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Leselupe.de > Humor und Satire
In The Year 2828...
Eingestellt am 02. 01. 2005 18:58


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Marc Olivier
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Registriert: Nov 2003

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Ich bin soeben zur├╝ckgekommen von meiner ersten Zeitreise. Sicher werden viele wissen wollen, was die Menschen in Zukunft erwartet, weshalb ich mich dazu entschieden habe, meine Erfahrungen in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden zu ver├Âffentlichen.

Es ist faszinierend. Ich bin vor gerade mal f├╝nf Minuten hier abgereist, habe das komplette Jahr 2828 in der Zukunft verbracht und bin wieder da. Nat├╝rlich hat sich meine Lebenserwartung hier dadurch um ein Jahr verk├╝rzt, aber die Erfahrungen, die man bei Zeitreisen macht, entsch├Ądigen mich f├╝r alles.

Die Frage, die wohl die meisten Menschen besch├Ąftigen d├╝rfte, ist die, ob die Gesellschaft alle Zwistigkeiten ablegen kann und ewiger Friede herrschen oder ob es immer wieder Kriege geben und sich die Menschheit dadurch selbst hinrichten wird. In der fernen Zukunft angekommen, nahm ich also die USA genauer unter die Lupe. Besser gesagt das, was aus ihr geworden war.

Die USA hatte sich als einzige Nation der Welt und entgegen all meiner Erwartungen kaum ver├Ąndert. Territorial hatte es einige Umgestaltungen gegeben, ja sogar geben m├╝ssen. So wurde Alaska aus Finanznot heraus 2543 f├╝r einen Appel und ein Ei wieder an die Russen verkauft, da General Motors zwanzig Jahre zuvor aus Lohnkostengr├╝nden komplett mit Mann und Maus nach Polnisch-China ausgewandert war und nun in Moskau residierte. Das war allerdings schon der einzige Verlust an Landmasse, die die USA zu beklagen hatten. Zugewinne hatte es seit 2170 indes auch nicht mehr gegeben, als man die Schnauze endg├╝ltig voll hatte, Panama ├╝berfiel und anschlie├čend annektierte. Zuvor hatte man 2099 dasselbe mit Island getan, nachdem man von der vorausgehenden Havarie eines afrikanischen ├ľltankers keine Notiz genommen und die ├ľlpest an der K├╝ste des Inselstaates irrt├╝mlich einer geplatzten ├ľlblase am Meeresgrund zugeschrieben hatte.

Drastische Wandlungen hatten die USA allerdings sowohl innen- als auch au├čenpolitisch hinzunehmen gehabt. Schleichend, aber immer weiter fortschreitend, hatten Polnisch-China und Indisch-Persien der ehemaligen Supermacht den Rang abgelaufen. Als Fixdatum f├╝r den Machtwechsel nennt man den 25. April 2587, als sich die UNO aufl├Âste und somit das einzig verbliebene Feindbild verschwand, da sich die restlichen Staaten der Welt schon lange nicht mehr ├╝ber die Provokationen aus Washington aufregten.

Polnisch-China umfasst, wie der Name schon sagt, die ehemaligen Gebiete Polens, das sich als absolute Wirtschaftsmacht Europas hatte etablieren k├Ânnen und sich daraufhin noch vor der Vereinigung Gesamteuropas aus der EU wieder verabschiedete und lieber mit dem in Asien auf Nummer Eins hochgeschnellten China gemeinsame Sache zu machen. Die Chinesen ├╝berrannten Russland mit 20 Millionen Mann und die Polen machten den Sieg klar, indem sie im B├╝ro des Kreml-Chefs in der Nacht zuvor den roten Knopf ausgebaut und geklaut hatten. Gott sei Dank hatten die Russen 44 Jahre zuvor wie bereits erw├Ąhnt Alaska f├╝r einen Spottpreis gekauft, sodass sich die Regierung und gro├če Teile des Volkes dorthin fl├╝chten konnten. Nat├╝rlich war Alaska viel zu klein f├╝r die Masse an Einwanderern, die fortan mit den USA st├Ąndig im Clinch um das kaum noch besiedelte Kanadische K├Ânigreich lag. Die Kanadier hatten sich nach dem Tod ihres letzten K├Ânigs Henry IV. gr├Â├čtenteils nach Frankreich und Europa aufgemacht, da sie sich mit zwei derart verarmten Nachbarn keine allzu rosige Zukunft versprachen.
Als ich Ende 2828 zur├╝ckreiste, stand im ├ťbrigen ein russisch-amerikanischer Krieg um Kanada kurz bevor. Noch vor 20 Jahren, liebe Landsleute, h├Ątte eine solche Situation das Ende der Welt bedeutet, w├Ąre es zu milit├Ąrischen Auseinandersetzungen gekommen. Doch im Jahr 2828 nimmt man es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis und die Harpunenindustrie reibt sich die H├Ąnde.

