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Leselupe.de > Anonymus
Ist es nicht seltsam, wie unterschiedlich wir die Dinge sehen?
Eingestellt am 31. 05. 2011 12:03


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Ist es nicht seltsam, wie unterschiedlich wir die Dinge sehen?

Entschuldigt, liebe Rehe, die ihr derzeit in zugigen Klassenzimmern von einem sanften Schläfchen auf weichem Moos träumt, dass sich der Waldmeister erst jetzt meldet: dringende Kontrollen von Ordnung und Disziplin im Walde hielten mich von der SMS-Schreiberei ab.

Wie ist es in diesem Punkt um Euch bestellt? Nur von Waldesruhe, Vogelgezwitscher und weichem Moos geträumt? Oder auch nachgedacht, mitgearbeitet, der Lehrer Fragen beantwortet, Aufgaben eingetragen und nix vergessen? Ich sage Euch: nichts geht über Mitarbeit und noch weniger über Ordnung, im Ranzen, in der Schule, im Wald…

War ich doch gestern in ebendiesem und treffe eine alte Frau, die einfach so, mir nix dir nix, Holz sammelt. Sie stopfte herumliegende Zweige in ihren Sack. Als ich sie missbilligend ansah, murmelte sie schuldbewusst etwas von Ordnung im Walde, Holz für Hänsel, lecker Mahlzeit usw. „Nee-nee“, sag ich, „hier wird gar nix weggeräumt. Der Wald soll sich erholen! Deine Hänseleien interessieren mich nicht, ich hab für das Wohl des Waldes zu sorgen, für einen ordentlichen Wald, und in dem bleibt alles so liegen, wie es fällt. Ob Baum, Borke oder Zweig. Basta!“
Die Alte raffte ihre Röcke und blitzte mich wütend an: Wenn sie kein Holz für Hänsel sammeln dürfe, dann ende das Märchen eben an dieser Stelle. Sie werde die zwei nach Hause schicken und überhaupt: Ab heute gäbe es keine Märchen mehr.
Und schon war sie weg!
Ich erinnerte mich dunkel an eine alte Geschichte, in der die Rede war von einer alten Frau im Walde und zwei Kindern, mir fiel aber nicht allzu viel dazu ein. Na ja, ich stand noch ein Weilchen und sinnierte. Wie sollte man denn den Satz verstehen: Ab heute keine Märchen mehr. Ich kam nicht drauf. Na ja, ein bisschen verwirrt wirkte sie ja.

Was wollte ich nun mit dieser Geschichte den Tieren des Waldes sagen, insbesondere natürlich Rehen wie euch, welche Tag für Tag gezwungen sind, auf harten Stühlen zugiger Klassenzimmer durch Zeit und Lehrergeschwätz hindurchzudösen oder an kahlen, graffitibeschmierten Bushaltestellen Langeweile halber Kaugummis, Kippen und Popel unter Sitzbänken zu entsorgen? Ich wollte ein Beispiel geben für eine Ordnung, die auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Für eine Sache, die chaotisch aussieht, aber System hat.
Ihr sagt, mein Bild von einem ordentlichen Wald sei ja wie eures von Ranzen, Zimmer, Köpfen, liebe Rehe, in denen ihr angeblich alles finden würdet, auch wenn es mal ein wenig länger dauere. Aber in euren Ranzen, Zimmern, Köpfen, liebe Rehe, da ist wirklich nur Chaos und nicht die Spur eines Systems, es sei denn, man spräche von systematischem Chaos.
Wenn ich mich einmal neben mich stelle und es recht bedenke, scheint es also so zu sein: wo ich nur Chaos sehe, entdeckt ihr Sinn. Und wo ich Sinn und Ordnung sehe, seht ihr nur Chaos, Gammel, Verfall. Ist das nicht seltsam, wie unterschiedlich wir die Dinge sehen?

Der Waldmeister

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