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Leselupe.de > Kurzprosa
Impressionen
Eingestellt am 02. 04. 2007 05:59


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philomena
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Registriert: Mar 2007

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Impressionen

Wenige, gehetzte Menschen sind unterwegs, den Blick fest auf ihr Ziel gerichtet, keine Zeit, links und rechts zu schauen. Eingeh├╝llt in ihren Kokon, im Kopf noch die letzten ├ťberbleibsel der vergangenen Nacht. Noch nicht hinweggesp├╝lt vom ersten Kaffee im watteweichen D├Ąmmerzustand.

Sie bringen kein Leben in die Stra├čen, diese einsamen Menschengestalten, die hastig ihres Weges gehen. Unter ihren Schritten atmet auch die Stra├če die Nachwehen der letzten Nacht.
Was bisher von Dunkelheit verborgen war, was in wenigen Stunden vom Leben ├╝berdeckt wird, liegt jetzt offen vor den Augen derjenigen, die den ersten Sonnenstrahlen entgegeneilen.

Narben aus den K├Ąmpfen l├Ąngst vergangener Jahre liegen blo├č, weder verdeckt von der Schw├Ąrze gerade vergangener Stunden noch von dem Kommenden, das sich Leben nennt.
Auf der Grenze zwischen Gestern und Heute gibt es kein Verstecken in der Welt des Scheins.

Bleich und ohne die Schminke des kunstvollen Lichts liegen die Fenster da in Mottenkisten ├Ąhnlicher Schl├Ąfrigkeit. Der vor wenigen Stunden noch aus den Kneipen dringende verhei├čungsvolle Duft von falscher Freundschaft und Kumpanei hat sich gewandelt in den bier-schalen Geruch der Einsamkeit.

Nur langsam und schmerzhaft m├╝hevoll streckt die Stadt ihre Glieder, um sich bereit zu machen f├╝r den neuen Tag. Tr├Ąge sch├╝ttelt sie den Wohlstandsm├╝ll von sich ab, wohl wissend, dass er morgen wieder da sein wird, wieder mit seinem Gestank ihre Stra├čen f├╝llt. Sp├╝lt unter den kalten Duschen der Stadtreinigung den Dreck in schwarzen B├Ąchen von ihrem Pflaster, um Platz zu machen f├╝r eine neue Patina, in den hellen Stunden herangetragen von eiligen, z├Âgernden, beschwingten und alt-m├╝hsamen Schritten dieser Stadt..

Es sind die Stunden der Einsamkeit, hier auf der Grenze zwischen dem Gestern und dem Heute. Schl├Ąfrig, m├╝rrisch, sparsam das N├Âtigste nur zu sprechen, versuchen die wenigen Menschen Fu├č zu fassen in diesem fr├╝hen Tag, der noch nicht preisgibt, was er an Wundern vollbringen kann.

Noch fehlt es, das Plappern und Lachen der Kinder, die mit schweren Taschen und wichtiger Miene dem neuen Tag mit neuen Abenteuern zustreben. Erst sp├Ąter werden sich ihre hellen Stimmen mit denen der Frauen mischen, die die Stra├čen bev├Âlkern mit dem lebenswichtigen ÔÇ×Ach, wei├čt du schon...ÔÇť - Kontakt zu den anderen Frauen ihrer Welt.

Noch fehlen die beh├Ąbig-gewichtigen Schritte der ewig Gestrigen, die mit ihrer Morgenbibel unter dem Arm bei der Tasse Tschibo-Kaffee der Welt mit ihren br├Ąunlich gef├Ąrbten Erinnerungsl├╝cken wieder die Ordnung vergangener Zeiten aufb├╝rden wollen. Und sie vergessen dabei den scharfen Degen, der diesen Stra├čen manch schmerzhaften Schmi├č ins Angesicht geschnitten hat.

Noch fehlen sie, die Jungen, die fast schon Mann geworden und die M├Ądchen, die noch nicht wissen, wie es sich anf├╝hlt, Frau zu sein. Ihre lauten Stimmen mit den frechen Worten, die bunte Vielfalt ihrer Gestalten, in der doch die Uniformit├Ąt des noch nicht Wissens liegt, k├Ânnen nicht dar├╝ber hinwegt├Ąuschen, dass ihre Augen leer sind. Die Leere ihnen Ausblick in eine Zukunft bietet, die ebenso voll M├╝ll gepackt ist wie die Stra├čen der Stadt. Nicht alle werden eines Morgens die Glieder recken und sich dem Leben stellen, mit dem die Stra├čen sich langsam f├╝llen.
Es fehlen auch noch die, die alt geworden sind in diesen Stra├čen, die sich erinnern und dankbar sind f├╝r die Erinnerung. Die heute , wenn die Nacht auch aus den letzten Winkeln der Stra├če gewichen ist, sich freuen an dem neuen Tag, der erwacht ist. Der wieder Licht und Leben in die Stra├čen bringt und bereit ist, auch morgen wieder zwischen Nacht und Tag seine Narben zu zeigen und hoffnungsvoll bereit zu sein f├╝r einen weiteren neuen Tag.

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