Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92245
Momentan online:
313 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Feste Formen
Im Wald und bei Gerlinde (Sestinenvariation)
Eingestellt am 12. 08. 2010 22:09


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
Kommentare: 6461
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um HerbertH eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Im Tale schwankt ganz leise eine Eiche,
vom Sturm gesch├╝ttelt knirschen morsch die Zweige,
vom Blitz geschlagen dunkelschwarz die Rinde.
Ein Kakadu besetzt kackfrech das Loch
im Stamm, das Spechtens hartes lautes Trommeln
dort hinterlie├č, befreit vom dicken Wurm.

Die Eiche wartet auf den n├Ąchsten Sturm,
und fragt sich, ob die Kraft auf Dauer reiche.
Den Kakadu zu sehen kommen Dommeln
und auch ein guter Mensch mit seiner Geige:
So bunt, denkt er, und denkt gleich an Gerlinde,
vom Morgentreffen noch im Stimmungshoch.

Viel bunter noch erscheint ein junger Koch,
mit viel Gest├Âhn besteigt er seinen Turm,
und h├Ąlt dort Ausschau nach dem Angebinde,
damit ihm seine Braut nicht gleich entweiche.
Denkt er an sie, denkt er an eine Feige,
vergisst sogar, am besten Wein zu s├Âmmeln.

Sein Chef schaut zu und m├Âchte sich be├Âmmeln,
er liebt die gleiche Sch├Âne - wie sie roch!
Und denkt viel lieber an die steile Steige
und an die Stufen bis zum Liebessturm.
Als Sommelier ist jeder f├╝r ihn Leiche,
der nie die Blume roch, statt Wein Gerlinde!

Gerlinde w├╝nscht vor allem Liebe sich. Gesinde?
Das ist ihr schnurz! Die Hochzeit laut, mit Trommeln
f├╝r Sternchen, Rockbands laute Kl├Ąnge, reiche
Bescherung auf dem Gabentisch, ganz hoch
Geschenke, aufgeh├Ąuft zum Gabenturm,
als Nachtisch von den Feigen eine Steige.

Man fragt sich, ob Gerlinde nichts vergeige,
vielleicht ist sie schon schwanger mit dem Kinde,
wer mag der Vater sein von ihrem Wurm?
Das fragen sich die Damen und die Dommeln.
War es der Geiger, wars der Chef, der Koch?
Nur einer ist das schnurz und zwar der Eiche.


Es f├Ąllt die Eiche, Leben geht zur Neige.
Wer kriegt Gerlinde? Alle r├Ątseln noch.
Nun schlag die Trommeln, lieber Specht, dem Wurm.


__________________
┬ę herberth - all rights reserved


Version vom 12. 08. 2010 22:09

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2266
Kommentare: 11049
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, Herbert, es ist ein sehr sch├Ânes Gedicht. Du hast es von der urspr├╝nglichen Setinenform abgeleitet und es zugleich f├╝r heutigen Gebrauch lesbarer gemacht.

Bei der urspr├╝nglichen Sestinenform wurde kein "echter" Reim verwendet, die W├Ârter am Versende wurden wiederholt und dabei permutiert. Ich habe jetzt einen Artikel dazu geschrieben.

Ich habe etwas gez├Âgert mit der Antwort, weil ich mich erst wieder mit der Form vertraut machen und sie beschreiben wollte. Hier klicken

Dein Gedicht hat die wesentlichen Merkmale der Sestine, au├čer der Reimlosigkeit.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
Kommentare: 6461
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um HerbertH eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Sestinenvariation

Hallo Bernd,

danke erstmal f├╝r die anerkennenden Worte.

Du hast nat├╝rlich recht: Ich habe Reime statt identischer Endw├Ârter in der Sestinenform permutiert (Wikipedia spricht hier irref├╝hrenderweise von "Reimw├Ârtern"). Dieser feine Unterschied ist mir jetzt erst bewusst geworden. Vielleicht sollte man dann den Titel ├Ąndern, statt "Sestine" vielleicht "Sestinenvariation".

Zu meiner Entlastung kann ich nur sagen: Das war mein 1. Versuch mit einer Sestine . Um so besser, dass es das nochmal als Schreibaufgabe geben wird.

Liebe Gr├╝├če

Herbert

__________________
┬ę herberth - all rights reserved

Bearbeiten/Löschen    


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2266
Kommentare: 11049
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bei mir war es auch der erste Versuch (ich habe es in der Schreibwerkstatt und auch die Aufgabe schon formuliert.) Aber Deine Variante insgesamt sehr gelungen. Intuitiv hast Du auch schon eine g├Ąngiger klingende Form verwendet. Den Titel ├Ąnch nach Deinen Angaben.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
Kommentare: 6461
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um HerbertH eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Bernd,

ja, irgendwie gef├Ąllt mir die Sestinenvariante . Bei einer Sestine mit identischen Endw├Ârtern ist man nat├╝rlich eingeschr├Ąnkter. Ich bezweifle, dass ich damit beim ersten Versuch eine derart sch├Âne "Geschichte" hinbekommen h├Ątte.

Danke für Ändern des Titels und die aufmunternden Worte.

lG

Herbert
__________________
┬ę herberth - all rights reserved

Bearbeiten/Löschen    


10 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Feste Formen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!