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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ist dir langweilig?
Eingestellt am 15. 11. 2002 17:34


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Toe
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

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"Mir ist langweilig, erz├Ąhl mir mal was!" wurde ich k├╝rzlich aufgefordert. Ich war in Gedanken, ├╝berhaupt nicht gewillt mich zu unterhalten und ich f├╝hlte mich auch nicht verpflichtet, die Langeweile dieser Person zu vertreiben. Sich Gedanken zu machen ist nicht langweilig und denken sollte man alleine k├Ânnen. So antwortete ich also mit dieser Geschichte:

"Es ist 18h30, nicht heute, weder gestern, noch damals. Es ist der 7. April 5357 und das, die Uhrzeit nicht das Datum, bedeutet, dass der Tag noch 13 Stunden und 15 Minuten dauert. Ja, auch die Erde ist ├Ąlter geworden und dreht sich nicht mehr so flott wie fr├╝her. Mutter Erde und der Rest der Menschehit, bleiben aber wach. Wir, weil es hell ist, sechsundzwanzigeinhalb Stunden am Tag, das ganze Jahr und ├╝berall auf dem Planeten (die Sonne hatte sich dreigeteilt). Die Erde, weil sie nicht anders kann, als wach zu bleiben und sich weiterzudrehen. Und das schon viel, viel l├Ąnger als wir. Die Arme.

Essen gibt es schon lange nicht mehr, die B├Ąume sind kahl, die Tiere tot. Stattdessen gibt es Pillen die uns satt machen. Dieselben Pillen, die uns unendlich leben lie├čen, daf├╝r aber unfruchtbar machten. Wir dachten irgendwer w├╝rde schon sterben wollen und die Pille nicht nehmen und damit f├╝r "Abwechslung" sorgen. Wir irrten! Wir alle! Alle namen die Pille, nat├╝rlich! Jeder wollte leben, gierig wurde sie von allen geschluckt und so sind noch alle da. Wir kennen uns jetzt untereinander. Ziemlich gut sogar.

Ideen hat kaum einer mehr. Eigentlich gibt es gar keine mehr. Niemand hat mehr welche. Auch Musik gibt es nicht mehr. Wir k├Ânnen sie nicht mehr h├Âren. Erstens weil wir sie schon zu oft geh├Ârt haben und zweitens weil unsere Sinne verk├╝mmert sind. Das Geh├Âr, wie gesagt, weil uns die Musik irgendwann zuwider war. Jeder Ton wurde schon geschrieben und jede Zeile gesungen. Das neueste Lied stammt aus dem Jahr 4358. Da es auch sonst nichts neues gab, wurde schon ├╝ber alles gesprochen, folglich stellten wir die Gespr├Ąche ein. Das Geh├Âr wurde ├╝berfl├╝ssig und verk├╝mmerte...Ja, und das Schmecken. Ohne Essen verlernt man das Schmecken und die Pille schmeckt nicht. Sex hatten wir noch l├Ąnger, das geht ohne Musik und Geschmack. So bis in die 80erJahre des 42 Jahrhunderts, aber wie gesagt kennen wir uns jetzt mittlerweise recht gut, zu gut um Sex miteinander zu haben...seitdem k├Ânnen wir auch nicht mehr f├╝hlen. Warum wir nicht mehr riechen k├Ânnen kann ich gar nicht sagen. Ich glaube es hat einfach alles an Aroma verloren ├╝ber die Jahre. Vielleicht riecht man es auch einfach nicht mehr. Ist ja alles schon mehrfach gerochen worden und l├Ąngst abgenutzt.

Ganz verlassen haben uns die Sinne doch nicht, wir k├Ânnen sehen (bis auf die Blinden nat├╝rlich). Aber was man sieht, hat man schon gesehen. Schlie├čen wir die Augen ist es dunkel, eine sch├Âne Abwechslung zum immerhellen Tag. Es ist zum Verzweifeln, das man vor Langeweile nicht sterben kann.
Was mache ich denn jetzt noch den ganzen Tag und was mache ich Morgen, und ├ťbermorgen, n├Ąchste Woche, und in einem Monat, das Jahr danach, und im n├Ąchsten Jahrhundert und danach, weiter warten? Warten darauf, dass die Erde aufh├Ârt, sich zu drehen!"
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Zefira
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Herzlich willkommen in der Lupe, Toe.

Was f├╝r eine finstere Vision!

So ganz glauben kann ich nicht, da├č es so kommt, denn in Wahrheit gibt es ja schon seit Mozart keine neuen Melodien mehr und in der Literatur kauen wir seit Jahrhunderten dieselben alten Motive wieder, ohne je genug davon zu kriegen (die Lupe ist der beste Beweis daf├╝r). Aber trotzdem eine originelle Vision... besonders der Rahmen als "Erz├Ąhlung zur Vertreibung der Langeweile".

Ein paar Tippfehler sind noch drin ("Menschehit", was f├╝r'n Hit!) und wie das mit den slashs vor den Anf├╝hrungszeichen kommt, wei├č ich nicht so recht, aber egal... nehmen wir's nicht so genau, im Jahr 5357 kr├Ąht kein Hahn mehr danach (gibt ja auch gar keine H├Ąhne mehr).

Fr├Âhliche Zukunft w├╝nscht
Zefira

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