Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92261
Momentan online:
364 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Intimsphären
Eingestellt am 19. 05. 2007 17:40


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

Werke: 850
Kommentare: 4772
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Karl Feldkamp eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Auch Lesungspublikum kann eine Bestie sein.
Kaum hatte ich vor Wochen in einem Literaturcafé die letzte Zeile gelesen und höflichst um Publikumsäußerungen gebeten, folgte jene kaum erträgliche Stille. Dann endlich. Eine Frau, keineswegs unattraktiv, leicht intellektuelles Outfit, Sphinx-Lächeln, stellte die unvermeidliche Frage. „Greifen Sie beim Schreiben auf persönliche Erfahrungen zurück?“
Bei Kennern der Szene gilt diese Frage als indiskret, zumal ohnehin jeder weiß, dass in allen Prosa- oder Lyriktexten offen oder versteckt die Autoren-Persönlichkeit nachwirkt.
Von der leicht erhabenen Position einer kleinen Bühne aus konnte ich erkennen, wie jene Sphinx darauf brannte, ihr ohnehin schon vorgefertigtes Autoren-Psychogramm mit letzten Einzelheiten zu ergänzen.
Mit bemüht gelangweilter Stimme antwortete ich: „Aber natürlich.“
Sie ließ sich nicht entmutigen. „Sie haben da eine, wie ich meine, äußerst erotische, ja, gewagte Liebeszene in Ihrer Geschichte...!“
Der Liebhaber, auf nächtlichem Kurzabenteuer, war ein sympathischer und potenter Eroberer, der meinem Wunsch- und leider weniger meinem wahren Selbstbild entsprach.
Daher entschied ich mich, als Antwort genüsslich zu lächeln.
Sie gab nicht auf. „Ich könnte Sie jetzt fragen, ob Sie auf One Night Stands stehen.“
In der eher entspannenden Atmosphäre des kleinen Literaturcafés begann es zu knistern. Zum Glück meldete sich eine andere zu Wort. „Aus feministischer Sicht, meine ich, benutzt Ihr Casanova die Frauen nur, um sich dabei großartig vorzukommen. Und Casanova, der war bekanntlich ein bindungsunfähiger, sexsüchtiger und an sich zu bedauernder Macho.“
In Zwickmühlen neige ich nicht dazu, wie ein Wasserfall zu reden.
Prompt kam die Sphinx noch einmal auf ihre Eingangsfrage zurück.
Wieder herrschte Stille. Nur diesmal starrten nicht alle verlegen zu Boden sondern äußerst auffordernd zu mir herauf.
Ich versuchte, ihnen in die Augen zu sehen. Räusperte mich. Meine Stimme blieb belegt. „Ich beobachte in unserer Gesellschaft sowohl Sexsucht als auch zunehmende Bindungs-unfähigkeit. Daher habe ich diese Liebesszene als Metapher gemeint. Verstehen Sie?“
Die Feministin nickte anerkennend, meine Sphinx wirkte enttäuscht und direkt vor mir grinsten einige breit und damit weit mehr als nur indiskret.


