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Leselupe.de > Humor und Satire
Im Netz der Spinnenfrau
Eingestellt am 21. 02. 2003 13:51


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Manic Peter
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2003

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Myrra liebte Spinnen. Und ich liebte Myrra. Ihre dunkle Aura zog mich in den Bann. Mittlerweile st├Ârten mich auch die sich von der Decke herabseilenden Insekten nicht mehr. Ich sah nur noch Myrra. Und Myrra sah in ihrer Kugel das Schicksal der Welt.
Frederick, mein bester und einziger Freund, lachte mich aus: ┬źWie kannst du nur mit diesem Weib zusammen sein?┬╗ Doch aus Fredericks Mund sprach der Neid. Myrra hatte ihn verlassen, vor Wochen schon. Und Neid ist bekanntlich gr├╝n wie Gift. Das Gift in seinem Herzen schmerzte mich. Trotzdem blieb Frederick mein bester Freund. Mein einziger.
Frederick lud mich in sein Wochenendhaus. Ich musste Myrra um Erlaubnis fragen, denn an den Wochenenden pflegten wir gemeinsam ihre Tiere zu z├Ąhlen. Es braucht ein Wochenende, um sie alle aufzust├Âbern.

Fredericks Einladung machte Myrra w├╝tend. Wenn Myrra w├╝tend war, dann verdunkelte sich der Himmel. Wenn Myrra ihre Wut hinausschrie, zuckten die Blitze und rollten die Donner. Und Myrra war w├╝tend. W├╝tender als jemals zuvor in ihrem Leben. Wenn Myrra in den n├Ąchsten Stunden nicht zu bes├Ąnftigen war, dann w├╝rden die Fl├╝sse ├╝ber die Ufer treten und die Gegend verw├╝sten. Die Menschen bereiteten sich auf das Schlimmste vor.

Frederick sagte seine Einladung ab. Bei diesem Wetter war nicht an ein erholsames Wochenende zu denken.
┬źHol die Gl├Ąser┬╗, befahl Myrra. Wir sperrten die Spinnen in alte Marmeladegl├Ąser und f├╝tterten sie mit fetten Fliegen. Die gr├Âssten von ihnen fanden kaum Platz. Die Spinnen wurden von Tag zu Tag gr├Âsser. Es gab sie in allen Sorten, Farben und Formen, aber die Jagdspinne ┬źcupiennius salei┬╗ mochte ich am liebsten. Jagdspinnen sind sehr schnell und nerv├Âs und neigen dazu, kurze Spr├╝nge zu vollf├╝hren und lassen sich nur schwer wieder einfangen. Gegen├╝ber Menschen sind sie meistens sehr friedlich, nur einmal wurde ich gebissen, was aber keine weiteren Folgen ausser einem leichten Schmerz und einer R├Âtung der Haut an der Bisswunde hatte.

Myrra liebte auch Kerzen. Wir holten sie vom Friedhof. Dort gab es sie in den verschiedenen Graut├Ânen und eigenwilligen Formen. Die meisten kaum gebraucht. Myrra sagte, die Kerzen seien das letzte Licht des Lebens, der Tod sei schwarz wie Tinte. Wenn eine Kerze erlischt, erlischt irgendwo auch ein Leben.

Myrra liebte Spinnen und Kerzen. Und ich liebte Myrra.
Manchmal ging ich noch mit Frederick einen trinken, obwohl es Myrra nicht gefiel. Wir hatten viel Spass miteinander, vor allem beim Bowling. Frederick war ein ausgezeichneter Bowlingspieler. Er war sowieso ein ausgezeichneter Sportler und hatte einen gut trainierten K├Ârper. Ich weiss nicht, aus welchem Grund Myrra ihn verlassen hatte. W├Ąre ich eine Frau, ich w├╝rde einen wie Frederick nicht gehen lassen. Aber so sind die Frauen nun mal, sagt Frederick. Unberechenbar. ┬źDu bist das beste Beispiel┬╗, sagt Frederick, ┬źwarum w├Ąhlt sie nur einen wie dich?┬╗.
Ich war nicht beleidigt, denn Frederick trug das Gift des Neides in sich.

