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Leselupe.de > Gereimtes
In der Kleinstadtkneipe werden die Gründe für Kriege erörtert
Eingestellt am 03. 04. 2003 21:38


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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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„Der Grund für all die Kriege“, spricht der Lehrer,
„liegt rein in unserm Aggressionsinstinkt.“
Er senkt den Kopf darauf, als würd' der schwerer –
er sorgt sich, was der nächste Schultag bringt...

„Genau“, pflichtet ihm bei der Apotheker:
„Als 'hypertrophisch‘ diesen Instinkt man kennt.“
Die Menschheit ganz sei des Instinktes Träger –
verschreib‘ man ihr doch ein Medikament...

Ein dürres Weibchen mit Rundnickelbrille
begründet Kriege mit Todessehnsucht.
Schuld sei „des Menschen destruktiver Wille“.
Worauf sie ihren Verfloss’nen verflucht...

Der Ingenieur von den Stadtwasserwerken
sieht den Krieg gar als „Kultur-Invention“,
und kann die Bewunderung nicht verbergen,
trotz er sich müht um ironischen Ton...

Der Bauunternehmer haut sich auf die Schenkel
und lallt, daß er leider besoffen wär,
doch schlüg das Gelaber ihm jetzt auf den Senkel:
Krieg gäbs, blieben die Auftragsbücher leer...

„Ach“, spricht der Pfarrer, „es ist die Ursünde,
sie hänget uns Menschen an und mit Recht.“
Den Hintern der Kellnerin streift geschwinde
sein Blick. Er konstatiert: „Der Mensch ist schlecht...“

Den Krieg sieht als Folge von Klassenkämpfen
ein Rentner. Beim Reden atmet er schwer.
Die Worte versacken in Tabaksdämpfen
und Schweigen. Er war Parteisekretär...

Eine Schülerin mit Joint lispelt weise:
„Kriege sind Menschenwerk, nicht gottgewollt.
Kriegskrisen ziehen weltweit ihre Kreise
im Kampf um Öl, Uran, Wasser und Gold...“

Der Stadtwitwentröster kommt in Ekstase:
„Den Krieg, den führt man um die schönste Frau!
Hart kämpft man um eine Liebesoase,
um Herzen..." - Alle denken: "Alte Sau..!"

Still schweigt ein Trotzkist, trinkt trotzig am Tresen
Unmengen Bier und Goldbrandessenz.
"Schön", träumt er, "wär ein Kleinkrieg hier gewesen
im Kaff, gegen Spießer, in Permanenz..."

Und während man führt solche Diskussionen,
sitz ich und höre, trink schweigend mein Bier.
Will nicht reden soviel, will heut mich schonen.
Worte, denk ich, Worte, was soll das lohnen.
Da ruft der Kneiper: „Feierabend hier!“

Schweigen. Ein Murren. Ein Knurren. Ein Brüllen!
Auf springen wir alle wütend und wild.
Er müsst‘ uns wenigstens eins noch abfüllen,
sonst würde der Durst uns vielleicht noch killen..! –
Der Kneiper schweigt. Und füllt. Wir lächeln mild...


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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
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danke

das finde ich sehr rücksichtsvoll von dir.

schöne grüße
vom
blaustrumpf
__________________
Dafür bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1964
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Rücksicht

Hallo Blaustrumpf,

danke für die Anerkennung meiner guten Erziehung. Allerdings entschloß ich mich hauptsächlich zu dem erwähnten rücksichtsvollen Verhalten, weil mir klar war, mit dem Text in der vollen Länge noch stärker an die Grenzen vorhandenen Humorpotentials zu "klopfen"...

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