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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Interessante Menschen...
Eingestellt am 25. 04. 2002 13:28


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satiriker
???
Registriert: Apr 2002

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Reflektionen aus Beobachtungen in einem Cafe...

Ich sitze im Cafe, trinke gem├╝tlich einen Kaffee, gebe vor, meine Zeitung zu lesen, und gehe meiner Lieblingsbesch├Ąftigung nach.
"Menschen gucken".
Ein faszinierendes Hobby.

Wieder einmal geht die T├╝r auf.
Eine Dame betritt das Cafe. Elegant gekleidet, eleganter Hut, sorgf├Ąltig geschminkt, viel Schmuck, Ringe, Halsketten, Armreif. Vorwiegend Gold. Fasziniert von der eleganten Erscheinung suche ich das Gesicht. Eine blonde Frau, sch├Ątzungsweise Mitte 50. Sie h├Ąlt kurz inne, ihr Blick schweift ├╝ber den Raum, ein kurzes, fast unmerkliches Z├Âgern, ganz kurz wird der Blick verunsichert gesenkt, dann entschlossen ein freier Tisch an der Wand aufgesucht. Sie nimmt Platz, ihr kleines, elegantes Handt├Ąschen auf dem Tisch wird ge├Âffnet und es wird ein P├Ąckchen Dunhill Zigaretten entnommen. Eine Zigarette wird mit den lang ausgestreckten goldbehangenen Zeige- und Mittelfinger festgehalten, entz├╝ndet und zum im perfekten rot gehaltenen Munde gef├╝hrt. In aufrechter Haltung, die Beine korrekt ├╝bereinander geschlagen, wird ein tiefer Zug an der Zigarette genommen, die Nase fast unmerklich angehoben, um Selbstsicherheit auszustrahlen.
Ich stelle mir vor, da├č diese Frau in ihrer Jugend sehr sch├Ân und begehrenswert gewesen sein mu├č. Das sie ihre Ausstrahlung genossen hat. Und bis heute versucht, diese Ausstrahlung aufrechtzuerhalten. Irgendwie schie├čt mir der Gedanke durch den Kopf, da├č es f├╝r diese Frau wohl das Furchtbarste sein mu├č, nicht mehr wahrgenommen, einfach ├╝bersehen zu werden.

Am Nebentisch erhebt sich eine junge Frau. Sie ist hochgewachsen, schlank, bewegt sich grazi├Âs. Mit stolzem Blick, unbewegtem, fast stoischem Geichtsausdruck bewegt sie sich in Richtung der lokalen ├ľrtlichkeiten. Eine edle Erscheinung, selbstbewu├čt, ca. 27 Jahre alt. Gekleidet in ein langes, ├Ąrmelloses rotes Kleid, das ihre langgestreckte schlanke Figur mit den langen Gliedma├čen sanft umschmeichelt und betont. Sie scheint sehr genau zu wissen, was sie m├Âchte und wie sie es erreichen kann. Mein Blick sucht ihren Tischnachbarn, der mit dem R├╝cken zu mir sitzt. Kurze graue Haare, wei├č an den Spitzen. Als er den Kopf leicht dreht, sehe ich leicht gebr├Ąunte, markante Gesichtsz├╝ge. Hager, sportlich, trainiert. Er strahlt Ruhe und Selbstsicherheit aus. Gleichmut. Jemand, der den Eindruck erweckt, seine Ziele erreicht zu haben und nun das Leben zu geniessen.
Die beiden passen gut zueinander.

