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Leselupe.de > Humor und Satire
Im Moulin Rouge
Eingestellt am 29. 10. 2005 03:02


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Marius Speermann
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Registriert: Jul 2005

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„Wenn Du in Paris bist und nicht ins Moulin Rouge gehst, dann bist Du entweder nicht normal oder kinderlos!“, sagt ein altes aztekisches Sprichwort.

Meine Freundin Natasha und ich verbrachten eine Woche vor Weihnachten ein paar erholsame Tage in Paris. Wie uns gesagt wurde, gĂ€be es dort ein Etablissement, in dem nackte Frauen und so auf der BĂŒhne tanzen wĂŒrden, und das alles ohne einen Fetzen Stoff am Leib. Wir waren unglĂ€ubig und konnten uns das nicht vorstellen.

Unsere vorsichtigen Erkundungen bei den Einheimischen waren lange Zeit von Mißerfolg geprĂ€gt. Niemand konnte uns Auskunft geben oder wollte bestimmteres sagen. Wir hatten schon beinahe aufgegeben, als uns der Hotelportier eines Abends beim Verlassen der DrehtĂŒr den Namen des Ortes verstohlen zuflĂŒsterte. „Moulin Rouge!“ hauchte er und sah sich nervös um. „Nur wenige Eingeweihte wĂŒrden wissen, wo sich dieser Ort befĂ€nde.“ Wir wurden neugierig. Unsere Abenteuerlust war geweckt.

Ein großzĂŒgiges Trinkgeld ĂŒberzeugte den Portier, daß wir es ernst meinten. Die Karten waren zu einem sĂŒndhaft teuren Preis rasch bestellt. Am Abend rief der Portier fĂŒr uns ein Taxi und bedeutete dem Fahrer unter Anwendung einer alten Pariser Geheimsprache, wohin wir fahren wollten. Der Taxifahrer warf einen verĂ€chtlichen Blick durch den RĂŒckspiegel auf uns, spie angewidert aus und fuhr leise vor sich hinschimpfend los.

Zwei StraßenzĂŒge vor dem eigentlichen Ziel schmiß er uns angsterfĂŒllt aus dem Taxi und entfernte sich eiligst mit quietschenden Reifen.
Die umliegenden StraßenzĂŒge waren verstopft, die Straßenlampen schimmerten matt und auf den Gehsteigen tummelte sich ganz Paris. Natasha wollte die Gelegenheit nutzen und ein Erinnerungsfoto machen. Kaum hatte sie sich zwei Schritte von mir entfernt, als aus den HauseingĂ€ngen Horden an attraktiven jungen Frauen in Miniröcken und Lacklederstiefeln auf mich zustĂŒrzten. Ihre Angebote, in einem Privatklub eine Pfeife zu rauchen, lehnte ich freundlich ab, schließlich bin ich Nichtraucher. Mit einem wohlwollenden Rat, sich doch bei dem Weihnachtswetter wĂ€rmer anzuziehen, verabschiedete ich mich von den netten Damen.

Vor dem Eingang des wenig luxuriös aussehenden Schuppen drĂ€ngten sich Massen an asiatischen und russischen GĂ€sten, die sich gegenseitig beim Fotografieren im Weg standen. Unsere Blicke schweiften im Foyer umher. Wir waren entsetzt. An den WĂ€nden und ĂŒber unseren Köpfen reihten sich Darstellungen von halbnackten Menschen. Natasha lief rot an und bedeckte verschĂ€mt die Augen mit ihrer Hand. Ich war empört ĂŒber den Detailreichtum der Zeichnungen, speziell der vollbusigen Frauen, deren kurvenreichen HĂŒften und endlos langen Beine. Das war doch nichts fĂŒr die zahlreichen Kinder, die hier in der Warteschlange mit den Eltern standen.

Nach einigem Warten wollten wir mit den anderen GĂ€sten an der Garderobe vorbei in den halbrunden Saal strömen, aber wir hatten nicht mit der Schnelligkeit der Garderobedamen gerechnet. In atemberaubender Geschwindigkeit hatten sie uns die MĂ€ntel und 5 Euro GebĂŒhr abgenommen. Erst dann öffneten sich die SaaltĂŒren.

Im Saal war bereits eine große Völlerei im Gange. Zwischen den GĂ€ngen huschten die Kellner, Champagnerkorken knallten und die Stimmung war kolossal. Unser Kellner bat die ausgelassen tanzende und offensichtlich russische Gesellschaft, doch von unserem Tisch herunterzusteigen, zog das Tischtuch gerade, stellte die GlĂ€ser hin und schenkte uns Champagner ein. Jedenfalls stand auf der Flasche »Champagne« drauf. Was es wirklich war, konnten uns die Geschmacksnerven nach dem ersten Schluck nicht mehr mitteilen. Sie waren von dem Gesöff vollstĂ€ndig abgetötet worden.

