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Leselupe.de > Humor und Satire
Inflagranti erwischt
Eingestellt am 30. 09. 2010 11:56


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sapna
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2010

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Hier meine kleine Einstiegsgeschichte:

Inflagranti erwischt
Nicole Döhling
Keuchend und von Kopf bis Fuß regenwasserdurchtränkt verließ Kate den Fahrstuhl des Empire-State-Building in der achten Etage. Während sie in ihrer Handtasche nach dem Büroschlüssel suchte, sammelte sich eine Pfütze rings um ihre Füße. Fluchend stellte Kate fest, dass sie den Schlüssel nicht dabei hatte. Blieb nur zu hoffen, dass es in der Agentur noch andere Lektoren gab, die Überstunden machten.
Heute war ihr erster Arbeitstag für Waldorf und Co gewesen und sie hatte es gleich mächtig vermasselt.
„Für eine Lektorin gibt es keine Freizeit“, hatte die Chefin gesagt, während sie Kate einen Stapel Manuskripte auf den großen Schreibtisch geknallt hatte. „Bis Ende der Woche möchte ich eine Beurteilung für jedes Einzelne. Und denken Sie daran; nicht der Schreibstil zählt, nur die Verkaufschancen.“ Mrs Waldorf betrachtete sich in dem großen Spiegel, der in der Ecke ihres Büros stand, strich das blutrote Designerkleid glatt, das sich eng an die schmalen Kurven schmiegte und war sichtlich zufrieden mit sich. Noch etwas dunkelroten Lippenstift und die blondierten Haare zurechtgezupft.
Dann blieb ihr Blick auf Kates Aufzug hängen. Diese wusste, dass sie mit ihrem kupferfarbenem Haar, der blassen Haut und dem leichten Übergewicht neben ihrer Chefin wie ein Mauerblümchen wirkte. „Und Kate, keine Jeans in dieser Firma. Merken Sie sich das.
Kate hatte genickt und unsicher den Blick gesenkt.
„Sie bekommen nur diese eine Chance hier. Wenn Sie es hier vermasseln, schaffen Sie es in keine andere Agentur mehr. Dann ist es vorbei mit ihrer Kariere.“
Danach hatte sie Kate aus dem Büro geschickt.
Kate hatte es sich an ihrem neuen Arbeitsplatz mit dem ersten Manuskript bequem gemacht, aber nur Minuten später kam eine Mail von Mrs Waldorf mit einer Liste von Arbeiten, die sie bis siebzehn Uhr erledigt haben sollte. Unter anderem auch; das Kostüm der Chefin aus der Reinigung holen und Latte Macchiato vom Starbucks um die Ecke besorgen – den Kalorienarmen.
Zwischendrin klingelte immer wieder das Telefon und Autoren und Verlage fragten nach Diesem und Jenem.
Die Mittagspause musste Kate durcharbeiten, sonst hätte sie die Liste nie geschafft. Sie erlaubte sich nur einen Kaffe aus dem Automaten im Treppenhaus neben den Fahrstühlen. Mit knurrendem Magen tippte sie das Memo für die Versammlung am kommenden Montag ab, auf der Mrs Waldorf „mindestens fünf brauchbare Projekte“ vorgelegt bekommen wollte. Das hieß; jeder Lektor solle ihr mindestens eins liefern. Was nicht nach viel klang, aber Kate wusste, von hundert Manuskipten, war vielleicht eines brauchbar. Und nach dem, was sie bisher gesehen hatte, gab ihr Stapel nicht viel her.
Das Telefon auf Carols Schreibtisch klingelte.
Da Kate nicht wusste, ob sie Carols Gespräche annehmen durfte, ignorierte sie es. Kate wollte sich gerade dem ersten Expose widmen, da meldete sich ihr Telefon. Sie nahm ab und ein Mr Waldorf bgrüßte sie recht barsch. Kate nahm an, dass es sich bei Mr Waldorf um den Mann ihrer Chefin handelte, was ihr auch sofort bestätigt wurde.
„Wo ist meine verdammte Frau?“, brüllte der Mann mit tief tönender Stimme in das Telefon. Kate musste den Hörer etwas vom Ohr weghalten, sonst wäre ihr womöglich die Hörfahigkeit abhanden gekommen.
„Einen Moment Mr Waldorf. Ich sehe nach“, sagte Kate nervös aber freundlich. Sie drückte die Taste der Sprechanlage, aber die Chefin meldete sich nicht. Kate hatte nicht mitbekommen, dass Mrs Waldorf das Büro verlassen hatte, aber sie hätte durchaus gegangen sein können, als Kate einmal kurz auf der Toilette war. Einen Augenblick überlegte sie, ob sie den Ehemann vertrösten sollte, aber dann regte sich doch Angst in ihr. Der Mann war einer der wichtigsten Wirtschaftsbosse der USA. Den konnte sie nicht einfach mal so am Telefon abwimmeln.