Weiter schweift mein Blick durch den Raum.
Und bleibt an einem jungen Paar h├Ąngen. Diesen Blick, den sie ihm gerade zuwirft, kenne ich doch. Der aufbauende Blick einer jungen Liebe. Sie hat sich nach vorne geneigt, den Kopf gesenkt, und schaut ihn nun von unter herauf aus gro├čen Augen l├Ąchelnd an. Faszinierend. Immer wieder faszinierend. Dieser Blick, mit dem schon die kleine Tochter dem Vater zu verstehen gibt, da├č er der Gr├Â├čte ist. Das sie wei├č, da├č er einfach alles kann und sie immer und ├╝berall besch├╝tzen wird, da├č ihr in seinem Beisein absolut nichts passieren kann. Welcher Mann kann einem solchen Blick widerstehen? Man kann sehen, wie er im Sitzen w├Ąchst, die Wirbels├Ąule durchdr├╝ckt, und zugleich leicht verunsichert auf seinem Platz herumr├╝ckt. Er w├Ąhnt sich sichtlich im siebten Himmel, f├╝hlt sich geschmeichelt, und hat zugleich Angst, den in ihn gesetzten Anforderungen nicht gerecht werden zu k├Ânnen. Aber, im Moment ist alles egal, er geniesst den Augenblick.
Als unbeteiligter Aussenstehender geniesse ich es, unbemerkt am jungen Gl├╝ck teilhaben zu k├Ânnen und freue mich still mit ihnen.

Eine junge Frau betritt das Cafe.
Sie tr├Ągt verschiedene gef├╝llte Einkaufst├╝ten, Strauchgem├╝se ragt aus einer T├╝te heraus, aus einer anderen Stangenwei├čbrot. Sie schiebt 2 Kinder vor sich her, ein blondes M├Ądchen mit Z├Âpfen, etwa 4 Jahre alt, und ein Junge, etwa 7 Jahre alt. Der Junge hat ein silbernes Spielzeugauto in der Hand, mit dem er durch die Luft f├Ąhrt. Hektisch dirigiert sie ihre Kinder an den n├Ąchsten freien Tisch und nimmt ersch├Âpft Platz. Der Junge steht bald wieder auf und l├Ąuft durchs Cafe, weiterhin mit seinem Auto duch die Luft fahrend. Die Mutter l├Ą├čt ihn gew├Ąhren und man sieht ihr an, wie sie es geniesst, nach den anstrengenden Eink├Ąufen auf dem Wochenmarkt kurz sitzen und ausruhen zu k├Ânnen.
Wieder einmal wird mir die Bewunderung gegenw├Ąrtig, die ich f├╝r diese Frauen empfinde, die Haushalt, Familie und Kinder, Einkauf und gegebenenfalls noch Beruf unter einen Hut bringen m├╝ssen und sich diesen Anforderungen stellen und sie erf├╝llen. Meine ehrliche Bewunderung.

Am Nebentisch sitzt eine Gruppe von sechs Personen, etwa in meinem Alter. Auch Stammg├Ąste.
Zwei davon sind mir aufgefallen, eine Frau und ein Mann. Ich konnte nicht umhin, zu registrieren, da├č die Frau einen 9-j├Ąhrigen Sohn hat, auf eigenen Wunsch geschieden ist, vorgibt zu wissen was sie will und ihren eigenen Weg geht. Zu laut tut sie dies kund. Sie ist emanzipiert, wei├č was sie will und was nicht, steht aus eigener Kraft auf eigenen F├╝├čen und ist mit ihrer Situation zufrieden. Sagt sie. Aber, irgendwie klingt zwischen ihren S├Ątzen an, da├č da wohl noch mehr sein sollte. Das die Situation derzeit so gut wie m├Âglich gel├Âst ist, aber doch noch mehr gew├╝nscht und erwartet wird.
Der Mann am Tisch wirkt ruhig und besonnen. Typ alleinstehender erfolgreicher Unternehmer. Schlank, 3-Tage-Bart, sportlich gekleidet, Beine relaxt ├╝bereinander geschlagen, Zigarette ├╝ber den Aschenbecher haltend und zuweilen daran ziehend. Er gibt sich gebildet, interessiert sich f├╝r das Tagesgeschehen, treibt viel Sport und macht einen besonnenen Eindruck. Er vertritt seine fundierten Meinungen - denen ich oft, aber nicht immer zustimmen w├╝rde - ruhig und besonnen. Seit kurzem scheint er wieder solo zu sein, und offensichtlich kann er damit sehr gut umgehen.

