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Leselupe.de > Gereimtes
Jahrgang 1899
Eingestellt am 17. 09. 2019 11:13


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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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Ein Lebenslauf

Ein Leben voller Stolpersteine,
gefĂŒhrt mit starker Disziplin und Liebe.
Oft ließ das Schicksal dich alleine,
als aufgeriebnes RĂ€dchen im Getriebe.

Ein Arme-Leute-Kind zur Kaiserzeit,
und das Jahrhundert ist wie du sehr jung.
Der erste Weltkrieg scheint unglaublich weit -
da bleibt vom Vater nur Erinnerung.

Dein erster Freund – im Krieg vermisst auf See,
schon wieder hat das Schicksal zugeschlagen.
Auch diesmal tut dein Herz entsetzlich weh,
zum zweiten Mal musst du Verlust ertragen.

Du ignorierst der Welten Kapriolen,
genießt bald Ehe und auch MutterglĂŒck.
Du widersetzt dich WillkĂŒr und Parolen -
dann bröckelt dieses Leben StĂŒck fĂŒr StĂŒck.

                Schöne Tage - nicht weinen, dass sie vergangen,
                sondern lĂ€cheln, dass sie gewesen.


Denn plötzlich geht es nur ums Überleben,
der Luftschutzkeller wird NormalitÀt.
Von blanker Todesangst bist du umgeben,
dein Mann im Feld; ein Kind, das schon versteht.

Aus TrĂŒmmerbergen, BombennĂ€chten
gibts keine andre Möglichkeit als Flucht.
Du haderst mit den bösen MÀchten,
hast dir das enge Dorf nicht ausgesucht.

                Und immer wenn du denkst es geht nicht mehr,
                dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her.


Ein langes Jahr musst du in Sorge warten,
dann kommt dein Mann vom schweren Weg zurĂŒck.
Nach Hungerwinter, vielen Suchdienstkarten
gelingt ein kurzes familiĂ€res GlĂŒck.

Auf Arbeitssuche irgendwo im Westen
ereilt den Mann ein mörderischer Überfall.
Du fragst: Warum nur trifft es stets die Besten?
So endet deine Ehe mit Pistolenknall.

                Doch alle Schuld rĂ€cht sich auf Erden.

Die guten Zeiten hast du oft beschworen,
die alte Heimat blieb fĂŒr immer fern,
doch niemals deinen Lebensmut verloren,
du sangst und lachtest trotz des Kummers gern.

                Dort wo man singt, da lass dich ruhig nieder,
                denn böse Menschen haben keine Lieder.


Noch viele Jahre hast du durchgestanden,
trotz Krankheit, Geld- und großer Seelennot,
bis deine KrÀfte mit fast neunzig schwanden.
Was du mir gabst, trag ich im Herzen bis zum Tod.


(fĂŒr Lotte)



Version vom 17. 09. 2019 11:13

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