WÀhrend wir Dekoration, Inventar und Flaschenetikett betrachteten, pirschte sich eine Fotographin von hinten an uns heran. Wir setzten unser bestes Kampfgrinsen auf, es blitzte und schon einige Minuten spÀter konnten wir mit unseren geblendeten Augen wieder verschwommene, schattige Umrisse erkennen.

Der Vorhang hob sich, die Show begann. Halb mit dem RĂŒcken zur BĂŒhne gewandt saß ich auf meinem Platz und mußte den Kopf seitlich drehen, um zu sehen, wie die ersten Showgirls hereinhĂŒpften. Ihre Federkopfschmuck und die um die nackten BrĂŒsten getragenen Blumenketten schwangen wie wild. Voll Ekel sah ich mir das durch mein Opernglas genauer an, als ich einen heftigen Schmerz im linken Schienbein verspĂŒrte. Natasha riß mir mit gefletschten ZĂ€hnen das Opernglas aus der Hand.

Zur dröhnenden Musik turnten ein paar MuskelmĂ€nner herein und fĂŒhrten einige gymnastische Übungen durch. Natasha klebte am Opernglas. Ich setzte mich wie zufĂ€llig vor die Linsen, damit sie auch einmal einen gut gebauten Mann sehen konnte.

Kaum waren die aufgeblasenen MuskelmĂ€nner fertig, stolperten mit großem Trara ein paar Clowns herein, brachten sich gegenseitig zu Fall, scherzten mit dem Publikum und taten auch sonst viel Ausgelassenes auf der BĂŒhne. Die Kinder vor uns kreischten voll VergnĂŒgen. Moment mal? Kinder im Moulin Rouge? Mein Blick hatte mich nicht getĂ€uscht. Eine Familie mit einem MĂ€dchen und Jungen im Volksschulalter hatte vor uns Platz genommen. Ein Kellner versperrte uns die Sicht und fĂŒllte Champagner fĂŒr die Kleinen nach. Diese Pariser!

Kaum war der Kellner weg, hob sich langsam aus der Mitte der BĂŒhne ein breiter Wassertank, in dem sich ein paar Pythons tummelten. Verzweifelt versuchten sie, aus dem Aquarium zu flĂŒchten, da packte sie auch schon die halbnackte Schlangendompteurin von hinten und schlug mit ihnen einige Saltos im Wasser, wickelte sie um sich, hob sie ĂŒber den Kopf und warf sie zurĂŒck ins Wasser. Torkelnd schwammen die Schlangen zum Rand des Beckens, wo sie mit flehenden Blicken die Abendgesellschaft anbettelten, als auch der Wassertank schon wieder in der Versenkung verschwand. Die Menge raste, die Kinder quiekten.

Unterdessen holperten auf die BĂŒhne neuerlich langbeinige Damen, diesmal in alten, enggeschnittenen Uniformen. Sie warfen die Beine im Stechschritt hoch und ihre UniformjĂ€ckchen gaben verschmitzt den Blick auf volle Busen frei. Meine EntrĂŒstung wuchs, besonders wegen des JĂ€ckchens der rassigen BrĂŒnetten, das nicht weit genug aufspringen wollte.

Dann kamen wieder die Clowns, schnitten Grimassen, fielen hin, standen auf, rannten tollpatschig herum. Die Kinder vor uns kicherten höflich.

Eine Soubrette walzte die Treppe hinunter, sĂ€uselte französisch klingende Worte in das Mikrofon und wurde sogleich von der einsetzenden Musik ĂŒbertönt. Ihre Lippen formten verzweifelt Laute, doch der dröhnende MusiklĂ€rm schwappte sie hinweg. Der Kellner brachte erneut GetrĂ€nke zu den Kleinen vor uns und als er uns die Sicht wieder freigab, war als nĂ€chster Programmpunkt bereits ein bauchredender Rabe mit einer Menschenpuppe hereingeflogen und erzĂ€hlte schmutzige Witze.

Als Überraschung des Abends kamen von Neuem die Clowns, schnitten Fratzen, plumpsten flach auf den Boden, trippelten herum. Die Kinder vor uns bohrten gelangweilt in der Nase und dĂ€mpften ihre Zigarren aus.