Kate stand auf und ging zur Bürotür ihrer Chefin. Sie hob die Hand um zu klopfen, zögerte aber. Mrs Waldorf hatte ihr ausdrücklich verboten, in ihr Büro zu platzen, außer sie wurde dazu aufgefordert oder es wäre ein Notfall. Nun gut, so wie Mr Waldorf gebrüllt hatte, konnte es da durchaus einen Notfall geben. Kate tippelte auf der Stelle, wie ein kleines Mädchen, dass dringend mal auf die Toilette musste, nagte an ihrer Unterlippe und warf dem Telefon zweifelnde Blicke zu.
Wie auf Kommando ertönte wieder die brüllende Stimme aus dem Telefon. Kate konnte zwar nicht verstehen, was gebrüllt wurde, aber der Tonfall hatte gereicht.
Ohne zu Klopfen riss sie die Bürotür auf, als könnte Mr Waldorf jeden Augenblick persönlich in die Agentur gestürmt kommen und ihr dafür den Kopf abreißen, dass Kate ihn warten ließ.
Doch als sie der Szene, die sich ihr im Büro, hinter der eben noch verschlossenen Tür abspielte, gewahr wurde, wünschte sie sich, sie könnte auf dem Absatz kehrt machen. Mit offenem Mund starrte sie auf ihre neue Chefin, die gar nicht mehr perfekt bekleidet – vielmehr vollkommen unbekleidet – auf den Hüften des UPS-Lieferanten saß, der ebenso unbekleidet auf dem großen Schreibtisch lag und mit seinen Händen die Brüste von Kates Chefin massierte.
Der UPS-Junge, kaum 21 Jahre alt und damit eher in Kates Alter und mindestens 25 Jahre jünger als Mrs Waldorf hielt sofort Inne, doch Mrs Waldorf grinste Kate an und glitt weiter auf dem Schoß des jungen Mannes auf und ab.
Kate stand starr wie eine Salzsäule in der Tür. In ihren Ohren rauschte es. Als Mrs Waldorf anfing laut zu stöhnen, warf sie die Tür mit einer flinken Bewegung zu und nickte mit dem Kopf in Richtung Ausgang. Heiser stöhnte sie nur: „Ihr Mann. Am Telefon.“
„Sag ihm,ich wäre bei einer Verlagsbesprechung und mach dich auf eine Kündigung gefasst.“
Kate nickte,senkte den Kopf und verließ die sündige Chef-Höhle. Da sie ja jetzt schon gekündigt war, könnte sie Mr Waldorf den Stand der Verlagsverhandlungen doch auch gleich mitteilen,oder? Eigentlich gab es doch jetzt keinen Grund mehr zu Lügen. Es wäre sogar ihre Pflicht, dem Ehemann zu sagen, was seine Frau in ihrer Mittagspause trieb.
Kate nahm den Hörer auf und krächzte in das Telefon: „Mr Waldorf, die Besprechung ihrer Frau ist doch etwas heftiger als von mir angenommen. Um nicht zu sagen, es geht da drin gerade ziemlich heiß her. Es tut mir leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass der Lautstärke nach zu urteilen, die Besprechung wohl gerade ihren Höhepunkt erreicht. Rufen Sie doch in einer halben Stunde noch einmal an. Bis dahin sollte der Vertrag zwischen beiden Parteien besiegelt sein.“
„Sagen Sie meiner Frau, sie hat unser Essen vergessen. Ich sitze hier gerade mit dem Bürgermeister und seiner Ehefrau und sie hätte auch hier sein sollen. Immer das selbe.“
Die Leitung war tot.
Kate hängte gerade den Hörer auf die Gabel, als die Bürotür aufging und ein sichtlich erröteter UPS-Lieferant an ihr vorbei aus der Agentur eilte. Wenige Sekunden später folgte Mrs Waldorf. „Haben Sie den Vertrag für Tanja Summer fertig?“ Sie strich sich die Haare glatt und zog ihren Lippenstift nach.
„Aber Mrs Waldorf, sie haben mich gekündigt. Ich wollte eben gehen“, entgegnete Kate und war schon dabei ihre persönlichen Sachen wieder in einen Karton zu packen.
„So? Hab ich das?“ Die Chefin betrachtete sich im Handspiegel, zupfte ihre Wimpern zurecht und machte einen Kussmund.
„Ja, haben Sie.“
„Sie sind wieder eingestellt.“ Mrs Waldorf wendete sich ihrer Bürotür zu. „Und dieser Stapel. Bis morgen.“ Mit ihren rotlackierten Nägeln zeigte sie auf dem Manuskriptstapel auf Kates Arbeitsplatz.
Kate hatte genickt und war sich nicht sicher gewesen, ob sie erfreut oder beunruhigt sein sollte, darüber, dass sie weiter in diesem Büro arbeiten sollte. Hatte dann aber für sich beschlossen, dass eine schlechte Abreit immer noch besser war, als gar keine Arbeit.

