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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Im Wartezimmer
Eingestellt am 12. 03. 2012 16:44


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HajoBe
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Im Wartezimmer

Das Arztschild verrät: Bin richtig...
"Bitte eintreten ohne zu läuten!" lese ich darunter.
Die T√ľr springt auf, schlie√üt automatisch.
Die Praxisassistentin blickt √ľber ihre Brille auf. Reiche ihr den √úberweisungsschein meines Hausarztes.
"Haben Sie einen Termin?"
"Ja, ich hatte angerufen...vor 4 Wochen."
Sie l√§sst ihren Zeigefinger √ľber das Aufnahmebuch gleiten..
"Ihr Krankenkassenkärtchen, bitte!"
Ich bemerke auf dem Tresen das kleine gl√§serne Schweinchen mit M√ľnzen. Kaffeekasse f√ľr`s Personal? Steht allerdings drauf: SOS-Kinderd√∂rfer. Na ja.....
"Bitte nehmen Sie noch im Wartezimmer Platz!"
Leicht gesagt, die St√ľhle sind alle besetzt in dem kleinen Raum. Die Luft stickig, zum Schneiden. Und das beim Lungenfacharzt!
Ob hier alle vor mir dran sind? Aber ich habe ja einen festen Termin. Den nächsten Stuhl werde ich mir ergattern.

"Frau Schmidt, bitte!" t√∂nt es aus einem kr√§chzenden Lautsprecher. Frau Schmidt erhebt sich, eilt zur T√ľr, durch die gleichzeitig ein √§lterer Herr den Raum betritt. Er steuert zielsicher auf den freien Sitzplatz zu. Pech gehabt...
Betrachte die Umsitzenden. Die meisten lesen in einer der abgegriffenen Zeitschriften. Eigentlich blättern sie nur.
"Die Bunte" - "Die Motorwelt" - "Frau im Spiegel"......
Zwei j√ľngere M√§nner fingern an ihren Handys.
"Man sollte das Fenster öffnen!"... lässt sich eine junge Frau vernehmen. Ein Mann neben ihr erhebt sich, betätigt den klemmenden Griff und macht das Fenster einen Spalt weit auf.
"Aber wenn die T√ľr aufgeht, zieht es"...mischt sich eine Mutter mit Kind ein. "Mein Junge hat Fieber".
Der Mann schließt das Fenster wieder.

Einschläfernde Ruhe. Nur zwei Mädchen in lochgestylten Jeans unterhalten sich kichernd.
Wieder √∂ffnet sich die T√ľr. Ein Mann. Er dr√ľckt mit der Hand auf die Ellbeuge. Offenbar wurde ihm Blut entnommen. Geht auf eine Frau mit Kopftuch zu. Beide wirken fremdl√§ndisch. Nimmt seinen Mantel vom Haken. Die Frau erhebt sich, mit ihr zwei weitere kopftuchverh√ľllte Frauen und zwei Kinder. Sie sprechen arabisch. Aha, Gro√üfamilie...denke ich mir. Ein Patient und f√ľnf besetzte St√ľhle! Sie verlassen laut diskutierend den Raum. Ich kann mich setzen.

Meine Uhr erinnert mich, dass ich eigentlich gleich dran sein m√ľsste. Die Logik sagt mir allerdings etwas anderes:
Wenn die Leute alle einen Termin haben, dann m√ľssten sie vor mir aufgerufen werden. Entweder sie sind auf den gleichen Termin bestellt - das klingt wenig logisch - oder s√§mtliche Termine werden nicht eingehalten. Dann hei√üt es : Warten.
Nehme eine Illustrierte zur Hand. Die Kreuzworträtsel sind angefangen - mit Kugelschreiber. Man könnte die Fehler nicht ausradieren...Habe eh keinen Stift bei mir.
Vertiefe mich in einen Artikel √ľber das spanische K√∂nigshaus. Beim Umbl√§ttern fehlt die folgende Seite. Rausgerissen. √Ąrgerlich....
Die Zeit schleicht tr√§ge mit der erm√ľdenden Rhythmik eines tropfenden Wasserhahnes.

