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Leselupe.de > Ungereimtes
Innenseite der Muschel
Eingestellt am 12. 08. 2018 21:10


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Monochrom
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Innenseite der Muschel

Wir schwingen in Formation.
Mit einem Traum vom Flug
beobachte ich schwebendes Laub.
Der Wind fährt leise durch Glieder.
Rot, brennt; Glut wölbt Wolken;
Es dreht sich aus meiner Sicht.

Ins Grüne wollte ich. Licht feixt.
Laufe unter den Lustgärten
aus Beton, endbalanciert;
Fluss aus Dreck, Braun;
im Wettlauf, spiegelt
meine Natur nur meine Natur.

In der Labsal war ich,
sollte zuerst sein, dabei,
unschuldig, böse, in Formation.
Landung auf dem Fall,
mein welkes Gefieder,
knochentrockenes Sternunter.

Anfang eines Verharrens.
Vor der stillen Schatulle.
Schlüssel aus Katzengold blitzt.
Ich folge der Formation,
umschlossen von kahlen Wänden
einer kreiselnden Suche.
Kreis schließt sich um den Kreis.
Mein Zentrum wähle ich mir Schwarz,
und für später ein fernes Rauschen.

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Tula
Routinierter Autor
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Hallo Monochrom

sprachlich wirksam, ohne Zweifel. Insgesamt lese ich es aus einer gesellschaftskritischen Perspektive heraus, das mit-Schwingen in Formation, am Ende bleiben die Träume unerfüllt, der Mensch zieht sich in sich selbst zurück, eine Art Ausgrenzung innerhalb der Formation.

Sehr gute Stellen mMn:

quote:
im Wettlauf, spiegelt
meine Natur nur meine Natur

und S2 überhaupt die beste. Ebenso

quote:
mein welkes Gefieder,
knochentrockenes Sternunter

Dennoch verliere ich mich etwas in der Fülle der Bilder, gerade weil es sprachlich recht experimentell zugeht (S3, bis zur zitierten Stelle)

Das 'vor der Schatulle' will mir nicht auf das Bild innerhalb der Muschel passen, eigentlich finde ich diese (Muschel) nur in S4. Der Aufhänger könnte da die Formation selbst sein, d.h. im Titel, ohne sie im Text (dreimal!) zu erwähnen.
Dann auch dreimal Kreis in zwei Zeilen (?), zu viel des Guten.

So oder so, ein sehr interessantes Werk, gern gelesen.

LG
Tula


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Monochrom
Routinierter Autor
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Hallo,

@lapismont:
Ich hatte auch einen Entwurf, da war die letzte Strophe noch in zwei Strophen aufgeteilt. Habe mich aber dann für die gepackte Version entschieden.

Es wäre ggf. eine Idee, V2 und V3 der letzten Strophe komplett zu entfernen, und so einen bildhaft dichteren Schlussakkord zu finden... andererseits mag ich die Metapher... ich überlege mal noch...da es auch Tula aufstösst, vielleicht noch ein Ansatz, zu verbessern.

@Tula:
Ja, die Schatulle. Es ist defintiv eine abzweigende Metapher. Während ich es schrieb, und auch jetzt noch, überlege ich, diese beiden Verse (V2 und V3) rauszunehmen. Aber aus irgendeinem Grund, vielleicht in meinem persönlichen Bezug zum Text, erscheint es mir dann immer unpassend, sie wegzulassen.

Anfang eines Verharrens.
Ich folge der Formation,
umschlossen von kahlen Wänden
einer kreiselnden Suche.
Kreis schließt sich um den Kreis.
Mein Zentrum wähle ich mir Schwarz,
und für später ein fernes Rauschen.

So ginge es auch. Aber mir persönlich fehlt dann eben diese Verheißung. Diese Verlockung des zu öffnenden Schatzes, der vielleicht, oder ganz bestimmt keiner ist (=Katzengold). Das Komplettiert den Text.

Dass Dich die vielen "Kreise" stören, ist schade.
Denn es ist sehr wichtig, hier genau zu lesen.

Man gelangt von der "kreiselnden Suche" zu dem Verlauf, dass sich in eben diesem Kreiseln weitere Kreise um einen schließen.
Also keine Repitition, sondern eine inhaltliche Weiterführung.
So wie in einem Strudel, bspw. von einer Toilettenspülung

Deiner Aussage, dass der Text experimentell ist, kann ich nun so gar nicht folgen. Ich finde das ganz gewöhnlich, einige Metaphern streifen sogar sehr stark an einer allgemeinen Abnutzung innerhalb der Lyrik, sind deshalb vielleicht nochmal etwas klanglich und inhaltlich anders geschliffen.

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Trainee
Guest
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Hallo Monochrom,

das ist Lyrik.

Aus meiner Sicht gäbe es lediglich wenige Dinge zu überdenken.

Innenseite der Muschel

Wir schwingen in Formation.
Mit einem Traum vom Flug
beobachte ich schwebendes Laub.
Der Wind fährt leise durch Glieder. "Glieder" können nicht für sich stehen. "Der Wind fährt still / leis / stumm durch die Glieder" oder etwas in der Art. Auf diese Weise wäre auch gleichzeitig ein kleines rhythmisches Problem an dieser Stelle behoben.
Rot, brennt; Glut wölbt Wolken;
Es dreht sich aus meiner Sicht.

Ins Grüne wollte ich. Licht feixt.
Laufe unter den Lustgärten
aus Beton, endbalanciert;
Fluss aus Dreck, Braun;
im Wettlauf, spiegelt
meine Natur nur meine Natur.

In der Labsal war ich,
sollte zuerst sein, dabei,
unschuldig, böse, in Formation.
Landung auf dem Fall,
mein welkes Gefieder,
knochentrockenes Sternunter.
Anfang eines Verharrens.
Vor der stillen Schatulle.


Ein Schlüssel aus Katzengold blitzt.
Ich folge der Formation,
umschlossen von kahlen Wänden
einer kreiselnden Suche.
Der Kreis schließt sich um den Kreis.

Mein Zentrum wähle ich mir Schwarz,
und für später ein fernes Rauschen. Die letzte Versgruppe könntest du absetzen. Damit wäre die lapismontische Kritik "erledigt."

Ein sehr schönes Gedicht. Auffallend schön.


Trainee


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Monochrom
Routinierter Autor
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Hi Trainee,

komme jetzt erst dazu, Dir zu antworten.

Ich finde Deine Vorschläge allesamt gut und würde sie gerne übernehmen. Vor allem das Wort "still" anstatt "leise" ist sehr wertvoll.

Vielen Dank.

Grüße
Monochrom

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