Jetzt stand Kate hier. Sie war schon zu Hause gewesen, hatte sich einen Kaffe gemacht und die Füße hochgelegt, wollte das erste Manuskript zur Hand nehmen, da hatte sie bemerkt, dass sie den Stapel gar nicht mitgenommen hatte, sondern in der Aufregung nach dem Stapel gegriffen hatte, der unter Absagen auf ihrem Tisch lag.
Kate stolperte zur Bürotür. Durch das Glas konnte sie sehen, dass Innen alles dunkel war. Wie sollte sie jetzt die Manuskripte bis morgen durcharbeiten, wenn sie nicht dran kam? Sie rüttelte an der Tür, doch die war verschlossen. Gerade, als Kate wieder gehen wollte, konnte sie sehen, dass im Büro der Chefin noch Licht brannte. Kate überlegte, ob sie klingeln sollte. Aber es warf nicht gerade, das beste Licht auf sie, wenn sie der Chefin auch noch auf die Nase band, wie vergesslich sie war.
Hinter ihr ertönte das Bing, das den Halt des Fahrstuhls auf der Etage ankündigte, die Türen öffneten sich und eine ältere dicke Dame mit Kopftuch und Putzwagen trat heraus. Sie schob ihren Wagen auf Kate zu, zog einen Schlüssel aus ihrer Kitteltasche und öffnete die Bürotür. „Mr Waldorf macht wieder Überstunden“, murmelte sie und lächelte Kate an.
„Mr Waldorf?“, fragte diese erstaunt.
„Ja, aber sehen sie bloß nicht in das Büro. Er ist selten allein.“
Als sie die Agentur betraten, konnten sie die lustvollen Geräusche schon vernehmen. „Mrs Waldorf?“, fragte Kate.
„Ach, wo denken Sie hin. Blond ja, aber sicher nicht älter als fünfundzwanzig.“

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jon
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Stilistisch nicht schlecht, aber inhaltlich irgendwie … unfertig. Nicht nur, dass ich nichts Humoristisches oder Satirisches daran finde (es wäre besser bei Kurzgschichten einsortiert gewesen), vor allem sitzt die "Pointe" nicht. Genau gesagt, es gibt keine. Er treibt es so unverblümt wie sie – na und? Lag fast nahe.
Mir scheint das eher ein Ausschnitt aus einer größren Geschichte zu sein, die erzählt, wie Kate sich in dem Umfeld behauptet – oder nicht behauptet, je nachdem.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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