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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Internationaler Weltfrauentag
Eingestellt am 03. 03. 2013 19:35


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krokotraene
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Registriert: Feb 2013

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AndrĂ© streicht vertrĂ€umt ĂŒber die einseitige Werbeeinschaltung in der aktuellen Tageszeitung. "Freitag, 08.03.2013 ist wieder Internationaler Weltfrauentag. Vergessen Sie nicht Ihrer Frau Blumen zu schenken!"

Plötzlich zieht er rasch seine Hand zurĂŒck. Er kommt sich ein wenig dumm vor. So Gedankenverloren wie er vor der Einschaltung sitzt.

Der Internationale Frauentag war fĂŒr seine Frau fast der wichtigste Tag im Jahr. Er erinnert sich an seinen ersten gemeinsamen achten MĂ€rz vor mittlerweile zwanzig Jahren. Damals kam er abends nachhause. Das Essen stand wie immer duftend am Tisch und er freute sich wie jeden Tag auf einen gemĂŒtlichen Abend mit seiner geliebten Freundin. Sie waren damals seit einem knappen Jahr ein Paar und noch immer frisch verliebt. Seine Freundin war eine ausgezeichnete Köchin und es schmeckte wie gewöhnlich herrlich und verfĂŒhrerisch. AndrĂ© freute sich schon auf den Ausklang des Abends.

Nach dem Essen schlug die Stimmung plötzlich rasant um. Anstatt das schmutzige Geschirr abzurĂ€umen und mit dem Abwasch zu beginnen, bĂ€umte sich Diana vor AndrĂ© auf. Sie stemmte ihre zierlichen HĂ€nde in die HĂŒften und funkelte ihren Geliebten auf eine bisher unbekannte Weise an.
"Du hast vergessen!"

AndrĂ© zuckte zusammen. Wie ein Film liefen die letzten Minuten, Stunden, Tage, Wochen vor ihm ab. Der Jahrestag war erst in 21 Tagen. Einkaufsliste hatte sie heute morgen keine geschrieben. Mit dem Hund war er noch vor dem Essen rasch vor der TĂŒr. Er war sich eigentlich keiner Schuld bewusst.

Diana brach weinend zusammen und griff zur KĂŒchenrolle. Sie heulte und schluchzte. Die KĂŒchenrolle war bald verbraucht und die angeschnĂ€uzten TĂŒcher lagen in der ganzen KĂŒche verteilt. AndrĂ© hatte große Schwierigkeiten seine Freundin zu beruhigen und musste diverse Register ziehen um aus ihr den Grund fĂŒr ihre Heulattacken zu kitzeln. Irgendwann schniefte sie vor sich hin:
"Du hast den Welttag der Frauen vergessen. Ich bin Dir nichts wert!"

AndrĂ© packte seinen Mantel, stĂŒrmte zu seinem Auto und fuhr zur nĂ€chsten Tankstelle. Fast hĂ€tte er sich mit einem anderen Mann um die letzten Blumen geprĂŒgelt. Als er abgehetzt wieder zuhause ankam und Diana die Blumen sah, war die Welt wieder in Ordnung.

Seine große Liebe legte besonders Wert auf jeden Festtag. Egal ob Geburtstag, Namenstag, Ostern, Weihnachten, Valentinstag, Jahrestag und was sonst noch in ihrem Leben wichtig erschien. NatĂŒrlich ganz besonders auf den Welttag der Frauen am 08. MĂ€rz jeden Jahres. AndrĂ© hatte in den Jahren der Zweisamkeit nicht mehr gezĂ€hlt wie oft er diesen Tag vergessen hatte. Es war fast jedes Jahr das gleiche Theater und viele KĂŒchenrollen mussten ihr Leben opfern.

Die Jahre zogen ins Land, die erste Verliebtheit war schon lĂ€ngst vorbei. Der Alltag hatte die Beziehung fest im Griff. Diana hatte nach der Hochzeit ihren Job aufgegeben. Sie wollte sich um Haus und Garten kĂŒmmern. Bald kam das erste Kind und das Geld wurde knapp. AndrĂ© bewarb sich um einen neuen Job der mehr Geld in die Haushaltskasse spielte.

