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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Im Supermarkt
Eingestellt am 08. 05. 2015 22:55


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Ji Rina
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Registriert: Apr 2015

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Ich parkte den Wagen irgendwo zwischen den zweihundert anderen und pr├Ągte mir den letzten Buchstaben der leuchtenden Lettern, die auf dem Dach des Einkaufszentrums zu sehen waren, gut ein: ein A, gro├č wie ein Swimmingpool. Merk dir das! Da, vor dem A, in der siebten Reihe links, steht dein Wagen.

Ich steckte einen Euro in den Einkaufswagen und lief durch die Dreht├╝re. Drinnen war es warm, und es dudelte eine sanfte, beruhigende Musik, wie auf Flugh├Ąfen. Aus meiner Tasche zog ich den Einkaufszettel und las: Champignons, Butter, Milch, Gurken, Zucker, Servietten, Eier, Erdbeeren.
Als ich die ersten Dinge bereits gefunden hatte, kam ein Mann in den Gang, in dem ich mich befand. Er musste um die f├╝nfzig sein, mit Halbglatze. Er trug einen Regenmantel und sah mich aus seinen dunklen Glupschaugen an. Ich suchte gerade nach Gurken. Diese s├╝├čen kleinen, die einen auf den Geschmack kommen und das ganze Glas leer essen lassen. Auch der Mann suchte irgendetwas zwischen den Regalen. Aber er suchte nicht wirklich, sondern sp├Ąhte immer zu mir her├╝ber. Als ich ihn ein zweites Mal ansah, l├Ąchelte er. Ich l├Ąchelte nicht; griff nach dem Glas Gurken und begab mich in einen anderen Gang. Ich suchte nach Zucker, als der Mann mit den Glupschaugen wieder auftauchte. Sein Blick schweifte ├╝ber meine Br├╝ste, dann hinab und wieder zur├╝ck. Er leckte sich mit der Zunge ├╝ber die Lippen und grinste. Ich merkte, dass der Zucker hier nicht zu finden war, und wechselte in einen anderen Gang. Der Mann blieb, wo er war, lief langsam hin und her und sp├Ąhte mit seinen Glupschaugen ├╝ber die Regale zu mir hin├╝ber.
Du darfst das Mehl nicht vergessen!, dachte ich, das Mehl steht nicht auf deiner Liste! Wenn du das Mehl vergisst, dann kannst du auch die T├Ârtchen vergessen, die du f├╝r Emma backen willst! Die ├ťberraschung wird dahin sein, und du wirst nichts f├╝r ihren Geburtstag haben! Wenn du das Mehl vergisst, dann kannst du dich noch mal in den Wagen setzen und wieder zu einem Supermarkt fahren! Ja, ja, ja, das Mehl!, dachte ich. Ich werdÔÇÖs nicht vergessen.

Wo ist der Zucker? Ich warf einen hastigen Blick auf die Uhr. Drei├čig Minuten blieben mir noch, eine halbe Stunde, bevor ich zu Hause sein musste. Das Schloss des Gartentors hakte. Es klemmte und blieb h├Ąngen, weigerte sich zu schlie├čen. Der Nachbar wollte es sich mal anschauen, so gegen sechs, also musste ich p├╝nktlich sein. Ich lief hin├╝ber in einen anderen Gang und suchte nach Servietten. Bergeweise gab es sie. In allen Farben, mit Engelchen und Kerzchen, mit bunten Luftballons, mit kleinen K├Ątzchen. Verdammt, gibt es keine normalen, wei├čen Servietten mehr? Ich kramte in den unteren Regalen zwischen den Packungen, und als ich mich erhob, blickte ich direkt in die Glupschaugen dieses Mannes, der mich von der anderen Seite des Regals ansah und mit seiner Zunge kreisende Bewegungen in der Luft machte. Ich nahm die Servietten mit den goldenen Engeln, fragte jemanden, wo der Zucker sei, und lief weiter, um nach den letzten Sachen zu suchen. Als ich an der Kasse hinter acht anderen Leuten stand, deren Einkaufswagen turmhoch beladen waren, winkte mir eine Kassiererin zu, ich solle zu ihr kommen; ihre Kasse sei frei.

Drau├čen auf dem Parkplatz begann ich zu suchen, aber das Swimmingpool gro├če A war rasch gefunden. In der sechsten ÔÇô oder war es die siebte? ÔÇô Reihe stand mein Wagen. Als ich alles verstaut hatte und aus der Parkbucht steuerte, sah ich den Mann mit den Glupschaugen vor einem Auto stehen. Es war bereits dunkel. Menschen hasteten mit ihren Einkaufswagen herum. An einer Ecke schrie eine Mutter ihren kleinen Sohn an. Der Mann mit den Glupschaugen hatte seinen Regenmantel ge├Âffnet, und ich sah noch seine Hand ├╝ber seinem Glied und die schnellen Bewegungen. Als ich an ihm vorbeifuhr, sah er mir grinsend in die Augen.
Ich gab Gas und fuhr beinahe einen Passanten an, der mir fluchend irgendetwas hinterherrief. Als ich auf die Hauptstra├če fuhr, wurde die Ampel rot. Also stoppte ich und z├╝ndete mir eine Zigarette an, aber sie fiel mir aus der Hand, irgendwohin zwischen Bremse und linkem Fu├č. Ich l├Âste meinen Sicherheitsgurt und wollte mich gerade b├╝cken, aber die Ampel wurde gr├╝n.
Ich atmete tief durch, gab Gas und brauste los. Und in dem Augenblick fiel es mir wieder ein. Das Mehl.


