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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Intensives Leben
Eingestellt am 12. 08. 2008 13:08


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Duisburger
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Ich mochte diese RĂ€ume nicht. Kahl, steril, technisiert. Sicherlich aber zweckmĂ€ĂŸig. UnschlĂŒssig blieb ich in im TĂŒrrahmen stehen und wartete. Eigentlich war mir danach, sofort wieder kehrt zu machen. Raus aus dieser gekachelten Gruft. Eine Krankenschwester kam auf mich zu.
„Sie wollen zu Herrn Milbrandt?“ Ich schrecke auf und außer einem knappen „Ja“ vermochte ich nichts zu sagen.
„Kommen Sie“ Sie ging vor mir her und blieb vor einem Bett stehen.
„Er liegt im Koma und muss beatmet werden, allein schafft er es nicht mehr.“ Sie deutete auf einen weißen Balg, der der sich bestĂ€ndig hob und senkte.
Ein-Aus. Leben pumpen.
„Kann er mich hören?“
„Das weiß keiner, versuchen Sie es ruhig. Schaden kann es nicht“. Sie wandte sich ab und ging zu einem anderen Bett.
Ein-Aus.
Im Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte und so blieb es schließlich bei einem knappen „Hallo“. Ich kam mir hilflos vor und merkte, wie dumm das war. So wie er da lag, machte er einen Eindruck, der hilfloser nicht sein konnte.
Ich setze mich auf den Hocker, den die Schwester fĂŒr mich hingestellt hatte und nahm die unwirkliche Szene wahr, die diesen bewegungslosen Körper am Leben erhielt.
Zwei Tropfflaschen hingen an einer Art Galgen und farblose FlĂŒssigkeiten verschwanden in SchlĂ€uchen unter der Bettdecke irgendwo in seinem Körper, nĂ€hrten ihn. Fast gleichzeitig tropfte es aus den beiden Flaschen und unwillkĂŒrlich beobachtete ich den Balg des BeatmungsgerĂ€tes um zu sehen, ob sich dieser dazu synchron hob und senkte.
Ein-Aus.
Auf dem Monitor ĂŒber dem Bett konnte man den Blutdruck ablesen, daneben blinkte ein roter Punkt. Das Blut pulsierte noch. Der steile Zacken daneben der Schlag seines Herzens, die Pausen dazwischen kamen mir unendlich lang vor.
Eine unwirkliche Symphonie der Technik, die einen Körper daran hinderte, aufzuhören zu funktionieren, das Leben in ihm hatte keine Stimme mehr.
Ein-Aus. Tropfen fĂŒr Tropfen, Schlag fĂŒr Schlag.
Ich wartete darauf, dass diese Maschinerie aufhörte zu arbeiten, der Balg verstummte, die grĂŒne Linie eine solche blieb, der Monitor eine Null zeigte. Ruhe.
Ein-Aus. Immer noch.
Eigentlich sollte ich mit ihm sprechen, ihm sagen, was noch gesagt werden musste. Ich fragte mich, ob ich das fĂŒr mich tun sollte oder fĂŒr ihn. So etwas wie Absolution, wofĂŒr auch immer.
Ich nahm seine Hand, die seltsam warm und weich war. UnwillkĂŒrlich hatte ich eine kalte, steife Hand erwartet, wie die eines Toten. Überrascht drĂŒcke ich sie leicht und beobachtet sein Gesicht, erwartete eine Reaktion, das Zucken des Mundwinkels oder einen Bewegung der Augenlieder. Doch da war nichts. Vorsichtig löste ich meine Hand aus der seinen, wie bei einem Kind, das man nicht aufwecken will, weil es gerade eingeschlafen ist.
Ich schaute mir sein Gesicht an, nahm es zum ersten mal richtig wahr. Ich hatte ihn als alten Mann mit einem alten Gesicht in Erinnerung. Nichts spezifisches, nur erwartungsgemĂ€ĂŸ. Da war nichts besonders, nur die Spuren eines langen Lebens, welches seine Haut gegerbt hatte, die Falten und die KrĂ€henfĂŒĂŸe an seine Augen. Ob er viel gelacht hat?
Etwas Ă€nderte sich, ich schaute hoch. Der kleine Punkt blinkte hektisch, die Zackenlinie wurde zum GemĂ€lde eines wahnsinnigen KĂŒnstlers. Die Schwester wurde aufmerksam, kam schnell heran und starrte auf die Anzeigen.
„Was haben Sie gemacht?“ Es klang ganz ruhig, nicht vorwurfsvoll.
„Nur seine Hand gehalten, ganz kurz nur“. Sie nickte.
Ein-Aus.
„Wollen sie keinen Arzt holen?“ Ich war mittlerweile aufgestanden und starrte sie verwirrt an.
„Nicht nötig, damit war zu rechnen, nur eine Frage der Zeit. Warum ihn quĂ€len?“
Sie sah mich an und lÀchelte.
„Er wollte es so. Das mĂŒssen wir respektieren“ Ich nickte nur.
„Tut mir leid. Stand er ihnen nahe?“ Sie kontrollierte noch einmal alle Anzeigen, versuchte an seinem Hals einen Puls zu ertasten. Da war nichts mehr.
„Ich kannte ihn nicht, fand ihn nur auf einer Bank im Park.“ Als wenn das wichtig wĂ€re.
Ein-
Die Zacken waren verschwunden, die Linie blieb. Kein Blinken mehr. Die Schwester schaltete das BeatmungsgerÀt ab.
Aus.

__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

Version vom 12. 08. 2008 13:08
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Version vom 13. 08. 2008 07:40

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ENachtigall
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???

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Hallo Duisburger,

bitte sieh Dir den Text noch einmal an, im Hinblick auf vereinzelte Bindestriche in manchen Wörtern. Vermutlich sind sie ungewollt.

Lieben Gruß, Elke

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Duisburger
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Hallo,

ich danke euch beiden. Die Bindestriche enstanden da durch, dass ich die Silbentrennung in meiner Textverarbeiung nicht ausgeschaltet habe.
Der Text sollte jetzt frei avon sein.

lg
Duisburger
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Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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Balu
???
Registriert: Nov 2006

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besser kann man kaum ein bild mit worten malen

die situation, in der nur die technik noch die körperfunktionen aufrecht hĂ€lt, hast du mit den richtigen worten und der richtigen, weil nĂŒchternen, sprache vermittelt
ich habe das gerÀusch des balges gehört

es fÀllt mir leicht, zu bewerten

GrĂŒĂŸe dich
Knut

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Duisburger
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Hallo Balu,

danke fĂŒr deinen freundlichen Kommentar. Es freut mich besonders, das die zurĂŒckhaltende Sprache ankommt.

lg
Duisburger
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