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Leselupe.de > Kurzprosa
Jämmerlich
Eingestellt am 10. 10. 2007 18:00


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nofrank
???
Registriert: Oct 2004

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„Jämmerlich, absolut jämmerlich!“ Die knarzige Stimme des Alten hallte von verlebten Wänden zurück. Er wandte sich hastig vom Gegenstand seiner Betrachtung ab und huschte stolpernd durch den verfallenen Güterbahnhof. Das Scheppern seiner umgehängten Habseligkeiten geleitet ihn hinaus.

Er hatte einfach nicht damit gerechnet, das hier jemand war. Nicht so früh morgens. Dann war er den grunzenden Geräuschen gefolgt, unerwartet stieß er auf ein fickendes Pärchen. Bloß schnell weg. Der Typ schrie erschrocken auf und versuchte hektisch sich von der Frau zu lösen. Verkeilt wie Hunde, räudiges Jaulen. Der Alte eilte dem Ausgang entgegen, verfolgt von Fluchen. Im Grunde war es ihm scheißegal, wer hier was trieb, aber es ärgerte ihn, dass es ihm peinlich war. Er wurde wütend über den Schreck, den Fluchtinstinkt und seine fehlende Coolness. Niemand folgte ihm.

Im Freien angelangt griff er in seine Jackentasche, fand Kippen und zündete sich kopfschüttelnd eine an. Er zitterte ein wenig heftiger als gewohnt. „Wie die Viecher!“

Die Luft roch nach feuchtem Laub und die Herbstsonne strahlte durch das schüttere Braungelb der Bäume. Er ging mit den Gleisen stadtauswärts. Unweigerlich landeten seine Gedanken bei seiner nicht mehr existenten Libido. Er konnte sich kaum erinnern, mit einer Frau zusammen gewesen zu sein, wusste nicht, wann ihm zuletzt einer abgegangen war. Er war sexlos. Wie zum Trotz regten sich seine Säfte. Der Alte ignorierte den Trieb ein bisschen hilflos, indem er rauchte und standhaft weitertrabte. „Was von alleine kommt, geht auch von alleine.“Er stieß ein kehliges Hohnlachen aus, und die Sache war erledigt.

nofrank


überarbeitet nach freundlichen anregungen, 12.10.07 (originalpost als antwort weiter unten - wen auch immer das noch interessiert, aber ohne wird die ganze debatte überflüssig) nofrank
__________________
„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo nofrank,

zu viele Adjektive, zu viele Nebensachen, die für Kurzprosa m.E.n. nur künstlich verlängern.

Allein im Anfang steckt zu viel und nicht nur Wörter.

Beispiel:

quote:
„Jämmerlich, absolut jämmerlich!“, sagte die sonore knarzige Stimme des Alten in den unbelebten Raum hinein. Dann stieß er ein kehliges, dampfablassendes Hohnlachen hinterher, und die Sache war für ihn erledigt.
Er wand sich ab vom Gegenstand seiner Betrachtung und stapfte storchenbeinig durch das verfallene, leerstehende Gebäude des ehemaligen Güterbahnhofs. Im Freien angelangt, griff der Obdachlose in seine Jackentasche, fand seine Kippen und zündete sich kopfschüttelnd eine an. „Wie die Viecher!“ entfuhr es ihm nuschelnd, und um sich das Bild aus dem Gedächtnis zu schütteln, erschauerte er bis in die Knie. Als ob er noch nie fickende Leute gesehen hatte. „Bah!“

Du schreibst "unbelebter Raum" und später "leerstehende Gebäude", obwohl doch das Pärchen drin ist.

Würe ich persönlich alles ungefähr so schreiben:

„Jämmerlich, absolut jämmerlich“ brüllte der Alte in den Raum, bevor er höhnisch lachte und sich abwand.
Wieder im Freien bemerkte er sein Zittern und steckte sich kopfschüttelnd eine Zigarette an.
Allein glaubte er sich im alten Güterbahnhof, ein Penner, der im Müll wühlte. Noch trug er Würde in sich und wollte ungestört sein. Und nun das.
„Wie die Karnickel“ nuschelte er und hustete im Qualm.

______________________________________________________

Dann würde ich den Prot. denken lassen. Wie er das Pärchen gesehen hat, es schließlich beneidet und - wie du schreibst - sauer ist auf seinen erschlafften Pimmel. Jahre schon. Einer, der nur für den einen Zweck da ist, und selbst das nicht mehr richtig macht seit seinen Problemen mit der Prostata.
"Ja, wenn ich noch so jung wie der Hengst wäre", dann täte ich sie schon vernaschen" könnte er denken. Dann noch ein paar Andeutungen, was er machen würde ...

und am Ende feststellen, dass sich was regt.

Das fände ICH gut (schmunzel)

Gruß, Karsten

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Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2386
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Hallo Nofrank,

ich kann Orangekagebo teilweise zustimmen, zu viele Nebensachen für eine Kurzprosa, aber ich würde die Idee auf keinen Fall ändern.
Den Schluss finde ich nämlich gut, dass sich da was regt, nach so langer Zeit, wie dein Protagonist darauf reagiert.

