Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5552
Themen:   95266
Momentan online:
191 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
In Erinnerung (Vergissmeinnicht)
Eingestellt am 25. 05. 2015 17:03


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
jvfrost
Hobbydichter
Registriert: May 2015

Werke: 1
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jvfrost eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

    "Und sein Name war Marius", begann er zu erzĂ€hlen und Aurelie sah eine TrĂ€ne auf seiner Wange schimmern.
    Sie hatte sich vorgenommen, ihm zu folgen, seit er ihr das erste Mal vor ein paar Monaten aufgefallen war. Jeden Donnerstag um Punkt zehn Uhr war er mit seinem blauen Mercedes vorgefahren, fĂŒr einen kurzen Moment am Straßenrand stehen geblieben und hatte sich umgesehen. Dann hatte er die HĂ€nde in die Taschen seines grauen Trenchcoats gesteckt und war mit zielstrebigem Schritt in einer LĂŒcke der HĂ€userfassade verschwunden. Eine Viertelstunde spĂ€ter war er wieder aufgetaucht, mit lehmverschmierten HĂ€nden. Jede Woche, immer um dieselbe Zeit hatte sie diesen Vorfall beobachtet und es schien ihr beinahe, als wĂ€re er unbemerkt geblieben, unsichtbar fĂŒr alle bis auf sie, das junge MĂ€dchen im Blumenladen, die sich jedes Mal aufs Neue fragte, was es mit dem Verschwinden des Mannes auf sich hatte.
    Aurelie war ihm bis auf den Stadtfriedhof gefolgt und hatte aus der Ferne beobachtet, wie er sich vor einem Grab niederkniete. Sie hatte MitgefĂŒhl empfunden. Bis zu dem Punkt, als sie, nachdem er aufgestanden war und sich entfernt hatte, die Überreste seines Handelns sah. Frisch aufgewĂŒhlte Erde, ein klaffendes Loch inmitten blĂŒhender Hyazinthen und die Überbleibsel gewalttĂ€tig durchgerissener Wurzeln dort, wo zuvor eine Pflanze gesessen hatte.
    Sie hatte seinen Trenchcoat hinter einem Baum hervorblitzen sehen und sich bereit gemacht, ihn mit seinem Vergehen zu konfrontieren. Doch dann hatte sich der Mann vor einem anderen Grab niedergebeugt und angefangen, mit seinen HĂ€nden in der feuchten Erde zu graben. Behutsam hatte er das blĂŒhende PflĂ€nzchen, das er in seinem Arm verborgen hielt, in die Mulde gesetzt und die umliegenden Erdklumpen festgedrĂŒckt.
    Aurelie war verunsichert und hatte gehen wollen, als er sich plötzlich zu ihr umgedreht hatte. Jetzt standen sie sich zum ersten Mal Auge in Auge gegenĂŒber, jung und alt, unerfahren und verlebt.
    "Vor vielen Jahren traf ich einen Mann", sagte er, "Und sein Name war Marius. Ich habe auf diesem Friedhof gelebt, ich habe ihn gepflegt und gehĂŒtet, und an jenem Donnerstag fiel Er mir zum ersten Mal auf. Er war unbeholfen und darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden. Er war jung, viele Jahre jĂŒnger als ich und viele Jahre weiser. Er habe nichts falsch gemacht, sagte er. Er finde nur, dass niemand es verdient hĂ€tte, vergessen zu werden."
    Die Augen des Mannes waren traurig, und trotzdem streifte ein LĂ€cheln seine Mundwinkel. "Viele Jahre lang habe ich nicht verstanden, was er meinte", fuhr er fort. "Obwohl ich ihn ermahnt habe, ihm gedroht habe, zornig war, kam er immer wieder zurĂŒck. Auch wenn es nicht richtig war, was er tat, so hatte er Recht."
    Sie sah ihn verwundert an. "Er hatte Recht?"
    Der Mann nickte. "Ich verstehe es jetzt. Es ist komisch, ich hĂ€tte nie erwartet, dass es einmal so kommt. Dass ein Anderer diesen Platz hĂŒtet und ein Anderer dafĂŒr sorgt, dass niemand in Vergessenheit gerĂ€t."
    "Sie werden zurĂŒckkommen." Es war keine Frage, aber er antwortete trotzdem.
    "Ich muss."
    Aurelie lĂ€chelte und strich mit ihren HĂ€nden die Erde um das zartblau blĂŒhende PflĂ€nzchen glatt. "Ich bringe beim nĂ€chsten Mal eine Schaufel mit", sagte sie.


__________________
"I don't want just words. If that's all you have for me, you'd better go." --F.S.Fitzgerald

Version vom 25. 05. 2015 17:03
Version vom 25. 05. 2015 18:36

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
HĂ€ufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo jvfrost, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

Eine kleine, feine Geschichte, die Du hier aufgeschrieben hast. Ein paar sprachliche Schnitzer solltest Du noch ausmerzen und die wörtliche Rede kennzeichnen, das erleichtert das TextverstÀndnis.


