Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
256 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Inkompetenz
Eingestellt am 17. 05. 2001 14:40


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Supernova
Hobbydichter
Registriert: Jan 2001

Werke: 4
Kommentare: 46
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es ist dem zwanghaften Beobachter (dem intelligenten Menschen) un├╝bersehbar, dass die freigew├Ąhlte Unf├Ąhigkeit bestimmten Aspekten des Lebens gegen├╝ber immer mehr zur Mode wird. Dies spiegelt sich in Aussagen wieder wie z.B. "ich habe keine Zeit", "das geht mich nichts an", "dar├╝ber habe ich noch nie nachgedacht", "die Experten, die Forscher, die Politiker machen sagen tun...", bis hin zu solchen Schwachheiten wie den ber├╝hmten Forschungsergebnissen aus Amerika "Frauen die auf dem Bauch schlafen leben l├Ąnger" oder "M├Ąnner mit sch├╝tterem Haar sind bessere Liebhaber", usw. Das Medienbombardement mit Fakten, Fakten, F... ist f├╝r den modernen Kollektivmenschen dermassen andauernd, verwirrend und versch├╝ttend, dass ihm jegliche Lust abhanden gekommen ist, sich ├╝berhaupt eine Meinung zu bilden, d.h., ├╝berhaupt Kompetenz anzusammeln. Aus dieser gut geteilten Situation folgt ganz nat├╝rlich ein Trend, ein Lifestyle der Inkompetenz. Nehmen wir einmal ein fiktives aber millionenfach manifestiertes Beispiel: Hubert Mathz, 40 Jahre, Ingenieur, Frau, 2 Kinder, 2 Autos, Haus, sichere Anstellung, Vereinsmitglied und Zeitungsleser.
Herr Mathz hat keine Meinung zu religi├Âsen Fragen. Er ist sich seiner Spiritualit├Ąt, dem Sinn seines Lebens, oder auch den Tr├Ąumen und M├Âglichkeiten seiner Jugend v├Âllig unbewusst. Zur Umwelt (im protektiven Sinne zumindest) kann er ebensowenig eine bewusste Position beziehen. Seine humanistische Gedankenwelt beschr├Ąnkt sich auf das Bruttosozialprodukt. Politische gesehen ist er ein Mitl├Ąufer, der ebenso sehr Gruppenf├╝hrer der Nationalsozialisten wie auch Kolchoseunterverwalter sein k├Ânnte. Dies aber immer mit der penetranten Gr├╝ndlichkeit der Kurzsichtigen. Sein Verh├Ąltnis zu Frauen hat die nat├╝rliche Ambivalenz entwickelt, welche zwischen einem RTL2-Softporno und Mutter Beimer hin -und herkrabbelt. In Gruppen lacht er gerne zu laut ├╝ber sch├Ąbige Witze und wiederholt in Diskussionen gerne f├╝nf bis sechsmal den Standpunkt, der schon l├Ąngst ├ťbereinkunft auf niedrigstem Niveau erzielt hat, wobei er vor lauter Rechtschaffenheit bekr├Ąftigend auf den Tisch schl├Ągt.Die bildende Kunst geh├Ârt f├╝r ihn zum Reich der Toten. Falls er jemanden trifft, der weniger von Wein versteht als er selber, wird er zum Kenner. Wenn Hubert Mathz erkennt (erkennen heisst immer Teil der Majorit├Ąt sein), dass jemand selber schuld hat an seiner Situation, verweigert er reflexartig jedes Mitgef├╝hl. Hubert Mathz ist inkompetent! Es gibt eigentlich keinen Grund anzunehmen, dass er in der Lage sein k├Ânnte, sich der vorherrschenden Str├Âmung zu widersetzen, oder sie auch nur zu hinterfragen, d.h. grunds├Ątzlich zu verstehen, worum es ├╝berhaupt geht. Er wird gelebt! Er ist F├╝llmaterial in den Entwicklungen unserer Zeit, unserer Gesellschaft, unserer spirituellen und praktischen Ideen. Dieser Mensch ist manipulierbar.
Durch die dichter und effektiver werdenden M├Âglichkeiten der individuellen Kommunikation, welche eine weit gr├Â├čere Affinit├Ąt zur Dissidenz haben, k├Ânnen die alten kollektiven Strukturen der medialen Kommunikation unterwandert werden. Meinungsbildung ist nicht l├Ąnger abh├Ąngig von gesellschaftlichen Ausdrucksorganen. Diese neuen M├Âglichkeiten des individuellen Ausdrucks sind nicht nur f├╝r Hubert Mathz erreichbar, bedeutender ist, Hubert Mathz ist auch f├╝r sie erreichbar.