Hier mal mein Vorschlag, vielleicht ist ja eine gute Idee dabei:

„Jämmerlich und absolut geil!“, sagte die knarzige Stimme des Alten. in den unbelebten Raum hinein. Dann stieß er ein kehliges, dampfablassendes Hohnlachen hinterher, und die Sache war für ihn erledigt. Er wand sich ab vom Gegenstand seiner Betrachtung und stapfte storchenbeinig durch den verfallene, ehemaligen Güterbahnhof.
Im Freien angelangt, griff der Obdachlose in seine Jackentasche, fand seine Kippen und zündete sich kopfschüttelnd eine an. „Wie die Viecher!“ entfuhr es ihm nuschelnd, und um sich das Bild aus dem Gedächtnis zu schütteln, erschauerte er bis in die Knie. Als ob er noch nie fickende Leute gesehen hatte. „Bah!“

Der Alte hatte einfach nicht damit gerechnet, überhaupt jemanden in dem verlassenen Gebäude vorzufinden. Nicht so früh morgens. Und dann war er grunzenden den Geräuschen gefolgt. bis er vor dem kopulierenden Pärchen gestanden hatte. Peinlich berührt hatte er sich schnell abgewandt, und war rasch weitergegangen, aber der Typ hatte ihn doch irgendwie gesehen und erschrocken aufgeschrien. Hektisch versuchte er sich von der Frau zu lösen und dabei war das Pärchen aus der Karnickelstellung zur Seite gefallen wie nasse Säcke. Unfähig sich zu verteidigen, verkeilt wie zwei Hunde und mit dem selben räudigen Jaulen. Der Alte hörte das Keuchen noch, als er schon längst wieder auf dem Gang war. Im Grunde war es ihm scheißegal, wer hier was trieb, aber es ärgerte ihn, dass es ihm peinlich war, die beiden erwischt zu haben. Er war wütend über seine spontane Reaktion und die mangelnde Coolness, mit der er die Situation gerne gemeistert hätte. Ach, was solls, dachte er und trabte die Gleise entlang stadtauswärts.

Die Luft roch nach feuchtem Laub und die Herbstsonne strahlte durch das langsam schütter werdende braun-gelb der Bäume. Unweigerlich landeten die Gedanken des Tippelbruders bei seinem eigenen, nicht stattfindenden Sexualleben. Er konnte sich kaum erinnern, wann er das letzte Mal mit einer Frau zusammen gewesen, ja, er wusste kaum, wann ihm zuletzt einer abgegangen war. Trieb war kein Bestandteil seines Lebens. Und Wie zum Trotz regten sich seine Säfte. Der Alte ignorierte das Schwellen sie standhaft, indem er einfach noch eine rauchte und weitertrabte.
„Was von alleine kommt, geht auch von alleine.“

Lieben Gruß
Franka

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gueko
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kürzer jedenfalls

Also ich glaube du hast es ein wenig zu schnell korrigiert:

quote:
zerfallenen Wänden
- wenn sie zerfallen sind hallt nichts mehr zurück - "zerfallenden" - aber dann tun sie es gerade - vielleicht ganz weg, weil im nächsten ohnhin schon der verfallene Güterbahnhof steht?
quote:
Er wand sich hastig
ich glaube du meinst "wandte" von wenden.
quote:
fand Zigaretten und zündete sich kopfschüttelnd eine an
- Mir hat das mit den Zigarettenkippen besser gefallen, weil authentischer. Und: hast du schon mal eine Zigarette angezündet und dabei den Kopf geschüttelt? (Ich werd pingelig)
quote:
Er und ging mit den Gleisen stadtauswärts
- fehlt da was vor dem "und", oder will das "und" weg?
quote:
kaum erinnern, mit einer Frau zusammen zu sein,
hier passt nach meinem Sprachgefühl die Zeit nicht - "zusammen gewesen zu sein" oder "Er konnte sich kaum mehr vorstellen, mit einer Frau zusammen zu sein"

Beste Grüße
gueko

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Rumpelsstilzchen
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..und jetzt rühr' ich auch noch im Topf:

Der Obdachlose kommt mir wie eine Ausgeburt der political correctness; der Tippelbruder später dann wird erlaubt durch ihr kokettes Augenzwinkern. Woher auch immer, scheinen beide aufgesetzt, wo ein simples 'er' alles gesagt hätte.

Woher ich dann wüsste, dass der Olle ein Trebegänger ist?
Na zum Beispiel, weil er die Tüten mit seinen Habseligkeiten fest umklammerte, während er dem Ausgang entgegen eilt.
Oder ein Henkel reißt und er leise fluchend die Plastiktüte mit seiner alten Decke unter den Arm klemmt.
Oder was auch immer.

Hauptsache Showgirl statt Tellerwäscher.

Zog 'ne halbe Kippe aus der Tasche und in die Flasche
__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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