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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Insekt der Nacht
Eingestellt am 20. 01. 2002 20:58


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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2001

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Insekt der Nacht

Als ich die neue Wohnung betrat, war es pl├Âtzlich da. Es sa├č leise zirpend auf dem rauhen Holzboden vor meinen F├╝├čen. Ich hob es auf ÔÇô wie eine fette Grille sah es aus ÔÇô gr├╝nlich, mit prallem runden Leib.
Es sa├č ruhig auf meiner Handfl├Ąche und ich wu├čte, dies ist mein Gl├╝ck. Ich mu├čte dieses kleine Gesch├Âpf beh├╝ten. So schlo├č ich es in die H├Âhlung meiner H├Ąnde und begann die R├Ąume zu durchstreifen.
Drau├čen wurde es bereits dunkel, bleigraues Zwielicht fiel durch die hohen Fenster. Ich w├╝rde bald hier wohnen. Mein Blick fiel auf den gro├čen viereckigen Hof, die H├Ąuser des Quadrats sahen aus wie ein Gef├Ąngnis. Auf dem Hofplatz standen kahle B├Ąume, aber ihre Zweige und ├äste waren schon schwanger von Fr├╝hling. Die langen d├╝steren Flure der Wohnung machten mich traurig. Ich sah auf die Stra├če hinunter, eine enge Sackgasse die mit einem Bahnwall endete. Aus einer offenen Kneipent├╝r drang Musik zu mir nach oben. Einige M├Ąnner standen an die Hausw├Ąnde gelehnt m├╝├čig in der Dunkelheit. Nur ihre Bewegungen verrieten sie oder das Aufglimmen einer Zigarette. Voller Schrecken bemerkte ich, meine H├Ąnde waren leer. Das Insekt war verschwunden. Sofort machte ich mich auf die Suche. Es war weitergezogen, ich mu├čte es schnell wieder finden, bevor es endg├╝ltig verloren war.
Stundenlang irrte ich durch die Stra├čen, den Blick zu Boden gesenkt, meinte ich, seiner Spur zu folgen. Auf einer Landstra├če, schon weit ab der Stadt, sah ich es vor mir. Gr├╝nschimmernd kroch es ├╝ber das verzehrende Grau der Stra├če. Gl├╝cklich nahm ich es auf, legte es z├Ąrtlich in meine Handfl├Ąche und streichelte es mit meinem warmen Atem. Der Weg zur├╝ck f├╝hrte mich ├╝ber eine Kohlehalde. Hier standen M├Ąnner die auf eine Frauen warteten - immer wieder mu├čte ich tastende H├Ąnde abwehren, fl├╝sternden Fragen ausweichen. Endlich kam ich zu den Gleisen, zu meiner Stra├če. Das Lokal war noch ge├Âffnet, ein junger Bursche bot mir seine Dienste an. Atemlos erreichte ich meine Haust├╝r und hastete die dunklen Stiegen hinauf. Hier erst wagte ich die Muschel meiner H├Ąnde zu ├Âffnen. Das Insekt war verschwunden, aber eben hatte ich das zarte Klopfen seiner F├╝hler noch in meiner Handfl├Ąche gef├╝hlt. Es mu├čte noch hier auf der Treppe sein. Vorsichtig trat ich eine Stufe in die Dunkelheit hinunter. So sachte ich auch den Fu├č aufsetzte, ich f├╝hlte, wie das zarte Wesen unter ihm zerbrach. Ich hob es auf. Sein R├╝ckenpanzer klaffte weit auf, eine klare Fl├╝ssigkeit, wie eine s├Ąmige Tr├Ąne trat heraus. Im n├Ąchsten Augenblick vertrocknete es zu einer leeren H├╝lle, br├Ąunlich und durchscheinend, die Erinnerung an eine M├Âglichkeit.
Achtlos warf ich es beim Betreten der Wohnung in den M├╝lleimer.

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