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Leselupe.de > Kurzgeschichten
In der Stadt
Eingestellt am 11. 02. 2003 18:30


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pink_orange
Festzeitungsschreiber
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In der Stadt

Ihre Z├Ąhne zerteilten mit einem knackenden Ger├Ąusch die Kaffeebohne. Kleine, bittere, trockene St├╝cken, Fremdk├Ârper in ihrem Mund. Der aromatische, typische Geschmack, der mehr dem Geruch von frisch aufgebr├╝hten Kaffee ├Ąhnelte, als dem eigentlichen Geschmack der Fl├╝ssigkeit, verbreitete sich rasch in ihrem Mund- und Rachenraum.

Mit jedem Atemzug gewann das herbe Kaffeearoma an St├Ąrke und nach und nach entfalteten sich die einzelnen Nuancen. Aufs Neue, jede Kaubewegung zerkleinerte die Bohne immer weiter. Nach dem Schlucken blieb das Gef├╝hl von kleinen, holzigen Hindernissen auf ihrer Zunge zur├╝ck und das Eigentliche.

Vor Jahren, am K├╝chentisch von Oma Schell, da war es da. Dieses Gef├╝hl von Vertrautheit, Gem├╝tlichkeit, von Heimat. Oma Schell beherrschte die Kunst des Kaffeebr├╝hens wie sie es nie wieder erlebt hat. Nicht ausschlie├člich der Geschmack war entscheidend, sondern die Zeremonie, das Erlebnis der Herstellung stand im Mittelpunkt. Selbstverst├Ąndlich, auch das Gesch├Ąft, wo der Kaffe gekauft wurde und um was f├╝r eine Mischung es sich handelte war von Interesse. Gerlinde Schell kannte sich schlie├člich aus. Wie fein der Kaffee gemahlen sein musste, damit sich im Handfilter das optimale Aroma entfalten konnte, betonte sie stets und wachte argw├Âhnisch dar├╝ber, das ihr Wunsch nach der Fein- beziehungsweise der Grobheit des Mahlgutes mit ihrem Wunsch ├╝bereinstimmte. Die Damen bei Tschibo erf├╝llten ihre Bitte meist mit gelangweilter Routine. Hin und wieder wechselte Oma Schell die Sorte. Zuhause untersuchte sie, die Kennerin penibel das wertvolle Gut. Am Wochenende, wenn Oma Schell dann Besuch empfing, ├Ąu├čerte sie sich ├╝ber die Vor- und Nachteile des Neulings, der sich noch zu bew├Ąhren hatte.

Ellas Finger spielten mit der zweiten Kaffeebohne, die sie kurz zuvor aus ihrer Manteltasche herausgefischt hatte. Da war sie, eine weitere Verhei├čung. Mit der Zungenspitze betastete Ella die Bohne. Besonders die etwas unregelm├Ą├čige Spalte, die eine Seite einer Kaffeebohne praktisch in zwei Bereiche teilt, hatte es ihr angetan. Sp├Ąter schob sie das kleine rundliche Etwas von links nach rechts und von rechts nach links in ihre Bachentaschen. Immer wieder z├Âgerte sie. Vor dem Genuss musste sie schnell noch das l├Ąstige Bezahlen an der Kasse erledigen. Wieder steckte sie die Finger in ihre Manteltasche und w├╝hlte zwischen zwei gebrauchten Taschent├╝chern, einigen B├╝roklammern, sowie einem Lippenpflegestift und einer weiteren Kaffeebohne einen zerknitterten 5 Euroschein hervor. Ihr Einkauf bestand lediglich aus einer Stange Vollkorntoast und zwei Packungen Zahnpflegekaugummis. Drau├čen war die Luft eisig und wirkte wunderbar erfrischend. Die K├Ąlte brachte Klarheit in ihre Gedanken. Schnell zerkaute sie die ger├Âstete, schwarzbraune Frucht des Kaffeestrauches. Jetzt nahm sie die belebende Wirkung war. Schon das Bittere sch├Ąrfte ihren Verstand. Z├╝gig ging Ella in Richtung U-Bahnstation, in der Hoffnung dem Berufsverkehr ein Schnippchen zu schlagen, schlie├člich war es erst 15.30 Uhr und da konnte sie doch noch hoffen einen Sitzplatz zu ergattern, um die n├Ąchsten 6 Haltestellen in Ruhe zu ├╝berlegen. Bis zuhause war ihr auch ganz bestimmt ein gutes Argument eingefallen, warum sich nicht mit Joachim am Wochenende zu seinen Eltern fahren wollte. Das sie die Beiden absolut nicht ausstehen konnte, wollte sie ihm nicht anvertrauen.

Wie von allein war sie da, die dritte Kaffeebohne. Ellas Faust umschloss sie ganz fest. Dann atmete sie tief durch und stellte sich vor wieder blitzschnell in den Jutesack zu fassen, f├╝r einen kurzen Moment die vielen, vielen, knusprigbraunen, glatten Bohnen zu sp├╝ren und einige in ihrer Manteltasche verschwinden zu lassen. Gott sei Dank.