Die T├╝r geht auf, und meine Bekannten kommen herein, auf die ich bislang gewartet habe.

Es war wieder einmal sehr interessant, hier im Cafe, mit vielen interessanten Menschen...

__________________
(c) satiriker, 2002

Was h├Ąlt uns eigentlich davon ab, das zu tun,

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Satiriker,

sch├Ân beschrieben, sch├Ân beobachtet. Man kennt diese Leute irgendwie und hat man sie vor dem geistigen Auge, wenn man diesen Text liest.
Nette Idee, das einfach mal so aufzuschreiben.

Eine Frage: Muss es nicht Lauchgem├╝se anstatt Strauchgem├╝se heissen, bei der Frau mit den Einkaufstaschen.

Beste Gr├╝sse
Elsa

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Carolin.a
Manchmal gelesener Autor
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Lieber satiriker,

Deine Reflexionen gefallen mir sehr gut. Liebevoll und bis in Detail beschreibst Du Deine Personen.

Liebe Gr├╝├če
Carolin.a
__________________
Es gibt soviele farbenfrohe Facetten einer Geschichte - welche soll ich denn nun erz├Ąhlen?

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satiriker
???
Registriert: Apr 2002

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Re: Hallo Satiriker,

quote:
Urspr├╝nglich ver├Âffentlicht von ElsaLaska
sch├Ân beschrieben, sch├Ân beobachtet. Man kennt diese Leute irgendwie und hat man sie vor dem geistigen Auge, wenn man diesen Text liest.
Nette Idee, das einfach mal so aufzuschreiben.

Eine Frage: Muss es nicht Lauchgem├╝se anstatt Strauchgem├╝se heissen, bei der Frau mit den Einkaufstaschen.

Beste Gr├╝sse
Elsa


Hallo Elsa,

es freut mich, wenn Dir die beschriebenen Personen so bekannt vorkamen, da├č Du sie Dir vor Deinem geistigen Auge vorstellen konntest.
Es war, ehrlich gesagt, ja auch meine Absicht, diese Geschichte zu nutzen um Personen plastisch darzustellen.
Bez├╝glich des von mir zitierten Strauchgem├╝ses.
Ich gestehe, ich bin absolut kein Freund von Salat und Gem├╝se. Von daher sind mir die Unterschiede nicht so recht gew├Ąrtig. Aber der Begriff Lauchgem├╝se ist sicher richtiger (Tomaten z.B. ragen selten aus einer Tasche hervor).
Vielen Dank daher f├╝r Deinen Hinweis. Ich werde mich bem├╝hen, zuk├╝nftig pr├Ąziser und gewissenhafter meine Beobachtungen festzuhalten.

Besten Dank f├╝r Deine Anmerkungen und liebe Gr├╝├če
Ralph
__________________
(c) satiriker, 2002

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satiriker
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 2
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quote:
Urspr├╝nglich ver├Âffentlicht von Carolin.a
Lieber satiriker,

Deine Reflexionen gefallen mir sehr gut. Liebevoll und bis in Detail beschreibst Du Deine Personen.

Liebe Gr├╝├če
Carolin.a


Liebe Carolin.a

besten Dank auch Dir f├╝r Deine Anmerkungen. Es freut mich, wenn Dir meine Beschreibung der Personen gef├Ąllt.
Ich hoffe, auch Du konntest die beschriebenen Personen vor Deinem geistigen Auge sehen, bzw. wurdest an Begegnungen mit ├Ąhnlichen Personen bzw. Situationen erinnert.

Viele liebe Gr├╝├če

Ralph
__________________
(c) satiriker, 2002

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