Natashas Blick war hohl geworden, geistige DĂŒrre machte sich in meinem Kopf breit. Eine kurze Abstimmung per Augenkontakt, und wir robbten durch die Phalanx der Kellner vorzeitig dem Ausgang hinzu. Die Garderobiere hĂ€ndigte uns beilĂ€ufig die MĂ€ntel aus, als der Empfangschef zu uns herantrottete und sich unterwĂŒrfig erkundete, ob uns die Show nicht gefallen hĂ€tte. „Aber ganz und gar nicht. Wie komme er darauf?“ antwortete ich erstaunt. „Wir hĂ€tten nur nicht gewußt, daß man Kinder mitbringen soll. Und außerdem wĂ€re uns plötzlich eingefallen, daß wir noch dringend nachzĂ€hlen mußten, ob unsere Kakteen im Hotel noch alle Stacheln hĂ€tten.“ Mitleidig sah er uns an und verschwand im Halbdunkel.

Das Moulin Rouge spuckte uns aus und wir traten auf die Straße. Paris und die richtigen Nachtklubs auf der Pigalle hatten uns wieder. Hier hofften wir uns Anregungen holen zu können, wie man Kinder macht. Schließlich wollten wir das Moulin Rouge einmal wie die Pariser als Familie genießen.

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coxew
???
Registriert: Jun 2005

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wieso nicht einfach das moulin rouge besuchen, warum dieses umstÀndliche auskundschaften. zum anderen, wenn man ahnt, was da auf eine(n) zukommt, wozu sich antun was man eh verabscheut?

besonders der letzte abschnitt mutet sehr naiv an.

insgesamt drÀngt sich mir der eindruck auf, ... ich mach mal was "gefÀhrliches", am ende passiert mir ja nichts ... -

(die wohlgehĂŒteten gymnasiasten wagen "abenteuer")

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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also

ich glaube, das ist dein bisher schwÀchstes werk.
lg
__________________
Old Icke

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F Fuller
Festzeitungsschreiber
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quote:
An den WĂ€nden und ĂŒber unseren Köpfen reihten sich Darstellungen von halbnackten Menschen. Natasha lief rot an und bedeckte verschĂ€mt die Augen mit ihrer Hand. Ich war empört ĂŒber den Detailreichtum der Zeichnungen, speziell der vollbusigen Frauen, deren kurvenreichen HĂŒften und endlos langen Beine.

In welcher Epoche findet die Handlung denn statt????

quote:
„Aber ganz und gar nicht. Wie komme er darauf?“
Falsche Form fĂŒr die wörtliche Rede (und es ist wörtliche Rede, da in "").

Sorry, Marius, aber dieses Werk reisst mich auch nicht vom Hocker.

Gruss
Fuller




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Marius Speermann
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Registriert: Jul 2005

Werke: 51
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Danke fĂŒr Eure Kommentare. Da ich einige Tage wegen Grippe flachlag, komme ich erst jetzt dazu vernĂŒnftig zu antworten.

Ich muss sagen, dass in den meisten FĂ€llen mein BauchgefĂŒhl (so eine Art "Zufriedenheitsfaktor" mit dem Text) zumeist mit Euren Kommentaren ĂŒbereingestimmt hat.
Bei "Pimp my read" war's insofern schwierig, als ich den Text zwar mit gleicher strenger Technik, aber in anderem Stil angelegt hatte. Da kann das Ergebnis dann ins eine oder andere Extrem gehen. In diesem Fall ging's gut.

Bei "Im Moulin Rouge" war ich bis zum Schluss nicht zufrieden mit dem Text, der Struktur, der Pointe. Alles weder Fisch noch Fleisch. Auch stand immer die BefĂŒrchtung, ich zĂ€hle einfach nur auf.

Die Geschichte beruht klarerweise auf einer wahren Begebenheit. Die Eckpfeiler wie Kinder im MR, gymnastikhopsende "TĂ€nzerinnen", langweilige Clowns, und vorzeitiges Verlassen der Veranstaltung, etc. sind so geschehen.

Die Geschichte brĂ€uchte aber vermutlich mehr Fokus und einen konsistenten Faden. Ich tu mir aber immer noch schwer mit der Geschichte. Einige Elemente sind bereits durchaus gut (denke ich), aber sie mĂŒssen auch zusammenpassen, um das Bild rund zu machen. Die Botschaft die ich momentan transportiere, ist insofern widersprĂŒchlich.
Vielleicht muss ich erst noch mehr Abstand zum Ereignis gewinnen und habe mal einen Geistesblitz.

Und was die GymnasiĂ€ler auf Abenteuer betrifft: die wĂ€ren wohl auch vom Moulin Rouge enttĂ€uscht. Das ist so harmlos, dass selbst die VolksschĂŒler heute schon dort sind.

Marius

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