In diesem Zusammenhang habe ich aber noch eine interessante Geschichte aus den USA des Jahres 2828. Fast h├Ątte ich den klitzekleinen Artikel dazu auf der vorletzten Seite der „.jpg-Zeitung“ ├╝bersehen.
Ein ausl├Ąndischer Geheimdienst hatte der CIA mitgeteilt, dass der Pr├Ąsident schon anderthalb Jahre zuvor durch einen Klon ersetzt worden sei (die Gentechnik war erwartungsgem├Ą├č weit entwickelt, das Klonen war eine Sache von Minuten). Da man Klone ausschlie├člich im privaten Bereich nutzte, um einfache, anspruchslose „Drecksarbeit“ zu machen und h├Âhere Aufgaben f├╝r Menschen aus der Retorte, die man ├╝berdies beim Duplizieren allerlei Dinge einimpfen konnte, streng verboten war, war das Chaos in den Staaten daraufhin nat├╝rlich gro├č. Ich entschloss mich also, die Geschichte genauestens zu verfolgen, was hie├č, mir lange N├Ąchte um die Ohren zu schlagen, denn in den Tagesnachrichten hatten die Redakteure nie Platz daf├╝r gehabt. Die Angst, dass der Pr├Ąsident – oder besser das Wesen, das man bis dahin daf├╝r gehalten hatte – aufgrund genetisch eingepflanzter Befehle den Staat endg├╝ltig den Bach runtergehen lassen w├╝rde, war schier unendlich.

