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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Immer mehr ist nicht genug!
Eingestellt am 08. 11. 2011 11:17


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Petra Pinzler, Immer mehr ist nicht genug!, Pantheon 2011, ISBN 978-3-570-55163-9


Mit dem Wachstum scheint es mir so zu sein wie mit dem Schuldenmachen und dem Klima. Irgendwann schlägt die Quantität in eine Qualität um, die das genaue Gegenteil von dem ist, was ursprünglich gedacht und geplant war. Und dann beginnen hektische Bemühungen, wie man sie in den vergangenen Monaten fast jeden Abend live am Fernseher in den Nachrichten beobachten konnte. Und dem kritischen und einigermaßen seiner Sinne und seines Urteilsvermögens mächtigen Zeitgenossen dämmert etwas, was Albert Einstein einmal so formulierte:
„Wir können Probleme nicht durch dieselbe Denkweise lösen, die sie geschaffen hat.“

Diesen Satz hat Petra Pinzler, seit langen Jahren Korrespondentin der ZEIT und seit 2007 Mitglied der Hauptstadtredaktion dieser Wochenzeitung, ihrem Buch vorangestellt , in dem sie darüber nachdenkt, wie eine Gesellschaft „vom Wachstumswahn zum Bruttosozialglück“ kommen kann. Man muss, so Pinzler, sich endgültig von den bisherigen Parametern trennen, mit dem unsere Gesellschaft ihr eigenes Wohlergehen und das seiner Mitglieder gemessen und ausgedrückt hat. Über lange Zeit war es das Bruttoinlandsprodukt, für das das Wirtschaftswachstum der wichtigste Indikator war.

Doch die kritischen Fachleute wissen es schon lange, in den siebziger Jahren wurde schon von Wissenschaftler darüber nachgedacht, aber langsam sickert es auch in die Köpfe und vor allem die Seelen von immer mehr ganz normalen Menschen ein: mehr Wachstum macht die Menschen eines Landes nicht automatisch glücklicher. Im Gegenteil: die für das Wachstum immer mehr gesteigerte Produktivität und die dadurch entstehende Mehrbelastung für die Beschäftigten machen immer mehr Frauen und Männer krank, krank an Körper und Seele.

Petra Pinzler beschreibt in diesem Buch eindrücklich und ausführlich, was vielen Menschen unbewusst schon lange klar ist: für das persönliche Lebensglück ist nicht nur das wirtschaftliche Wohlergehen der Menschen wichtig, sondern auch Faktoren wie gute Bildung, eine Gesellschaft, in der Gerechtigkeit angestrebt wird; es ist wichtig, dass ich gesund bin und mit meinem Kindern in einer gesunden Umwelt leben kann auch in der Zukunft. Und es ist wichtig – und dieses Element des Lebensglücks wird in den kommenden Jahren noch viel stärker ins Bewusstsein treten – dass ich für mich und meine Familie mehr Zeit habe, bzw. sie mir nehme.

Diese Ergänzung ist wichtig, denn der Einzelne ist nicht nur ein hilfloses Rädchen im Wachstumsgetriebe unserer Gesellschaft, die langsam vor lauter Geschwindigkeit und Problemen die Richtung verliert, sondern er hat es in bestimmten Grenzen, die aber weiter sind, als man es sich normalerweise vorstellt, selbst in der Hand, seinem Leben mehr „Bruttosozialglück“ zu verschaffen. Warum eigentlich immer mehr Konsum, immer mehr vordergründigen Kontakten im Internet hinterher jagen? Warum statt auf die namenlosen Freunde in den Sozialnetzwerken zu schielen (wer kennt mich alles?), sich mal wieder mit einem richtigen Freund treffen und mit ihm zu reden? Jeder hat es selbst in der Hand, ob er die vielen aushäusigen Kontakte wirklich braucht, oder ob er seinem Leben eine andere Richtung gibt, indem er wieder mehr Zeit mit seiner Familie und seinen Kindern verbringt?

Also: nicht immer auf die große Politik schielen, obwohl die von Petra Pinzler auch gehörig zur Brust genommen wird, sondern selbst etwas tun für die eigene Lebensqualität. Viele wird es hart ankommen, denn die Weisheit des „weniger ist mehr“ wirklich zu leben, ist schwerer, als sie bloß immer wieder als schlauen Spruch auf den Lippen zu tragen. Doch es lohnt sich aus einem Hamsterrad des Immer-Mehr auszusteigen, und mein eigenes Lebenstempo wieder selbst zu bestimmen und das, was für meine begrenzte Lebenszeit wichtig ist.

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