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Leselupe.de > Humor und Satire
In the year 2050
Eingestellt am 03. 11. 2005 19:43


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Raniero
Textablader
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In the year 2050


KĂŒrzlich, unterwegs mit dem Auto, erlebte Eugenius Hautkappe, Richter am Landgericht einer mittelgroßen Stadt in diesem Lande, eine Überraschung.
Als er wÀhrend der Fahrt auf die elektronische Anzeige im Bereich des Autoradios, neudeutsch auch Display genannt, blickte, hatten sich dort Uhrzeit und Datum verÀndert.
Dieses geschah am helllichten Tage, so gegen fĂŒnfzehn Uhr im Monat Mai des Jahres 2003.
Die Anzeige hingegen wies völlig andere Zahlen auf: 20. 01. 2050, 00 Uhr 01!
Einzig die Temperaturangabe schien zu stimmen, neunzehn Grad Celsius, das konnte möglich sein, bei diesem Wetter.
Da er die richtige Einstellung erst vor kurzem bei Beginn der Sommerzeit persönlich neu eingegeben hatte, war es ihm sofort klar, dass es sich hier nicht um eine fehlerhafte Bedienung des Display handelte.
Er schaltete das Radio ein, die Datumsanzeige erlosch, stattdessen erschien der Name und die Frequenz des Senders; fröhliche Musik schallte ihm entgegen.
Die Anzeige der Uhrzeit allerdings hatte sich nur um eine Minute weiterbewegt:
00 Uhr 02, an einem sonnendurchfluteten Nachmittag.
Nach einigen Minuten schaltete er das Radio wieder aus, erneut dieses ominöse Datum: 20.01.2050.
Nervös fummelte der Richter nun am Radio herum, ein, aus, verschiedene Sender. WĂ€hrendessen verlangsamte er die Fahrt und blickte mehr oder weniger aufmerksam auf den Straßenabschnitt vor mir.
Gerade wollte er in eine verkehrsarme Seitenstraße einbiegen, um dort anzuhalten und das gesamte Display noch einmal in Ruhe in Augenschein zu nehmen, als plötzlich wie von Geisterhand die richtigen Daten wieder erschienen.
Wie war so etwas möglich?
AtmosphÀrische Störungen? Signale aus dem All?
Er dachte nicht weiter darĂŒber nach und setzte die Fahrt fort.
WÀhrend des gesamten Nachmittags Ànderte sich die Anzeige nicht mehr, alles verblieb im korrekten Bereich.
Als er zum Abend hin das Fahrzeug in die Garage stellte, warf er einen letzten Blick auf alle Daten.
Völlig normal und korrekt.


Einige Tage spĂ€ter, an einem Vormittag, wĂ€hrend einer Fahrt auf der Autobahn, erneut das gleiche Spiel; wiederum dieses verrĂŒckte Datum mit der merkwĂŒrdigen Uhrzeit: 20. 01.2050, 00 Uhr 01!
Der Richter war nicht unbedingt ein Mann, auch schon von seinem Amte her, in dem nicht wenige schwierige Entscheidungen zu treffen waren, der vorschnell zu welcher Art von Aberglauben auch immer tendieren wĂŒrde, nun jedoch kam ihm doch das Shakespeare Zitat des Hamlet in den Sinn. „Es gibt mehr Ding, im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich trĂ€umt, Horatio“.

Was wollte ihm dieses Datum sagen?
Er konnte sich keinen Reim darauf machen.
Wen konnte er in dieser Angelegenheit befragen, er, der als introvertiert galt und es sicher auch war, wie er sich selbst eingestand; er konnte nicht so einfach sein Inneres nach außen krempeln und sich mit Freunden oder sogar Kollegen in diesem Punkt beraten.
Auch seiner Frau wollte Eugenius sich nicht mitteilen, weil er nicht zu Unrecht fĂŒrchtete, sie könne dieses merkwĂŒrdige Datum als einen Fingerzeig Gottes auffassen und wĂŒrde ihn von nun an stĂ€ndig in den Ohren liegen, seinen Lebenswandel hinsichtlich seiner Gesundheit zu verbessern.
Zu guter letzt sah er doch eine Möglichkeit, wie einen Silberstreifen am Horizont.
Wie wÀre es, wenn....
Dann jedoch verwarf er diesen Gedanken; nein, das kann man nicht machen.
Doch diese Idee, einmal in seinem Kopf Fuß gefasst, ließ ihn einfach nicht mehr zur Ruhe kommen; der Gedanke hatte sich einfach festgesetzt.
Warum eigentlich nicht, fragte er sich wiederholt, letztendlich lĂ€sst sich diese wundersame zweimalige Änderung der Anzeigedaten nicht erklĂ€ren, aber auch nicht wegleugnen, sie war Fakt, unumstĂ¶ĂŸlich.
War es in diesem Fall nicht naheliegend, wenigstens den Versuch zu wagen?

