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Leselupe.de > Ungereimtes
Istanbulschmerz
Eingestellt am 17. 12. 2005 01:28


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Meral Vurgun
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Istanbulschmerz



Istanbulschmerz



der Brennpunkt meiner Schwermut und Sehnsucht
auf deinen Pl├Ątzen ich mein Kinderherz verlor
in meinen H├Ąnde liegt Hoffnung
meine Schultern tragen die Ehre
dass ich auf deinen Strassen lief
und an deinem Strand tobte
der Icmeler Brunnen, an dessen Ecke ich meinen ersten Kuss erlebte
die Zypresse in Yakacık
in deren Schatten ich nach den Wolken griff
mit meinem Geliebten
ach! es ist fern, es ist mir Istanbul verboten

dein Regen, deine Sonne
deine Fabriken und die Streiks
deine Z├╝ge
in deinen Z├╝gen am Abend die R├╝ckkehr von der Arbeit: m├╝de Gesichter
in den m├╝den Gesichtern Spuren von Schmerz
die Liebespaare, die sich in der B├Ąckerei an der Ecke heimlich trafen
harmlose Schwermut, beschmutzte Liebe
die K├Ârper, die gekauft und verkauft werden
die Leute, die Fleisch fressen und Blut trinken

deine Strassen
auf deinen Strassen M├╝llberge
und die sich aneinander sto├čenden ├╝ber Nacht gebauten H├Ąuser
die Kinder in diesen H├Ąusern
ihre H├Ąnde und Gesichter schmutzig
und ihre strahlenden Augen
die hungrigen Kinder
die Schuhputzer-Kinder
die Kringel verkaufenden Kinder
die sprits├╝chtigen Kinder
unsere Kinder

deine engen Strassen
die auf den Strassen gr├╝n├Ąugig unter schwarzen Augenbrauen
Blumen verkaufenden Zigeunerm├Ądchen
ihre Blicke rei├čen Wunden in mein Herz
jede ist ein Herzst├╝ck
jede ist mir gut
ach! es ist fern, es ist mir Istanbul verboten

die Schifffahrt zwischen Haydarpaşa und Karak├Ây
auf Deck des Schiffes einen warmen Tee trinken
am k├╝hlen Abend
Hand in Hand mit dem Geliebten
am Strand Kartal und Pendik
bis Mitternacht spazieren
und todm├╝de sein
auch unter gro├čen Qualen
ein kleines Gl├╝ck finden
Hoffnung finden
ach! es ist fern, es ist mir Istanbul verboten
- in dir und mit dir sein k├Ânnen

Istanbul
ach, Istanbul
deine Gef├Ąngnisse
und die Ausharrenden in den Gef├Ąngnissen
die Brust an Brust Liegenden
die Gebranntmarkten
die M├╝tter, deren Herzen bluten
deine Pl├Ątze
die auf deinen Pl├Ątzen gesch├Ąftigen Angestellten
deine Strassen
die auf deinen Strassen Erschossenen
die ohne Befragung und ohne Urteil Eingekerkerten
die von unbekannten T├Ątern Umgebrachten

die Dichter, die Autoren, die Leser und Leserinnen
die Schulen, die Schulb├Ąnke, die Lehrpulte
die Ausbeuter von Stirnschwei├č
die Verk├Ąufer der Ehre
die ewigen Gewinner
die Erschossenen
und Gefallenen

Istanbul, es ist kein Traum, ohne dich zu sein
meine Sehnsucht ist kein Traum von dir
die Dichter bekamen nicht genug von dir
ich auch nicht

ÔÇ×am Sisliplatz sind drei M├Ądchen
eine heisst Cigdem, eine NergizÔÇť
und beide waren deine T├Âchter
ich bin auch deine Tochter
es war dein Sohn, der am Beyazitplatz fiel
alle waren deine S├Âhne
deine T├Âchter
alle die auf deinen Pl├Ątzen erschossen wurden
die im Kugelhagel starben

du, Kampfstadt
Widerstandsstadt
Liebesstadt
du sahst Verrate
du warst besch├Ąmt...
du brachtest es nie zur Schande
du hast Jahrhunderte keinen verraten
dir wurde Verrat angetan
deine sieben H├╝gel weinten Blut
sie erschossen dich siebzigmal von siebzig verschiedenen Orten

seit Jahren bin ich in der Verbannung
f├╝r dich blutete ich an tausend Orten
und ich wurde in tausend Teile zerst├╝ckelt
meine schmerzende Herzwunde
ist eine Geschichtsblutung
in meiner linken Brust ist der Istanbulschmerz...



