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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Irgendwas mit Büchern
Eingestellt am 01. 07. 2008 10:55


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Hedwig Storch
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Den Literaturpapst der Deutschen, den kennt jeder aus dem TV. Dieser Kritiker war es, der schon vor seiner TV-Karriere keinen geringeren als Heinrich Böll wieder an den Schreibtisch brachte. Der Literatur-Nobelpreisträger hatte sich Ende 1979 einer schweren OP unterziehen müssen und konnte 1980 nicht mehr schreiben. Da trat Marcel Reich-Ranicki auf den Plan und bat den Autor, doch etwas über seine Schulzeit unter den Nationalsozialisten zu schreiben. Heraus kam die kleine autobiographische Skizze Was soll aus dem Jungen bloß werden? Oder: Irgendwas mit Büchern.

Das Büchlein ist beziehbar, leicht lesbar und angenehm kurz. Also kann eine Inhaltsangabe an der Stelle entfallen.

Geradlinig können wir stattdessen auf die Frage des Monats zusteuern. Die Frage lautet diesmal: Wie schreibe ich meine Memoiren? Zugegeben, eigensinnig, ja richtig eitel klingt das wieder. Wir von der Leselupe und auch ein Stückchen im Umkreis drum herum sollten doch eigentlich bei unserem Leisten bleiben.

Trotzdem mutmaßen wir nun, wie irgendein Schreiber aus unserer Mitte seine Memoiren schreiben könnte und empfehlen ihm vorher zur Einstimmung dringend Böll. Warum? Nun - erstens, weil eine Biographie nicht zu lang sein sollte. Zweitens, weil diese gar nicht lang sein muß. Böll zeigt uns nämlich einen Ausschnitt von lediglich vier Jahren aus seinem Leben.
Nach der Lektüre wissen wir ziemlich gut über Böll Bescheid, obwohl er nur Weniges in Handlung aufgelöst hat. Er hat Personen und Ereignisse vielmehr charakterisiert. Das Thema ist ja sehr ernst. Böll behandelt es mit leichter Hand. Er nimmt das Thema keineswegs leicht, aber er versetzt den Leser gleichsam in einem Plauderton an den Anfang der Nazizeit und lässt die damaligen Unwägbarkeiten wieder auferstehen: Wie lange wird sich Hitler halten? Oder: Emigration - ein Fremdwort für die Familie Böll, gleichbedeutend mit einem Flug auf den Mond.

Unsinn, das mit dem Plauderton. Der Text ist ein todernst gemeinter Bericht, aber es kommt kein Trübsinn oder so etwas auf. Richtig, Millionen Durchschnitts-Deutsche haben sich offenbar durchschlängeln können durch diese Jahre.
Ob nun leichte oder schwere Lektüre - das ist es alles nicht. Da steckt noch etwas ganz anderes dahinter:
Kaum ein Deutscher, der ab 1933 in Deutschland geblieben ist, kann - sagen wir mal, von außen oder durch den Rückspiegel gesehen - als schuldlos betrachtet werden. Das weiß Böll und so schreibt er auch seine Memoiren. Aber wie er sie schreibt! Bölls Charme ist entwaffnend.

Wir wissen also nach der Lektüre alles Wesentliche über den Autor, seine Herkunft, seine Ansichten, seine Ambitionen, seine Träume. Wir wissen auch alles über seine Zeit. Stopp: Das kann doch nicht sein. Hat Böll uns hypnotisiert? Schwierige Frage. Jedenfalls, der Meister hat diesmal nicht sehr viel Worte gemacht, doch er hat uns alles gesagt.

Der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren und starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich/Eifel.