Richter Hautkappe beschloss, eine Wahrsagerin zu konsultieren.
Leichter gesagt, als getan.
Dieses Unterfangen schien auf den ersten Blick keine grĂ¶ĂŸere Schwierigkeit darzustellen, so sollte man meinen; vielleicht bildete es auch kein Problem fĂŒr den anonymen Otto Normal BĂŒrger, sich bei einer Wahrsagerin Rat zu holen.
Jedoch fĂŒr ihn, den stadtbekannten Richter, allseits hochgeschĂ€tzt und verehrt, zuweilen auch ein wenig gefĂŒrchtet wegen seiner nicht immer gnĂ€digen UrteilssprĂŒche; könnte er es wagen, in seiner Funktion, mit seinem Amt, welches ihm wie eine zweite Haut angepasst schien, einen solchen Schritt zu tun?
Wenn es publik wĂŒrde!
Er malte sich die Folgen aus, in dĂŒstersten Farben; er sah bereits die Schlagzeilen in der Presse, nicht nur im lokalen Bereich:
- Justitia holt Rat ein in der Kristallkugel! Gerichtsentscheide vom Jahrmarkt! -
Wahrscheinlich wĂŒrde man im Nachhinein alle seine bisher gefĂ€llten Urteile in Zweifel ziehen, ihm die Frage stellen, bei welchen von diesen er sich vorher dubiose Vorraussagen eingeholt habe.
Vielleicht mussten alle FĂ€lle noch einmal aufgerollt werden.
Nein, so war das nicht möglich.
Er wollte allerdings auch nicht darauf verzichten, einen Blick in die Zukunft zu werfen und war fest entschlossen, hinter das Geheimnis des rÀtselhaften Tages zu kommen.
Diskretion war gefragt, absolute Verschwiegenheit.
In aller Vorsicht zog er Erkundigungen ein, ĂŒber derartige Etablissements und ihre Gepflogenheiten, in entfernten StĂ€dten, wo ihn niemand kannte.
Endlich war es soweit.
Er hatte gefunden, was er suchte.
In einer sehr großen Stadt, weit im SĂŒden der Republik, gab es Institute dieser Art, gleich mehrere; alle warben in ihren Anzeigen mit strikter Einhaltung von Diskretion. Wahrung der AnonymitĂ€t und Vermeidung von sonstigen Peinlichkeiten.
Eine von diesen Annoncen stach ihm besonders ins Auge.
- Madame Vera kennt Ihre Zukunft! Wagen Sie den Blick ins Unendliche! -
Der Vorname der Wahrsagerin flĂ¶ĂŸte ihm Vertrauen ein, er betrachtete ihn als gutes Omen: verus, vera, verum, nichts war fĂŒr ihn wichtiger als die reine Wahrheit, und ein Blick ins Unendliche konnte auch nicht schaden, da dieser merkwĂŒrdige Termin ja auch noch in unendlicher Ferne lag.

Eugenius Hautkappe betrat den Salon von Madame Vera.
Das, was er dort zu sehen bekam, erstaunte ihn nicht sehr, das heißt, eigentlich sah er fast nichts.
Er wurde in einen dunklen Raum gefĂŒhrt, in welchem er außer einer schwach leuchtenden Kugel, einige Schritte vor ihm, nichts weiter wahrnahm.
Man geleitete ihn bis zu einer harten Sitzgelegenheit, einem Stuhl aus Metall, unmittelbar vor der Kugel, die sich nun in Augenhöhe direkt vor ihm befand und langsam, sehr langsam heller zu werden schien.
Eine tiefe Frauenstimme, oder war es die eines Mannes, hieß den Richter willkommen und kam sogleich zum Kern der Angelegenheit
„Fremder, nenne dein Begehren!“
Dass diese Stimme ihn duzte, gefiel ihm durchaus nicht, aber so etwas war offensichtlich in diesem Metier an der Tagesordnung; dass sie ihn direkt aufforderte, zur Sache zu kommen, gefiel ihm hingegen.
Er fasste sich ein Herz und kam ohne Umschweife zum zentralen Punkt seines Anliegens.
„Wenn ich dich richtig verstanden habe, willst du von mir eine Auskunft darĂŒber, was dieser noch weit in der Ferne liegende Tag dir bringen wird; was geschehen wird, an diesem Datum?“
Richter Hautkappe bejahte, ungestĂŒm.
„Du bist verheiratet, glĂŒcklich, wie ich sehen kann, du hast drei Kinder. Du stehst vom Alter her in der BlĂŒte deines Lebens“.
„Woher wissen Sie....“ stammelte Eugenius.
„Das alles entnehme ich der Kugel, wie du dir sicher vorstellen kannst“, gab Madame Vera zurĂŒck und nannte ihm wie zur BekrĂ€ftigung noch sein genaues Alter sowie das seiner Frau und seiner Kinder.
„Doch nun zum Wesentlichen. Das was sich in der Kugel vor mir auftut, wird dich schockieren, es handelt sich um eine furchtbare Nachricht“.
„Eine furchtbare Nachricht“, flĂŒsterte der Richter, „ist es, ist dieser Tag mein Todestag?“
Damit hĂ€tte er sich abfinden können, denn an diesem Tage hĂ€tte er die Hundert bereits ĂŒberschritten; eigentlich hatte er gar nicht vor, so lange auf Erden zu verweilen.
„Schlimmer“, donnerte die Stimme hinter der Kugel, „viel schlimmer!“
Was konnte schlimmer sein als der eigene Tod, dachte er verzweifelt, etwa der Einzug in die Hölle?
„Es wird eine furchtbarer Tag fĂŒr dich werden, unvorstellbar, aber es wird so eintreffen, wie es hier vor mir steht. An diesem Tage wird dein Weib einen Seitensprung begehen, ihren ersten ehelichen Fehltritt“„
„Einen Seitensprung? Meine Frau? Mit hundertzwei Jahren?“
„Es ist eine grausame Nachricht, ich habe es dir ja gesagt, aber tröste dich, du wirst letztendlich darĂŒber hinwegkommen; es wird eine Weile dauern aber du wirst es schaffen!“

Mit schlotternden Knien verließ Eugenius Hautkappe das Etablissement von Madame Vera.
Draußen, in einer Seitenstraße, stieg er in seinen Wagen und ließ sich in die Sitze fallen.
Mit unbĂ€ndiger Wut brĂŒllte er auf das Radio ein, samt Display:
„Nun nenn mir auch den Termin fĂŒr meine Revanche!“

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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

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Meines Erachtens ist nicht ganz nachvollziehbar, warum der Richter, immerhin ein erfahrener und logisch denkender Mann, nicht darauf schliesst, dass es sich um einen technischen Fehler der Uhr handelt. Fehler an technischen Dingen passieren doch immer wieder.
Da ich dem nicht folgen kann, fÀllt mir auch schwer, jeder weiteren Aktion des Richters zu folgen.

Die Pointe ist zwar gut, aber vorher fehlt es mir an der Nachvollziehbarkeit.

Marius

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Raniero
Textablader
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Oct 2005

Werke: 161
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Hallo Marius,

vielen Dank fĂŒr die Zuschrift.
Na ja, warum solte nicht auch ein strenger Richter einmal SchwÀche zeigen? Es handelt sich doch um reine Satire, keine Kriminalstory.
Die Idee zu dieser ErzĂ€hlung kam mir, als sich in der Tat an meinem Display so ein merkwĂŒrdiges Datum auftat, gleich mehrere Male hintereinander.

Gruß Raniero

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