__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Korrekturvorschläge:

Intimshären
(Intimsphären) Veröffentlicht von Karl Feldkamp am 19. 05. 2007 17:40
Auch Lesungspublikum kann eine Bestie sein.
Kaum hatte ich vor Wochen (eine sehr diffuse Zeitangabe) in einem Literaturcafé die letzte Zeile gelesen und höflichst um Publikumsäußerungen gebeten, folgte jene kaum (doppelt) erträgliche Stille. Dann endlich. Eine Frau, keineswegs unattraktiv, leicht intellektuelles (was ist denn das? Und seit wann sind Gegenstände intellektuell?) Outfit, Sphinx-Lächeln, stellte die unvermeidliche Frage. „Greifen Sie beim Schreiben auf persönliche Erfahrungen zurück?“
Bei Kennern der Szene gilt diese Frage als indiskret, zumal ohnehin jeder weiß, dass in allen Prosa- oder Lyriktexten offen oder versteckt die Autoren-Persönlichkeit nachwirkt.
Von der leicht erhabenen Position einer kleinen Bühne aus konnte ich erkennen, wie jene Sphinx darauf brannte, ihr ohnehin schon vorgefertigtes Autoren-Psychogramm mit letzten Einzelheiten zu ergänzen.
Mit bemüht gelangweilter Stimme antwortete ich: „Aber natürlich.“
Sie ließ sich nicht entmutigen. „Sie haben da eine, wie ich meine, äußerst erotische, ja, gewagte Liebeszene in Ihrer Geschichte...!“
Der Liebhaber, auf nächtlichem Kurzabenteuer, war ein sympathischer und potenter Eroberer, der meinem Wunsch- und (jedoch wäre ausdrucksstärker) leider weniger meinem wahren Selbstbild entsprach.
Daher entschied ich mich, als Antwort genüsslich zu lächeln.
Sie gab nicht auf. „Ich könnte Sie jetzt fragen, ob Sie auf One Night Stands stehen (dieser halbe Stabreim ist ungünstig, wäre nur angebracht, wenn er die Person charakterisieren soll).“
In der eher entspannenden (entspannten) Atmosphäre des kleinen Literaturcafés begann es zu knistern. Zum Glück meldete sich eine andere (andere was? Sphinx?) zu Wort. „Aus feministischer Sicht, meine ich, benutzt Ihr Casanova die Frauen nur, um sich dabei großartig vorzukommen. Und Casanova, der war bekanntlich ein bindungsunfähiger, sexsüchtiger und an sich zu bedauernder Macho.“
In Zwickmühlen neige ich nicht dazu, wie ein Wasserfall zu reden.
Prompt kam die Sphinx noch einmal auf ihre Eingangsfrage zurück.
Wieder herrschte Stille. Nur diesmal starrten nicht alle verlegen zu Boden(Komma) sondern äußerst auffordernd (herausfordernd) zu mir herauf.
Ich versuchte, ihnen in die Augen zu sehen. Räusperte mich. Meine Stimme blieb belegt. „Ich beobachte in unserer Gesellschaft sowohl Sexsucht als auch zunehmende Bindungs-unfähigkeit. Daher habe ich diese Liebesszene als Metapher gemeint. Verstehen Sie?“
Die Feministin nickte anerkennend, meine Sphinx wirkte enttäuscht und direkt vor mir grinsten einige breit und damit weit mehr als nur indiskret (ein wischiwaschi Abschluss. Was, bitte schön, ist denn weit mehr als indiskret? Was darf man sich darunter vorstellen?).


__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Die Geschichte macht vor allem dadurch den Eindruck eines Tagebucheintrags, weil sie in der Ich-Form geschrieben ist und du als der strahlende Held aus ihr hervorgehst. Außerdem hat sie nur einen geringen Schmunzelfaktor. Ich habe sie mehreren Männern zu lesen gegeben, sie haben kaum den Mund verzogen.
lg

__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Pete
Guest
Registriert: Not Yet

@Flammarion, gut lektoriert. Keiner Deiner, allesamt berechtigten Punkte war mir aufgefallen.

@Karl

quote:
Ich beobachte in unserer Gesellschaft sowohl Sexsucht als auch zunehmende Bindungs-unfähigkeit. Daher habe ich diese Liebesszene als Metapher gemeint. Verstehen Sie?“

Wenn das kein Fehler ist, sondern Konkrete Poesie, dann müsste m.E. Unfähigkeit groß geschreiben werden.

Grüße

Bearbeiten/Löschen    


Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

Werke: 850
Kommentare: 4772
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Karl Feldkamp eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Flammarion,
danke für das Lektorat.
Kann ich viel mit anfangen.
Herzliche Grüße
Karl
__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Bearbeiten/Löschen    


15 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!