Das Proletariat von morgen sind die Fremdgebildeten.

__________________
mindplaying
Forum f├╝r Philosophie und Bewu├čtsein

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
wie wahr,

wie wahr! was tun wir jetzt? die zeitungsverlage und fernsehsender sprengen? ich lege meinen kopf auf deine schulter und weine. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Supernova
Hobbydichter
Registriert: Jan 2001

Werke: 4
Kommentare: 46
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Sprengstoff

Guten Morgen Oldicke,

Es w├╝rde absolut ausreichend sein, die eigene Inkompetenz zu sprengen - sofern ihre Erkenntnis ├╝berhaupt zugelassen wird. Aber das w├╝rde ja voraussetzen, "zu wissen da├č man nichts wei├č", f├╝r die Allermeisten (auch hier) ein Ding der Unm├Âglichkeit.

Gr├╝├če
Supernova
__________________
mindplaying
Forum f├╝r Philosophie und Bewu├čtsein

Bearbeiten/Löschen    


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hi supernova,

bin aus dem Disku-Thread raus, habe meine roten Socken angeheizt, bin durch das LL-Labyrinth geschossen Deine Werke zu suchen. Da bin ich nun und habe Deinen Stoff gelesen.

Prinzipiell stimme ich dem Inhalt zu. Die beschriebene Tendenz ist unverkennbar, doch wie ich finde, kein hoffnungsloser, unab├Ąnderbarer Werdegang, solange es denn Leute wie Du gibt, die auf solches hinweisen.

Zun├Ąchst sollte Dein "intelligenter Beobachter" umgem├╝nzt werden auf "inellektueller Beobachter", das w├Ąre treffender, denn ein Herr Mathz verf├╝gt sicher ├╝ber viel Intelligenz.

Obwohl ich dem Inahlt Deines Textes, den Thesen, zustimme, solltest Du trotzdem Obacht halten nicht der Gefahr der Verallgemeinerung zu unterliegen. Du tust es ja nicht direkt, m├Âchte trotzdem auf diesen Punkt hinweisen. Menschen die Orientierung in Lifestyle, RTL2, Mutter Beimar, konservativen und nationalistischen Dingen suchen, sind in gewisser Weise auch nur Minderheiten, sofern Du Dir die Statistiken der Alterstufen anschaust. Zusammen sind sie viele, aber ich traue besonders den J├╝ngeren zu, sich sp├Ąter noch zu ver├Ąndern. Anderes Beispiel dazu: Big Brother wurde von durchschnittl. 3 Mio. Menschen verfolgt. In den Medien wurde daraufhin von einem revolution├Ąren neuen Zeitgeist gesprochen. Quatsch, sag ich da. Die BRD hat 80 Mio. Einwohner plus einige Mio. G├Ąste. Da reg ich mich doch nicht ├╝ber 3 Mio. Spinner auf.

In der Tat, wo es Dir im Text um Sein- und Zeitfragen geht, Neufindung von Strukturen zur Kommunikation und Meinungsbildung, da interessieren sich wahrlich nur wenige Menschen daf├╝r: Will sagen, sie lassen sich lieber manipulieren. Sei's drum: Ich sage einfach, jeder ist seines Gl├╝ckes Schmied, solange es das Umfeld auch zul├Ąsst, dass man an seinem Gl├╝ck schmieden kann und es schmieden viele.

