Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92216
Momentan online:
420 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Immerdar
Eingestellt am 08. 03. 2002 21:55


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Elaya
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 5
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Immerdar

Samtene Dunkelheit umhĂŒllt BĂ€ume, Felsen, GrĂ€ser;
kaum sichtbar bringt ein Windhauch Bewegung in die BlÀtter der Baumkronen.
Ihr Rascheln bleibt gestaltlos, kein Laut stört die nÀchtliche Stille.
Auf dem mit SchwÀrze bedeckten Boden eine Gestalt, verharrend, beobachtend.
Kaum zu erkennen ist sie ein Teil der nÀchtlichen Kulisse, ergÀnzt sie, ohne sie zu stören.
Sie – die Dunkelheit, die andere, ungeliebte Seite des Lebens.

Kein Stern am Himmel, kein Mondstrahl erhellt das Dunkel,
wagt es, in das Schauspiel einzudringen.
Vielleicht aus Angst, als störender Eindringling empfunden zu werden,
verharrt die Gestalt noch immer in ihrer Position,
scheint kaum zu atmen.

Ein Rascheln zerreißt die Stille, beendet die Faszination des Augenblicks.
Leben durchfließt nun die reglose Gestalt, die sich plötzlich ihrer selbst bewusst zu werden scheint.
Sie erhebt sich langsam, verharrt kurz in der Bewegung,
wie um sich zu vergewissern, nicht das Falsche zu tun.
Sie richtet sich auf, versucht die Dunkelheit mit ihren Blicken zu durchdringen,
ist auf der Suche nach nur einem Funken Licht,
der die sie fesselnden Ketten der Dunkelheit zerreißen,
ihr die Flucht aus ihrem finsteren GefÀngnis ermöglichen kann.

Zögernd macht sie ein paar unsichere Schritte, strauchelt,
als ein auf der schwarzen Erde liegender Ast ihr den Weg versperrt.

Nach einem kurzen Moment der Unsicherheit,
der fĂŒr sie beinahe ewig anzudauern scheint,
hat sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden, tastet sich vorsichtig weiter.
Ihre Schritte werden schneller, mit ausgestreckten Armen irrt sie durch das Labyrinth der Dunkelheit.
Orientierungslosigkeit ergreift mehr und mehr Besitz von ihr,
verwirrt die Sinne, erweckt den Gedanken, fĂŒr alle Ewigkeit in ihm gefangen zu sein.
Angst keimt in ihr, wÀchst, breitet sich immer weiter in ihren Gedanken aus,
um schließlich vollends von ihnen Besitz zu ergreifen.

„Weg, nur weg“ schallt es in ihr, treibt sie an,
wÀhrend die Angst ihre Beine schwer werden lÀsst.
Sie spĂŒrt, wie ihre KrĂ€fte mehr und mehr schwinden,
wie es sie von Schritt zu Schritt mehr Anstrengung kostet,
ihre FĂŒĂŸe vom Boden zu lösen,
nur um sie in einer stetig geringer werdenden Entfernung wieder auf ihn zu setzen,
den Boden, der sie beinahe festzuhalten und seien Griff von Mal zu Mal zu verstÀrken scheint.

Erschöpfung nimmt ihren Körper in Besitz,
erfĂŒllt sie mit dem Wunsch stehen zu bleiben,
endlich das krÀfteraubende Herumirren zu beenden,
eröffnet den inneren Kampf mit der sie noch immer vorantreibenden Angst,
bis endlich die Anstrengung ihren Tribut fordert und die inneren Qualen der Gestalt beendet.
Erschöpft sinkt sie in sich zusammen, liegt nun ohnmÀchtig auf dem Boden.

In dem Moment zwischen Wachen und Ohnmacht glaubt sie noch zu spĂŒren,
wie der Boden seinen Griff verÀndert,
seine KrĂ€fte nicht mehr nur aus ihre FĂŒĂŸe konzentriert, sondern sie auf ihren gesamten Körper ausdehnt,
ihn zu sich herabzieht und beinahe zu verschlingen scheint.


Die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Morgens durchbrechen die Dunkelheit,
weisen sie zurĂŒck,
um das weite Land von der verzehrenden Dunkelheit zu befreien.
Sonnenstrahlen fließen ĂŒber den noch dunklen Boden,
erhellen schließlich auch die Stelle, an der die Gestalt des Nachts in sich zusammensank.
Sie ist fort.

Nur eine Erhöhung des Bodens und einige knorrige Wurzeln,
die die Wölbung wie Gliedmaßen umranken,
erinnern noch an die Gestalt,
deren Flucht aus der Dunkelheit wie jede Nacht zuvor gescheitert war
und in jeder kommenden Nacht von ihr fortgesetzt werden wird;
immerdar, in alle Zeit...


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!