Version vom 08. 05. 2015 22:55

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aligaga
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Registriert: Sep 2014

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Hi Ji,

das ist eine h├╝bsch erz├Ąhlte kleine Nummer, die wirklich keine Aufdoppelung n├Âtig hat (auch wenn sie mancher sich, warum auch immer, w├╝nschte). Sie lebt von der Verkn├╝pfung kleiner Banalit├Ąten und dem daraus erwachsenden Unheil, nicht vom gro├čen Knalleffekt.

Tipp: die G├╝rkchen noch auf den Einkaufszettel schreiben, weil sonst das Mehl nicht wirklich in der Luft h├Ąngt.

Gru├č

aligaga

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steky
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Ji Rina,

eine spannende und unterhaltsame Geschichte hast Du hier geschrieben. F├╝r meinen Geschmack ist der perverse Untermensch etwas zu drastisch gezeichnet, zumindest an manchen Stellen. Ich meine, wer leckt sich denn tats├Ąchlich die Lippen, wenn er das andere Geschlecht ... beobachtet?

Hier einige Vorschl├Ąge, die Du nat├╝rlich nicht ├╝bernehmen musst:

quote:
Da, vor dem A, in der siebten Reihe linksKomma steht dein Wagen.

quote:
Ich steckte einen Euro in den Einkaufswagen und lief durch die Dreht├╝ren.
Sollte es nicht "Dreht├╝re" hei├čen? Sind da mehrere T├╝ren?

quote:
Drinnen war es warm, und es dudelte eine sanfte, beruhigende MusikKomma wie auf Flugh├Ąfen.

quote:
Wenn du das Mehl vergisst, dann kannst du auch die T├Ârtchen vergessen, die du f├╝r Emma backen willst Rufzeichen

quote:
Die ├ťberraschung wird dahin sein, und du wirst nichts f├╝r ihren Geburtstag haben Rufzeichen

quote:
Wo war der Zucker?
"Wo ist der Zucker?"

quote:
Verdammt, gab es keine normalen, wei├čen Servietten mehr?
"Verdammt, gibt es keine normalen wei├čen Servietten mehr?"

quote:
Und in dem Augenblick fiel es mir wieder ein: das Mehl.
"Und in dem Augenblick fiel es mir wieder ein. Das Mehl."

LG
Steky

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orlando
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Ji,

mir gef├Ąllt die locker erz├Ąhlte Geschichte auch.

Exhibitionisten sind zwar l├Ąstig, aber eher harmlos. Als "perverse Untermenschen" (steky) w├╝rde ich die nicht bezeichnen wollen.
In der Regel sind sie leicht in die Flucht zu schlagen, indem du zuckerfreundlich fragst, ob ihnen nicht kalt sei. Oder so.
Nimm dies als Tipp aus der Praxis.
Andererseits bin ich mir in deinem Fall nicht sicher, ob du wirklich weiblich bist, da dir das Spiel mit verschiedenen Rollen / Identit├Ąten vertraut ist, wie ich einer fr├╝heren Story entnehmen konnte. [Die hat mich ├╝brigens nachhaltig beeindruckt. Denn seitdem sehe ich alles viel lockerer, das Forenleben als ein Spiel unter Avataren, ├Ąrgere mich fast gar nicht mehr, am├╝siere mich aber stets. Insofern hast du mein Forengl├╝ck auf dem Gewissen!]

Zur├╝ck zur Kurzgeschichte:

Mich st├Âren die Wiederholungen einiger Begriffe, beispielsweise

quote:
mit seinen Glupschaugen
mit b!
die lie├čen sich doch variieren:
"mit basedowschem Blick", "penetrant Kontakt suchend" usw.
Auch m├╝sste der Verhaltensauff├Ąllige nicht immer in voller L├Ąnge genannt werden.

Gut gefallen mir die Anspielungen - da bin ich ganz auf Arnos Seite - favorisiere aber eher die Spiegelung der schmackhaften G├╝rkchen im lippenleckenden Fiesling.

An deiner Stelle w├╝rde ich den Gesamttext nochmals durchgehen, Wiederholungen unterstreichen und durch neue fantasievolle Begriffe ersetzen.

Du kannst das.

Beste Gr├╝├če
orlando

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