Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92210
Momentan online:
414 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Irgendwann...
Eingestellt am 25. 02. 2009 16:08


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
ladameblanche
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2009

Werke: 2
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ladameblanche eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Stille legte sich wie ein schwarzes Tuch ├╝ber den Augenblick.

Reglos lag sie da, sp├╝rte den Schlag ihres Herzens und h├Ârte das leise Pfeifen ihres Atems.

Schwarze Stille.

Sie hielt die Augen geschlossen, der letzte Schutz, der ihr blieb, bevor sie sich der Gegenwart stellen muss.

Wumm.

Stille.

Wumm.

Stille.

Wumm.

Der Takt ihres Herzens. Gleichm├Ąssig, unaufh├Ârlich, immer wieder. Genau wie die St├Â├če, die sie immer wieder unbarmherzig trafen. Die ihren ausgemergelten K├Ârper schonungslos ├╝ber die Tischplatte trieben, nur unterbrochen von den St├╝cken dieser verhassten, harten, unbekannten Sprache und von dem h├Âhnischen Lachen, das fortw├Ąhrend diese Tortour begleitete.

Sie bi├č sich auf die Zunge, um auf gar keinen Fall einen verr├Ąterischen Ton von sich zu geben, einen Ton, der auf ihre Qualen, Entw├╝rdigungen und Schmerzen hinwies. Das w├╝rde sie ihren Kindern, die man mit dem Rest der Familie wenigstens in die Kammer nebenan gebracht und eingesperrt hatte, ersparen. Sie w├╝rden es nie erfahren. Nie! Das schwor sie sich, w├Ąhrend ihre Fingern├Ągel sich in das Holz des groben K├╝chentisches gruben und ihre Pein f├╝r alle Zeit dort eingravierten, ihre Wange, wund und roh, brannte wie Feuer, verklebt von Blut und Asche.
Asche, die sie sich alle in ihr Gesicht rieben, als sie vom Herannahen der fremden Truppen h├Ârten. Um m├Âglichst unauff├Ąllig, h├Ąsslich und alt zu wirken. Aber bei ihr hatte es nichts genutzt.

Als die Horde von hungrigen, w├╝tenden und aufgehetzten Soldaten ihr Haus st├╝rmte, sie sich alle in der gro├čen K├╝che versammeln mussten, blieben die Blicke all dieser vom Krieg zu blo├čen Kreaturen verdammten Soldaten an ihr haften. Sie sch├╝ttelte den Kopf, versuchte, sich zu wehren, aber gegen die losbrechende Gewalt und den Gewehrkolben, der sie an der Stirn traf, war sie machtlos. Sie wurde b├Ąuchlings auf den Tisch geworfen und unter johlendem Beifall der Anderen verrichteten diese Bestien ihr sch├Ąndliches Werk, wie von Sinnen, berauscht von dem Willen, endlich zu Siegen, dem Feind alles zu nehmen: Den Willen, die Kraft, die Moral, den Stolz und die W├╝rde.

Irgendwann lie├čen sie von ihr ab, durchw├╝hlten den Raum nach Essbarem und zogen wieder ab.

Stille.

Das Ganze ist nun zwei Monate her. Die Platzwunde am Kopf ist verheilt, die blauen Flecken kaum noch zu sehen.

Wie in Trance verrichtet sie ihre Arbeit und versorgt ihre Kinder, macht, was zu tun ist. Ihre Seele schmerzt und schreit.

Und die Frage, der sie sich nicht zu stellen vermag. Die Frage nach dem \"Was wird...?\", seit sie sp├╝rt, dass ihr Rock in der Taille langsam enger und enger wird...

Aber sie wei├č verzweifelt, dass sie es muss.

Irgendwann...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

liebe @madameblanche,

wenn man mit texten dieses inhalts hervortreten m├Âchte, sollte man darauf achten, nicht etwas, das so oder so ├Ąhnlich schon ein paar tausendmal beschrieben wurde, einfach nachzuerz├Ąhlen.

leider wurden die geschichten der im krieg vergewaltigten m├╝tter im lauf der jahrhunderte mit zu den ausgertetendsten pantoffeln, in denen die effekthascher umherschlurften. manchwal war's tats├Ąchlich sowas wie literatur, meist aber nur die endlose wiederholung g├Ąngiger versatzst├╝cke.

das macht die sache an sich nt├╝rlich nicht weniger schlimm, nutzt deren darstellung aber so stark ab, dass man nicht mehr wirklich betroffen sein kann, wenn man, wie hier, den ├╝blichen klischees zum x-ten mal begegnet und verweifelt nach dem besonderen sucht.

aber au├čer dem wiederholten wort "wumm" ist da nichts. dein text bricht da ab, wo er g├Ąngiger weise immer abbricht. er widmet sich nicht weiter der eigentlich spannenden frage, was "rgendwann" denn wirklich gewesen sein k├Ânnte. sonderbarer weise haben sich die v├Âlker dieser erde mitsamt ihren schriftstellen kaum je damit befasst, was "danach" kam. erst in allerj├╝ngster zeit liest man da und dort, was entstand, wenn es nicht abgetrieben wurde: das sog. "besatzungskind".

ob so eins geliebt werden kann und soll von einer mutter, einem stiefvater, den geschwistern, einem ort oder dem ganzen volk, ist bis heute nicht klar. es sind halbwesen, wie desert├Âre, die man als besiegter zwar hinzunehmen hat, die aber ohne jeden weiteren, gesellschaftlichen anspruch sind (vielleicht ger├Ątst du mal an zuckmayers "geschichte eines bauern aus dem taunus" und verstehst dann besser, was ich meine).

ich fasse deinen text als die ein wenig im klischee stecken gebliebenene einleitung zu einer wirklichen kurzgeschichte auf, in der uns noch gesagt werden wird, was wir vielleicht geahnt, nicht aber bewusst geh├Ârt haben.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

Bearbeiten/Löschen    


nachts
???
Registriert: Jun 2007

Werke: 27
Kommentare: 337
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um nachts eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo ladameblanche
es mu├č nichts besonderes sein, weil ihm nichts besonderes anhaftet. Es ist in tausenden von kriegen tauusende Male geschehen. Von daher liegt im Klischee vielleicht die Wahrheit. Deine Schilderung erscheint f├╝r mich nachvollziebar und treffend.
Ich hab aber ein kleines Problem mit dem/r Erz├ĄhlerIn bzw. der durchgehenden Perspektive. Wenn du von "zu Kreaturen verdammten ..." schreibst ist das f├╝r mich die Erz├Ąhlerperpektive, dazu passen die "Bestien, mit ihrem sch├Ąndlichen Tun" nicht. F├╝r mich w├Ąrs stimmiger, du w├╝rdest dich entscheiden zwischen Beschreiben und Bewerten, wenn du wei├čt was ich meine. Auch die "harte Sprache" assoziert man eher mit Osteuropa - ich wei├č nicht ob du ein bestimmtes Ereignis im Kopf hattest oder "generell" formulieren wolltest. Noch was - wenn auch die Familie in der Kammer nebenan war ist es ,denk ich, klar f├╝r alle was sich abspielt oder abspielen wird - soviel Erfahrung bringt - glaub ich - der Krieg mit sich.
Hallo Bluefin: Der Begriff Besatzungskind ist in dem Zusammenhang schlicht falsch und erschlie├čt sich aus der Geschichte nicht - der kommt woanders her.(auch wenn es da durchaus Vergewaltigungen gab)

LG Nachts
__________________
Heute ist nicht manchmal

Bearbeiten/Löschen    


5 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!