__________________
LRF.

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Zefira
???
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Hallo, pink orange,

willkommen in der Lupe. Ein sehr sch├Âner, sinnlicher Text ist das. Und endlich wieder mal eine "richtige" Kurzgeschichte in diesem Forum

Ich w├╝rde noch ein wenig mehr verdichten:


Ihre Z├Ąhne zerteilten mit einem knackenden Ger├Ąusch die Kaffeebohne. Kleine, bittere, trockene St├╝cke, Fremdk├Ârper in ihrem Mund. Der aromatische typische Geschmack, der mehr dem Geruch von frisch aufgebr├╝hten Kaffee ├Ąhnelte, als dem eigentlichen Geschmack der Fl├╝ssigkeit, verbreitete sich rasch in ihrem Mund- und Rachenraum.

Mit jedem Atemzug gewann das herbe Kaffeearoma an St├Ąrke und nach und nach entfalteten sich die einzelnen Nuancen. Aufs Neue, jede Kaubewegung zerkleinerte die Bohne immer weiter. Nach dem Schlucken blieb das Gef├╝hl von kleinen, holzigen Hindernissen auf ihrer Zunge zur├╝ck und das Eigentliche.

Vor Jahren, am K├╝chentisch von Oma Schell, da war es da. Dieses Gef├╝hl von Vertrautheit, Gem├╝tlichkeit, von Heimat. Oma Schell beherrschte die Kunst des Kaffeebr├╝hens wie sie es nie wieder erlebt hat. Nicht ausschlie├člich der Geschmack war entscheidend, sondern die Zeremonie, das Erlebnis der Herstellung stand im Mittelpunkt. Selbstverst├Ąndlich, auch das Gesch├Ąft, wo der Kaffee gekauft wurde und um was f├╝r eine Mischung es sich handelte war von Interesse. Gerlinde Schell kannte sich schlie├člich aus. Wie fein der Kaffee gemahlen sein musste, damit sich im Handfilter das optimale Aroma entfalten konnte, betonte sie stets und wachte argw├Âhnisch dar├╝ber, dass die Fein- beziehungsweise der Grobheit des Mahlgutes ihrem Wunsch entsprach. Die Damen bei Tchibo erf├╝llten ihre Bitte meist mit gelangweilter Routine. Hin und wieder wechselte Oma Schell die Sorte. Zuhause untersuchte sie, die Kennerin penibel das wertvolle Gut. Am Wochenende, wenn Oma Schell dann Besuch empfing, ├Ąu├čerte sie sich ├╝ber die Vor- und Nachteile des Neulings, der sich noch zu bew├Ąhren hatte.

Ellas Finger spielten mit der zweiten Kaffeebohne, die sie kurz zuvor aus ihrer Manteltasche herausgefischt hatte. Da war sie, eine weitere Verhei├čung. Mit der Zungenspitze betastete Ella die Bohne. Besonders die etwas unregelm├Ą├čige Spalte, die eine Seite einer Kaffeebohne praktisch in zwei Bereiche teilt, hatte es ihr angetan. Sp├Ąter schob sie das kleine rundliche Etwas von links nach rechts und von rechts nach links in ihre Bachentaschen. Immer wieder z├Âgerte sie. Vor dem Genuss musste sie schnell noch das l├Ąstige Bezahlen an der Kasse erledigen. Wieder steckte sie die Finger in ihre Manteltasche und w├╝hlte zwischen zwei gebrauchten Taschent├╝chern, einigen B├╝roklammern, sowie einem Lippenpflegestift und einer weiteren Kaffeebohne einen zerknitterten 5-Euro-Schein hervor. Ihr Einkauf bestand lediglich aus einer Stange Vollkorntoast und zwei Packungen Zahnpflegekaugummis. Drau├čen war die Luft eisig und wirkte wunderbar erfrischend. Die K├Ąlte brachte Klarheit in ihre Gedanken. Schnell zerkaute sie die ger├Âstete, schwarzbraune Frucht des Kaffeestrauches. Jetzt nahm sie die belebende Wirkung wahr. Schon das Bittere sch├Ąrfte ihren Verstand. Z├╝gig ging Ella in Richtung U-Bahnstation, in der Hoffnung dem Berufsverkehr ein Schnippchen zu schlagen, schlie├člich war es erst 15.30 Uhr und da konnte sie doch noch hoffen einen Sitzplatz zu ergattern, um die n├Ąchsten 6 Haltestellen in Ruhe zu ├╝berlegen. (Schiefe Formulierung, sie ├╝berlegt doch nicht die Haltestellen ÔÇô sie ├╝berlegt w├Ąhrend der Fahrt! Die Anzahl der Haltestellen ist ja wohl auch nicht wichtig, also w├╝rde ich einfach setzen: ÔÇ×um w├Ąhrend der Heimfahrt in Ruhe zu ├╝berlegen.ÔÇť) Bis zuhause war ihr auch ganz bestimmt ein gutes Argument eingefallen, warum sich nicht mit Joachim am Wochenende zu seinen Eltern fahren wollte. Dass sie die Beiden absolut nicht ausstehen konnte, wollte sie ihm nicht anvertrauen.

Wie von allein war sie da, die dritte Kaffeebohne. Ellas Faust umschloss sie ganz fest. Dann atmete sie tief durch und stellte sich vor wieder blitzschnell in den Jutesack zu fassen, f├╝r einen kurzen Moment die vielen, vielen, knusprigbraunen, glatten Bohnen zu sp├╝ren und einige in ihrer Manteltasche verschwinden zu lassen. Gott sei Dank.

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pink_orange
Festzeitungsschreiber
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Liebe Zefira,

vielen Dank f├╝r die konstruktive Kritik. Deine Verbesserungsvorschl├Ąge werde ich mir zu Herzen nehmen.

Viele Gr├╝├če von pink_orange
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LRF.

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