?" Die Zweifel waren berechtigt. Zwei Tage sp├Ąter mussten sie ihn zum Arzt bringen. Er hatte eine Gelbsucht mitgebracht und konnte noch wochenlang nicht zur Schule gehen.

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