Diana war den ganzen Tag im Haus. Sie versorgte das Kind, betreute den Haushalt und den Garten. Der Hund musste bald ein neues Zuhause suchen, da Diana mit der Hauswirtschaft völlig ĂŒberlastet war. Der Hund war fĂŒr sie eine zusĂ€tzliche, unertrĂ€gliche Belastung. StĂ€ndig das Gassi-gehen, stĂ€ndig die Haare im ganzen Haus und das verstreute Spielzeug meuterte sie immer öfter.

AndrĂ© verstand es nicht. In seinen Augen hatte sie nicht wirklich viel zu tun. "Das bisschen Haushalt!", hielt er ihr nicht einmal vor. Er schuftete tĂ€glich stundenlang schwer in einer Fabrik. Die Arbeit powerte ihn immer mehr aus. Am Sonntag, am Tag des Herren, wann er sich endlich einmal ausschlafen wollte, zwang ihm Diana das Kind auf. Sie brauche einen Tag fĂŒr sich. Einmal nur Auszeit. Er wĂŒrde es nicht verstehen. Wie er nur so ein roher Mensch sein kann? Er habe kein Herz fĂŒr sie! Sie schufte die ganze Woche und sie wĂŒrde nur einen einzigen Tag gerne einmal Zeit fĂŒr sich haben. Er wĂŒrde doch auch einmal auf das gemeinsame Kind aufpassen können. Sie lag dann den ganzen Sonntag faul auf der Couch und starrte in den Fernseher.

Und dann kam wieder der Weltfrauentag. Und AndrĂ© hatte ihn wieder einmal vergessen. Er kam wie schon so oft ohne Blumen nachhause. Kurz darauf hörte er hinter Diana die TĂŒr ins Schloss fallen.


Es lĂ€utet an der TĂŒr. AndrĂ© springt von seiner Zeitung auf. Als er die TĂŒr öffnet starrt er auf einen großen Strauß roter Rosen. Seine absoluten Lieblingsblumen. So zierlich, so zerbrechlich und dennoch mit ihren Dornen so gefĂ€hrlich. Er steckt seine Nase ganz tief in das Blumenmeer und zieht den Duft tief in seine Lungen auf. Dann tĂ€nzelt er davon um eine Vase zu holen.

Die roten Rosen erhellen das sonst in weiß getĂŒnchte Wohnzimmer. Ein Farbklecks in der NormalitĂ€t. AndrĂ© vernimmt eine liebevolle Stimme: "Wie war Dein Tag mein geliebter Schatz?"

Er lĂ€sst sich laut schnaufend auf die weiße Ledercouch fallen. "Ach!", er greift sich theatralisch an seine Stirn, "WĂ€sche waschen, Geschirr abtrocknen, Rasen mĂ€hen, Fenster putzen!"

"Ach, mein Liebling, Du musst ja ganz fertig sein. Und das am Internationalen Frauentag! Du Armer! Dagegen war ja mein Tag direkt ein Honiglecken. Ein paar AbschlĂŒsse fĂŒr Lebensversicherungen und eine neue Haushaltsversicherung. Schatz, ich sage Dir, es war ein erfolgreicher Tag. Wir haben wieder eine Menge Provision eingefahren!"

AndrĂ© schnauft noch einmal lautstark. Er erhebt sich schwerfĂ€llig von der Couch und schlĂŒrft Richtung Badezimmer: "Liebling, ich habe uns ein frisches Bad eingelassen. Mit Rosenwasser. Komm, die Temperatur mĂŒsste gerade richtig sein! Und ich freue mich schon darauf Dich einseifen zu können." Er starrt sein GegenĂŒber liebevoll und lĂŒstern an.

"Och nein, och ich liebe Dich so!" Heimo drĂŒckt sich an AndrĂ© und kĂŒsst ihn sinnlich. Liebevoll gibt er AndrĂ© einen Klapps auf den Po. Der springt entzĂŒckt und johlend auf. "Ach mein Lieber, komm in die Wanne. Wir feiern den Frauentag!"

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