Kurzum: Dein Text hat angeregt sich ├╝ber alles eine Meinung zu bilden. Dein Ziel ist erreicht.
Gut gemacht supernova.
Beste Gr├╝├če
RS

Bearbeiten/Löschen    


visco
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2001

Werke: 24
Kommentare: 206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um visco eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Inkompetenz

Hi Supernova!

Bei einem pseudo-intellektuellen Ges├╝lze wie deinem Text hier dreht sich mir glatt der Magen ┬┤rum. Ohne Herleitung oder Konstrukt wirfst du wahllos mit Begriffen um dich und erweckst dabei nicht einmal den Eindruck, du w├╝├čtest deren Bedeutung.

Wie kann man sich einer Problematik stellen, ohne sich damit wirklich auseinandersetzen zu wollen?
Mit welcher Absicht soll anderen das eigene Unverm├Âgen zum Verst├Ąndnis komplexer Sachverhalte demonstriert werden? Zur Irref├╝hrung? Oder weil es cool klingt?

(Beispiel gef├Ąllig?
┬╗Durch die dichter und effektiver werdenden M├Âglichkeiten der individuellen Kommunikation, welche eine weit gr├Â├čere Affinit├Ąt zur Dissidenz haben, k├Ânnen die alten kollektiven Strukturen der medialen Kommunikation unterwandert werden.┬ź
Affinit├Ąt: Wesensverwandtschaft
Dissident: jemand, der (in sozialistischen Staaten) eine abweichende politische Meinung vertritt
Dissidenz: ??
Kollektiv: von gemeinsamen Vorstellungen und ├ťberzeugungen getragene Gemeinschaft
kollektive Strukturen: ??
Anders gesagt also: "Die individuellen M├Âglichkeiten zum Austausch von Informationen werden dichter und effektiver. Sie sind mit der Vertretung abweichender politischer Meinungen wesensverwandt. Dadurch k├Ânnen die alten Strukturen eines ├╝ber Medien stattfindenden Informationsaustauschs unterwandert werden. Diese wurden von einer von gemeinsamen Vorstellungen und ├ťberzeugungen getragenen Gemeinschaft erschaffen."
Wie man es auch dreht und wendet: es bleibt Quark mit So├če!)

├ťberdeutlich werden f├╝r mich
- mangelndes Fachwissen auf soziologischem sowie gesellschaftspolitischem Gebiet,
- arrogante ├ťbersch├Ątzung der nur in beschr├Ąnktem Ma├če vorhandenen eigenen Kenntnisse,
- Unverm├Âgen zur Darlegung eines komplexen Sachverhalts
- ignorante Verwendung destruktiver Pauschalisierungen
- arrogante Mi├čachtung der Beweisf├╝hrungspflicht
- Wortverliebtheit

Zumindest macht der Text seinem Titel alle Ehre - als Paradebeispiel.
__________________
Ich hatte eine L├Âsung gefunden, nur passte sie nicht zum Problem.

Bearbeiten/Löschen    


Chrissie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2000

Werke: 67
Kommentare: 602
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Der Text ist m.E. nach eine ironische Polemik (Wenn's sowas ├╝berhaupt gibt...?).
St├╝nde er unter 'Satire', w├╝rde er vielleicht nicht so viskos aufsto├čen. (hick)
Nun denn, fr├╝her nannten wir so einen Menschen einen Spie├čer. Gab's immer schon. Subversive gab's auch immer schon. Tunnelblick der einen oder anderen Couleur bleibt doch immer Tunnelblick, ob meinungsloser Vereinsmeier oder nihilistischer Molliwerfer.
Ist doch lustig, so 'ne Demokratie!

Spa├č beiseite: Ich musste heftigst schmunzeln ├╝ber diesen Text. Ich w├╝rde 'ne Kabarettnummer daraus machen.

*feix*
Chrissie
__________________
Pseudonym? Nein Danke!
Christine Mell von Mellenheim

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!