2001 Basel




İstanbul Ağrısı




sevdalarımın hasretlerimin odağı
meydanlarında ├žocuk y├╝reğimi yitirdiğim
avu├žlarımda umudum
omuzlarımda onurum
├žamurlu yollarında koştuğum
sahillerinde coştuğum
k├Âşesinde ilk ├Âp├╝şt├╝ğ├╝m İ├žmeler ├žeşmesi
g├Âlgesinde bulutları avu├žladığım
Yakacık'taki servi ağacı
ve sevda y├╝rekli yarim
ey bana uzak, bana yasak İstanbul...

yağmuru, g├╝neşi
fabrikaları, grevleri
trenleri
trenlerde iş d├Ân├╝şleri
akşam yorgunu y├╝zler
yorgun y├╝zlerde acı izler
k├Âşe pastanelerde gizlice buluşan sevgililer
masum sevdalar, kirli aşklar
alınıp satılan bedenler
et yiyiciler, kan emiciler

sokaklar
sokaklarda ├ž├Âp yığınları
i├ž i├že gecekondular
gece kondularda
elleri y├╝zleri kirli
g├Âzleri ışıl ışıl
a├ž ├žocuklar ├žocuklar
boyacı ├žocuklar
simit├ži ├žocuklar
tinerci ├žocuklar
bizim ├žocuklarımız

kalabalık caddeler
caddelerde kara kaşlı
yeşil g├Âzl├╝, ├žicekci ├žingene kızları
bakışı yarasıdr y├╝reğimin
her biri can par├žası
birer birer t├╝ter g├Âzlerimde
ah bana uzak, bana yasak İstanbul

Haydarpaşa Karak├Ây vapur seferleri
g├╝verte de bir demli ├žay i├žmek
akşam serinliğinde
elin yar elinde
Kartal Pendik sahillerinde y├╝r├╝mek
gece yarılarına dek
yorulup bitkin d├╝şmek
en dayanılmaz acılarında bile
k├╝├ž├╝c├╝k mutluluklar
umut bulmak
ey bana uzak, bana yasak İstanbul
sen de seninle var olmak

İstanbul
ah İstanbul
İstanbul'da zindanlar
zindanlarda direnenler
koyun koyuna yatanlar
yakılanlar diri diri
y├╝rekleri kanayan analar
meydanlar
meydanları inleten is├žiler, memurlar
caddeler
caddelerde kurşunlananlar
sorgusuz yargısız infazlar
faili me├žhuller, kayıplar

şairler, yazarlar, okurlar
okullar,sıralar, k├╝rs├╝ler
alın teri soyguncuları
onur satıcıları
vurgun vuranlar
vurulanlar
vurulup d├╝şenler

r├╝ya değil sensizliğim İstanbul
sana olan hasretim r├╝ya değil
sana doymamış şairler
doymadım
doyamadım ben de

'Şişli meydanÔÇśında ├╝├ž kız
biri ├çiğdem biri Nergiz'
senin kızlarındı onlar
senin kızınım ben de
senin oğlundu
Beyazıt MeydanıÔÇśnda d├╝şen
senin oğulların
senin kızlarındı
b├╝t├╝n meydanlarında vurulanlar
vurulup vurulup ├Âlenler

sen kavga şehri
direniş şehri
sevda şehri
ihenetler g├Ârd├╝n
uatandın...
utandırmadın tarihler boyu
ihanet etmedin asla
sana edildi ihanetler
yedi tepe kan ağladı
yedi yerden yetmiş kez vurdular

yllar yılı s├╝rg├╝nlerde ben
bin yerden kanadım sana
bin par├žaya b├Âl├╝nd├╝m
sızlayan y├╝rek yarası
bu bir tarih kanaması
sol g├Âğs├╝mde İstanbul ağrısı...


Meral Vurgun

2001 İsvi├žre


__________________
Wir m├╝ssen lieben, bevor es zu sp├Ąt ist.

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bonanza
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meral, dein gedicht ist eine bewegende huldigung
an deine stadt istanbul




Istanbulschmerz



der Brennpunkt meiner Schwermut und Sehnsucht
auf deinen Pl├Ątzen ich mein Kinderherz verlor
in meinen H├Ąnde liegt Hoffnung
meine Schultern tragen die Ehre
dass ich auf deinen Strassen lief
und an deinem Strand tobte
der Icmeler Brunnen, an dessen Ecke ich meinen ersten Kuss erlebte
die Zypresse in Yakacık
in deren Schatten ich nach den Wolken griff
mit meinem Geliebten
ach! es ist fern, es ist mir Istanbul verboten

dein Regen, deine Sonne
deine Fabriken und die Streiks
deine Z├╝ge
in deinen Z├╝gen am Abend die R├╝ckkehr von der Arbeit: m├╝de Gesichter
in den m├╝den Gesichtern Spuren von Schmerz
die Liebespaare, die sich in der B├Ąckerei an der Ecke heimlich treffen
harmlose Schwermut, beschmutzte Liebe
die K├Ârper, die gekauft und verkauft werden
die Leute, die Fleisch fressen und Blut trinken