Myrra liebte Spinnen und Kerzen und schwarzen Samt. Und ich liebte Myrra. Ihre Wohnung kleideten wir mit diesem Samt. Die Spinnen waren das sich st├Ąndig ver├Ąndernde Muster. Das Licht der Kerzen schien dem lebendigen Getriebe den Weg ├╝ber den dunklen Grund. Myrras Augen waren so dunkel wie ihre samtene Wohnung. Nur mein Herz leuchtete hell.

Frederick holte mich zum Essen ab. Er traute sich kaum mehr in Myrras N├Ąhe. Vor der T├╝r blieb er unsicher stehen und druckste sich herum. Myrra wollte ihn nicht mehr in ihre Wohnung lassen. Ich gab ihr einen Kuss und verabschiedete mich. Die Nacht war schwarz und der Donner grollte von fern. Wir hofften, die Stadt w├╝rde nicht wieder von ├ťberschwemmungen heimgesucht.
┬źWas findest du nur an ihr?┬╗, fragte mich Frederick. Er hatte gut reden, er war doch ihr Liebhaber gewesen. Was hatte er an ihr gefunden? ┬źAch, damals war Myrra noch eine andere. Voller Feuer, du verstehst, was ich meine?┬╗ Er zwinkerte mir zu, und ich verstand, was er meinte. Er fur fort: ┬źMyrra war nicht so, wie soll ich es sagen, nicht so dunkel┬╗. Das wiederum verstand ich nicht. Das ├äussere kann niemals etwas ├╝ber den Seelenzustand einer Person verraten. Ihre schwarze Kleidung, der schwarze Samt, das waren doch nur Zeichen ihrer inneren Verletzlichkeit. Die Spinnen verk├Ârperten die Sehnsucht, geliebt zu werden. Ich konnte nun verstehen, warum sie Frederick verlassen hatte. Dieser grobe Klotz hatte doch keine Ahnung, wie es um das Seelenheil dieser sensiblen Frau stand.
Frederick trank das vierte Bier und hatte das Bed├╝rfnis, mich umzustimmen, was meine Gef├╝hle f├╝r Myrra betrafen: ┬źKomm, lass dich doch nicht von dieser Frau fertig machen. Die dreht doch vollkommen durch. Fr├╝her war sie fr├Âhlich, lachte, wir gingen zusammen zur Kirmes, fuhren Achterbahn. Sieh doch, was aus ihr geworden ist! Das kann doch nicht Dein Ernst sein, mein Freund, ihr verbringt euer ganzes Leben in diesem Loch, das Du ein Zuhause nennst. Mit Ungeziefer und verschlossenen Fensterl├Ąden. Wach auf!┬╗
Ich wachte auf. Und verstand Myrra besser denn je, was ihre Gef├╝hle Frederick gegen├╝ber betrafen. Frederick und ich sahen uns seither nur noch selten.

Myrra liebte Kerzen und Spinnen und schwarzen Samt. Und ich liebte Myrra. Myrra liebte auch mich, nehme ich an. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich noch nie vorher die Liebe einer Frau empfangen habe. Aber wenn nicht Liebe, was soll es denn sonst gewesen sein? W├╝rde sie mich sonst sie ber├╝hren lassen? Mich mit meinen H├Ąnden ihren K├Ârper ertasten? Kaum w├╝rde ich ihr so nahe sein, wenn sie nicht Liebe empfunden h├Ątte. Sie sagte ihn nie, diesen Satz, den ich andauernd hauchte: ┬źIch liebe Dich┬╗ kam nie ├╝ber ihre Lippen. Aber Myrra war keine Frau wie jede andere, von der man es erwartet h├Ątte. Darum gehe ich davon aus, dass sie mich geliebt hat. Bestimmt waren unsere Seelen n├Ąher beieinander, als das bei diesem dumben Klotz Frederick der Fall gewesen sein mochte. Wir z├╝ndeten Kerzen an, die von einem frischen Grab stammten und summten ihre Lieblingsmelodie. Diese Melodie mochten auch all Spinnen, denn sie krochen n├Ąher heran, um Myrra und mich besser h├Âren zu k├Ânnen. So waren wir eine grosse Familie, ich und Myrra und die zwar gez├Ąhlten und doch unz├Ąhligen Spinnen, die wir noch nicht einglasen konnten und die sich von anderem ern├Ąhrten, als von unseren fetten Fliegen, die wir erfolgreich z├╝chteten.

Frederick lud mich zu sich nach Hause ein. Ich nahm die Einladung an. Ich hatte mich vorher lange mit Myrra unterhalten. So blieb, als ich unsere Wohnung verliess, der Himmel frei von Wolken und das Unwetter hielt sich fern.
┬źSei gegr├╝sst, Freund!┬╗ Mit diesen Worten empfing mich Frederick. Ich nickte und ├╝berreichte ihm die Flasche Wein als Einladungsgeschenk. ┬źOh, einen edlen Tropfen hast du ausgesucht. Gibt es was zu feiern?┬╗. Es gab durchaus etwas zu feiern, aber den Grund verschwieg ich ihm.
Frederick f├╝hrte mich in sein Wohnzimmer. ┬źDu bist allein?┬╗, fragte ich vorsichtshalber. ┬źNat├╝rlich bin ich allein. Caroline habe ich heute morgen vor die T├╝r gesetzt!┬╗. Er lachte sein schamloses Junggesellenlachen. Casanovalachen. Valentinolachen. Frederick ├Âffnete die Flasche Wein, die ich ihm mitgebracht hatte und schenkte uns ein.
┬źUnd?┬╗, fragte er, obwohl er die Antwort kannte, ┬źbist du noch mit Myrra zusammen?┬╗
Ich schwenkte nachdenklich das bauchige Glas, ehe ich antwortete: ┬źJa, und wir sind gl├╝cklich┬╗.
┬źDas ich nicht lache!┬╗ Und er lachte: ┬źHa, ha, ha┬╗, betonte jede Silbe. Widerlich. War er schon betrunken, bevor ich kam? Br├╝derlich, v├Ąterlich, freundschaftlich legte er mir den Arm um die Schultern: ┬źMein lieber, Freund, siehst du denn nicht, dass Myrra dich ausnutzt? Sie verwindet es nicht, dass ich sie verlassen habe. Und so versucht sie, sich an mir zu r├Ąchen, indem sie mir den besten Freund stiehlt┬╗.
Ich war trotzdem erstaunt und im ersten Moment zu keiner Handlung f├Ąhig. Obwohl mir Myrra alles vorhergesagt hatte, alles, war Frederick mir h├Ątte erkl├Ąren k├Ânnen, waren diese Worte wie ein Schlag in die Magengrube. So also musste eine Freundschaft enden, im Unverst├Ąndnis und im Unwissen um die wahrhaftigen Geheimnisse des Lebens, unserer Existenz.
Frederick nahm einen Schluck Wein und schien im ersten Moment ├╝berrascht. Er stammelte noch einige unverst├Ąndliche Worte, bevor das Gift wirkte und meinen ehemals besten und einzigen Freund innerhalb von Sekunden t├Âtete. Genau, wie Myrra es mir prophezeit hatte.

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flammarion
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also,

ich finde das eher gruselig als humorig. eine geschichte, die sehr schwer zu bewerten ist, nach meiner ansicht. und vielleicht k├Ânntest du die geschichte st├Ąrker gliedern, des besseren leseflusses wegen. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Manic Peter
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2003

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Hallo flammarion

Danke f├╝r Deine Bemerkungen. Den Text habe ich mit Abs├Ątzen ein wenig gegliedert. Die sind bei der ├ťbernahme rausgeflogen. Nein, unter "Humor" passt der Text vielleicht nicht, unter "Horror" aber vermutlich noch weniger. Ist ja nicht so ernst gemeint - deshalb habe ich "Satire" gew├Ąhlt.
Herzlicher Gruss
MP

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