Quelle
Heinrich Böll: Was soll aus dem Jungen bloß werden? Oder: Irgendwas mit Büchern.
110 Seiten. dtv München Oktober 1983 (5. Aufl. Juli 1990), ISBN 3-423-10169-5

Hedwig Storch 7/2008

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Hedwig

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Hedwig Storch
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Reich-Ranicki + meine Memoiren

Ich freue mich immer, wenn jemand etwas zu meinem Beitrag schreibt. Und wenn es nur ein Satz ist. Rückkopplung ist bedeutsam, kann z.B. mit maßgebend für das Gesicht des nächsten Beitrages sein.
1) Reich-Ranicki sollte nur als "Einstieg" ins Thema dienen; mehr nicht. Ich dachte, das genannte Faktum ist noch nicht so allgemein bekannt. Vielleicht fällt dieser Einstieg so ins Gewicht, weil der Beitrag insgesamt ziemlich knapp bemessen ist.
2) Die "eigenen Memoiren", das war auch so ein Gag. Meine "Serie" wendet sich ja an den (potentiellen) Autor und zwar jeden Monat mit einer kleinen Frage. Die Bücher, die ich bespreche, finde ich meistenteils prima. Noch mehr - beispielhaft für uns. Und das nach meiner Ansicht jeweils Beispielhafte möchte ich mit möglichst wenigen Worten herausarbeiten. In dem Fall sollte so etwas herauskommen, wie: Eine ellenlange Autobiographie - was für ein fragwürdig Ding!
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Hedwig Storch
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Schreibabsichten

Hallo mitis,
ich freue mich, daß ich Dich ein ganz klein wenig neugierig gemacht habe. Deinem Vorschlag, den genannten Kritiker am Anfang ganz weg, könnte ich natürlich folgen. Es spricht überhaupt nichts dagegen.
Aber ich mache es nicht. Grund: Ich will uns weg vom Fernseher bringen. TV ist also bei mir nichts Gutes. Und ich fange mit einem Buh an.
Aber es ist eigentlich gar nicht negativ. Der Kritiker hat doch einmal etwas Gescheites vollbracht, als er zu Böll hinging und ihn bat...
Und zu meiner Technik noch: Ja ich stelle ein Buch vor. Was will ich damit?
Nun, z.B. wende ich mich an die, die schreiben. Ich will mithelfen, daß ihr Ms. angenommen wird (mit irgendeinem Verlag habe ich nichts am Hut!!!), indem ich sage: Guck Dir erst einmal die Könner an, bevor Du loslegst.
Ich weiß, das will kein Autor hören. Autor heißt ja "Selbst ist der Mann" (oder die Frau).
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Hedwig

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Hakan Tezkan
Guest
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witzig: "es spricht überhaupt nichts dagegen" wenig später: grund: "ich will uns weg vom fernsehen bringen"

ach, ich liebe den widerspruch. naja. zum essay (ist übrigens mein erster kommentar in diesem forum):

ich kenne das buch, bin ein großer böll-fan, und war auch sehr begeistert. du beschreibst es ganz gut, weckst das interesse deiner leser. aber ich möchte auf die inflationäre verwendung von füll.wörtern und unnötigen redewendungen aufmerksam machen. ich mag es dichter. ohne diese schnörkel. ein, zwei beispiele, damit du verstehst:

"ja" kann in jedem fall gestrichen werden. würd ich dahingehend noch mal drüber gehen.

"Da trat Marcel Reich-Ranicki auf den Plan und bat den Autor, doch etwas über seine Schulzeit unter den Nationalsozialisten zu schreiben."
hier ist das "doch" doch vollkommen unnötig. findest du nicht? solche füllwörter machen mir das lesen immner schwer, weil sie schriften aufblähen und ihnen ihren charme nehmen, wie ich finde.

auch solltest du schauen, viele deiner "aber"s zu streichen, in den meisten fällen sind sie nicht vonnöten, und damit nicht gebrauchte füllwörter.

beispielhaft hierfür:

"aber es kommt kein Trübsinn oder so etwas auf."
das aber ist vollkommen sinnlos, danach folgt dieses wirklich unnötige "oder so etwas". wofür schreibst du diese vier worte? mach nach "trübsinn" einen punkt. den rest könnenw ir uns sparen, findest du nicht?

naja. wirklich ahnung von essays habe ich nicht, aber der kampf gegen füllwörter und adjektive, den nehme ich auch hier an. ich bin so ein sparsamer autor. oweia.