Das war ein Hick-Hack, kann ich Ihnen sagen! Der Kongress beschloss, eine Kommission ins Leben zu rufen, die zu beschlie├čen hatte, wie weiter verfahren werden sollte. Zun├Ąchst wurden s├Ąmtliche Amtsangelegenheiten dem Au├čenminister ├╝bertragen, der daf├╝r gen├╝gend Zeit hatte, da es lediglich hin und wieder Krach mit den Russen gab – wegen Kanda, siehe oben. Schlie├člich beschloss man, eine neue Kommission zu bilden, in der Psychologen, Biologen, Anw├Ąlte und Politiker beider Parteien (Demokraten und Sozialisten) sitzen sollte. Der „Pr├Ąsident“ wurde dann zu Anh├Ârungen vor dieses Gremium einbestellt. Man hatte diverse Tests f├╝r ihn vorbereitet.
Zun├Ąchst wurde er gebeten, den Namen der Frau zu nennen, mit der er w├Ąhrend seiner Zeit als isl├Ąndischer Senator oralen Verkehr hatte und ein au├čereheliches Kind zeugte. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. Sogar den Namen des Kindes – Asgeir – teilte er den staunenden Mitgliedern der Kommission mit, obwohl sie gar nicht danach gefragt hatte.
Im zweiten Teil der Untersuchung wurden ihm die Augen verbunden, um herauszufinden, ob er den Unterschied zwischen Erd├Âl und Whisky herausschmecken kann. Auch dies bestand er mit Bravur. Das Erd├Âl ├╝brigens hatte man in einem enormen finanziellen Kraftakt extra aus Riad einfliegen lassen, nachdem man dort endlich mit dem Scheich hatte sprechen k├Ânnen, der zun├Ąchst immer nur durch seine Tippse hatte mitteilen lassen, er werde zur├╝ckrufen.
Selbst den ber├╝chtigten und gef├╝rchteten „Brezel-Test“ bestand er derart ├╝berzeugend, dass die Anh├Ârungen f├╝r drei Wochen unterbrochen werden mussten, da er sich zur station├Ąren Behandlung in die Poliklinik Washington zu begeben hatte.
Wieder halbwegs gesundet – lediglich ein blau-gr├╝n-gelbes linkes Auge und verschorfte Wunden an der rechten Wange zeugten noch vom letzten Test – wurde der „Pr├Ąsident“ in ein Verh├Âr genommen, das selten k├╝rzer war als 16 Stunden pro Tag.
Letztendlich gelang dem Gremium doch der Durchbruch. Am siebten Tag n├Ąmlich stellte einer der Anw├Ąlte die Frage, die sich als die entscheidende herausstellen sollte.
„Wann wurden Sie zum Pr├Ąsidenten ernannt?“ fragte er ihn.
„Am 26. September 2826!“ antwortete der Angeklagte voller Inbrunst.
BUMS...da hatten sie ihn!
Das war n├Ąmlich ein Sonntag. Und an einem Sonntag f├Ąllt selbst in 700 Jahren kein Gericht der Welt ein Urteil.
Das war’s dann gewesen. Der Klon wurde zu f├╝nf Milliarden Jahren Gef├Ąngnis verurteilt und der Sieg des amerikanischen Systems gegen die fremde Bedrohung mit Konfettiparaden durch New York gefeiert.
Nachdem man den Rausch ausgeschlafen hatte, wurde im Kongress beratschlagt, was zu tun sei. Den echten Pr├Ąsidenten lebend wiederzufinden schminkte man sich ab.
Doch wer war schuld? Wer hatte ihnen den Klon auf den Hals gehetzt? Die Russen hatten daf├╝r bei weitem nicht die technischen Vorraussetzungen. Letztlich kam man zu der ├ťberzeugung, dass es ein ber├╝chtigter, steinreicher Schurkenstaat gewesen sein musste, den mit Russland vor dessen polnisch-chinesischer Annexion eine enge Freundschaft verbunden hatte und der t├Ąglich einen Klon nach dem anderen f├╝r das Volk aus dem ├ärmel sch├╝ttelte.
Das Bajuwarische K├Ânigreich!!!
Man entschied sich schnell, Rache zu nehmen, das bajuwarische Volk - auch in den Provinzen ├ľsterreich, Tirol und Rhein-Main - von seinem K├Ânig Edmund XXIX. zu befreien und Demokratie zu bringen. Unter der Hand nahm man sich ger├╝chteweise ebenfalls vor, den Brauereien nach deren Eroberung besonderen Schutz zukommen zu lassen.
Die USA machten am 4.4.2828 mobil und stachen mit ihren Schiffen in See. Bajuwarenk├Ânig Edmund, der die Kriegserkl├Ąrung bereits erhalten hatte, sch├╝ttelte unbest├Ątigten Berichten zufolge verwundert den Kopf und schickte seine ├ťberschallfighter los, die die Amerikaner circa 12 Meilen vor deren eigenen K├╝ste mit Mann und Maus versenkten.
Das war der wohl k├╝rzeste bis dahin dokumentierte Krieg gewesen. Allerdings besetzte Edmund XXIX. die USA nicht.
„Was will ich da?“ fragte er sein Kabinett.
Die Russen in Alaska indes wetzten die Messer und freuten sich ├╝ber die Schw├Ąchung der amerikanischen Armee, der sie jetzt Paroli bieten konnten. Jetzt galt es, endlich N├Ągel mit K├Âpfen zu machen und Kanada st├Ąrker als je zuvor f├╝r sich zu beanspruchen. Die Amerikaner, die den Russen die Rolle des Auftraggebers f├╝r das Dilemma mit ihrem Pr├Ąsidenten zuschrieben, reagierten auf die Provokationen aus Alaska immer angespannter. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis man sich gegenseitig den Krieg erkl├Ąrte.

Tja, und dann habe ich mich wieder in die Zeitmaschine gesetzt und bin zur├╝ckgereist. Ich hoffe, niemanden zu sehr entt├Ąuscht zu haben. Es wird sich in Bezug auf Krieg und Frieden nichts, aber auch gar nichts ├Ąndern. Lediglich die teilnehmenden Parteien und deren milit├Ąrische St├Ąrke werden anders sein.

Bis zum n├Ąchsten Mal, liebe Landsleute. Falls jemand bestimmte Fragen zur Zukunft hat, m├Âge er sie mir zukommen lassen. Ich werde sehen, was ich tun kann.
__________________
Die Zeiten sind hart aber modern!

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