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Leselupe.de > Kurzprosa
Im Sommer meiner Kindheit
Eingestellt am 29. 06. 2009 20:44


Autor
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Mika
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2003

Werke: 16
Kommentare: 6
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Ich habe die warmen Jahreszeiten von jeher geliebt. Den Fr├╝hling und seine Schneeschmelze, einen Strau├č Flieder auf meinem Geburtstagstisch und dann den Sommer, in dem die Farbe meines Haars zusammen mit dem Reifen des Korns auf den Feldern goldgelb wurde.
Ich freute mich auf meine kurzen Kleider, auf eiskalte Bowle und endlos s├╝├čes Wassereis, auf die Zeit in der ich Tobias wiedersehen konnte, noch befangen von einer kindlichen Liebe: Wir verbrachten Tage damit, auf B├Ąume zu klettern und Kirschen zu mausen, die wir anschlie├čend zusammen mit meiner Mutter zu Kuchen und Marmelade verarbeiteten, wir oder sa├čen im Freibad und ich konnte es genie├čen, seinen R├╝cken mit warmer wohlriechender Sonnencreme einzureiben, weil das zu dieser Zeit noch keinen Anflug von Erotik hatte.

Wenn ich an damals denke, erinnere ich mich an die allj├Ąhrlichen Ferien am See, an Gewitterabende und k├╝hle Nebelmorgen, an die kleinen unscheinbaren Entdeckungen, die ich machte und die doch eine so gro├če Bedeutung hatten ÔÇô einen Laubfrosch zu fangen oder herauszufinden, wie man auf einem Grashalm bl├Ąst, war damals das Gr├Â├čte in meinem Leben.
Ich konnte v├Âllig versinken im Rascheln der Bl├Ątter, wenn der Wind durch die Pappeln ging und mich f├╝r Stunden von der Sonne streicheln lassen. Nie wurde ich m├╝de, Steine am Ufer zu sammeln oder Festungen mit Kleckerburgen aus feinem Sand und dem See zu bauen, um mir eine Welt in einem Palast zu formen, denn sie war einfach da, die unglaubliche Fantasie, die einen schlichten Stock zu einem Schwert werden lie├č und mich zur Amazone machte, umherstreifend durch die Wiesen und W├Ąlder im Sommer meiner Kindheit.
Ich konnte das Schilf am Ufer riechen und die sanfte Str├Âmung sp├╝ren, wenn mein Vater und ich mit unserem Boot ├╝ber den silbernen See glitten. Das Wasser war so klar, dass man auch an den tieferen Stellen bis zum Grund sehen konnte. Mein Vater hatte sein Paddel abgelegt und kleine Tropfen rannen vom ├Ąu├čeren Blattrand in den See und hinterlie├čen endlos wiederkehrende Kreise auf dem seichten Wasser. Er erz├Ąhlte mir alles ├╝ber Bl├Ąssh├╝hner, Haubentaucher und die vielen Libellen, die auf unserem Boot rasteten. Eine der Libellen war besonders sch├Ân: sie war viel kleiner als die anderen und hatte sich lautlos durch die Luft bewegt mit ihren ganz gr├╝nblau-irisierenden Fl├╝geln, wobei sie sich auf ein kleineres Insekt st├╝rzte und es im Fangkorb ihrer Beine fest umklammert hielt ÔÇô sie sah sehr r├Ąuberisch aus und trotzdem wirkte sie so zerbrechlich mit ihrem zarten Leib.
Bis jetzt habe ich nie wieder eines dieser faszinierenden Gesch├Âpfe gesehen - oder vielleicht hat man mit der Zeit auch nur keine Augen mehr daf├╝r...

Heute empfinde ich beim Anblick des Sees und von Alleen voller Kirschb├Ąume noch genau die gleiche Gl├╝ckseligkeit wie als Kind und doch ist es jetzt ganz anders.
Damals erschien mir alles so selbstverst├Ąndlich, dass ich nicht dar├╝ber nachdachte, was ich in diesen Momenten f├╝hlte und mir nicht vorstellte, wie der Sommer mit 22 sein w├╝rde. Oder vielleicht liegt der Unterschied darin, heute zu bewusst wahrzunehmen, allem einen Namen geben zu k├Ânnen und zu meinen, dass man es muss - die Sch├Ânheit der Erscheinungen bleibt, aber ihre Unschuld geht mit dem Erwachsenwerden verloren.

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

liebe @mika,

wenn dein lyrich mit 22 schon meint, es g├Ąbe nichts mehr zu entdecken und seiner "jugend" nachtrauert, die offenbar wesentlich in der genauen beobachtung der natur und im kennelernen von unbekanntem bestand, dann gilt es dem leser als armer wicht, der es offenbar nicht geschafft hat, von der raupe zum schmetterling zu werden.

nichts gegen pappis mit ihren paddelbooten und jugendfreunde, denen man den buckel einschmiert ohne hintergedanken - normalerweise sollte ein m├Ądchen mit 22 nicht abgeschlossen haben mit der welt und meinen, dass hinterm horizont nichts mehr k├Ąme, was es nicht schon w├╝sste oder benennen k├Ânnte.

vor allem halte ich den ansatz f├╝r pathologisch, das altern ginge einher mit "schuldig" werden.

was f├╝r ein unsinn! das leben bleibt spannend bis ganz zum schluss; nur die kirche faselt von der erbs├╝nde und will uns damit ausbeuten. ich rate dir: schei├č drauf! f├╝ttere deinem lyrich nicht immer nur die ollen kamellen, sondern schick es auf wanderschaft, dorthin, wo's andere seen gibt, oder das meer, andere horizonte, andere eindr├╝cke. und jungs, die es zum zittern bringen, wenn sie es nur anschauen...

und dann lass es wieder erz├Ąhlen.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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