deine Strassen
auf deinen Strassen M├╝llberge
und die sich aneinander sto├čenden ├╝ber Nacht gebauten H├Ąuser
die Kinder in diesen H├Ąusern
ihre H├Ąnde und Gesichter schmutzig
und ihre strahlenden Augen
die hungrigen Kinder
die Schuhputzer-Kinder
die Kringel verkaufenden Kinder
die sprits├╝chtigen Kinder
unsere Kinder

deine engen Strassen
die auf den Strassen gr├╝n├Ąugig unter schwarzen Augenbrauen
Blumen verkaufenden Zigeunerm├Ądchen
ihre Blicke rei├čen Wunden in mein Herz
jede ist ein Herzst├╝ck
jede ist mir gut
ach! es ist fern, es ist mir Istanbul verboten
die Schifffahrt zwischen Haydarpaşa und Karak├Ây
auf Deck des Schiffes einen warmen Tee trinken
am k├╝hlen Abend
Hand in Hand mit dem Geliebten
am Strand Kartal und Pendik
bis Mitternacht spazieren
und todm├╝de sein
auch unter gro├čen Qualen
ein kleines Gl├╝ck finden
Hoffnung finden
ach! es ist fern, es ist mir Istanbul verboten
- in dir und mit dir sein k├Ânnen

Istanbul
ach, Istanbul
deine Gef├Ąngnisse
und die Ausharrenden in den Gef├Ąngnissen
die Brust an Brust Liegenden
die Gebranntmarkten
die M├╝tter, deren Herzen bluten
deine Pl├Ątze
die auf deinen Pl├Ątzen gesch├Ąftigen Angestellten
deine Strassen
die auf deinen Strassen Erschossenen
die ohne Befragung und ohne Urteil Eingekerkerten
die von unbekannten T├Ątern Umgebrachten

die Dichter, die Autoren, die Leser und Leserinnen
die Schulen, die Schulb├Ąnke, die Lehrpulte
die Ausbeuter von Stirnschwei├č
die Verk├Ąufer der Ehre
die ewigen Gewinner
die Erschossenen
und Gefallenen

Istanbul, es ist kein Traum, ohne dich zu sein
meine Sehnsucht ist kein Traum von dir
die Dichter bekamen nicht genug von dir
ich auch nicht

ÔÇ×am Sisliplatz sind drei M├Ądchen
eine heisst Cigdem, eine NergizÔÇť
und beide waren deine T├Âchter
ich bin auch deine Tochter
es war dein Sohn, der am Beyazitplatz fiel
alle waren deine S├Âhne
deine T├Âchter
alle die auf deinen Pl├Ątzen erschossen wurden
die im Kugelhagel starben

du, Kampfstadt
Widerstandsstadt
Liebesstadt
du sahst Verrate
du warst besch├Ąmt...
du brachtest es nie zur Schande
du hast Jahrhunderte keinen verraten
dir wurde Verrat angetan
deine sieben H├╝gel weinten Blut
sie erschossen dich siebzigmal von siebzig verschiedenen Orten

seit Jahren bin ich in der Verbannung
f├╝r dich blutete ich an tausend Orten
und ich wurde in tausend Teile zerst├╝ckelt
meine schmerzende Herzwunde
ist eine Geschichtsblutung
in meiner linken Brust ist der Istanbulschmerz...





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Meral Vurgun
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Re: versuch einer korrektur

Lieber Fremder,

ich danke dir sehr f├╝r deine Arbeit ├╝ber mein Gedicht.

Jede sieht Istanbul anders aber ich sehe auch die schlechte Seite an Istanbul.

Lieben Gruss.


__________________
Wir m├╝ssen lieben, bevor es zu sp├Ąt ist.

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rosste
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Hallo Meral,
sehr gut, wie du Istanbul beschreibst, aus pers├Ânlicher sicht und erfahrung, kritisch.
Du wechselst ab und zu in der zeit. Das geht sicher und bonanza hat das auch ├╝bernommen.

An einer stelle w├╝rde ich trotzdem besser vergangenheit verwenden:
"die Liebespaare, die sich in der B├Ąckerei an der Ecke heimlich treffen" ... heimlich trafen

lg

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Meral Vurgun
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Hallo rosste,

ich danke dir f├╝r das lesen und deine Antwort. Es freut mich, dass dir gut gef├Ąllt. Ich nehme deine Kritik an und wechsle es.

Viele Gr├╝sse.



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du brachtest es nie zur Schande
du hast Jahrhunderte keinen verraten
dir wurde Verrat angetan
deine sieben H├╝gel weinten Blut
sie erschossen dich siebzigmal von siebzig verschiedenen Orten


der wahnsinn. was f├╝r ein eindrucksvolles bild. dieses gedicht ist gro├čartig. so ehrlich, so stilsicher, so umfangreich und dennoch kein wort zuviel. sowas liest man selten.
vg,
Prosa.

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