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Leselupe.de > Kurzprosa
Ist mein Leben nicht wunderbar?
Eingestellt am 20. 09. 2019 08:20


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SilberneDelfine
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Registriert: Oct 2015

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Jule:
Es ist wunderbar, aufzuwachen, auf das Handy zu schauen und eine z├Ąrtliche Nachricht von ihm zu lesen. Nie h├Ątte ich am Anfang gedacht, dass mich diese Beziehung so gl├╝cklich machen k├Ânnte. Summend stehe ich auf, gehe in die K├╝che und betrachte sein Sektglas, das er gestern Abend benutzt hat. Auf ein Jahr Beziehung haben wir angesto├čen. Ein Jahr voll wunderbarer Tage.
Auf der Arbeit werde ich manchmal von meinen Kolleginnen bedauert, weil ich (noch) keine Familie habe und auch keinen Ehemann und keinen Freund. Dabei bin ich mit meinem Leben so zufrieden, wie es ist! Warum sich jeden Tag mit einem Ehemann herumschlagen bzw. seiner W├Ąsche und seinem Mittagessen? Aber soweit denken sie im B├╝ro ja nicht. ÔÇ×Der Richtige kommt sicher noch!" und" ÔÇ×Jeder Topf findet seinen Deckel!" sind die Spr├╝che, die ich mir von Zeit zu Zeit anh├Âren muss. Vor allen Dingen Doris meint immer, mich tr├Âsten zu m├╝ssen. Sie ist schon seit fast 20 Jahren verheiratet und kann sich wohl nicht vorstellen, dass ich mit meinem Leben gl├╝cklich bin. Dabei bin ich nie traurig, das hei├čt, manchmal vielleicht, kurz vor Feiertagen, wenn Dietmar nicht kommen kann. Seine Frau w├╝rde das merkw├╝rdig finden, wenn er dann beruflich unterwegs sei, hat er gesagt. Klar, das kann ich verstehen. An Wochenenden ist es etwas anderes, da sehen wir uns ├Âfters und sie ist anscheinend deswegen nicht misstrauisch. Dietmar ist selbstst├Ąndiger Unternehmer und er muss auch am Wochenende mal arbeiten. Scheint sie nicht zu st├Âren.

Dieses Wochenende machen wir einen Kurzurlaub in Berlin, in einem Hotel, wie ein Ehepaar. Letzte Nacht habe ich davon getr├Ąumt, wie wir uns gemeinsam ins G├Ąstebuch eintragen und ganz offiziell in einem Doppelzimmer ├╝bernachten. Das wird herrlich. Ist mein Leben nicht wunderbar?

Doris:
Bald haben Dietmar und ich den 20. Hochzeitstag und ich bin immer noch sagenhaft gl├╝cklich mit ihm, fast wie am ersten Tag. Nur schade, dass er soviel arbeiten muss, aber da kann man nichts machen, als Selbstst├Ąndiger muss er schlie├člich auch am Wochenende ran, von nichts kommt schlie├člich nichts, wie er immer sagt. Im letzten Jahr hatte er ganz sch├Ân viel zu tun, an den Wochenenden war er kaum da. Wenigstens hat er mir versprochen, an allen Feiertagen zu Hause zu bleiben und das ist schon sehr lieb und r├╝cksichtsvoll, so, wie Dietmar eben ist. Dieses Wochenende muss er beruflich nach Berlin, auf irgendein Seminar. Ich habe gefragt, ob ich mitkommen soll, aber er hat l├Ąchelnd abgewinkt. ÔÇ×Da w├╝rdest du dich nur langweilen, Liebes, ich sitze den ganzen Tag in dem Seminar und abends mit den anderen Teilnehmern beim Abendessen und sp├Ąter bestimmt in der Bar", hat er mir erz├Ąhlt. Und ich sagte, nat├╝rlich, dann ist es Bl├Âdsinn, dass ich mitkomme, da bleibe ich lieber zu Hause und frage meine Freundinnen, ob wir mal wieder einen richtigen M├Ądelsabend machen k├Ânnen. Ich habe Dietmar gefragt, ob es in Ordnung ist, dass ich mir ein vergn├╝gtes Wochenende mache, w├Ąhrend er sich auf dem Seminar langweilen muss. Er hat mir versichert, das w├╝rde ihm nichts ausmachen und ich solle mich nur am├╝sieren. Es ist herrlich, einen so verst├Ąndnisvollen Ehemann zu haben. Ist mein Leben nicht wunderbar?

Dietmar:
Das Leben kann ja manchmal anstrengend sein. Mal muss man die Ehefrau, mal die Geliebte gl├╝cklich machen, aber eigentlich klappt das seit einem Jahr sehr gut. Als ich Jule kennenlernte, war ich gleich von ihr hingerissen. Zun├Ąchst sollte das nur ein One-night-stand werden, aber dann haben wir uns wieder und wieder getroffen und jetzt dauert unsere Beziehung schon ein Jahr. Wurde Zeit, darauf anzusto├čen. Ich staune immer wieder, mit wie wenig Jule doch zufrieden ist. F├╝r Doris muss es an unserem Hochzeitstag jedes Jahr ein Essen im Restaurant sein. Bald haben wir unseren zwanzigsten. Kaum zu glauben, dass ich schon so lange verheiratet bin! Und ich werde es auch bleiben. Zum Gl├╝ck legt Jule gar keinen Wert darauf, dass ich f├╝r sie meine Frau verlasse. Jedenfalls hat sie das nie erw├Ąhnt. Sie ist so mit ihrem Leben zufrieden, wie es ist, hat sie mir versichert. Doris hat mir vor kurzem erz├Ąhlt, dass sie eine Arbeitskollegin hat, die jung und h├╝bsch ist, aber keine Familie, keinen Mann und keinen Freund hat. Doris hat die Arme aufrichtig bedauert. Ich wollte fast sagen, dann schick sie doch zu mir, aber drei Frauen, das ist wahrscheinlich doch zu anstrengend. Es ist schon gut so, wie es ist.

Am Wochenende mache ich mit Jule einen Kurzurlaub in Berlin. Das wird herrlich, eine Abwechslung vom Alltag. Und Doris freut sich darauf, einen M├Ądelsabend mit ihren Freundinnen zu machen, wenn ich nicht da bin. Sie hatte wohl ein wenig Sorge, dass es mich st├Âren k├Ânne, aber ich habe ihr versichert, dass ich damit absolut kein Problem habe. So k├Ânnen wir uns alle drei ein super Wochenende machen. Ich habe eine tolle Frau und eine tolle Freundin.
Ist mein Leben nicht wunderbar?

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