Viele GrĂŒĂŸe von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


DocSchneider
Foren-Redakteur
HĂ€ufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo jvfrost, ein paar VerbesserungsvorschlÀge zu Deinem Text:


"Und sein Name war Marius", fing er an zu erzÀhlen begann er zu erzÀhlen und Aurelie sah eine TrÀne auf seiner Wange schimmern.
Sie hatte sich vorgenommen, ihm wem jetzt? Marius? Bezug leicht unklar zu folgen, seit er ihr das erste Mal vor ein paar Monaten aufgefallen war. Jeden Donnerstag um Punkt zehn Uhr war er mit seinem blauen Mercedes vorgefahren, fĂŒr einen kurzen Moment am Straßenrand stehen geblieben und hatte sich umgesehen. Dann hatte er die HĂ€nde in die Taschen seines grauen Trenchcoats gesteckt und war mit zielstrebigem Schritt in einer LĂŒcke der HĂ€userfassade verschwunden. Eine Viertelstunde spĂ€ter war er wieder aufgetaucht, mit lehmverschmierten HĂ€nden. Jede Woche, immer um dieselbe Zeit hatte sie diesen Vorfall beobachtet und es schien ihr beinahe, als wĂ€re er unbemerkt geblieben, unsichtbar fĂŒr alle bis auf das junge MĂ€dchen im Blumenladen, auch hier leicht unklar: Das junge MĂ€dchen ist Aurelie? das sich jedes Mal aufs Neue fragte, was es mit dem Verschwinden des Mannes auf sich hatte.
Aurelie war ihm bis auf den Stadtfriedhof gefolgt und hatte aus der Ferne beobachtet, wie er sich vor einem Grab niederkniete. Sie hatte MitgefĂŒhl empfunden. Bis zu dem Punkt, als sie, nachdem er aufgestanden war und sich entfernt hatte, die Überreste seines Handelns sah. Frisch aufgewĂŒhlte Erde, ein klaffendes Loch und die Überbleibsel gewalttĂ€tig durchgerissener Wurzeln dort, wo zuvor eine Pflanze gesessen hatte.
Sie hatte seinen Trenchcoat entfernt entfernt ĂŒberflĂŒssig hinter einem Baum hervorblitzen sehen und sich bereit gemacht, ihn mit seinem Vergehen zu konfrontieren. Doch dann hatte sich der Mann vor einem anderen Grab niedergebeugt und angefangen, mit seinen HĂ€nden in der feuchten Erde zu graben. Behutsam hatte er das blĂŒhende PflĂ€nzchen, das er in seinem Arm verborgen hielt, in die Mulde gesetzt und die umliegenden Erdklumpen festgedrĂŒckt.
Aurelie war verunsichert und hatte gehen wollen, als er sich plötzlich zu ihr umgedreht hatte. Jetzt standen sie sich zum ersten Mal Auge in Auge gegenĂŒber, jung und alt, unerfahren und verlebt.
"Vor vielen Jahren traf ich einen Mann", sagte er, "Und sein Name war Marius. Ich habe auf diesem Friedhof gelebt, ich habe ihn gepflegt und gehĂŒtet, und an jenem Donnerstag fiel Er mir zum ersten Mal auf. Er war unbeholfen und darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden. Er war jung, viele Jahre jĂŒnger als ich und viele Jahre weiser. Er habe nichts falsch gemacht, sagte er. Er finde nur, dass niemand es verdient hĂ€tte, vergessen zu werden."
Die Augen des Mannes waren traurig, und trotzdem streifte ein LĂ€cheln seine Mundwinkel. "Viele Jahre lang habe ich nicht verstanden, was er meinte", fuhr er fort. "Obwohl ich ihn ermahnt habe, ihm gedroht habe, zornig war, kam er immer wieder zurĂŒck. Auch wenn es nicht richtig war, was er tat, so hatte er Recht."
Sie sah ihn verwundert an. "Er hatte Recht?"
Der Mann nickte. "Ich verstehe es jetzt. Es ist komisch, ich hĂ€tte nie erwartet, dass es einmal so kommt. Dass ein Anderer diesen Platz hĂŒtet und ein Anderer dafĂŒr sorgt, dass niemand in Vergessenheit gerĂ€t."
"Sie werden zurĂŒckkommen." Es war keine Frage, aber er antwortete trotzdem.
"Ich muss."
Aurelie lĂ€chelte und strich mit ihren HĂ€nden die Erde um das zartblau blĂŒhende PflĂ€nzchen glatt. "Ich bringe beim nĂ€chsten Mal eine Schaufel mit", sagte sie. Was ich unlogisch finde: Wenn er eine Blume aus einem anderen Grab entfernt, so schafft er doch Unordnung. Er rechtfertigt das, indem er seine Motivation damit erklĂ€rt, dass jemand "Vergessener" auch eine Bepflanzung bekomme. Aber was ist mit dem Grab, das er "beraubt" hat? Verstehe ich jetzt nicht ganz.

LG DS

__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermĂŒdendem Lesen. (Virgina Woolf)

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung