Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92248
Momentan online:
304 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Infiziert ... recht junger Wein
Eingestellt am 27. 10. 2002 17:07


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 23
Kommentare: 77
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um bluesnote eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Infiziert

... recht junger Wein





...aufgewacht,
und bereit zu beißen...





> Hach! <
Immer noch schlaftrunken, aber trotzdem erschrocken erwachte der alte Burgherr.
> James. Sie! <
> Ja, Herr. < Ich w√ľnsche wohl geruht zu haben. Nicht, das ich sie erschrecken wollte, aber... <
> Das haben sie bereits. Aber es ist nicht weiter schlimm, ich versp√ľre Durst. Meine Zunge klebt an meinen Gaumen, als h√§tt eine Schnake in meinem Mund gebr√ľtet und dort ihre schleimige Spur hinterlassen! <
> Durst, genau darum geht’s, Herr! Unsere Vorr√§te neigen sich dem Ende zu. <
Der Burgherr hob die buschigen Silberbrauen, die respektierlich gepflegt √ľber seinem faltigen Gesicht sa√üen.
> Das hei√üt, es wird Zeit f√ľr eine neue Weinprobe! <, freudig erregt rieb er seine knorrigen H√§nde aneinander, > dann hol die ollen Bilder runter und lad die Probanten zu einer Ausstellung! <
James ging die Einladungen versenden. Sein Chef stand auf aus dem hohen Lehnsessel und trat an eines der riesigen Fenster. Von hier aus waren herrliche Blicke auf das Dorf im Tal möglich, Autos wuselten unten auf den Strassen. Seine Burg stand unter Denkmalschutz und hatte es auch bis in diese technikorientierten Zeiten geschafft; -wie alle verdorbenen Keime-, fiel ihm ein.
Er fand, es war an der Zeit, sich wieder mal einen Spaß zu machen.

Michelle Paris atmete tief die kalte, klare Luft und blickte in den schneegrauen Himmel.
Das Dorf bekam Zuwachs in diesen Tagen, die High Society aus der halben Welt traf ein und gab sich f√∂rmlich die eigens f√ľr dies Ereignis auf Hochglanz polierte Klinke in die Hand. Eine wirklich h√ľbsch anzusehende Pension im Ort musste einen kleinen Teil der Sch√∂nen und vor allem Reichen beherbergen. Der alte Graf rief und eine erlauchte Person wurde eingeladen zu einer Vorbesichtigung der in der Burg ausgestellten Bilder. Michelle eben.

> Haben wir alles vorbereitet, James? <
> Ja, Herr! <
> Nicht nur die Anordnung der Bilder f√ľr die Ausstellung, auch die Ger√§tschaften im Keller..., und der Wein, was ist mit dem Wein? <
> Eine kurze Besichtigung vorab, Herr? <
Die alten M√§nner grinsten sich gegenseitig an, beide steckten in neuen schwarzen Anz√ľgen; formell, aber an Schnitt und Chic nicht zu √ľberbieten.
James ging voraus, trotzdem sie elektrisches Licht auch in den Kellergew√∂lben besa√üen, trug er nach altem Brauch eine nach √Ėl riechende Funzel vor sich her. Schatten huschten √ľber die groben, steinigen W√§nde bei jedem Schritt; so hektisch, als w√§ren sie entsetzt √ľber dies Eindringen in ihr Reich.

Als erstes inspizierten sie einen wahrlich technisch eingerichteten Raum, eine hohe, mit braunen Kunstleder bezogene Liege fiel auf zwischen den durch Kabel und durchsichtigen Schläuchen verbundenen Geräten.
James schloss die T√ľr, „Notfallraum“ stand auf ihrem Blatt zu lesen, sie machten sich auf und betraten ein weites Gew√∂lbe.
> Der Wein hat eine Farbe, so samtig und dunkel wie Burgunder. <
> Ja, es ist ein recht alter Wein, Herr. Doch, es wird Zeit, das wir die Reste unseres Vorrates nehmen und ihn auffrischen, das ein neuer Grundstock entsteht. Keine Spezies will aussterben, Herr. <
> Nun, alter Wein oder nicht, viel oder wenig, dieser Stoff hat auf jeden Fall immer noch die gleiche Wirkung!< Beide hielten sich die B√§uche und lachten, die Schatten stoben auseinander und fl√ľchteten in alle vier Ecken.

> Lass uns noch einmal die G√§steliste durchgehen, bevor unsere Testperson f√ľr den ersten Durchlauf kommt, James. <
> Wie sie w√ľnschen, Herr! Also, da w√§re au√üer unserer Favoritin zun√§chst einmal < :

Miss Phyllis und Mister Sigurd Shelton,
beide wohlgenährte Geschäftsleute und Kunstmäzene aus Amerika, Chicago genau.

Frau Carmen und Herr Wolf van Teen
aus Schevenningen, Holland. Die beiden sind ebenfalls nicht arm, kennen sogar Herrn Tausendwasser.

Fräulein Gudrun Seratas,
vielbesch√§ftigte Historikerin aus Portugal, st√§ndig auf Reisen, den K√ľnsten hinterher. Und zu guter letzt,

Herr Louis Bluetones,
lebt in Deutschland, hat in irgend einer Gl√ľckslotterie gewonnen und gibt seitdem vor, Schriftsteller zu sein.

> Haben wir je etwas von ihm gelesen? < Der Burgherr fragte.
> Nein! <
Eine sanfte Melodie ert√∂nte. Aus Bequemlichkeit f√ľr den Gast hatte man neben der gro√üen Eingangst√ľr aus Eiche eine Klingel angebracht, denn der m√§chtige T√ľrklopfer wog schwer.
James ging, um zu öffnen, ein kurzer Moment der Stille blieb und die nutzte der Graf, um noch einmal aus seinem Lieblingsfenster zu sehen. Zufrieden bemerkte er den Winterhimmel; -jetzt, kurz vor dem November bleibt die Sonne auch bei Tage fern-, dachte er, und, -das ist gut so!

Michelle Paris striff ihre weißen Handschuhe noch nicht ab, hielt mit einer Hand ein Glas Champagner und schob eine dieser köstlichen Pralinen in ihren Mund, die James aufmerksam auf einem bronzenen Tablett darreichte.
Bronze, und kein Silber, damit kein heller Lichtreflex vorwitzig die D√ľsternis der auf Bildern dargestellte Landschaft tr√§fe, und dessen Eindruck auf den Betrachter verf√§lsche; wie ihr James erkl√§rte.
Dargeboten wurde eine orts√ľbliche Landschaft, auf einem halben Dutzend Bildern das gleiche. Mit einem hohen Baum im Vordergrund und am rechten Rand befand sich eine Mauer, unterbrochen von einem dunklen Eingang.
> Hmm, es ist eigentlich die gleiche Landschaft, nur auf jedem Bild etwas dunkler dargestellt! < Michelle fr√∂stelte, wenn sp√§ter alle G√§ste eintrafen, w√ľrde die gro√üe Halle sich aufw√§rmen, hoffte sie.
> Lassen sie es auf sich wirken, nachher dann werd ich ihnen Erklärungen geben. Vorab lade ich sie zu einem kleinen Imbiss ein, liebe Michelle. <
Wie auf ein Zeichen z√ľndete der Diener einige auf L√ľster verteilte Kerzen an, die einen langen, vorbereiteten Tisch erleuchteten. Michelle lie√ü sich f√ľhren, stutzte einen Moment, -wars nicht so, als ob Schatten wie in Panik eine Treppe hinab fl√ľchteten?

Eingelegte Paprika, Champignons und Waldpilze, Auberginen, Krabben; alles mit Essig und √Ėl zubereitet. Bei den Brotecken, bestrichen mit Kr√§uterbutter zierte Michelle sich erst, bis man ihr versicherte, kein Knoblauch w√ľrde f√ľr Mundgeruch sorgen.
Zum Abschluss gab es ein Glas Wein, schon den ersten Schluck bereute sie schnell. Michelle wurde m√ľde, furchtbar m√ľde.

James hatte zu tun. Geschickt und wendig trotz seines Alters bewegte er sich in den Kellerräumen hin und her.
Sammelte Flaschen aus den Regalen, trug sie hinaus, nach einem ger√§uschvollen „Plopp“ trug er sie nach einer Weile wieder hinein, zufrieden verteilte er die Flaschen auf den Stellagen. Immer, wenn er die T√ľr mit der Aufschrift „Notfallraum“ √∂ffnete, drang leises Piepen und Schl√ľrfen in den Flur.
Nach seiner Arbeit im Keller ging er hinauf in die K√ľche, verpackte das Sch√§chtelchen mit den diversen Drogen, insbesondere das Ph√§nomenol in einem Schrank und erwartete die G√§ste. Es wurde Zeit.

>... versuchen sie mal im Ausland ein Auto auf Kreditkarte zu bekommen, wenn es dringend gebraucht wird. Ich sage ihnen, das machen die nicht, daher stieg ich auf einen Heli um... .<
So und ähnlich gestaltete sich der Textfluss zwischen den Gästen und die Monotonie der Töne formte sich zu einem einzigen Wortstrang. Die Interessierten bewegten sich zu Kerzenschein zwischen den Bildern, die allesamt Dunkelheit ausstrahlten. Der Graf hörte seinen Gästen zu, redewendete geschickt und James gab sich eifrig, ging auch öfter in den Keller; Nachschub an Wein holen.
Diesmal wurden die G√§ste nicht m√ľde, sondern besoffen.
Und es wurde später. Und es wurde Nacht.
Besonders Louis Bluetones war derma√üen blau, das er sich eingezw√§ngt in einem Sofa erfolglos um Fr√§ulein Gudruns Gunst bem√ľhte.
Er w√ľrde wohl bald in den Notfallraum m√ľssen. Aber erst sollte er noch zahlen.

> Noch ein Glas Wein?< Aufmerksam bem√ľhte sich jetzt auch der Graf um das Wohlergehen seines Besuches, achtete darauf, das keines der Gl√§ser lange leer blieb.
Das Ges√∂ff tat seine Wirkung, sehr zur Zufriedenheit des Gastgebers und seines Dieners. Sie begannen, schmutzige Lieder zu gr√∂len, bei Tisch zu schmatzen, zu r√ľlpsen; ja, Miss Phillys furzte, als wolle sie die Melodie zu „Trink Br√ľderlein Trink“ einstudieren.
Aber auch ihre Scheckb√ľcher lockerten sich, der Graf nahm und empfahl: Kunst muss auch mit Blut bezahlt werden! Mit ihren vernebelten Sinnen gaben ihm alle recht.
Einer nach den anderen wanderte die Treppe hinunter.

Louis Bluetones st√ľtzte seine Ellenbogen ganz unfein auf den K√ľchentisch ab und hielt mit beiden H√§nden seinen schweren Kopf, f√ľr ihn war es normal, jedes Event, ganz gleich welcher Art, endete bei ihm mit einem Bes√§ufnis; so w√ľrde er nie eine Frau bet√∂ren.
Ganz anders Michelle, die junge Frau hatte Fragen, besonders klagte sie √ľber Halsschmerzen, zwei kleine rote Punkte machten sich kurz √ľber ihren Nacken bemerkbar.
> Was ist passiert? <
> Sie wurden pl√∂tzlich ohnm√§chtig, doch ihr Atem ging so ruhig, da haben wir sie schlafen lassen. Keine Bange, die n√§chste Ausstellung kommt bestimmt, aber einen Arzt sollten sie trotzdem bei Gelegenheit aufsuchen. < James goss Kaffee nach, hei√ü und schwarz, ohne Milch; dabei leckte er gen√ľsslich mit der Zunge √ľber seine Lippen. Der Rest der G√§ste war bereits per Hubschrauber unterwegs. F√ľr Michelle und Louis kam gleichfalls der Abschied.

> Lassen sie uns ein paar Kisten Wein beiladen. Der Kutscher nimmt sie mit ins Dorf. Dann fahren sie stilvoll hinunter! <
Michelle stand wieder in der kalten, reinen Luft. Erste Schneeflocken kitzelten ihre Nase.
> Und hier <, James dr√ľckte beiden noch jeweils zwei Flaschen in die H√§nde, > recht junger Wein, wohl bekomms...<
Michelle bestieg die Kutsche, Louis musste w√ľrgen.

Herr und Diener sahen ihnen nach, der Graf schlug James kameradschaftlich auf die Schulter, > na, wie haben wir das gemacht! <
> Der Keim des Verderbens ist in ihnen. Aber wie kommen die Bisspuren an den Hals der jungen Dame? <
> Als du damit beschäftigt warst, den Wein zu panschen, hab ich schnell mal persönlich nachgeimpft! <
> Alter Sauger. Das war ein Spaß! <
Beide gehen sie zur√ľck in ihr Heim, das sie mit dem Geld der G√§ste instand halten k√∂nnen und wo sie noch lange ihr Unwesen treiben m√∂gen. Der alte Graf spricht zu seinem Kameraden seit ewigen Zeiten: > An der Kunst schimmert oft nur die √§u√üere H√ľlle, inmitten verbirgt sich schon ein falscher Kern! <
> So, wie in unserem Wein! <
> Ja, genau so. In jedem Tropfen steckt noch ein Quentchen Virus! Und hast du ihn ausgetrunken, bist du es selbst, der infiziert; andere f√ľr immer in die Dunkelheit schickt. Das Blut n√§hrt den verdorbenen Keim! <

So fuhren sie hinab ins Tal, ihr eigenes, verseuchtes Blut in Händen haltend, das bereit, sich in der Welt auszubreiten wie ein Elixier direkt aus der Hölle.
Sie schwiegen, ihre Geister noch nicht ganz wach. Schatten, spitz gezackt von den Baumkronen geworfen, säumten ihren Weg. Ein einsamer Eichelhäher rief nach Geselligkeit. Die zwei vorgespannten Pferde, klein, aber kräftig von Statur stampften munter mit ihren Hufen den Boden. Aus ihren braunen Fellen stieg Dampf, die blonden Mähnen flogen. Plötzlich heulten Wölfe auf.
> Wer heult so, Wölfe? < Michelle horchte auf.
Vorn an der Kutsche wurde ein Vorhang zur Seite geschoben, ein vor Kälte rot angelaufenes Gesicht schaute herein.
> Ja, Madame <, sagte der Kutscher, > hier in der Gegend gibt es eine Menge Wölfe. Sie rotten sich zusammen und singen sein Lied... <

... und das ist bluesnote’s boogie.




Im Westen. Oktober 2002



Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Als erstes inspizierten sie einen wahrlich technisch eingerichteten Raum, eine hohe, mit braunen Kunstleder bezogene Liege fiel auf zwischen den durch Kabel und durchsichtigen Schläuchen verbundenen Geräten.

Wie in dem herauskopierten Beispiel zu sehen, ist die Satzkonstruktion etwas kompliziert, nicht nur an dieser Stelle. Ist wahrscheinlich so gewollt, doch ich denke, etwas weniger wäre mehr.

Bearbeiten/Löschen    


bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 23
Kommentare: 77
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um bluesnote eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das der Satz zu lang wird, wusste ich bereits, als ich ihn schrieb.
Nach nochmaliger Durchsicht der Story ärgert mich viel mehr, das sie hakelig ist. Die ganzen Verwicklungen mit dem Blut und dem Wein haut einfach nicht hin.
Reim dich oder ich fress dich, da ich unbedingt etwas neues in die LL stellen wollte, handelte ich nach diesem Grundsatz.
Patricia Highsmith schreibt in ihrem Buch „Suspense“, man solle seine Texte nicht all zu sehr heiligen.
Also stampfe ich das Ganze jetzt ein. Auf zu einem neuen Versuch.
Vielen Dank f√ľr die Kritik.

Bearbeiten/Löschen    


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich w√ľrde es nicht unbedingt einstampfen. Durch diese komplizierten Satzkonstruktionen ( auf alt gemacht ) wirkt der Text steif und hakelig, √ľberarbeite das doch mal. Anschlie√üend kommt dir vielleicht ein Einfall, wie du die Idee weiter ausbauen kannst.

Gruß,
Michael

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!