Mustere die Bilder an den W√§nden. Wenn van Gogh w√ľsste..... Dazwischen ein Reklameplakat f√ľr Bronchialtee. Der Kalender zeigt noch die vergangene Woche. Ob hier alle termingerecht sitzen...? Dann bin ich zu fr√ľh!
Der Herr neben mir neigt sich mehr und mehr gegen mich. Weiche ein wenig aus. "Entschuldigung!" meint er. Muss eingedöst sein.
Der Lautsprecher ruft den N√§chsten auf. Eine Frau grapscht aufgeregt nach ihrer Handtasche, hastet zur T√ľr.
Wieder einer weniger. Zähle meine Leidensgenossen. Noch sechs vor mir. Sehen alle europäisch aus. Schade!... geht es mir durch den Sinn
Die immergr√ľne Topfpflanze auf einem wackeligen Gestell am Fenster m√ľsste gegossen werden. Die unteren Bl√§tter welk, kurz vor dem Abfallen. In der Atmosph√§re muss man ja krank werden...
Warte mittlerweile 40 Minuten √ľber den vereinbarten Termin.
Ob ich mich bemerkbar mache an der Rezeption? Die Antwort ist doch klar... Also weiter warten.

Die Minuten schleichen dahin. Betrachte den im Kreis hopsenden Sekundenzeiger der Wanduhr... Z√§hle die Maschen in den Gardinen... Die Tapeten sind nicht auf Sto√ü geklebt. Auf dem Boden noch Teppichauslegware. Vor jedem Stuhl abgewetzt. Stehen die St√ľhle seit Jahren an der gleichen Stelle? Vielleicht scharren die Patienten immer ungeduldig mit den Hufen....? Bl√∂der Einfall!
Warum sitze ich in dieser lähmenden Warteschleife?
Eine Röntgenaufnahme der Lunge wollte mein Hausarzt....vor 4 Wochen.
"Gut Ding will Weile haben", sage ich mir. Schwacher Trost! Grundlegende Gedanken √ľber unser Gesundheitswesen kommen auf....

√úberhaupt...zu meiner √úberraschung... f√ľhle ich mich pl√∂tzlich schon viel besser.
Stehle mich an der Rezeption vorbei dem Ausgang zu.
"Wollen Sie nochmal wiederkommen?", klingt es vom Tresen.
"Nein, es geht mir bereits viel besser. Allein die gute Luft in Ihrem Wartezimmer...."

Mein Krankenkassenk√§rtchen wurde bei den √Ąrzten eingescannt.
Irgendetwas werden die schon mit der Kasse abrechnen. Und ich....empfinde mich richtig erleichtert.
Klar - nach 4 Wochen....





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Version vom 13. 03. 2012 07:31
Version vom 13. 03. 2012 18:53
Version vom 17. 03. 2012 17:02
Version vom 27. 03. 2012 12:08
Version vom 01. 04. 2012 11:42
Version vom 29. 04. 2012 10:35

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo HaJoBe,
ja, so ist das bei vielen √Ąrzten, die nicht organisieren k√∂nnen. Kennt ja jeder, aber ist sehr genau mit kleinen Satireeinlagen von dir beschrieben. Wo pl√∂tzlich die Selbstheilungskr√§fte der Natur herkommen erschlie√üt sich mir nicht so ganz. Allerdings hat das Wartezimmer wohl einen gegenteiligen Effekt, so dass die Flucht und die Vermeidung von R√∂ntgenstrahlen eher gesundheitsf√∂rdernd sind. So betrachtet k√∂nnen die Naturheilkr√§fte in besserer Luft draussen wirken. Na ja ????

quote:
Der Kalender zeigt noch die vergangene Woche. Ob die hier gemäß dem Kalender termingerecht sitzen..
Die Wiederholung w√ľrde ich streichen.
LG USch

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo HaJoBe,
die √úberarbeitung hat der Geschichte gut getan:
Ein paar Kleinigkeiten noch:

Vertiefe ich mich in einen Artikel √ľber das spanische K√∂nigshaus.

In der Atmosphäre muss man ja krank werden...

"Gut Ding will Weile haben", sage ich mir.

"Wollen Sie nochmal wiederkommen?", klingt es vom Tresen.

F√ľr meinen Geschmack benutzt du etwas zu oft .....
LG USch

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