hakan




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OlafMietender
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guten morgen, Hedwig,

deine grundidee, über eine "frage des monats" bücher vorzustellen, d.h. die besprechung des buches in einen größeren rahmen einzubinden, finde ich als konzept nicht übel.

auf diesen speziellen text hier bezogen, denke ich nun, dass der einstieg oder aufhänger (bezug MRR/fernsehpreis) ungünstig, ja misslungen ist, insofern er den leser auf eine falsche gedankenfährte lockt: es entsteht der eindruck, man solle nun zum thema MRR/TV etwas erfahren, dadurch dauert es, bis der groschen fällt "ach, es geht ja um ein buch von Böll" und die rezeption der eigentlichen botschaft des textes wird dem leser erschwert. zumindest erging es mir so. womöglich solltest du also den "aufhänger" straffen. an sich finde ich den einstieg, den du wählst, nicht schlecht - nur eben ungünstig gewichtet und von daher verwirrend.

das andere, was mir an deiner art zu schreiben verbesserungsfähig erscheint, hat mein vorredner bereits genannt: die füllwörter vernebeln den text. ich kenne menschen, die jeden satz, den sie sagen, mit "sozusagen" oder "oder so" oder "nicht wahr" garnieren - das ist ganz schrecklich blubbernd und unpräzise. beim geschriebenen wort finde ich es noch viel wichtiger, präzise zu sein und redundanzen zu vermeiden - man darf tatsächlich jedes wort fragen: "was genau trägst du zum text bei?" - so beginnt irgendwann die sprache zu funkeln.

nun hoffe ich, du kannst aus meinem beitrag einen kleinen nutzen ziehen.

mit grüßen, OM.

(die durchgängige kleinschreibung ist meiner knappen zeit geschuldet. bitte um verzeihung.)
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Hedwig Storch
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Über die Höhe des Textes

Hallo Hakan, hallo Olaf,
vielen Dank für Eure ehrlichen Kommentare.
Ich könnte die Füllsel weglassen, sicherlich. Gerade ackere ich meinen November-Beitrag durch. Den stelle ich am Sonnabend ein. Er wird wieder einigen Leuten auf den Nerv gehen. Mal sehen, was ich in dem noch ganz jungfräulichen Text streichen kann.

Zu dem Literaturpapst, Herrn Marcel Reich-Ranicki. Es ärgert mich, wenn ich in so einem kurzen Text den Leser auch noch fehlleite. Trotzdem, die Persönlichkeit Reich-Ranicki beeindruckt mich immer wieder. So wie dies Urgestein der deutschsprachigen Literaturkritik der späten 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts möchte ich auch in der Öffentlichkeit auftreten können! Und als ich die Geschichte las, wie er den Böll ermuntert hat, das war doch der Einstieg in diese Rezension oben. Da konnte ich einfach nicht widerstehen.
Wenn wir reden, wenn wir solche Beiträge schreiben, dann klammern wir uns doch immer am Großen fest, da lassen wir das Nichtige und Kleine mal beiseite, da suchen wir nach einem Lacher und wenn der nicht auffindbar ist, nach etwas Markantem, Markigem. Also ich schreibe weiter so, ob es Euch nun paßt oder nicht.

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Hedwig

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OlafMietender
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hallo Hedwig, auch ich noch einmal kurz.

hatte ja bekundet, dass deine grundidee mir gefällt, auch MRR (ich teile deine ansicht über ihn - er ist klug, originell, auf seine art authentisch, obwohl er natürlich auch wie kaum ein anderer sich in szene zu setzen weiß; er ist eben ein besonderer, ein pfau in der geistigen wüste, um es einmal schräg zu sagen) als aufhänger zu gebrauchen, finde ich nicht übel; es ist phantastisch, aufhänger zu haben, die zugleich brandaktuell und zeitlos sind --- nur eben: die aufhängerschlaufe ist zu groß geraten (meiner meinung nach), und das ist schade, denn dein text ist ansonsten nicht schlecht angelegt.

mit gruß, OM.
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