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Leselupe.de > Anonymus
Im Krankenzimmer
Eingestellt am 15. 05. 2007 17:22


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Meine Bettnachbarin war ├╝ber Tage hinweg ein H├Ąufchen Elend gewesen. Sie musste sich aufgrund der Darmoperation ger├Ąuschvoll und unappetitlich auf dem Leibstuhl entleeren. Das war ihr so unangenehm, dass sie sich am liebsten den ganzen Tag unter das Bett gelegt h├Ątte. Sie sprach nicht mit uns, sah uns nicht an. Die Gespr├Ąche mit den ├ärzten f├╝hrte sie mit zaghafter, br├╝chiger, j├Ąmmerlicher Stimme.

Am vierten Tag bekam sie Besuch von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn. Das Enkerl lief voraus, sie begr├╝├čte es herzlich, fast ├╝berschw├Ąnglich. Vielleicht eine Stunde dauerte es, bis wir sechs Patientinnen wieder allein im Zimmer waren. Doch etwas hatte sich ver├Ąndert.

Im Halbschlaf bekam ich mit, dass sich jemand bei ihr bedankt hatte. Sie hatte f├╝r eine andere Patientin die Jalousien hinunter gelassen. ÔÇ×Naja, zumindest f├╝r etwas bin ich noch gutÔÇť, erwiderte sie fr├Âhlich. Eine andere Stimme sprach aus ihr: Voll Mut, Zuversicht, Stolz. Es ber├╝hrte mich sehr. Ein einfacher Besuch, vielleicht eine l├Ąstige Nebens├Ąchlichkeit f├╝r die Besuchenden, hatte das Wesen meiner Bettnachbarin nachhaltig umgew├Ąlzt. Die Liebe zu und von einem anderen Menschen hatte ihr die Selbstachtung wiedergegeben.

(Eine wahre Geschichte. 20. April 2007)


---

alte Variante der ersten beiden Abs├Ątze:

Ein H├Ąufchen Elend war meine Bettnachbarin ├╝ber Tage hinweg gewesen. Aufgrund der Darmoperation entleerte sie sich auf dem Leibstuhl ger├Ąuschvoll und unappetitlich. Das war ihr so unangenehm, dass sie sich am liebsten den ganzen Tag unter das Bett gelegt h├Ątte. Die Gespr├Ąche mit den ├ärzten f├╝hrte sie mit zaghafter, br├╝chiger, j├Ąmmerlicher Stimme.

Am vierten Tag bekam sie Besuch von Tochter und Schwiegersohn. Das Enkerl lief voraus und wurde mit einem freudigen Ruf begr├╝├čt. Vielleicht eine Stunde dauerte es, bis wir sechs Patienten wieder allein im Zimmer waren. Doch etwas hatte sich ver├Ąndert.

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Hallo!

Vielen Dank, nichts, f├╝r deine positive R├╝ckmeldung. Freut mich, dass etwas von dem intensiven Gef├╝hl r├╝ber gekommen ist.

Danke auch f├╝r die konstruktive Kritik, no-name. Ich denke, Du hast Recht, dass der Stil ziemlich objektiv gehalten ist. Aufgrund der starken Emotion, die der Text f├╝r mich hat, tu ich mir sehr schwer mit der richtigen Balance zwischen k├╝hl und Kitsch. Was mir jedoch aufgefallen ist, dass viel auch an der Satzstellung liegt. Ein anderer Versuch daher f├╝r die ersten beiden Abs├Ątze:

Meine Bettnachbarin war ├╝ber Tage hinweg ein H├Ąufchen Elend gewesen. Sie musste sich aufgrund der Darmoperation ger├Ąuschvoll und unappetitlich auf dem Leibstuhl entleeren. Das war ihr so unangenehm, dass sie sich am liebsten den ganzen Tag unter das Bett gelegt h├Ątte. Sie sprach nicht mit uns, sah uns nicht an. Die Gespr├Ąche mit den ├ärzten f├╝hrte sie mit zaghafter, br├╝chiger, j├Ąmmerlicher Stimme.

Am vierten Tag bekam sie Besuch von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn. Das Enkerl lief voraus, sie begr├╝├čte es herzlich, fast ├╝berschw├Ąnglich. Vielleicht eine Stunde dauerte es, bis wir sechs Patientinnen wieder allein im Zimmer waren. Doch etwas hatte sich ver├Ąndert.

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no-name
Guest
Registriert: Not Yet

Mir gef├Ąllt deine zweite Textversion deutlich besser als deine erste. So kommt dein Text viel emotionaler bei mir an! Jetzt tun mir die sechs Punkte schon wieder leid...

Liebe Gr├╝├če von no-name.

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Prosaiker
Guest
Registriert: Not Yet

In dieser Form meines Erachtens Kitsch. Zweifellos war das Erlebnis f├╝r dich, Anonymous, ber├╝hrend und belebend. Ich arbeite im Krankenhaus und kenne daher etliche solcher und ├Ąhnlicher Situationen. Es gab sogar einen Moment, der, obwohl ich nur Beobachter war, vielleicht als einer der sch├Ânsten in meinem bisherigen Leben bestehen bleiben kann. Aber ansprechend aufschreiben k├Ânnte ich ihn noch nicht. ├ähnlich sehe ich deinen Text: flink aufs Papier gebracht, was dein Herz erw├Ąrmte (bitte ohne Ironie lesen). Er ist Skelett, kein Blut, kein Fleisch, eine d├╝rre Aufzeichnung, die weder sprachlich noch inhaltlich rund zu sein scheint. Vielleicht w├╝rde eine gewisse Distanz zum Erlebten dieser Prosa helfen, ein flie├čender Text zu werden. Momentan sehe ich drei Stichworte, die um ein paar S├Ątze erweitert wurden: Darmoperation - Besuch - Selbstachtung. Da geht mehr.

Gr├╝├če,
Prosa.

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Hallo,

vielen Dank, Prosaiker, f├╝r Deine Analyse. Ich denke, Du hast recht gut die Probleme erkannt, die ich auch selbst mit dem Text habe und wie ambivalent sie sind: Ist einerseits stark kitschverd├Ąchtig, andererseits wird es durch mehr Objektivit├Ąt in der Sprache zu h├Âlzern.

Gerade die Distanz zum Text, die ihm Deiner Meinung nach helfen w├╝rde, kann ich im Moment nicht aufbringen. Interessant finde ich f├╝r mich selbst, dass die einzelnen Tatsachen "Darmoperation - Besuch - Selbstachtung" (in Deiner Diktion) f├╝r sich genommen ja nicht aufregend sind; man m├╝sste ja fast ein "na und?" dahinter h├Ąngen. Aber irgend etwas an der Szene ber├╝hrt mich sehr, und ich habe noch nicht klar herausgefunden, was. Vielleicht auch deshalb die Knappheit...

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